Bayer | Carl Laemmle und Sophie N. | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 100 Seiten

Reihe: Laemmle Luck Geschichte - Begegnungen mit Zeitzeugen

Bayer Carl Laemmle und Sophie N.

Emigration und Reichspogromnacht - Begegnung mit einer Zeitzeugin-
1. Auflage in 2018
ISBN: 978-3-9818444-9-8
Verlag: Edition CARL LAEMMLE
Format: PDF
Kopierschutz: 0 - No protection

Emigration und Reichspogromnacht - Begegnung mit einer Zeitzeugin-

E-Book, Deutsch, Band 1, 100 Seiten

Reihe: Laemmle Luck Geschichte - Begegnungen mit Zeitzeugen

ISBN: 978-3-9818444-9-8
Verlag: Edition CARL LAEMMLE
Format: PDF
Kopierschutz: 0 - No protection



Carl Laemmle wusste, wie schaffenskräftig und lebensbejahend die Laupheimer Geschäftsleute waren. Gleichzeitig hatte er miterlebt, wie seelisch gebrochen sie ihre einstige geliebte Heimat verlassen hatten. Der Satz „this is strictly confidential“ (streng vertraulich) steht hier. Es lässt sich vermuten, dass Carl Laemmle mit seinem Brief einen notwendigen Anstoß, eine Hilfe zur Selbsthilfe geben wollte, sich selbst um Kontakte und ihr eigenes Weiterkommen zu kümmern. Wieder zeigt Carl Laemmle seine bescheidene Art, bei der Hilfe im Hintergrund zu bleiben. Er erinnert an seinen Repräsentanten, Julius Graf, in New York, sowie an die anderen Laupheimer, die schon in New York lebten. Dieser Brief sollte den Nördlingers wieder Mut und Hoffnung auf ein Leben in der neuen Umgebung geben

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Zielgruppe


Junge Leser, die gerne authentische Geschichten von Zeitzeugen lesen und sich emotional berühren lassen wollen.


Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


- Das leidvolle Schicksal der Emigranten
- Wohin flohen die Nördlingers?
- woran erinnerte sich Sophie N.
-Sophie N. erzählte von ihrem herzensguten Ehemann Benno
-Die Synagoge brannte am 9.November 1938
-Impressum
- An den Leser -in einem Brief wendet sich die Autorin an den jungen Leser (nur im deutschen e-book)
-Die erweiterte Neuauflage des Carl Laemmle Buches


Meine Begegnung mit Sophie Nördlinger
G. Bayer

Die persönliche Begegnung mit der letzten jüdischen Ochsen-Wirtin, Sophie Nördlinger, in New York 1989 möchte ich hier aus meiner Erfahrung und Sichtweise weitergeben. Sophie Nördlinger kannte Carl Laemmle noch persönlich aus Laupheim und weckte unser Interesse für unsere Laemmle-Recherchen.

Sophie Nördlinger, geb. Sänger, wurde am 3.4.1898 in Laupheim als einziges Kind von Albert Sänger (bis 1929) und Klara Sänger (geb. Einstein, 1865–1942) geboren. Sophie Nördlingers Großvater Benjamin Sänger kaufte den Ochsen, heute bekannt als „Zum Rothen Ochsen“, im Jahre 1860. Erbaut wurde das Gebäude um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts.

Bis in die 1930er Jahre, in einer Zeit ohne Fernsehen, Radio und Internet, war für das Städtchen Laupheim der jüdische Gasthof Ochsen der Dreh-und Angelpunkt des kulturellen und geselligen Lebens. Es war ein Haus ersten Ranges, wie in einer spaßhaften Anzeige des Gesangsvereins „Frohsinn“ von 1914 zu lesen war. Das beliebte Wirtshaus hatte mehr als nur Gastronomie mit der Spezialität „Saure Kutteln“ zu bieten. Für Hochzeitsfeiern und Purim-Feste zog man jedoch den größeren jüdischen Gasthof „Zum Kronprinzen“ vor. Der Leser, der das heutige Gasthaus „Zum Rothen Ochsen“ kennt, ist amüsiert über die Aufzählung der vielen Räumlichkeiten, wollten doch die Verfasser des Artikels die vielfältigen Geselligkeiten im Gasthaus Ochsen etwas ironisch hervorheben.

Das leidvolle Schicksal der Emigranten

Zwischen 1987 und 2003 hatte ich zusammen mit meinem in 2015 verstorbenen Mann, Udo Bayer, in den USA sowie auch hier in Laupheim eine ganze Reihe von Begegnungen mit jüdischen deutschstämmigen Amerikanern, die alle ein Schicksal miteinander teilten: Sie mussten sich wegen des grausamen Naziterrors in der Hitler-Zeit eine neue Heimat suchen. Das Leben eines Juden war in der Hitlerzeit nicht viel wert. Deshalb sahen die Emigranten die Rettung ihres Lebens als Geschenk an, das sie Zufällen zu verdanken hatten.

