E-Book, Deutsch, Band 1, 469 Seiten
Reihe: Legende der Schwingen
Meadows Whitefeather (Legende der Schwingen 1)
20001. Auflage 2020
ISBN: 978-3-646-60595-2
Verlag: Carlsen
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Young Adult Fantasyroman
E-Book, Deutsch, Band 1, 469 Seiten
Reihe: Legende der Schwingen
ISBN: 978-3-646-60595-2
Verlag: Carlsen
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
K.T. Meadows wurde 1979 in Niedersachsen, genauer im Herzen Ostfrieslands, geboren. Bereits in ihrer Kindheit begann sie zu schreiben, doch erst mit 31 Jahren schrieb sie ihren ersten Roman. Seither lässt die Welt zwischen den Zeilen sie nicht mehr los. Dabei fühlt sie sich vor allem im Romantic-Fantasy Genre zu Hause.Heute lebt die erfolgreiche Autorin mit ihrem Mann und ihren Kindern in Baden-Württemberg am südlichen Oberrhein.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 2
»Ich hoffe, du hast die Fahrt nicht meinetwegen ausgeschlagen.«
Erschrocken zuckte ich zusammen und bemerkte beim Blick zur Seite ein lässig gekreuztes Paar Beine neben mir. Ich hob das Kinn.
Fab lehnte mit verschränkten Armen am Pfosten der offenen Veranda meiner Hütte und beobachtete die Jüngeren, die in einiger Entfernung herumtollten. Wilde Strähnen umrahmten sein Gesicht. »Danke übrigens.«
»Wofür?« Ich widmete mich wieder den Äpfeln in meinem Rockschoß, die ich schälte und halbierte, deren Gehäuse ich entfernte und die ich dann zurück in die Holzschale warf.
Fab hockte sich hin. »Na, dafür, dass du mich mit Essen versorgt hast.« Er stibitzte einen unversehrten Apfel direkt aus meinen Fingern.
»He! Die sind nicht für dich«, protestierte ich und funkelte ihn wütend an. »Lore will Kuchen für die Kleinen backen.«
»Ach, komm schon. Du hättest mir später sicher einen gebracht, wenn ich noch länger hätte einsitzen müssen.« Er biss genüsslich ab und grinste.
Ich schüttelte den Kopf. »Du bist unverbesserlich.«
Jetzt setzte er sich neben mich und ließ die Beine baumeln. »Klar, an mir muss nichts verbessert werden. Ich bin schon die beste Version von mir.«
Ich zog die Augenbrauen zusammen und nickte. »Ist Arroganz eigentlich ein Kriterium für Sorothez?«
»Selbstvertrauen ganz sicher«, konterte er. »Warum darf ich nicht dazu stehen, dass ich mag, wie ich bin?« Er stieß mich mit der Schulter an. »Du magst mich ja auch.« Er biss erneut ab.
»Vielleicht ist es einfach nur schwer, dich zu ignorieren.« Ich warf ihm einen unmissverständlichen Blick zu.
»Nein …«, sagte er gedehnt und blinzelte in die hochstehende Sonne. »Du magst mich, da bin ich mir sicher.«
Ich seufzte. Gegen Fabs Selbstbewusstsein konnte wohl niemand etwas ausrichten. Außerdem hatte er recht. Ich mochte ihn, vom ersten Tag an. Seine innere Stärke war beeindruckend, auch wenn sie mich manchmal den letzten Nerv kostete. Aber sie diente einer anderen Bestimmung als der, die ich mir erhoffte. Das war die Krux. Während Lijan und ich hofften, Whitefeather zu werden, war Fabs Zukunft eindeutig die eines Blackfeathers. Unsere Wege würden sich dann unweigerlich trennen.
»Ich habe einfach keine Lust gehabt, Ibe zu begleiten. Es mir überhaupt anzubieten, ist wahrscheinlich nur eine nett gemeinte Geste gewesen«, wechselte ich das Thema. »Was machst du eigentlich hier? Er hat wohl Gnade vor Recht ergehen lassen und deine Strafe verkürzt.«
»Du weißt, dass er das niemals tut.«
»Du hast nur zwei Tage im Turm gesessen, welche Erklärung gäbe es sonst? Das Entweihen der heiligen Klippe hätte dich mehr kosten müssen.«
»Du wärst mit dem Strafmaß wohl nicht zimperlich gewesen.« Sein Mundwinkel kräuselte sich amüsiert, als er mich musterte.
