Tolstoi | Aëlita | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 275 Seiten

Reihe: Science Fiction & Fantasy bei Null Papier

Tolstoi Aëlita

Science-Fiction Roman
Überarbeitete Fassung
ISBN: 978-3-96281-591-2
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Science-Fiction Roman

E-Book, Deutsch, 275 Seiten

Reihe: Science Fiction & Fantasy bei Null Papier

ISBN: 978-3-96281-591-2
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Enttäuscht von der Menschheit sucht der Ingenieur Lossj sein Heil in der Raumfahrt. Mit einer selbst gebauten Rakete fliegt er zum Mars. Dort trifft er auf menschenähnliche Wesen. Doch welche Enttäuschung: Auch auf dem Mars gibt es eine von den Herrschenden unterdrückte Klasse. Lossj, der den Marsianern die Revolution bringen will, verliebt sich in Aëlita, die Tochter des Marsdiktators Tuskub. Doch dieser ist gewarnt und plant einen Mordanschlag auf Lossj. Ein klassisches Werk der sowjetischen fantastischen Literatur. Null Papier Verlag

Alexei (Nikolajewitsch Graf) Tolstoi (10.01.1883-23.02.1945) war ein russisch-sowjetischer Schriftsteller. Sein heute bekanntestes und immer wieder neu aufgelegtes Buch ist 'Das goldene Schlüsselchen oder die Abenteuer des Burattino', seine Nacherzählung des italienischen Kinderbuchklassikers 'Pinocchio'. Während des Ersten Weltkrieges ist er als Kriegsberichterstatter in England und Frankreich unterwegs und schreibt Berichte und Reportagen über seinen Erlebnisse. Er gilt als einer der ersten Science-Fiction-Autoren seiner Sprache.
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In Lossj’ Werkstätte.


Skiles trat in einen schlechtgepflasterten Hof, auf dem Haufen verrosteten Eisens und leere Zementfässer herumlagen. Auf den Schutthaufen wuchs zwischen Drahtgewirr und zerbrochenen Maschinenteilen spärliches Gras. In der Tiefe des Hofes erhob sich ein hoher Schuppen, dessen staubige Fenster das Abendrot spiegelten. Eine kleine Tür im Schuppen stand halb offen, und auf der Schwelle hockte ein Arbeiter, der in einem kleinen Eimer rotbraune Mennige anrührte. Auf die Frage Skiles’, ob er den Ingenieur Lossj sprechen könne, wies der Arbeiter mit einer Kopfbewegung ins Innere des Schuppens. Skiles trat ein.

Über einem mit Plänen und Büchern bedeckten Tisch brannte in einem Blechschirm eine elektrische Lampe. In der Tiefe des Schuppens erhob sich bis zur Decke ein Gerüst. Daneben brannte in einer Schmiedeesse Feuer, das ein anderer Arbeiter mit einem Blasebalg anfachte. Zwischen den Balken des Gerüsts funkelte die metallische, dicht mit Nieten bedeckte Oberfläche eines sphärischen Körpers. Durch das offene Tor sah man die blutroten Streifen im Westen und die vom Meere aufsteigenden Wolken.

Der Arbeiter am Blasebalg sagte leise:

»Es ist wer zu Ihnen, Mstislaw Ssergejewitsch.«

Hinter dem Gerüst trat ein kräftig gebauter Mann von mittlerem Wuchs hervor. Seine dichten Haare waren weiß wie Schnee; das Gesicht jugendlich, glattrasiert, mit einem schönen, großen Mund und durchdringenden, hellen, unbeweglichen Augen, die dem Gesicht vorauszufliegen schienen. Er trug ein schmutziges, an der Brust offenes Hemd aus grober Leinwand und eine geflickte, mit einem gewöhnlichen Strick umgürtete Hose. In der Hand hielt er eine schmierige, zerrissene Werkzeichnung. Als er sich dem Amerikaner näherte, wollte er das Hemd an der Brust zuknöpfen, aber es war kein einziger Knopf daran.

»Sie kommen auf die Annonce? Sie wollen mitfliegen?« fragte er mit dumpfer Stimme und zeigte Skiles einen Stuhl unter der Lampe. Dann setzte er sich ihm gegenüber, warf die Zeichnung auf den Tisch und begann sich die Pfeife zu stopfen. Das war der Ingenieur M. S. Lossj.

