Kooij | 'Ein Lächeln im Vorübergehen' | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 234 Seiten

Kooij 'Ein Lächeln im Vorübergehen'

Erlebensorientierte Altenpflege mit Hilfe der Mäeutik
2. aktualisierte und ergänzte Auflage 2012
ISBN: 978-3-456-95135-5
Verlag: Hogrefe AG
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark

Erlebensorientierte Altenpflege mit Hilfe der Mäeutik

E-Book, Deutsch, 234 Seiten

ISBN: 978-3-456-95135-5
Verlag: Hogrefe AG
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark



Die Mäeutik geht auf eine als 'Hebammenkunst' umschriebene und von Sokrates entwickelte Methode zurück, durch geschicktes Fragen die im Partner schlummernden, ihm aber nicht bewussten richtigen Antworten und Einsichten auf die Welt zu bringen. Einer Schatzgräberin gleich sucht die niederländische Demenz-Expertin Cora van der Kooij, den in Pflegenden schlummernden Erfahrungsschatz zu heben und ihre Potenziale und Professionalität für die erlebensorientierte Pflege alter und chronisch kranker Menschen zu nutzen. Sie beschreibt, wie Pflegende Menschen mäeutisch und erlebensorientiert pflegen können, indem sie sich in die zu versorgende Person hineinversetzen und sich mit ihr verbinden. Gleichzeitig zeigt sie, wie Pflegende bewusst und reflektiert mit professionellen Beziehungen umgehen können. Sie beschreibt drei Kernbegriffe einer professionellen Einstellung Pflegender: Kontakt, Kreativität und Kommunikation. Kontakt als eine gefühlsmäßige Wechselwirkung zwischen Bewohnern und Pflegenden mit beiderseitig positiven Folgen. Kreativität als eine Kombination aus Freiheit und Findigkeit. Kommunikation als einen Prozess der Bewusstwerdung von Pflegenden und Betreuungsteams. – Cora van der Kooij beschreibt Pflegende, die anteilnehmend mit dem Schicksal der Bewohner umgehen, weil sie wissen, wie verletzbar und abhängig alte und chronisch kranke Menschen sind. Sie zeigt, wie Pflegende administrativ und organisatorisch unterstützt werden müssen, um ein mäeutisch-erlebensorientiertes Pflege- und Betreuungsmodell zu verwirklichen. Die zweite Auflage wird ergänzt um einen neuen Erfahrungsbericht zur Implementierung des mäeutischen Pflegemodells sowie einen ausführlichen und informativen Anhang zum Thema 'Demenz'.

