E-Book, Deutsch, 340 Seiten
Methodische Perspektiven, ausgewählte Beispiele und innovative Ansätze
E-Book, Deutsch, 340 Seiten
ISBN: 978-3-7799-8925-7
Verlag: Julius Beltz GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Johanna Muckenhuber ist Professorin für Soziale Arbeit am Institut für Soziale Arbeit an der FH Joanneum Graz sowie psychoanalytisch/psychodynamisch orientierte Psychotherapeutin (Katathym Imaginative Psychotherapie) in freier Praxis. Ihre Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen im Bereich der sozialen Ungleichheit und psycho-sozialen Gesundheit unter Berücksichtigung von Intersektionalität und Digitalisierung, im Bereich der Sozialpsychiatrie und Sozial-Psychotherapie sowie in den Methoden der empirischen Sozialforschung.
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Methodologische und methodische Perspektiven – eine Einführung
Katharina Auer-Voigtländer „Der öffentliche Auftakt zur Diskussion Sozialer Arbeit als ‚forschende Disziplin‘ […] wurde durch den von Erika Steinert, Brigitta Sticher-Gil, Peter Sommerfeld und Konrad Maier herausgegebenen Sammelband ‚Sozialarbeitsforschung: was sie ist und leistet – eine Bestandsaufnahme“ (Staub-Bernasconi 2007, S. 19) im Jahr 1998, gegeben. Rund 25 Jahre später ist es nicht vermessen zu sagen, dass (kritische) Forschung das Fundament für wissenschaftliche Erkenntnisse, disziplinäre Entwicklung und professionsethische Positionierungen bildet. Auch bedarf es keinem überaus selbstbewusstem Auftreten, um zu postulieren, dass Forschung Professionalisierungsprozesse befördert und dazu beiträgt, Standards zu etablieren, ethische und handlungspraktische Richtlinien zu entwickeln, Kompetenzen von Fachkräften zu stärken und vieles mehr. Sie liefert Erkenntnisse, die in die sozialarbeiterische Praxis einfließt und trägt damit zur Weiterentwicklung von Dienstleistungen und einer fachlichen Ausbildung von angehenden Sozialarbeiter*innen bei. Forschung ermöglicht es, komplexe Praktiken ebenso wie soziale Phänomene zu reflektieren, zu beobachten, zu analysieren und zu evaluieren, ebenso wie Fragestellungen zu grundlegenden Themen der Sozialen Arbeit zu stellen (vgl. Schneider 2016, S. 12). Sie gewährt neben eigenen Standortbestimmungen auch interdisziplinären Austausch und ist Triebkraft für Veränderung und Entwicklung. Der hier eingeleitete Themencluster des Buchbandes befasst sich mit einer Bandbreite methodologischer und methodischer Perspektiven von Forschung (in) der Sozialen Arbeit. Staub-Bernasconi stellte in einem Publikationsbeitrag zur Forschung Sozialer Arbeit im Jahr 2007 u.?a. die Frage, welche Forschungsmethoden für die Soziale Arbeit bedeutsam sind? (vgl. Staub-Bernasconi 2007, S. 19). Soziale Phänomene, deren Beschäftigung sich Forschung in der Sozialen Arbeit zugeschrieben hat, sind selten eindimensional. Sie speisen sich aus sozialen, ökonomischen, kulturellen, persönlichen, biographischen, strukturellen und vielen anderen Aspekten. Ob der Vielfältigkeit der sozialen Phänomene, mit denen sich Forschung in der Sozialen Arbeit beschäftigt und ob der mannigfaltigen Zielsetzungen und Fragestellungen, ist das Erfordernis multiperspektivischer Zugänge von methodologischen und methodischen Ansätzen evident, um Gegenstand und Ziel jeweiliger Forschungsvorhaben gerecht zu werden. Sting und Heimgartner postulierten im Jahr 2012 eine Schwäche von Forschung in der Sozialen Arbeit, in seiner nicht eigenständig abgrenzbaren Methodologie (vgl. Heimgartner/Sting 2012, S. 13). Entgegen dieser Auslegung vermeintlicher Uneindeutigkeit verstehen die Herausgeber*innen des Buchbandes genau diesen Variantenreichtum als eine Stärke, die es möglich macht, anwendungsbezogen zu agieren und der Breite der Forschungsthemen in dessen zahlreichen Facettenreichtum gesellschaftlicher Entwicklungen, organisationaler Fragestellungen, (selbst)reflexiver Auseinandersetzungen u. v. m. offen gegenüber treten zu können, um gegenstandsadäquat zu forschen. So sind die nachstehenden Beiträge als eine Kollektion methodologischer und methodischer Zugänge zu lesen, die sich mit einer auserwählten Klaviatur entsprechender Forschungsvorhaben und -fragestellungen befassen. Deren Aufbau von allgemeineren Überlegungen zu spezifischen methodologischen und methodischen Ansätzen hinleitet, die eine – sicher auch zu diskutierende – Bandbreite verdeutlicht. Sie ist ein Abbild für multiperspektivische