Butterfield | Engel und Schokolade | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 232 Seiten

Butterfield Engel und Schokolade


1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7460-5066-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 232 Seiten

ISBN: 978-3-7460-5066-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Es ist alles wie im Paradies in der roten Fabrik am Waldrand. Hier wohnt die schokoladengefärbte Mutu, die Peter heimlich verehrt, Sandra, die Geliebte seines Vaters, die Seiltänzerin Gerda und HL-5, der Freund der Zahlen. Und dann ist da noch Engelhard, Peters Schutzengel, der alles durcheinander bringt. Peter muss einiges klären und das geht nicht ohne Risiko. Er leiht sich Vaters Roller und wird prompt von der Polizei erwischt. Dazu kommt auch noch die fünf in Englisch auf dem Zeugnis. Peter wird nach England geschickt. Hier wird er von einem militanten Ersatzengel getriezt, da Engelhard es vorzieht, bei Mutu zu bleiben. Eine Geschichte über die Jugend, die Freundschaft und die Liebe - lustig, spannend und unglaublich menschlich.

Karla J. Butterfield wurde auf der Seitenbühne des Nationaltheaters Prag während des fünften Aktes einer Macbeth Aufführung geboren. Als auf der Bühne das Volk: Heil, König von Schottland! rief, gab sie den ersten Schrei von sich. Was hätte sie sonst machen sollen, als Schauspielerin zu werden? Später wechselte sie auf die andere Seite der Bühne und führte Regie, dann fing sie mit dem Schreiben an. Sie gewann den ersten Preis mit dem Theaterstück: Dinner bei Graf Woronow. Zurzeit widmet sie sich dem Tanz. Sie ist Mitglied der Prosablüten und der Solinger Autorenrunde.
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1.


Es war die Schulglocke, die mich aus einem realen Alptraum riss und die letzten Brocken aus meinem Kurzzeitgedächtnis löschte. Der Schweiß lief mir den Rücken herunter, in meinen Ohren rauschte es, und meine Hände zitterten. Mit schlotternden Knien ging ich zum Lehrerpult und gab das fast leere Blatt ab. Es war eine sichere Sache: Unter dieser Arbeit wird eine Sechs sitzen. Nicht einmal die Fragestellung hatte ich verstanden. Verdammt! Und dabei hatte ich gelernt! Na ja, ich hatte mir den Stoff kurz vorher angeguckt.

In Gedanken versunken stolperte ich aus der Klasse und ging die breite Treppe des Gymnasiums hinunter, ohne auf die Zurufe der Anderen zu achten, die aus den benachbarten Klassen wie Auswurf quollen. Ich konnte mir wieder mal gratulieren. Meine Eltern werden enttäuscht sein, und auf das tadelnde Gesicht von Frau Dieckens konnte ich auch verzichten. Warum muss sie auch zu jeder Arbeit ihren Senf dazu geben? Bei mir wird sie die Stirn runzeln, die Augen verdrehen und sagen:

„Peter Bester! Wieder mal mehr als schwach!“

Und die Klasse wird rufen:

„Peter Bester ist der Schlechteste!“

Mit diesem Nachnamen hat man im Leben schon von vornherein verloren.

Auf dem Geländer vor der Schule wippte ein Typ, den ich noch nie gesehen hatte. Blondes, fast weißes Haar, metallblaue Augen und ein schlecht sitzendes Käppi auf dem Kopf. Dazu eine schneeweiße Gesichtsfarbe.

„Sorry, ich war zu spät. Ich steckte im Stau“, sagte er zu mir.

Hinter mir stand niemand, also war ich gemeint. Was wollte dieser Looser von mir?

„Ich wüsste nicht, dass ich mit dir ein Date hätte“, sagte ich und machte, dass ich wegkam.

„Oh“, hauchte er, sprang vom Geländer und klebte sich an meine Fersen. „Wohin gehst du?“, wollte er wissen.

„Schätze zu Mac’es, hab’ einen Bärenappetit auf einen Burger.“

Der Typ folgte mir wie ein Schatten.

