E-Book, Deutsch, 286 Seiten
Ein Programm zur Förderung emotionaler und sozialer Kompetenzen
E-Book, Deutsch, 286 Seiten
ISBN: 978-3-8409-2931-1
Verlag: Hogrefe Publishing
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Zunächst lernen die Kinder, ihre eigenen Gefühle und die Gefühle anderer besser wahrzunehmen und zu verstehen. Zudem üben sie, wie unangenehme Gefühle (z.B. Wut) angemessen bewältigt werden können. In der nächsten Stufe lernen die Kinder eine eigenständige Konfliktbewältigung mittels eines Problemlöseplans und anhand von praktischen Übungen zur sozialen Kompetenz. In der abschließenden Trainingsstufe werden die Kinder beim Aufbau von Wertmaßstäben im Hinblick auf Fairness, Selbstverantwortung und Zivilcourage unterstützt, der Aufbau prosozialen Verhaltens wird systematisch gefördert. Die Stärken des Programms liegen in der wissenschaftlichen Fundierung der Trainingsinhalte und der motivierenden Gestaltung des umfangreichen Trainingsmaterials, wie zum Beispiel dem spannenden Hörspiel „Abenteuer auf Duesternbrook“, in dem vier Kinder eine geheimnisumwitterte Burg erkunden. Die Neubearbeitung berücksichtigt aktuelle Forschungsergebnisse zu sozialen und emotionalen Kompetenzen sowie die Anwendung des Programms in inklusiven Bildungssystemen. Die vielfältigen Arbeitsmaterialien des Programms sind auf der beigelegten DVD verfügbar.
Zielgruppe
Lehrkräfte in Grundschulen, Pädagogen, Mitarbeiter in pädagogischen Einrichtungen
Autoren/Hrsg.
Fachgebiete
- Sozialwissenschaften Pädagogik Pädagogik Pädagogische Psychologie
- Sozialwissenschaften Pädagogik Schulen, Schulleitung Grundschulen, Hauptschulen
- Sozialwissenschaften Psychologie Allgemeine Psychologie Entwicklungspsychologie Pädagogische Psychologie
- Sozialwissenschaften Pädagogik Lehrerausbildung, Unterricht & Didaktik Allgemeine Didaktik Grundschuldidaktik
- Sozialwissenschaften Psychologie Psychotherapie / Klinische Psychologie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie
- Sozialwissenschaften Pädagogik Teildisziplinen der Pädagogik Sozialpädagogik
- Sozialwissenschaften Soziologie | Soziale Arbeit Soziale Arbeit/Sozialpädagogik Soziale Arbeit/Sozialpädagogik: Familie, Kinder, Jugendliche
Weitere Infos & Material
1;Verhaltenstraining in der Grundschule;1
1.1;Vorwort;7
1.2;Inhaltsverzeichnis;11
1.3;1 Prävention von Verhaltensproblemen im inklusiven Bildungssystem;15
1.4;2 Trainingsbereich: Emotionale Kompetenz;20
1.4.1;2.1 Was versteht man unter emotionaler Kompetenz?;20
1.4.2;2.2 Wie regulieren Kinder ihre Emotionen?;23
1.4.3;2.3 Welche Defizite im Bereich emotionaler Kompetenz zeigen Kinder mit problematischem Sozialverhalten?;24
1.5;3 Trainingsbereich: Soziale Kompetenz;27
1.5.1;3.1 Was versteht man unter sozialer Kompetenz?;27
1.5.2;3.2 Wie ist der Zusammenhang zwischen emotionalen und sozialen Kompetenzen?;31
1.6;4 Trainingsbereich: Moralische Entwicklung;34
1.6.1;4.1 Was versteht man unter Moral?;34
1.6.2;4.2 Wie entwickelt sich moralisches Verhalten?;34
1.6.3;4.3 Welche Rolle spielt Moral in sozialen Interaktionen?;39
1.6.4;4.4 Wie fördert man die Moralentwicklung?;40
1.7;5 Kooperation mit den Eltern;43
1.7.1;5.1 Öffentlichkeitsarbeit;43
1.7.2;5.2 Elternabende und Elternbriefe;44
1.8;6 Konzeption und Aufbau;52
1.8.1;6.1 Zielgruppe;52
1.8.2;6.2 Durchfu?hrung des Trainings;52
1.8.3;6.3 Trainingssetting;53
1.8.4;6.4 Ziele des Verhaltenstrainings;54
1.8.5;6.5 Aufbau des Trainings;55
1.8.6;6.6 Das Hörspiel „Abenteuer auf Duesternbrook“ als Rahmen des Trainings;59
1.8.7;6.7 Aufbau der Trainingseinheiten;61
1.8.8;6.8 Umgang mit den Materialien;61