Ich klemmte die Schüssel unter den Arm, raffte meinen Rock und stand auf. »Keine Ahnung. Hat dich denn eine der vielen Strafen je geläutert?«
»Auch wieder wahr.« Er sprang von der Veranda und drehte sich erwartungsvoll um. Seine grünen Augen funkelten schelmisch, als flackerte dahinter bereits der nächste aufrührerische Gedanke. »Da du heute keinen Gefangenendienst schieben musst, gehen wir spazieren?«
Ich betrachtete ihn skeptisch. »Ist das nicht zu seicht für dein rebellisches Gemüt?«
Jetzt grinste er. »Vielleicht. Aber du kennst mich. Ich könnte auf dem Weg einem inneren Impuls erliegen und Kopf und Kragen riskieren.«
»Wäre nichts Neues.«
»Und wer sollte dann auf mich aufpassen …« Er streckte die Hand nach mir aus, während ich die Stufen herunterging.
»Ich könnte das übernehmen«, erklang Lijans Stimme, als er um die Ecke der Hütte bog.
Fab zog seine Hand zurück, sein Ausdruck ernüchterte. »Musst du immer solch ein Spielverderber sein? Lass mich die kleine Liz doch wenigstens einmal in Schwierigkeiten bringen.«
»Ich bin nicht klein.«
»Aber süß.« Er zwinkerte mir zu.
»Hört auf. Ihr benehmt euch wie Kinder«, rügte Lijan uns. »Kaum zu glauben, dass das Ritual euch zwei dieses Jahr mit einschließt.«
Mit gespieltem Entsetzen schlug Fab sich die Hand auf die Brust, trat an meine Seite und legte den Arm um meine Schultern. »Man stelle sich vor, wir zwei Täubchen noch ein ganzes Jahr hier allein, ohne die Aufsicht dieses blonden Engels«, feixte er mit Blick auf Lijan.
Ich stieß ihn von mir. »Danach wäre der Status meiner Seele ganz sicher fragwürdig.«
Das Lächeln, das sich jetzt auf Fabs Lippen legte, war mehr als provokant. Und ich begriff, was ich da eben gesagt hatte.
»So, glaubst du das …« Seine Augenbraue beschrieb einen eleganten Bogen.
»Nicht dass ich damit sagen will, wir würden …«
»Ja …?« Fab amüsierte sich köstlich, während meine Wangen Feuer fingen.
»Ach, halt die Klappe!«
»Liz würde niemals –«, begann Lijan.
»Und du hältst auch besser den Mund!«, wies ich ihn mit einem warnenden Blick in die Schranken und beendete diesen unnützen Schlagabtausch. Ich wollte von keinem der beiden hören, zu welch sündhaften Dingen ich mich wann und mit wem hinreißen lassen würde. Das war zu verwirrend. Nicht dass ich derlei Gefühlsregungen nicht verstand. Wir waren schließlich keine Kinder mehr. Aber ich kannte die beiden, solange ich denken konnte. Wir waren Freunde. Natürlich waren aus den einstigen Jungs mittlerweile attraktive junge Männer geworden und natürlich hatte ich die Veränderungen ihrer Körper über die Jahre … Herrgott, ich sollte meine Gedanken wirklich auf anderes richten.
»Begleitest du uns?«, wandte ich mich Lijan zu. »Ich muss nur schnell die Äpfel für Lore in die Gemeinschaftshütte bringen.« Ich konnte nicht widerstehen, ihm die Tour zu vermasseln.
Lijan strich sich durchs goldblonde Haar. »Eigentlich wollte ich auf die Lichtung zum Training. Die anderen sind schon vorausgegangen. Vielleicht hat unser einsamer Turmfalke hier auch Lust, sich im Kampf zu beweisen?« Er verschränkte die Arme.
