Svendsen | Philosophie der Einsamkeit | Buch | 978-3-7374-1326-8 | www2.sack.de

Buch, Deutsch, Band 1, 296 Seiten, Format (B × H): 204 mm x 130 mm, Gewicht: 422 g

Reihe: Neue Philosophie

Svendsen

Philosophie der Einsamkeit

Aus dem Norwegischen von Daniela Stilzebach
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7374-1326-8
Verlag: Berlin University Press

Aus dem Norwegischen von Daniela Stilzebach

Buch, Deutsch, Band 1, 296 Seiten, Format (B × H): 204 mm x 130 mm, Gewicht: 422 g

Reihe: Neue Philosophie

ISBN: 978-3-7374-1326-8
Verlag: Berlin University Press


Was ist Einsamkeit? Ein Produkt der anonymen Massengesellschaft oder Teil des menschlichen Wesens? Wie und warum entsteht dieses quälende Bedürfnis nach Verbundenheit mit Anderen und worauf weist es hin? Gibt es einen Unterschied zwischen guter und schlechter Einsamkeit? Kann der Mensch vielleicht sogar die beste Zeit seines Lebens dann haben, wenn er allein ist? Mit der Suche nach Antworten auf jene drängenden Fragen unseres modernen Lebens hat sich Lars Svendsen der Erforschung eines Phänomens angenommen, das zwar jeden Mensch betrifft, jedoch nur selten wirklich hinterfragt wird. Die Schlussfolgerungen, zu denen er dabei gelangt, sind ebenso überraschend wie brisant – jenseits scheinbarer Gewissheiten muss er feststellen: »Ich habe noch nie mit einem Thema gearbeitet, bei dem die Vermutungen, mit denen ich zu Werke schritt, in diesem Maße wiederlegt wurden.«

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EINLEITUNG

1_DAS WESEN DER EINSAMKEIT
2_EINSAMKEIT ALS GEFÜHL
3_WER SIND DIE EINSAMEN?
4_EINSAMKEIT UND VERTRAUEN
5_EINSAMKEIT, FREUNDSCHAFT UND LIEBE
6_INDIVIDUALISMUS UND EINSAMKEIT
7_DIE GUTE EINSAMKEIT
8_EINSAMKEIT UND VERANTWORTUNG


Nahezu alles, was ich glaubte, über Einsamkeit zu wissen, hat sich als falsch erwiesen. Ich nahm an, dass mehr Männer als Frauen einsam seien, und dass die Einsamen mehr allein seien als andere. Die starke Zunahme der Anzahl Alleinlebender würde große Auswirkungen auf die Anzahl Einsamer haben, dachte ich. Ich glaubte, soziale Medien würden mehr Einsamkeit erzeugen, indem sie die übliche Sozialität verdrängten. Obwohl es sich um ein subjektives Phänomen handelt, glaubte ich, Einsamkeit sei vielmehr aus dem sozialen Umfeld der Individuen heraus zu verstehen als ausgehend von ihren individuellen Dispositionen. Ich glaubte, die skandinavischen Länder hätten ein hohes Niveau an Einsamkeit und dieses würde ansteigen. Des Weiteren nahm ich an, ein solcher Anstieg sei dem spätmodernen Individualismus geschuldet und das Einsamkeitsniveau individualistischer Gesellschaften sei höher als jenes kollektivistischer.
Ich habe noch nie mit einem Thema gearbeitet, bei dem die Vermutungen, mit denen ich zu Werke schritt, derart widerlegt wurden. Vorstellungen dieser Art sind weit verbreitet. Sie können als Standardbild bezeichnet werden, das uns die Massenmedien vermitteln, wo zum Beispiel das Wort »Einsamkeitsepidemie« häufig verwendet wird: Eine Google-Suche nach »Loneliness + Epidemic« ergibt in schreibender Stunde beinahe 400.000 Treffer. Allerdings liefern uns diese Darstellungen ein stark irreführendes Bild vom Problem der Einsamkeit. Es ist schwer zu erkennen, dass es eine andere »Einsamkeitsepidemie« gibt, als jene die auftaucht, wenn man nach der Häufigkeit des Begriffs »Einsamkeit« in den Massenmedien sucht, wo seit Jahren ein starker Anstieg zu verzeichnen ist. Der Einsamkeit wird immer mehr Aufmerksamkeit gewidmet, was aber nicht bedeutet, dass die Einsamkeit, der diese Aufmerksamkeit zuteilwird, zugenommen hat.
Die Behauptung, dass Einsamkeit für den Betroffenen ein ernsthaftes Problem sein kann, ist ungefähr das Einzige, was stimmt. Einsamkeit hat enorme Konsequenzen für die Lebensqualität vieler Menschen, für ihre physische sowie psychische Gesundheit. Allerdings ist es schwer darüber zu sprechen, weil das Thema so mit Scham belegt ist. Gleichzeitig können wir unsere besten Stunden dann haben, wenn wir allein sind. Die Einsamkeit sagt viel über uns selbst und unseren Platz in der Welt aus. Dieses Buch ist das Ergebnis meines Versuchs herauszufinden, was Einsamkeit eigentlich ist, wer von Einsamkeit betroffen ist, warum das Gefühl von Einsamkeit entsteht, andauert und verschwindet, und wie man sich als Individuum sowie als Gesellschaft gegenüber der Einsamkeit verhalten kann.