Forschungsansätze, die Ausdruck gegenständlicher Forschung in der Sozialen Arbeit sind. So beschäftigt sich Gerald Poscheschnik in seinem Beitrag mit Überlegungen und Beispielen empirischer Forschung in der Sozialen Arbeit. Nach einer wissenschaftstheoretisch-methodologischen Charakterisierung werden praktische Beispiele referenziert. Dabei wird das Hauptaugenmerk auf Meta-Analysen zur Wirksamkeit Sozialer Arbeit sowie auf empirische Forschungen rund um Soziale Arbeit mit dysfunktionalen Familien gelegt. Kathrin Bereiter ihr Beitrag beschäftigt sich mit dem Thema Intersektionalität als Forschungsperspektive. Anhand einer exemplarischen Auswertung eines biografischen Interviews wird aufgezeigt, welchen Gewinn eine intersektionale Forschungsperspektive für die Forschung in der Sozialen Arbeit mit sich bringt. Dabei wird mit der Intersektionalen Mehrebenenanalyse nach Winker und Degele (2009) gearbeitet. Dabei werden Möglichkeiten sichtbar, wie intersektional verwobene gesellschaftliche Verhältnisse, nicht nur auf individueller Ebene von Subjekten analysiert werden können, sondern explizit in Wechselwirkung mit gesellschaftlich strukturellen Bedingungen und machtförmig hervorgebrachten Diskursen. Unter dem Titel ‚How to do transdisciplinarity‘ beschäftigt sich Manuela Brandstetter in ihrem Beitrag mit ‚globalen Notwendigkeiten‘, die Themen wie Global warming, Verteilungskonflikte und den demographischen Wandel betreffen und stellt in diesem Zusammenhang die Frage nach Möglichkeiten und Hürden eines transdisziplinären Initiativewerdens Sozialer Arbeit und deren Praxis-, Ausbildungs- und Forschungsstätten. Elias Schaden widmet sich in seinem Beitrag einem spezifischen empirischen Forschungsansatz, und geht dabei der Frage nach der Bedeutung von Fallstudien in der Sozialarbeitswissenschaft nach. Nach einer Einordnung und Charakterisierung als eigenständiger und abgrenzbarer Ansatz empirischer Sozialforschung, werden charakteristische Merkmale von Fallstudien beschrieben. Bezuggenommen wird dabei auf das Verständnis ‚lebensweltorientierter Fallstudien‘ im Studium der Sozialen Arbeit an der FH Joanneum. Eingedenk dessen werden beispielhafte Forschungsfragen, die wichtigsten methodischen Schritte bei der Durchführung sowie die mit der Anwendung von Fallstudien einhergehenden Potentiale und Limitationen aufgezeigt. Der Beitrag von Denise Lehmann und Moritz Reisberger richtet den Fokus auf eine spezifische Methode zur Auseinandersetzung mit dem Stand der Forschung, dem systematischen Literaturreview. Dabei wird Einblick in die praktische Durchführung von systematischen Literaturreviews gegeben, ebenso wie eine kritische Einordnung der Potentiale und Hürden von sog. Scoping Reviews in der Sozialarbeitsforschung. Dem dokumentierenden und kollektiven Interpretieren mit Studierenden der Sozialen Arbeit, widmet sich der Beitrag von Barbara Stefan und Hanna Vettori. Theoretische Überlegungen und praktische Erfahrungen mit der qualitativen Auswertungsmethode des Dokumentierenden Interpretierens werden dargelegt. Das zentrale Erfahrungswissen basiert auf drei Lehrforschungsprojekten, in denen Studierende der Sozialen Arbeit mit der Methode der Dokumentierenden Interpretierens gearbeitet haben. Der letzte Beitrag des Clusters rund um methodologische und methodische Perspektiven ist ein kritischer Beitrag zu quantitativer Forschung im Kontext der (Ver-)Messung von Altersarmut von Lukas Richter und zeigt Stärken sowie Grenzen quantitativer Forschungsperspektiven auf. Vor dem Hintergrund der Altersarmut widmet sich der Beitrag zentralen Aspekten der Operationalisierung, Prävalenz und Effekten von Armut sowie Problemstellen derer Messung und blickt damit ein Stück hinter die Kulissen quantitativer Armutsforschung. Literatur Heimgartner, Arno/Sing, Stephan (2012): Empirische Forschung zur Sozialen Arbeit in Österreich. In: Heimgartner, Arno/Loch, Ulrike/Sting, Stephan (Hrsg.): Empirische Forschung in der Sozialen Arbeit – Methoden und methodologische Herausforderungen. Wien: LIT Verlag. Schneider, Armin (2016): Forschungsperspektiven in der Sozialen Arbeit, 2. überarb. Aufl., Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag. Staub-Bernasconi, Silvia (2007): Forschungsergebnisse und ihre Bedeutung für die Theorieentwicklung, Praxis und Ausbildung der Sozialen Arbeit, in: Engelke, Ernst/Mair, Konrad/Steinert, Erika/Borrmann, Stefan/Spatscheck,...