„Dort wollte ich auch hin, was für ein Zufall!“, sagte er fröhlich und hüpfte leichtfüßig neben mir hin und her.

Bei Mac’es bestellte ich einen Hamburger, Pommes und zwei Cola. Er wollte nichts essen, kippte nur die eiskalte Cola hinunter. Es ging so schnell, dass ich meinte, das dunkle Getränk durch seinen durchsichtig schimmernden blassen Hals fließen zu sehen.

„Ich hole mir noch eine Cola. Willst du auch? Ich lade dich ein.“

Ich ließ mich nicht zweimal bitten und nickte.

Er nahm das Tablett und verdünnisierte sich. Gott, war der dünn, dieser Typ. Total dürre Beine und seltsam abstehende Schulterblätter.

Während ich wartete, ging ich vor die Tür und zündete mir eine Kippe an. Wie aus dem Nichts stand er neben mir und reichte mir den Colabecher.

„Rauchen solltest du nicht!“

„Bist du meine Mutter?“, fragte ich ihn gereizt und zog genüsslich den Rauch ein.

„Nein, deine Mutter nicht…. aber dein Schutzengel“, hauchte er mir ins Ohr.

„Phuu!“, prustete ich los, dass mir die Cola in die Nase stieg. „Nicht schlecht! Was hast du denn geschluckt, Alter?“

„Nichts. Es ist wahr! Ich wurde dir zugeteilt. Schau mal!“

Er hoppelte ungeduldig auf der Stelle und hob sein Käppi kurz hoch.

Wenn der Vormittag in der Schule ein Horrortrip war, war es nichts gegen das hier. Unter seinem Käppi leuchtete, wenn auch nur zaghaft, ein Heiligenschein.

Ich musste mich an der Wand festhalten, um nicht aus den Latschen zu kippen.

„Und hier, sieh mal, damit du mir glaubst!“ Er drehte sich mit dem Rücken zu mir und krempelte sein T-Shirt hoch. Und das, was ich sah, waren nicht seine abstehenden Schulterblätter, sondern zwei weißgraue eingeklappte Flügel.

Diese Neuigkeit musste ich zuerst verdauen. Ich zerquetschte den Colabecher und kickte ihn über die Straße. Dann nahm ich ihn an der Hand und zog ihn zum nächsten Hauseingang. „Rein!“, befahl ich und drängte ihn in den Hausflur und weiter zum Innenhof.

„Ausziehen!“, herrschte ich ihn an, nachdem ich mich vergewissert hatte, dass keiner aus dem Fenster in den Innenhof hinunterschaute.

Er nahm das Käppi ab, zog sein T-Shirt hoch, breitete die etwas zerknautschten Flügel aus und vollführte einige ungeschickte, aber eindeutige Flugrunden über dem Hof.

Ich musste mich setzen.

„Ich habe einen Schutzengel?“

„Jeder hat einen. Aber nicht jeder kann ihn sehen.“

„Aha. Und wo warst du heute Morgen während der Klassenarbeit, du Prachtstück? Ist es dir überhaupt aufgefallen, dass ich durchgerasselt bin?“

„Ihr habt eine Arbeit geschrieben?“, fragte er mit großen Augen.

„Ich fass es nicht! Du wusstest nichts davon? Du bist mein Schutzengel!“

„Doch. Aber ich habe den Tag verwechselt. Tut mir leid.“ Er schaute schuldbewusst zum Boden.

„Tut dir leid? Tut dir leid? Das nützt mir jetzt aber wenig!“

Ich war wütend. Immer musste ich die zweite Wahl bekommen. Zu Hause auch. Meine Schwester war der Liebling, die gute Schülerin und die Hübsche. Ich der Versager. Kein Wunder, dass ich nur einen aussortierten Bodyguard bekam.

„Auf deine Hilfe kann ich verzichten!“, warf ich ihm vor die Füße, drehte mich um und wollte über die Straße, Richtung Volkspark.

„Halt!“, rief er. Aber ich ging stramm weiter, ohne mich umzudrehen.