Während er mit gesenkten Augen die Pfeife anzündete, beleuchtete das Streichholz von unten sein derbes Gesicht mit zwei bitteren Falten an den Mundwinkeln, die weiten Nasenlöcher und die langen, dunklen Wimpern. Skiles war mit dem ersten Eindruck zufrieden. Er erklärte, dass er nicht die Absicht habe, zu fliegen, aber die Annonce auf dem Prospekt der Morgenröte gelesen habe und es für seine Pflicht halte, seine Leser mit einem so außergewöhnlichen und sensationellen Projekt einer interplanetarischen Verbindung bekanntzumachen. Lossj hörte ihm zu, ohne seine unbeweglichen, hellen Augen von ihm zu wenden.

»Schade, dass Sie nicht mitfliegen wollen, schade«, sagte er und schüttelte den Kopf. »Die Leute meiden mich wie einen Wahnsinnigen. In vier Tagen verlasse ich die Erde und kann noch immer keinen Reisegenossen finden.« Er rieb ein neues Streichholz an, ließ eine Rauchwolke aufsteigen und fragte: »Was wünschen Sie für Daten?«

»Die wichtigsten Züge Ihrer Biografie.«

»Das kann niemand interessieren«, erwiderte Lossj. »Nichts von Belang. Ich habe fast keine Schule besucht, musste vom zwölften Jahre an selbst verdienen. Jugend, Lehrjahre, Armut, Arbeit, Dienst – während der ganzen fünfunddreißig Jahre nichts, was Ihre Leser interessieren könnte, nichts Bemerkenswertes, außer …« Lossj streckte die Unterlippe vor, runzelte die Stirn, die Falten an den Mundwinkeln traten plötzlich besonders deutlich hervor. »Nun, also … An dieser Maschine« – er wies mit der Pfeife aufs Gerüst – »arbeite ich schon lange. Habe mit dem Bau vor einem Jahr begonnen. Genügt das?«

»In wie viel Monaten ungefähr gedenken Sie die Strecke zwischen der Erde und dem Mars zurückzulegen?« fragte Skiles, auf die Spitze seines Bleistifts blickend.

»In neun oder zehn Stunden, ich glaube kaum, dass es mehr wird.«

Skiles versetzte darauf: »Aha«, errötete, und seine Backenknochen zuckten. »Ich wäre Ihnen sehr verbunden«, sagte er mit einschmeichelnder Höflichkeit, »wenn Sie mehr Vertrauen zu mir hätten und mehr Ernst für unser Interview zeigten.«

Lossj legte beide Ellbogen auf den Tisch und hüllte sich in eine Rauchwolke, durch die seine Augen funkelten.

»Am achtzehnten August nähert sich der Mars der Erde auf vierzig Millionen Kilometer«, sagte er, »und diese Entfernung muss ich zurücklegen. Woraus besteht sie? Erstens aus der Höhe der Erdatmosphäre – fünfundsiebzig Kilometer. Zweitens aus der interplanetarischen Strecke im luftleeren Räume – vierzig Millionen Kilometer. Drittens aus der Höhe der Marsatmosphäre – sechzig Kilometer. Für meinen Flug sind nur diese hundertfünfunddreißig Kilometer Luft von Belang.«

Er stand auf und steckte die Hände in die Hosentaschen; sein Kopf verschwand im Schatten und Rauch, beleuchtet waren nur die offene Brust und die behaarten Arme mit den über die Ellbogen aufgekrempelten Ärmeln.

»Unter Flug versteht man gewöhnlich den Flug eines Vogels, eines fallenden Blattes, eines Aeroplans. Das ist aber kein Flug, sondern ein Segeln durch die Luft. Reiner Flug ist der Fall, bei dem der Körper sich nur unter der Wirkung einer ihn stoßenden Kraft bewegt. Ein Beispiel dafür ist die Rakete. In einem luftleeren Räume, wo es für den Flug keinen Widerstand gibt, wird sich die Rakete mit einer ständig anwachsenden Geschwindigkeit fortbewegen – ich kann dort offenbar auch die Lichtgeschwindigkeit erreichen, wenn mich die magnetischen Einflüsse nicht stören. Mein Apparat ist nämlich nach dem Prinzip der Rakete gebaut. In der Atmosphäre der Erde und des Mars werde ich hundertfünfunddreißig Kilometer zu durchfliegen haben. Mit dem Aufstieg und dem Abstieg wird es anderthalb Stunden dauern. Eine Stunde brauche ich, um aus dem Bereich der Anziehungskraft der Erde zu kommen. Im luftleeren Raum kann ich mit einer beliebigen Geschwindigkeit fliegen. Aber ich habe mit zwei Gefahren zu rechnen: bei einer übermäßigen Beschleunigung können erstens die Blutgefäße platzen; zweitens, wenn ich mit der kolossalen Geschwindigkeit in die Marsatmosphäre hineinfliege, kann der Anprall gegen die Luft so stark sein, wie wenn ich in Sand stieße. Der Apparat kann sich mit...



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