Ein allen Menschen gemeinsames Phänomen Ich brauche Ihnen nicht zu erklären, wie das Gefühl von Einsamkeit erlebt wird. Sie kennen es aus Ihrer Kindheit, von einem Tag, an dem Sie vollkommen sich selbst überlassen waren und dachten, alle anderen haben jemanden zum Spielen; von einem Abend, an dem Sie mutterseelenallein waren und gern jemanden bei sich gehabt hätten; von der Feier, auf der Sie kaum jemanden kannten und allein herumstanden, während Sie von Leuten umgeben waren, die geschäftig miteinander kommunizierten; von der Nacht, in der Sie neben Ihrem Partner lagen, wohl wissend, dass die Beziehung in Wirklichkeit vorüber war, und von der leeren Wohnung, nachdem der einstige Partner diese das letzte Mal verlassen hatte.
Zu lieben hat immer einen Preis und Einsamkeit ist ein Teil dieses Preises. Jeder, der jemanden mag oder liebt, wird von Einsamkeit eingeholt, wenn derjenige, den er mag oder liebt, nicht mehr da ist, weil die geliebte Person ihn physisch oder emotional verlassen hat. Sie können stets versuchen, sich unverwundbar zu machen, indem Sie keine engen Bindungen zu anderen knüpfen, aber der Preis dafür ist eine noch größere Einsamkeit. In der Einsamkeit sind Sie auf bedeutungsvolle Weise von anderen losgerissen und dadurch sind Sie auch von sich selbst losgerissen, von wichtigen Seiten Ihres Selbst, die nur existieren und sich entwickeln können, wenn Sie Bindungen zu anderen haben. Stendhal schreibt, dass der Mensch in der Einsamkeit alles erwerben kann - abgesehen von Charakter.' Es ist jedoch mehr als nur Charakter, was man nicht allein erwerben kann. Im Grunde genommen kann man ganz allein kein Mensch werden. Es ist die Bindung an andere und die Erfahrungen, die man mit ihnen macht, die einen überhaupt erst menschlich machen. C. S. Lewis schreibt: »So bald wir bei vollem Bewusstsein sind, entdecken wir die Einsamkeit. Wir brauchen andere physisch, gefühlsmäßig, intellektuell; wir brauchen sie, wenn wir irgendetwas begreifen wollen, uns selbst inbegriffen.« Aber wir brauchen nicht nur andere. Wir bedürfen auch, von anderen gebraucht zu werden.
Man kann inmitten einer Menschenmenge oder allein zu Hause einsam sein, inmitten der Natur oder in einer leeren Kirche. Es gibt unzählige Lieder über die Einsamkeit, aber keines scheint ihr Wesen so gut einzufangen wie »All is loneliness«, mit seiner repetitiven und zermürbenden Tristesse. Der Titel stammt aus der Feder des blinden und obdachlosen New Yorker Künstlers Moondog (1916-1999). Er schrieb das Lied, während er in einem Treppenaufgang in Manhattan saß, mitten in einer der am dichtesten bevölkerten Städte des Planeten. Wie Georg Simmel in seinem Essay über Großstädte und das Geistesleben betont, gibt es kaum einen Ort, an dem man sich so einsam fühlen kann wie in der Großstadt. Er hebt hervor, dass Einsamkeit nicht auf die Abwesenheit der Gemeinschafthinweist, sondern vielmehr auf ein unerfülltes Ideal von Gemeinschaft. + Wären wir keine sozialen Wesen, gäbe es keine Einsamkeit. Gerade weil wir soziale Wesen sind, ist es besonders einsam, sich in einem sozialen Raum zu befinden, in dem man niemandem angeschlossen ist. Den gleichen Aspekt spricht Tocqueville bereits in den 1830er Jahren in seinen Studien der Demokratie in Amerika an. In einem Brief schreibt er, dass die Einsamkeit in der Wüste weitaus weniger belastend ist, als die Einsamkeit, die man unter Menschen erleben kann.' Das öde Bild der Großstadt wird gut in einem Cartoon illustriert, der 2004 in The New Yorker erschien. Er zeigt einen Straßenverkäufer mit einem Schild, dessen Aufschrift lautet: »Augenkontakt $ 1.00.«. In der Großstadt gibt es Einsamkeit, aber nicht nur dort. Überall dort, wo es Menschen gibt, gibt es Einsamkeit und es sieht nicht danach aus, dass es in der Großstadt mehr davon gibt als in kleineren Städten oder entlegenen Gebieten.


Stilzebach, Daniel
Daniela Stilzebach, Studium der Kommunikations und Medienwissenschaft, Psychologie und Kulturwissenschaften an der Universität Leipzig; Studium der nordischen Sprachen und Literatur an der Universität Bergen/Norwegen; langjährige Berufserfahrung im Bereich Presse und Öffentlichkeitsarbeit, Redaktion sowie Übersetzungen aus dem Norwegischen, Dänischen und Schwedischen.

Svendsen, Lars Fredrik Händler
Lars Fredrik Händler Svendsen (geb.1970) ist Philosoph und Professor für Philosophie an der Universität Bergen. Seine Werke, darunter auch die „Kleine Philosophie der Langeweile“ (2002), wurde bereits in 26 Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 2008 mit dem Meltzerpreis für hervorragende Forschung und Forschungsvermittlung. 2012 untersuchte er Andreas Behring Breiviks sogenanntes Manifest nach den dahinter liegenden ideologischen Inspirationsquellen.



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