E-Book, Deutsch, 368 Seiten
Long Die Dopamin-Revolution
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7453-2672-7
Verlag: riva
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Warum das »Glückshormon« gegen Sie arbeitet – und wie Sie es zu Ihrem Verbündeten machen | Der Nachfolger zu »Ein Hormon regiert die Welt«
E-Book, Deutsch, 368 Seiten
ISBN: 978-3-7453-2672-7
Verlag: riva
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Michael E. Long ist Physiker sowie preisgekrönter Redenschreiber, Drehbuchautor und Dramatiker. Mehr als 20 seiner Stücke wurden aufgeführt, die meisten auf New Yorker Bühnen. Er hat Reden für Mitglieder des US-Kongresses, Gouverneure, Diplomaten und Präsidentschaftskandidaten geschrieben. Außerdem war er Direktor der Georgetown University, an der er heute Schreibkurse gibt. 2018 erschien im riva Verlag sein Bestseller Ein Hormon regiert die Welt.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Glück versus
Überleben
Das Problem: Entscheiden Sie sich für jetziges Glück … oder für etwas Besseres in der Zukunft
Was uns langfristig das Überleben ermöglicht, stimmt selten mit dem überein, was uns im Moment glücklich macht.
Wenn ich zur Arbeit gehe, kann ich die Miete bezahlen … aber ich würde lieber ausschlafen.
Dieser gedünstete Brokkoli ist gut für mich … aber manno! Die haben hier Eis!
Ich sollte einen Teil meines Gehalts für schlechte Zeiten zurücklegen … aber es wäre viel toller, mir jetzt diesen neuen Fernseher zu kaufen.
Die meisten unserer alltäglichen Probleme sehen so aus: Möchte ich auf lange Sicht eine Belohnung oder kurzfristig Spaß? Was unser Überleben sichert, macht uns nur selten aktuell glücklich, also gehen wir Kompromisse ein. Als Individuen halten wir uns an eine Diät, gönnen uns aber einen Ausnahmetag. Als Gesellschaft verständigen wir uns darauf, von Montag bis Freitag zu arbeiten, aber am Wochenende freizuhaben. Dieses manchmal beiläufige, manchmal ernste Ringen zwischen dem Jetzt und dem Später – zwischen Disziplin und Vergnügen – ist ein zentrales Merkmal der menschlichen Erfahrung. Manchmal scheint es überhaupt keinen Mittelweg zu geben: Man kann ein kurzes, glückliches Leben führen oder ein langes, das auf Selbstverleugnung aufgebaut ist.
Wenn Sie jedoch bereit sind, etwas tiefer zu graben, gibt es auch eine gute Nachricht: Unzufriedenheit, die fest in unserem Gehirn verankert ist, hat durchaus einen Nutzen. Sie ist nämlich eine der größten Motivationsquellen, die es gibt. Es braucht nicht viel, um uns zum Handeln zu bewegen. Bei den meisten Menschen reicht schon die leiseste Ahnung, dass etwas Besseres vor ihnen liegt, dass sie mehr erreichen können, wenn sie nur noch einen kleinen Schritt weitergehen. So kommen wir im Leben voran. Wir sind oft bereit, ein kleines bisschen unseres momentanen Komforts zu opfern, um im Gegenzug die Möglichkeit zu erhalten – nicht die Gewissheit, nur den winzigsten Funken »Vielleicht« (und das ist wichtig) –, dass wir ihn gegen etwas Besseres, etwas, das einfach mehr ist, eintauschen können.
Jede Entscheidung, die wir treffen, ist ein Kompromiss zwischen dem Glück von heute und dem »Was wäre, wenn« von morgen, und die Entscheidung, was von beidem wir opfern, liegt ganz bei uns. In großen und kleinen Angelegenheiten bestimmt dies, wie wir uns fühlen und was wir erreichen. Es ist der Motor des Fortschritts.
Fazit
Häufig müssen wir zwischen der Erfüllung von heute und dem Nutzen von morgen wählen. Das führt oft zu Unzufriedenheit, aber genau das hat auch seine Vorteile: Unzufriedenheit motiviert uns als Individuen, Familien, Organisationen und Gesellschaften dazu, etwas Besseres zu erschaffen. Glückliche Menschen verbessern weder sich selbst noch die Welt. Das klingt vielleicht nicht gerade erfreulich, aber es ist eine wichtige Erkenntnis, die wir nutzen können.
Die Quelle der Verzweiflung
Der natürliche Konflikt zwischen dem Nutzen von morgen und dem Vergnügen von heute kann nicht nur dazu führen, dass wir unglücklich und unzufrieden sind, sondern uns auch verzweifeln lassen. Wenn die Zufriedenheit über unsere Erfolge nachlässt, verfallen wir schnell wieder in Melancholie.
Sie haben Ihren Wunschjob bekommen, sind jedoch nach einer Weile enttäuscht, weil er nicht Ihren Erwartungen entspricht. Also suchen Sie nach einem neuen Job, und der Kreislauf beginnt von vorn.
Das Designerkleid, das Sie gekauft haben, sah in der Umkleidekabine großartig aus, aber nach ein oder zwei Partys ist der Reiz des Neuen verflogen. Sie stellen es auf Vinted ein und halten Ausschau nach dem nächsten Kleid.
Wenn er nur mit mir ausgehen würde. Wenn sie nur mit mir schlafen würde. Wenn er mich nur heiraten würde.
Doch wenn wir schließlich Erfolg haben, nagt bald darauf unweigerlich die immer gleiche Frage an uns: Ist das alles?