Fab funkelte ihn sofort an. »Wenn dein Ego eine Niederlage verkraftet? Ich will dich ja nicht frustrieren.«
Ein Seufzen entschlüpfte meinem Mund. »Warum eigentlich müssen junge Bullen immerzu mit den Hufen scharren?« Lijan und Fab waren darin besonders gut. Die bloße Gegenwart des jeweils anderen stachelte offensichtlich ihr Temperament an.
»Weißt du das nicht? Das ist ein Naturgesetz.« Fab aß den Rest seiner gestohlenen Frucht und schleuderte das Kerngehäuse mit einer kraftvollen Bewegung Richtung Baumgrenze.
Ohne auf seine Erwiderung einzugehen, setzte ich mich in Bewegung. Die beiden folgten mir.
»Kämpfst du heute auch, kleine Liz?«
»Nein danke. Das ist nichts für mich.« Ich hatte wohl hundertmal zugesehen, wie sie sich mit den langen Stöcken einen Schlagabtausch lieferten, fand aber selbst wenig daran, zu den Waffen zu greifen. Wenige Male hatte ich es probiert und festgestellt, dass mir die Bewegungen recht schnell in Fleisch und Blut übergingen. Seither begnügte ich mich damit, ihre Kämpfe, Tricks und Strategien aus sicherer Entfernung zu studieren.
»In Tirithan wird Liz keine Kampfkünste brauchen«, urteilte Lijan.
Fab stöhnte auf. »Darum geht es doch gar nicht. Vielleicht will sie es einfach zum Spaß auskosten. Fang doch nicht ständig von den Himmelsstädten an.«
»Möglicherweise fange ich davon an, weil das Ritual kurz bevorsteht und wir uns an den Gedanken gewöhnen sollten, dass jeder von uns bald seiner Bestimmung folgt.« Lijan war in letzter Zeit wirklich fixiert darauf.
»Daran gewöhnen?« Fab lachte spöttisch. »Ich sehne den Tag herbei. Nicht meine Schuld, wenn die Klippe dir Bauchschmerzen bereitet.«
»Tut sie nicht.«
»Einigen wir uns doch darauf, dass keiner von uns seinen Absprung fürchtet, in Ordnung?« Die beiden waren heute ja besonders reizbar.
»Warum küsst ihr beide euch eigentlich nie?«
Wie bitte? Jetzt blieb ich abrupt stehen und fuhr herum, sodass auch die beiden stoppten.
Fab grinste breit. »Was denn? Ich bin neugierig. Ihr würdet ein hübsches Paar abgeben. Verfolgt dieselben Ziele …«
»Weil wir über etwas verfügen, was dir gänzlich fehlt«, antwortete Lijan und versuchte wohl auf charmante Weise meine Ehre zu verteidigen.
»Hört auf …«, sagte ich matt. Ich wünschte, er würde nicht laufend auf Fabs Spielchen einsteigen.
»Und was genau meinst du?«, ignorierte Fab meinen Einwand. »Disziplin? Selbstbeherrschung?«
»Anstand«, warf Lijan ein.
Fab schüttelte mit auf den Boden gerichtetem Blick sein Haupt. »Ihr wisst schon, dass ihr euch nicht zurückhalten müsstet. Bree lag letzten Winter bei Samuel und es ist kein Geheimnis, dass sie eine Whitefeather sein könnte.«
»Das ist Brees Problem.« Lijan würde nicht von seinem Standpunkt abweichen. Er war zutiefst von seinen Prinzipien überzeugt.
»Du denkst tatsächlich, es könnte dich dein Weiß kosten, wenn du Liz küssen würdest?« Fab hob den Blick und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. »Nein, ich würde sogar weiter gehen und sagen, du weißt, es würde dich den Einzug nach Tirithan kosten, wenn du sie küsst.«
Zeit einzuschreiten. »Darüber, wer mich küsst, entscheide immer noch ich.«
Fab warf mir einen kurzen, spöttischen Blick zu und fixierte sofort wieder Lijan, der die Arme vor der Brust verschränkte.
»Ich respektiere Liz.«
Fab verengte den Blick. »Oder du fürchtest dich, weil der Kuss eine Lüge wäre.«
»Es reicht, Fab!« Ich hatte genug davon. Was...




