E-Book, Deutsch, Band 40, 272 Seiten, Format (B × H): 148 mm x 225 mm
Reihe: Postcolonial Studies
Eine Austreibung aus der neokolonialen Sprachlosigkeit
E-Book, Deutsch, Band 40, 272 Seiten, Format (B × H): 148 mm x 225 mm
Reihe: Postcolonial Studies
ISBN: 978-3-8394-5115-1
Verlag: transcript
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Die Sansibarzone ist eine Chiffre für einen Raum, in dem Sprache ins Leere läuft. Die Formationen des Konsums und der Sprachlosigkeit treffen wir längst in sehr vielen Kontexten an, die unsere Begegnungen mit anderen, unser Erleben von Welt und unser Sprechen gleichermaßen kennzeichnen – im Tourismus, an den Nicht-Orten des Alltags, aber auch in der akademischen Arbeitswelt selbst, etwa der Linguistik. Obgleich es sich um triviale Erfahrungen und Wirklichkeiten handelt, erscheint uns eine kritische Auseinandersetzung damit äußerst wichtig. Sie zielt nicht nur auf eine Kritik der Konsumierung von Welt, sondern vor allem auch auf eine die reflektierte Auseinandersetzung mit einer Wissenschaft, die sich diesen entsprechenden Fragen nur im Hinblick auf die Anderen stellt, nicht jedoch, in dem sie ihre eigene Perspektive und Praxis prüft. Anstelle also nur die Konsumwelten und vermeintlichen Sprachlosigkeiten der postkolonialen Anderen zu erkunden und zu beschreiben, wird in der Sansibarzone die Frage danach gestellt, was eigentlich die Sprachlosigkeit der Linguistik in all dem mitteilt. Damit besitzt das Buch mehrere Ebenen, auf denen es sich mit Entfremdung, Enteignung, Verstummen und Lärm auseinandersetzt.
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Das Buch eröffnet neue Zugänge zu Gespräch und Expertentext, Linguistik und Konsum, Sprache und Mobilität. Es beschreibt, wie Fragen an das Banale gestellt werden können, aus deren Beantwortung sich eine genauere Sicht auf die tief in unsere Diskurslandschaften eingedrungenen imperialen, neokolonialen Formationen gewinnen lässt. Dabei stellt das Buch auch etablierte Gewissheiten zur Disposition und fragt nach den Möglichkeiten eines Hinausgehens aus dem Regelwerk des wissenschaftsbürokratischen Apparats. Es thematisiert dabei die Dauer von Kolonialismus und Ausbeutung gerade auch im Hinblick auf das, was weniger in den Blick fällt, aber umso allgegenwärtiger erscheint – die Einsamkeit, Entfremdung und Lieblosigkeit.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Die aktuellen Debatten um postkoloniale Kritik und die Dekolonisierung der Akademia (wie z.B. der Sprachwissenschaft) sind unter anderem auch stark gekennzeichnet von einer bestimmten Medialisierung, die ihre Inhalte mitformt. In unserem Buch über die Sansibarzone hinterfragen wir die Mechanismen der Positionierung und der Statements, interessieren uns dafür, wer wir eigentlich sind auf unseren Reisen im globalen Koordinatensystem aus Nord und Süd, und was Sprache dabei sein könnte. Kritisch reflektiert werden dabei auch Ansätze, die Sprache als Medium der Selbstverwirklichung begreifen. Dabei werden Begrifflichkeiten der Sehnsucht nach der Insel, den Tropen, dem Strand genauer betrachtet und in ihrer Wirkmächtigkeit erkundet. Mit seinen vielschichtigen Beobachtungen einer touristifizierten, zum Konsum bereitgestellten Welt schließt das Buch an aktuelle soziolinguistische Debatten ebenso an wie an Fragen einer reflektierten Kulturwissenschaft.
4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit den Leuten am Strand von Paje auf Sansibar, die dort als Strandverkäuferinnen und Beach Boys arbeiten und vielleicht einmal mit jemandem auf Sylt oder einer Kollegin in Kairo.
5. Ihr Buch in einem Satz:
Die Sansibarzone erzählt von einer Reise und deren Endlosigkeit.