1.9;7 Trainingseinheiten;69
1.9.1;7.1 Trainingsbereich: Emotionale Kompetenz;69
1.9.2;7.2 Trainingsbereich: Soziale Kompetenz;147
1.9.3;7.3 Trainingsbereich: Eigen- und Sozialverantwortung;198
1.10;8 Festigung und längerfristige Stabilisierung der Trainingseffekte;254
1.11;9 Ergebnisse zur Effektivität des Verhaltenstrainings in der Grundschule;256
1.11.1;9.1 Erste Studie: Kurzfristige Effektivität;256
1.11.2;9.2 Zweite Studie: Mittelfristige Effektivität;259
1.12;Literatur;263
1.13;Anhang;269
1.13.1;Mitmach-Plan;271
1.13.2;Materialien auf der DVD;281
1.14;DVD;285
2 Trainingsbereich: Emotionale Kompetenz
Emotionen werden als Gefühlszustände beschrieben, die mit physiologischen Reaktionen, wie etwa dem Erröten bei Scham, und Kognitionen, wie zum Beispiel dem Gedanken an ein eigenes Fehlverhalten, einhergehen (vgl. Dalgleish & Power, 1999; Petermann & Wiedebusch, 2016; Zins & Elias, 2006). Sie prägen unser Verhalten und spielen eine bedeutsame Rolle für unsere zwischenmenschlichen Beziehungen. So können uns Emotionen (Ängste) vor Gefahren warnen und geeignete Verhaltensweisen auslösen (z. B. Flucht bei der Begegnung mit einem Tiger) und damit unseren Fortbestand sichern.
Wir unterscheiden zwischen primären und selbstbezogenen, sekundären Emotionen (Petermann & Wiedebusch, 2016). Zu den primären Emotionen zählen Ekel, Überraschung, Freude, Angst, Trauer und Ärger. Diese Emotionen werden von Säuglingen bereits im Laufe des ersten Lebensjahrs gezeigt. Insbesondere der mimische Ausdruck dieser Emotionen gilt als universell und kulturübergreifend. Als selbstbezogene oder sekundäre Emotionen werden zum Beispiel Stolz, Scham und Schuld bezeichnet. Sekundäre Emotionen können bei Kindern frühestens ab der Mitte des zweiten Lebensjahres beobachtet werden, da das Erleben dieser Emotionen bestimmte kognitive Fertigkeiten voraussetzt, die sich erst im Laufe der Kindheit herausbilden. Bevor ein Kind beispielsweise ein Gefühl wie Scham erleben kann, muss es zumindest ein basales Bewusstsein über sich selbst entwickelt sowie soziale Normen und Verhaltensstandards verinnerlicht haben. Wenngleich die grundsätzliche Bedeutsamkeit von Emotionen für unser Leben als unbestritten galt, wurde erst in jüngerer Zeit wieder der Umgang mit Emotionen und seine Beziehung zu Sozialverhalten oder etwa der psychischen Gesundheit genauer untersucht. In diesem Zusammenhang wurde der Begriff der emotionalen Kompetenz geprägt.
2.1 Was versteht man unter emotionaler Kompetenz?
Im Laufe der vergangenen Jahre wurden verschiedene Konzepte von emotionaler Kompetenz bei Kindern und Jugendlichen diskutiert. Ein vielfach beachtetes Konzept legte Saarni (1999, 2002) vor. In diesem Konzept werden emotionale Kompetenzen vor allem im Hinblick auf ihre Funktion im Rahmen sozialer Beziehungen betrachtet. Anhand ihres Ansatzes gelten Kinder als emotional kompetent, wenn sie emotionale Fertigkeiten in sozialen Beziehungen anwenden und sich dessen bewusst sind, welchen Nutzen die Verwendung emotionaler Fertigkeiten mit sich bringt (emotionale Selbstwirksamkeit). Man kann also von emotionaler Selbstwirksamkeit sprechen, wenn:
• Kinder sich dessen bewusst sind, dass ihr eigener Emotionsausdruck ihre Mitmenschen beeinflussen kann, und
• sie gelernt haben, ihr emotionsbezogenes Verhalten zu steuern, um gewünschte Reaktionen bei anderen hervorzurufen.
Im Rahmen ihres Konzeptes zur emotionalen Kompetenz beschreibt Saarni acht emotionale Schlüsselfertigkeiten, die Kinder in sozialen Beziehungen erlernen und die stark von familiären und kulturellen Einflüssen geprägt sind (s. Kasten 1).