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Zielgruppe


Altenpflegende

Weitere Infos & Material


1;«Ein Lächeln im Vorübergehen»;4
2;Inhaltsverzeichnis;6
3;Geleitwort;10
4;Vorwort;14
5;Vorwort zur zweiten deutschen Auflage;16
6;Erläuterung;18
6.1;Eine Übersicht über die Kapitel;20
7;1 Pflegetalent als gesellschaftlicher Wert;22
7.1;1.1 Auf der Suche nach dem Schatz;22
7.2;1.2 Thema und Reichweite;23
7.3;1.3 Betreuung und Sinngebung;24
7.4;1.4 Eine «natürliche» Begabung?;26
7.5;1.5 Der Wert von Zuwendung;28
7.6;1.6 Zusammenfassung;29
7.7;Praxisbeispiel;31
8;2 Das mäeutische Pflege- und Betreuungsmodell;34
8.1;2.1 Die Quelle des inneren Wissens;34
8.2;2.2 Neuer Zweig auf altem Stamm;35
8.3;2.3 Erlebensorientierte Pflege im mäeutischen Pflege- und Betreuungsmodell;37
8.4;2.4 Menschenbild;40
8.5;2.5 Der Aufbau des Modells;46
8.6;2.6 Zusammenfassung;49
8.7;Praxisbeispiel;51
9;3 Der mäeutische Pflegeprozess;54
9.1;3.1 Eine Methodik für Pflegende;54
9.2;3.2 Kopfzerbrechen über die Pflegeplanung;55
9.3;3.3 Betreuung nach dem mäeutischen Modell;60
9.4;3.4 Die dynamisierende Wirkung von Kommunikation;64
9.5;3.5 Die mäeutischen Instrumente;68
9.6;3.6 Zusammenfassung;72
9.7;Fallbeispiel und Charakteristik;74
10;4 Was es heißt, eine Pflegende zu sein;76
10.1;4.1 Von der Bettversorgung bis zur erlebensorientierten Pflege;76
10.2;4.2 Werte in der Pflege;78
10.3;4.3 Persönliche Eigenschaften;80
10.4;4.4 Intuition als integrierte Erfahrung;84
10.5;4.5 Die Wechselwirkung zwischen dem Berufs- und dem Privatleben;87
10.6;4.6 Zusammenfassung;94
10.7;Praxisbeispiel;95
11;5 Spannungsfelder und Strategien;98
11.1;5.1 Entfremdung oder Erfüllung am Arbeitsplatz;98
11.2;5.2 Pflege als Schattenarbeit;99
11.3;5.3 Spannungsfelder während des Betreuens;102
11.3.1;5.3.1 Nähe oder Distanz;103
11.3.2;5.3.2 Kreativität und Flexibilität oder Regeln und Routine;105
11.3.3;5.3.3 Kompetenz oder Ohnmacht und Allmacht;108
11.3.4;5.3.4 Wachsen oder Stagnieren;113
11.4;5.4 Strategien der Mitarbeiter;115
11.4.1;5.4.1 Ausweichstrategien;115
11.4.2;5.4.2 Emotionsregulierende Strategien;117
11.5;5.5 Pflege als sinngebende Arbeit;118
11.6;5.6 Zusammenfassung;120
11.7;Praxisbeispiel: Sagen Sie doch mal was Liebeszu mir;121
11.8;Praxisbeispiel: Eine ganz besondere Bewohnerin;122
12;6 Abstimmen und Kontaktaufbauen;124
12.1;6.1 Die Einzigartigkeit der Pflegenden;124
12.2;6.2 Suchend reagieren;125
12.3;6.3 Appell oder Prothese (Substitution);132
12.4;6.4 Mitgehen in der Erlebenswelt;135
12.5;6.5 Gegensteuern und Autorität;137
12.6;6.6 Zusammenfassung;140
12.7;Praxisbeispiel;142
13;7 Umgangsfertigkeiten;144
13.1;7.1 Funktioneller oder zwischenmenschlicher Kontakt;144
13.2;7.2 Einladend zuhören;145
13.3;7.3 Einüben und Fallstricke;149
13.4;7.4 Nonverbaler Kontakt;152
13.5;7.5 Haupt, Herz und Hände;157
13.6;7.6 Zusammenfassung;158
13.7;Praxisbeispiel;160
14;8 Der Manager als Schatzgräber;162
14.1;8.1 Hilfestellung zur Einführung;162
14.2;8.2 Implementierungseffektivität;163
14.3;8.3 Implementieren, wie geht das?;165
14.4;8.4 Zusammenarbeit zwischen Diensten;171
14.5;8.5 Erfahrungen bei der Einführung;176
14.5.1;8.5.1 Faktoren, die Erfolg begünstigen;176
14.5.2;8.5.2 Faktoren, die Misslingen fördern;181
14.5.3;8.5.3 Kosten und Konsolidierung;183
14.6;8.6 Zusammenfassung;184
14.7;Praxisbeispiel;186
15;Zusammenfassung und Schlusswort;192
16;Anlage 1: Pflege- und Betreuungsübersicht;194
17;Anlage 2: Erläuterung der Charakteristik;199
18;Glossar;202
19;Literaturverzeichnis;210
20;Deutschsprachige Literatur, Adressen und Links zum Thema «Demenz»;212
21;Sachwortverzeichnis;232