Dann passierte es: Ein Hupen, Bremsen und eine kalte Hand, die mich am Kragen zurückzog. Und etwas Starkes, das mich in den Rinnstein schleuderte.

Als ich die Augen aufschlug, beugten sich Köpfe mit besorgten Gesichtern über mich. Ich rappelte mich hoch und schaute an mir hinunter. Alles war noch dran, keine Schmerzen, nichts gebrochen.

„Na, da hast du aber einen Schutzengel gehabt“, sagte ein alter Mann, der mir auf die Beine half.

„Danke“, sagte ich verdattert und schaute mich um.

Mein Freund Engel stand etwas abseits und grinste mich an.

„Glaubst du mir jetzt?“, fragte er, nachdem ich alle überzeugt hatte, dass mir nichts fehlt und ich gehen konnte.

„Danke“, murmelte ich. Irgendwie war es zu viel für mich an diesem Vormittag. Ich musste in Ruhe alles überdenken. Aber der Typ wich nicht von meiner Seite.

Es war schrecklich! Jede Bewegung, die ich machte, versuchte er nachzumachen, wobei es ihm nicht immer gelang.

„Mach dich doch wieder unsichtbar“, schlug ich vor, „du nervst.“

„Kann ich nicht, das liegt an der Situation, ob du mich sehen kannst oder nicht.“

„Wie denn das?“

„Na ja, in Zeiten der Verzweiflung werden wir sichtbar.“

Da hatte er Recht, ich befand mich in einem Zeitalter der Verzweiflung, wenn ich an das Gruselkabinett des Gymnasiums Sichelstraße dachte.

„Dann hör bitte auf, mich nachzuäffen. Fällt das wenigstens in deine Zuständigkeit?“

„Hm“, nickte er und kratzte sich verlegen unter seinem Heiligenschein.

„Na gut, wenn du schon da bist, dann kannst du mir heute Nachmittag beim Fußballspielen helfen. Mach dich nützlich.“

Mein Engel strahlte. „Eine gute Idee, ich komme, du wirst sehen….“

„Ja, ja“, unterbrach ich ihn und eilte nach Hause und dann zum Fußballplatz.

Unsere Mannschaft spielte grottenschlecht. Wir verloren 1 : 5 und ich holte mir ein blutiges Knie. Die zweite saubere Niederlage an diesem Tag.

„Wo warst du, du Versager? Ich dachte, du kannst mich beschützen!“, blaffte ich ihn an, als wir nach dem Spiel im Clubhaus eine Cola tranken.

„Entschuldigung. Ich war da, aber…“ „Ja, und warum hast du nicht achtgegeben, als der Ball ins Tor flog? Oder als ich auf die Fresse fiel?“

„Ich weiß nicht. Ich guckte den Schiri an, und…“ „Sag mal, was bist du denn für ein Schutzengel, wenn du nicht aufpassen kannst?“

„Ja, ja, entschuldige.“

„Hallo! Raus mit der Wahrheit! Du bist kein Schutzheiliger. Du vermasselst alles, was vor deine dämliche Visage kommt.“

„Ich…“, er kippelte nervös auf seinem Stuhl. „Komm, lass uns gehen, es ist langweilig hier. Lass uns in die Skaterhalle gehen, ich zeige dir ein Paar Tricks, die kann keiner, nur ich. Aber dir zeige ich sie.“

Er war wirklich nicht schlecht. Er konnte nicht nur in der Luft eine Pirouette drehen, ohne das Brett zu verlieren, er konnte von einer Bahn auf die andere springen und kam elegant oben wieder an. Es war nicht ungefährlich, fast unmöglich. Aber ich probierte es, und es klappte.

Als ich abhob, hatte ich das Gefühl, als würden mich zwei starke Arme hochheben und tragen. Alle schauten mit offenen Mäulern zu. Ich war happy und versuchte es noch einmal. Diesmal aber landete ich schmerzlich auf allen Vieren. Es fühlte sich an, als wären meine sämtlichen Knochen gebrochen. Ich rappelte mich auf und suchte den Versager von Beruf. Der kasperte tatsächlich...



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