Der Ochsen in den 1920er Jahren in Laupheim (Bild im e-book)


Die Ochsen-Kulisse auf dem Studiogelände von Universal in Los Angeles (Bild im e-book)

Doch bei unseren Begegnungen spürten wir, wie das Geschehene sie in ihrem Inneren noch wie ein Stachel schmerzte. Viele hatten ihre leidvollen Erfahrungen lange verdrängt. Für einige war es das erste Mal, dass sie sich gegenüber Deutschen der heutigen Generation öffneten. Stockend berichteten sie über ihre Erlebnisse und ihre Flucht in dieser schrecklichen Zeit. Für unser Zuhören waren sie sehr dankbar. Die starken emotionalen Ereignisse waren den Geretteten ebenso in ihr Gedächtnis eingebrannt wie ihre glücklichen Kindheitserlebnisse in ihrer Geburtsstadt. Tief betroffen erkannten wir, dass jeder der Emigrierten auch von nahen Verwandten berichten konnte, die es nicht mehr geschafft hatten, den Fängen der Nazi-Schergen zu entkommen. In den persönlichen Gesprächen mit den 70- bis 80-jährigen Zeitzeugen fühlten wir uns teilweise beklommen sprachlos, als sie von ihren einstigen Qualen in Deutschland sprachen. Jede einzelne dieser persönlichen Geschichten, die allesamt von unfassbarem Leid erzählten, hat uns aufgewühlt und sowohl bei mir als auch meinem Mann tiefe Eindrücke hinterlassen. Wir empfanden damals große Scham, Deutsche zu sein. Wie konnte es sein, dass so viele Deutsche so wenig Mitgefühl aufgebracht haben? Wo war die Menschlichkeit nur geblieben? Als Nachkriegskind hätte ich einige persönliche Fragen an meine eigenen Eltern gestellt, die jedoch bereits nicht mehr lebten.

Wohin flohen die Nördlingers?

