E-Book, Deutsch, 350 Seiten
Richter Erzählweisen des Körpers
2. Auflage 2011
ISBN: 978-3-647-40176-8
Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
Format: PDF
Kopierschutz: 0 - No protection
Kreative Gestaltarbeit in Therapie, Beratung, Supervision und Gruppenarbeit
E-Book, Deutsch, 350 Seiten
ISBN: 978-3-647-40176-8
Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
Format: PDF
Kopierschutz: 0 - No protection
Kurt F. Richter (1943-2009), Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut, Supervisor und Coach, war 35 Jahre lang Dozent und Leiter des Fachbereichs »Psychotherapie und Beratung« an der Akademie Remscheid sowie Gründer und Leiter des Remscheider Instituts für Kompetenzentwicklung und Coaching (Rike).
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Weitere Infos & Material
1;Cover ;1
2;Titelseite;4
3;Copyright;5
4;Inhalt;6
5;Vorwort von Anke Kirchhof-Knoch;10
6;Einleitung;19
7;I. Das Konzept Kreativer Gestaltarbeit ;24
7.1;Lebensbewältigung: Auf dem Wege zu einer Kreativitäts- und Kulturtherapie;26
7.2;Kreative Gestaltarbeit: Von den Phänomenen zu den Strukturen;37
7.3;Ziele, Wege und Wirkungsmöglichkeiten der Kreativen Gestaltarbeit;42
7.4;Ziele;42
7.5;Die fünf Wege der Entfaltung;43
7.6;Wirkungsfaktoren in Therapie und Beratung;46
8;II. Die Methoden Kreativer Gestaltarbeit ;50
8.1;Grundlagen und Hintergründe;52
8.2;Persönlichkeitstheorie;53
8.3;Kommunikation und Beziehung;57
8.4;Entwicklungspsychologie;59
8.5;Gesundheit und Krankheit;61
8.6;Aspekte des Schöpferischen: Kreativität, Symbolisierung, Sphären des Analogen;70
8.7;Von den Methoden zu den Interventionen;79
8.8;Zur Praxeologie der Kreativen Gestaltarbeit;79
8.9;Diagnostik in der Kreativen Gestaltarbeit;80
8.10;Beziehungsgestaltung und Beziehungssystem;93
8.11;Prozess und Verlauf;100
8.12;Modalitäten der Gestaltarbeit;115
8.13;Vom Flächen und Tiefen zum Weiten;116
8.14;Gestaltarbeit in Gruppen;121
8.15;Intervenieren;127
8.16;Gestaltarbeit mit Polaritäten;143
8.17;Methodisches Konzept der Arbeit mit Polaritäten;144
8.18;Allgemeine Arbeitsschritte bei der Auswertung von Polaritätenübungen;145
9;III. Kreative Medien in der Gestaltarbeit;148
9.1;Was sind kreative Medien?;150
9.2;Medien wirken;151
9.3;Kreative Medien und die Sinne;153
9.4;Kreative Medien und Leiblichkeit;154
9.5;Kreative Medien und Entwicklungsphasen;154
9.6;Intermedialität;155
9.7;Kreative Medien und Kunst;156
9.8;Körperarbeit und Bewegungserfahrung;159
9.9;Der Körper, den ich habe, und der Leib, der ich bin;159
9.10;Methoden, Techniken und Experimente – Zugangsweisen zur Körperarbeit . .;163
9.11;Analoge Körperarbeit und symbolische Interaktion;187
9.12;Die leibzentrierte Fokussierung;196
9.13;Skulpturieren, Modellieren, Statuenarbeit;198
9.14;Imagination und Fantasie;206
9.15;Die Kraft der Vorstellung;206
9.16;Gestalt-Traumarbeit;209
9.17;Fantasiereisen;211
9.18;Übungen und Experimente;214
9.19;Gestalten im visuellen Raum;232
9.20;Bildnerisches Gestalten (Malen);232
9.21;Collagen;266
9.22;Arbeiten mit Ton und Modelliermasse;268
9.23;Arbeiten mit verschiedenen Materialien;283
9.24;Maskenbau und Maskenspiel;288
9.25;Sprachgestalten: Arbeiten mit Texten und Poesie;299
9.26;Lebenstext;299
9.27;Techniken, Experimente, Übungen;301
9.28;Musik in der Kreativen Gestaltarbeit;311
9.29;Rituale und kreative Medien;314
10;IV. Neue Entwicklungen in der Gestaltarbeit (Anke Kirchhof-Knoch);320
10.1;Die Integration von Erfahrungswissen und Methoden indigener Heiler (Schamanen) in die Gestaltarbeit mit Trancezuständen;322
10.2;Die Integration von Methoden der systemischen Therapie in die Gestaltarbeit;329
10.3;Gestalttraumatherapie;333
10.4;Der aktuelle Stand der Gestalttherapie;337
11;Anhang: Übersicht über alle Übungen und Experimente;339
12;Literatur;346
13;Back Cover;354
(S. 321-322)
Es ist eine heikle Angelegenheit, sich dem Thema der Integration des Erfahrungswissens und der Methoden indigener Heiler, sogenannter Schamanen, in die therapeutische Arbeit zuzuwenden. Schnell entsteht der Verdacht esoterischer Heilsversprechen, wie sie vielfach von selbsternannten Heilern ohne psychotherapeutische oder medizinische Kenntnisse verkündet werden. Ähnlich schwierig ist es mit dem Begriff der Spiritualität, der eng verknüpft ist mit dieser Thematik.