Eine Übersicht über die Kapitel

Dieses Buch ist eine allgemeine Darlegung über die Arbeit von Pflegenden aus der Perspektive des mäeutischen Pflegeund Betreuungsmodells und stellt sowohl eine theoretische als auch praktische Einleitung in das mäeutische Modell dar. Um die Wechselwirkung mit der Praxis zu illustrieren, finden Sie im Anschluss an jedes Kapitel Beispiele aus dem Arbeitsalltag. Diese Beispiele stammen aus meiner eigenen Arbeitsund Lebenserfahrung, aus Abschlussarbeiten3 und aus Berichten von IMOZ-Dozenten. Die Erlebenswelt von Bewohnern und Klienten findet in diesem Buch also reichlich Beachtung, wird jedoch immer durch die Augen der Pflegenden betrachtet. Für Pflegende ist es noch recht ungewohnt, in Begriffen wie Professionalität, Pflegeleitbilder oder Organisationsmodelle zu denken. Darum werden diese Termini am Anfang von Kapitel 2 erläutert. Anschließend werden die Konturen und wichtigsten Ausgangspunkte des mäeutischen Pflegeund Betreuungsmodells beschrieben. Ein wesentliches Kennzeichen dieses Modells ist der mäeutische Pflegeprozess, der in Kapitel 3 präsentiert wird. Diese Methodik charakterisiert den Bewohner oder Klienten als den Menschen, der er ist, und fragt nach seinen Bedürfnissen, nach all den scheinbar so kleinen ‹Wehwehchen›, auf die eine Pflegekraft achtet. Die Einführung dieser Methodik bedeutet eine wirkliche Veränderung: Es bieten sich mehr Möglichkeiten, und es ist auch mehr ‹erlaubt›. Will man jedoch den Sprung wagen und auf diese Weise arbeiten, müssen Pflegende sich eine neue Art der Zusammenarbeit aneignen. Um die Notwendigkeit dieser Veränderung zu untermauern, konzentrieren sich die Kapitel 4 und 5 auf die Erfahrensund Erlebenswelt der Pflegenden, wobei ganz besonders die gefühlsmäßigen Seiten dieses Berufs beleuchtet werden. Hier stütze ich mich zu großen Teilen auf das Werk von Christine Sowinski, die diesen Bereich auf die ihr eigene, eindringliche Weise thematisiert hat. Kapitel 6 und 7 beschreiben die praktischen Seiten des Berufs des Altenpflegers: abstimmen und Kontakt aufbauen mithilfe erlebensorientierter Fertigkeiten. Verschiedene Methoden und Herangehensweisen wurden zur integrierten erlebensorientierten Pflege umgeschmiedet und im Konzept des suchenden Reagierens ausgearbeitet. Im letzten Kapitel geht es um die Einführung des mäeutischen Pflegeund Betreuungsmodells und um die Frage, welche Anforderungen dabei an die Heimund 3 Dies sind Abschlussarbeiten, die ich als Mitglied der Jury für den «Scriptieprijs» (Preis für die beste Abschlussarbeit) der Tijdschrift voor Verzorgenden gelesen habe. Selbstverständlich habe ich die Abschlussarbeiten verwendet, die gewonnen haben. Doch auch in den anderen Abschlussarbeiten werden besonders schöne Beispiele genannt, die ich aufbewahrt habe, um sie irgendwann einmal in einem Buch einbringen zu können.

Wohnbereichsleitungen gestellt werden. Dieses Kapitel basiert auf Erfahrungen aus den Niederlanden, Deutschland und Österreich. Dieses Buch beschränkt sich also nicht auf Demenzbetreuung aber ist gemeint als Vorstellung des mäeutischen Pflegeund Betreuungsmodelles. Es behandelt Altersund Langzeitpflege und Betreuung als Erfahrungsgebiet von Pflegenden und wird eben deswegen in den Niederlanden von Pflegenden sehr geschätzt.

1 Pflegetalent als gesellschaftlicher Wert

1.1 Auf der Suche nach dem Schatz

Das Pflegetalent gleicht einem Schatz, der in der Erde verborgen liegt. Wer nicht weiß, dass es diesen Schatz gibt, der wird auch nicht nach ihm suchen. Genau wie in dem Film ‹Romancing the Stone› (Deutsch: Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten). Darin suchen Michael Douglas und Kathleen Turner gemeinsam einen verborgenen Schatz, der nur unter größten Anstrengungen gefunden werden kann. Michael Douglas zieht Kathleen Turner auf ihren hohen Absätzen durch den Urwald, auf dem Weg zu einem Schatz, von dem sie nicht einmal mit Sicherheit wissen, ob es ihn tatsächlich gibt – eine wunderbare Story. Oder die Romane über die Goldfunde im Kalifornien des Jahres 1848. Die Leute zogen einfach so in die Berge, und da lag das Gold; man brauchte nur danach zu greifen. Wer würde sich da nicht auf den Weg machen?

Und genauso liegt in unserem Gesundheitswesen ein Schatz verborgen, den man – wenn man erst einmal darauf aufmerksam geworden ist und in seinen Bann gezogen wurde – suchen muss. Und dieser Schatz ist die Zuwendung, mit der Pflegende tagein, tagaus für Menschen sorgen, die der Betreuung bedürfen. Ohne diese Zuwendung wäre unsere Gesellschaft ein ganzes Stück kälter, ärmer und kränker.

Der Inhalt dieses Kapitels

Das mäeutische Pflegeund Betreuungsmodell steht in der Perspektive der Veränderungen, die im niederländischen und deutschsprachigen Gesundheitswesen vor sich gehen. Zwei Argumente hört man besonders häufig in den politischen Diskussionen, die diesen Veränderungen zugrunde liegen: die Notwendigkeit der Kosteneinsparung und der Wunsch nach einer «kundenorientierten» Betreuung.



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