Eine Begegnung, die sich besonders in unser Gedächtnis eingeprägt hat, war das einmalige Treffen mit Sophie Nördlinger in New York im August 1989 in ihrer Wohnung in Morning Side Heights, 411 West 115th Street, Apt.41.
Im äußersten Norden von Manhattans, wo die George-Washington-Hängebrücke über den Hudson führt, liegt das Stadtviertel Washington Heights. In diesem Viertel, das auch unter dem Namen Frankfurt on the Hudson bekannt ist, siedelten sich jüdische Emigranten aus Deutschland und Österreich an, die vor der Nazi-Herrschaft geflüchtet waren. Einen ganz eigenen repräsentativen Charakter hatte die Nachbarschaft Morning Side Heights. Dort hat der Broadway seine Hausnummern in den Viertausendern. Die Straßen sind breit, kleine Grünanlagen angrenzend, eng bebaut mit Geschäfts- und Wohnhäusern, meist fünfgeschossig mit flach geneigten Dächern. An den rot-braunen Backsteinfassaden fallen die schnörkellosen Fenster- und Türverzierungen ebenso auf wie die aus Filmen bekannten, gusseisernen schwarzen Außennottreppen. In diesem Viertel gab es für die jüdischen Familien Wohnraum unterschiedlichster Größe. Zu den bekanntesten Bewohnern zählte Henry Kissinger, der amerikanische deutschstämmige Außenminister der USA in den Jahren 1973 bis 1977. Auch einige Laupheimer Familien wie die Sternscheins, Lewins, Obernauers und die
Doch bei unseren Begegnungen spürten wir, wie das Geschehene sie in ihrem Inneren noch wie ein Stachel schmerzte. Viele hatten ihre leidvollen Erfahrungen lange verdrängt. Für einige war es das erste Mal, dass sie sich gegenüber Deutschen der heutigen Generation öffneten. Stockend berichteten sie über ihre Erlebnisse und ihre Flucht in dieser schrecklichen Zeit. Für unser Zuhören waren sie sehr dankbar. Die starken emotionalen Ereignisse waren den Geretteten ebenso in ihr Gedächtnis eingebrannt wie ihre glücklichen Kindheitserlebnisse in ihrer Geburtsstadt. Tief betroffen erkannten wir, dass jeder der Emigrierten auch von nahen Verwandten berichten konnte, die es nicht mehr geschafft hatten, den Fängen der Nazi-Schergen zu entkommen. In den persönlichen Gesprächen mit den 70- bis 80-jährigen Zeitzeugen fühlten wir uns teilweise beklommen sprachlos, als sie von ihren einstigen Qualen in Deutschland sprachen. Jede einzelne dieser persönlichen Geschichten, die allesamt von unfassbarem Leid erzählten, hat uns aufgewühlt und sowohl bei mir als auch meinem Mann tiefe Eindrücke hinterlassen. Wir empfanden damals große Scham, Deutsche zu sein. Wie konnte es sein, dass so viele Deutsche so wenig Mitgefühl aufgebracht haben? Wo war die Menschlichkeit nur geblieben? Als Nachkriegskind hätte ich einige persönliche Fragen an meine eigenen Eltern gestellt, die jedoch bereits nicht mehr lebten.
Wohin flohen die Nördlingers?
Eine Begegnung, die sich besonders in unser Gedächtnis eingeprägt hat, war das einmalige Treffen mit Sophie Nördlinger in New York im August 1989 in ihrer Wohnung in Morning Side Heights, 411 West 115th Street, Apt.41.
Im äußersten Norden von Manhattans, wo die George-Washington-Hängebrücke über den Hudson führt, liegt das Stadtviertel Washington Heights. In diesem Viertel, das auch unter dem Namen Frankfurt on the Hudson bekannt ist, siedelten sich jüdische Emigranten aus Deutschland und Österreich an, die vor der Nazi-Herrschaft geflüchtet waren. Einen ganz eigenen repräsentativen Charakter hatte die Nachbarschaft Morning Side Heights. Dort hat der Broadway seine Hausnummern in den Viertausendern. Die Straßen sind breit, kleine Grünanlagen angrenzend, eng bebaut mit Geschäfts- und Wohnhäusern, meist fünfgeschossig mit flach geneigten Dächern. An den rot-braunen Backsteinfassaden fallen die schnörkellosen Fenster- und Türverzierungen ebenso auf wie die aus Filmen bekannten, gusseisernen schwarzen Außennottreppen. In diesem Viertel gab es für die jüdischen Familien Wohnraum unterschiedlichster Größe. Zu den bekanntesten Bewohnern zählte Henry Kissinger, der amerikanische deutschstämmige Außenminister der USA in den Jahren 1973 bis 1977. Auch einige Laupheimer Familien wie die Sternscheins, Lewins, Obernauers und die Nördlingers lebten dort. In 2018 befinden sich dort in der Nähe Gebäude der Columbia-Universität.
Als ich Sofie Nördlinger im August 1989 zusammen mit meiner Familie besuchte, lebte sie noch im gleichen Apartment, in das sie nach ihrer Emigration aus Deutschland, zusammen mit ihrem Mann Benno und ihrer Mutter Klara Sänger nach ihrer Emigration im Jahre 1939 gezogen war. Ihre Mutter Klara war 1942 mit 77 Jahren in New York City gestorben.
Die damals 91-Jährige Sophie war seit zehn Jahren verwitwet und lebte in diesem New Yorker Apartment schon 50 Jahre, davon 40 Jahre gemeinsam mit ihrem Ehemann Benno. Seit ihrer Emigration waren weder Sophie Nördlinger noch ihr Mann Benno jemals wieder nach Deutschland gekommen. Auch war Sofie nicht der offiziellen Einladung der Stadt Laupheim im Jahre 1988 gefolgt, obwohl sie damals weder gebrechlich noch altersdement war. Der Schmerz war einfach zu groß. Noch Jahrzehnte später erinnerte sich Sophie schmerzvoll an die besonders demütigenden Aktionen gegenüber den Männern in Reichspogromnacht, als die Synagoge in Laupheim brannte. Trotz der vielen Jahre, die zwischenzeitlich vergangenen waren, lebten die Erinnerungen in ihr und waren noch so präsent. An den Ort des grausamen Geschehens wollte sie nicht zurück.
Ruth und Eddie Regis begleiteten uns zu Sophies Wohnung. Im großen New York kannten sich die emigrierten Laupheimer Familien untereinander. Viele besuchten an den hohen Festtagen die gleiche Synagoge, kannten ihren Rabbiner und pflegten am Schabbat ihre Freundschaften seit Jahrzehnten. Bereits seit Kindertagen war Ruth mit der 13 Jahre älteren Sophie befreundet. In Laupheim hatte Ruth nur einen Steinwurf vom Gasthaus Ochsen entfernt gewohnt. Ruth ging als kleines Mädchen im Ochsen ein und aus – nicht nur, wenn Uncle Carl in Laupheim zu Besuch war. Ruths Großmutter war nämlich Carl Laemmles Schwester Karoline. Ruth Regis (1921–1998), war eine geborene Friedland und lebte mit ihren Eltern im Laemmle-Geburtshaus in der Radstraße in Laupheim. Ruth emigrierte mit ihrer Familie im Alter von zwölf Jahren nach Paris, wo ihr Vater, Max Friedland, als Europa-Repräsentant für Universal weiter tätig war.
Angekündigt wurde unser Besuch von dem damals in Chicago lebenden Architekten Fred Bernheim, Sofie Nördlingers Neffen, mit dem und dessen Frau Nelida mein Mann Udo seit der offiziellen Einladung im Jahr 1988 in regem Briefkontakt stand. Da die Ehe von Sophie und Benno Nördlinger kinderlos blieb, wäre Fred Bernheim der Erbe des Ochsen geworden.


Bayer, Gabriele
*1950 in Stuttgart, lebt seit 1976 in Laupheim, in der Geburtsstadt von Carl Laemmle. Seit 1987 ist G. Bayer in Kontakt mit emigrierten Juden, die in der NS Zeit emigrieren mussten. Besonders intensive Kontakte pflegt sie zu den Nachfahren von Carl Laemmle seit den 1980 er Jahren.



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