Aus der lateinischen Sprache übersetzt, wo »Spiritus« Hauch, Atem, Geist bedeutet, wird das Wort Spiritualität fälschlicherweise häufig mit Religiosität gleichgesetzt. »Unsere europäische patriarchale Kultur verwechselt Religion mit Spiritualität […] Das Aufkommen religiösen Denkens durch die Verteidigung dessen, was ›wahr‹ ist, und die Unwirksammachung dessen, was ›falsch‹ ist, hat uns blind gemacht für die emotionalen Beweggründe unserer Handlungen und dadurch für unsere eigene Verantwortung unseren Handlungen gegenüber« (H. Maturana u. G. Verden-Zöller, 1997, S. 56).
Grundlage unserer Handlungen sollten emotionale Beweggründe sein, die zu vernünftigen Entscheidungen führen und in verantwortlichem Handeln münden. Verantwortliches Handeln als erwachsener, autonomer Mensch ist ebenso das Ziel gestalttherapeutischer Interventionen. Ebenso ist es das Ziel, gegen Entfremdungsgefühle Emotionen bewusst wahrzunehmen.
Die Realität fühlend wahrzunehmen und dadurch eine innere Haltung der Achtsamkeit gegenüber dem Leben, den Menschen, den Pflanzen, den Tieren, der Natur, der Erde zu entwickeln und entsprechend verantwortungsbewusst zu handeln, Wachstum und Entwicklung nur in Vereinbarung mit dem Erhalt und dem Schutz der Erde zuzulassen, das ist eine mögliche Definition des Begriffs Spiritualität, wenn er nicht im eurozentristisch-christlichen Sinne gebraucht wird, sondern kulturunabhängig Gültigkeit erlangen soll.
Jakob von Uexküll, der Begründer des als »Alternativer Nobelpreis« bezeichneten »Right Livelihood Award«, möchte mit der Auswahl der Preisträger verdeutlichen, dass sich Ethik, Spiritualität und Politik verbinden müssen. In einer Radiosendung des Bayerischen Rundfunks führt er diesen Gedanken aus. Demnach gibt es in uns ein inneres Wissen um eine andere mögliche Welt. Gemeint sind Wissenserfahrungen, die wir ausgeschlossen haben, als nicht real bezeichnet haben, weil sie nicht an weißen Mäusen in Laboratorien nachvollzogen wurden.
»Wir müssen Freiraum haben für diese Erfahrungen an uns selbst. Dann merken wir, dass wir Teile einer größeren Einheit sind. Das ist gleichzeitig eine spirituelle Erfahrung und gleichzeitig ist es etwas sehr Rationales. Eine bessere Zukunft braucht eine neue Moral und Menschen, die sie leben.« Mitgefühl ist diesem Verständnis nach der zentrale spirituelle Wert. Das ist keine Spiritualität, mit der man sich von der Welt abwendet, Spiritualität heißt nicht, sich nur um sich selbst zu kümmern, sondern zugleich um die Gesellschaft, um die Umwelt, um einen guten Umgang mit der Vergangenheit und mit kommenden Generationen (G. von Lüpke, 2005).
Aktualisiert und ergänzt von Anke Kirchhof-Knoch.