Wenn wir uns lange genug auf diesem Karussell im Kreis gedreht haben, suchen viele von uns nach etwas, das über das Streben nach Besitz und Errungenschaften hinausgeht, nach etwas, das unserem Leben mehr Sinn verleiht. Ein Ansatz besteht darin, die Arbeit über alles andere zu stellen – doch dann leidet in der Regel die Familie, und häufig müssen wir feststellen, dass unsere Arbeit doch nicht so erfüllend ist, wie wir es uns erhofft hatten.
Oder wir machen das Gegenteil und stellen die Familie über die Arbeit, aber dann leidet oft unsere finanzielle Sicherheit, oder wir vermissen den Ehrgeiz, der mit harter Arbeit einhergeht, oder die Kinder werden erwachsen, ziehen aus und lassen uns allein mit unserem Ehepartner und dem Hund zurück – und was dann? Manchmal stürzen wir uns in Hobbys oder leben voll und ganz für soziale Medien, das Reisen, ehrenamtliche Tätigkeiten, Weiterbildung, Politik, die Kirche oder die Gartenarbeit oder übernehmen die Rolle des Miesepeters in der Eigentümergemeinschaft, aber auch das funktioniert nicht. Es kann sich wirklich so anfühlen, als wären wir wieder auf diesem Karussell – einem der sinnlosesten Vergnügungsparks der Welt. Wir befinden uns in einem endlosen tristen Kreislauf, der bestenfalls von Enttäuschung und schlimmstenfalls von Depression, Ängsten, problematischem Verhalten gegenüber anderen, problematischem Verhalten gegenüber uns selbst oder einer Kombination dieser Dinge geprägt ist.
Fazit
Wir wünschen uns etwas, streben danach und erreichen es schließlich. So kommen wir im Leben voran. Aber Erfolge bereiten uns nur kurzzeitig Freude. Was uns also zum Fortschritt antreibt, kann uns auch in Verzweiflung stürzen. Damit rückt ein grundlegendes Problem des Menschseins in den Mittelpunkt: Erfolg und Unzufriedenheit hängen miteinander zusammen, vielleicht sogar untrennbar.
Eine uralte Lösung, die in der modernen Welt fehl am Platz ist
Die frühen Menschen lebten in einer Welt existenzieller Gefahren und großer Knappheit. Sie mussten von Natur aus auf jede unbekannte Veränderung in ihrer Umgebung reagieren, denn alles Neue konnte ihnen entweder schaden, ihre nächste Mahlzeit sein oder sich auf noch unvorstellbare Weise als nützlich erweisen. Die Gehirnsysteme sorgten also dafür, dass sich das menschliche Verhalten dahingehend entwickelte, unser Überleben zu sichern.
Aber die Welt hat sich verändert. Wenn das Leben noch immer hauptsächlich aus Bedrohungen für Leib und Leben und aus Mahlzeiten bestehen würde, die man am gleichen Tag jagen muss, an dem man sie verzehrt, wäre dieses ständige Streben nach mehr ideal, aber diese Bedingungen herrschen schon lange nicht mehr. Die Welt ist im 21. Jahrhundert ein ziemlich sicherer Ort. Wir müssen nicht jede sich bietende Gelegenheit ergreifen, weil es uns im Großen und Ganzen gut geht. Was also einst ein evolutionärer Vorteil war, ist heute in vielerlei Hinsicht eine Belastung. Unser Überleben hängt nicht mehr von dem unbändigen Drang ab, jedes kleine Rätsel, das uns begegnet, zu lösen.
Dennoch sind wir aufgrund unserer Biologie nach wie vor stark von jedem Reiz und jeder Möglichkeit fasziniert, so stark, dass die Nachteile dieses hochsensiblen Systems oft das normale Leben beeinträchtigen. Wenn man sich keine Sorgen um die nächste Mahlzeit machen muss, ein Dach über dem Kopf und Kleidung im Schrank hat, überfällt uns dieser tief in uns verwurzelte Drang, Neues zu entdecken, zu häufig und zu intensiv, um wahrlich nützlich zu sein. In unserer modernen Welt jagen wir letztendlich vielen Dingen nach, die wir nicht benötigen – und leiden unter den Folgen.
Fazit
Wir Menschen haben einen Drang entwickelt, neugierig auf Neues zu sein, weil es uns beim Überleben helfen könnte. Für die frühen Menschen war das nützlich, aber in der modernen Welt macht es uns anfällig für unnötige, manchmal aufreibende oder sogar gefährliche Ablenkungen. Dieser uralte Ansatz ist für unser heutiges Leben zu radikal. In einer so sicheren Welt wie der unseren hat zu häufige, überflüssige Neugier ihren Preis.
Der Neurotransmitter hinter alldem: Dopamin
Der Teil des Gehirns, der für all dies verantwortlich ist, wird von einem Neurotransmitter (oder anders ausgedrückt, einem chemischen Botenstoff) namens Dopamin angetrieben. Dopamin und die zugehörigen Schaltkreise erkennen die Möglichkeit von etwas Nützlichem und erzeugen dann ein verlockendes Gefühl der Vorfreude und des Optimismus, das uns dazu antreibt, der Sache nachzugehen. Beachten Sie jedoch die Unlogik: Das Gefühl wird nicht durch Beweise, sondern durch das unerforschte Nutzenpotenzial angetrieben. Wir unternehmen also große Anstrengungen aufgrund eines unbewiesenen Optimismus. Dopamin treibt uns nicht auf der Grundlage von Lass uns die Vor- und Nachteile abwägen voran, sondern auf der Grundlage von: Das ist bestimmt gut! Lass es uns versuchen!
Mit anderen Worten: Dopamin treibt uns dazu an, etwas zu erstreben, das...




