Anders | Ebelle. Das Spiel aller Spiele | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 422 Seiten

Anders Ebelle. Das Spiel aller Spiele


1. Auflage, Digital Original 2016
ISBN: 978-3-646-60240-1
Verlag: Carlsen
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 422 Seiten

ISBN: 978-3-646-60240-1
Verlag: Carlsen
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



**Wenn man sich plötzlich in seinem Lieblingscomputerspiel wiederfindet...** Eleanor ist anders als die Mädchen an ihrer Schule. Während jene shoppen gehen, hockt sie als leidenschaftliche Gamerin zu Hause und spielt bis tief in die Nacht heroische Online-Spiele. Bis eines Tages das Unmögliche wahr wird und sie im neuesten Trendgame »Ebelle« aufwacht. Ohne Waffe und in Schuluniform muss sie sich von Null auf ein Überleben sichern, Aufgaben erfüllen und vor allem einen Weg zurück in die Realität finden. Gar nicht so leicht, wenn man sich in einem mittelalterlichen Reich befindet, das kurz vor einem Krieg steht und in dem man noch nie etwas von heißen Duschen oder Smartphones gehört hat. Aber Eleanor ist eine gute Spielerin. Sie lernt die richtigen Leute kennen, schlägt sich durch und gewinnt sogar das Herz eines entscheidenden Kämpfers. Währenddessen braut sich über Ebelle ein Unheil zusammen, das nur sie aufhalten kann... //Textauszug: »Vitia el méra«, flüsterte ich leise, aber das hier waren nicht meine Götter und dieser Ort nicht meine Welt. Ein erdrückendes Gefühl der Einsamkeit überrollte mich wie eine eisige Flutwelle, während Zweifel in mir hochstiegen. Was, wenn ich mich irrte? Was, wenn es keinen größeren Plan gab, dem ich folgen musste, um nach Hause zu kommen, dann wäre ich hier allein. Allein und in Ebelle verschollen.//

Antonia Anders lebt bei ihrer Familie in einer bayerischen Kleinstadt. Das Schreiben faszinierte sie schon von Kindesbeinen an und entwickelte sich zu einer ausgeprägten Leidenschaft für das Fantasy-Genre, ganz egal, ob als Film, Buch oder Spiel. Wenn sie gerade einmal Stift und Notizbuch beiseitelegt, spielt sie gerne Querflöte oder Klavier - oder Online-Rollenspiele.
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1. Ebelle


Sterben, das geht zu einfach. Seufzend lehnte ich mich zurück und ließ meinen Schreibtischstuhl geräuschvoll knarzen. Vor mir flammte erneut der orange Ladebalken auf. Schon wieder hatte einer dieser Mistkerle mich hinterrücks erwischt, kaum dass ich angekommen war, geschweige denn, dass ich mich hatte umsehen können.

Eb-Online, so hieß meine neue Leidenschaft. Die Welt von Ebelle versprach endlich Abwechslung im ewig gleichen Internet. Ja, ich spielte Rollenspiele im Internet. Ich war ein elender, hobbyloser, brillen- und zahnspangentragender, sabbernder Nerd. Obwohl, nein, eigentlich hatte ich weder eine Brille noch eine Zahnspange, und sabbern tat ich allerhöchstens im Schlaf, Ehrenwort!

»Elle? Eleanor Winfield!« Das war mein Dad. »Ich bin wieder daheim!« Das war tatsächlich überraschend. Mein gesetzlicher Vormund streckte den Kopf zur Tür herein und sah mich vorwurfsvoll an. »Schon wieder am Computer?«

»Ich wechsle auch gern zum Fernseher«, sagte ich über die Schulter und betrachtete wieder den Ladebalken.

»Wie war's in der Schule?«

»Gut.«

»…«

»Ja?«

»Möchtest du nicht vielleicht ein wenig ausführlicher antworten?«

»Es war gut.« Mehr als einen ganzen Satz konnte er doch nicht wirklich von mir erwarten. Wir hatten eine Französisch-Arbeit geschrieben und ich war eine Niete in Fremdsprachen – in Naturwissenschaften übrigens auch. Ich hatte mich noch nicht damit abgefunden, Dad bald wieder ein Null-Punkte-Versagen vorlegen zu müssen. Diesen enttäuschten Gesichtsausdruck, den er dann aufsetzte, als ob er es besser gekonnt hätte, hielt ich kaum aus. Dad arbeitete in einem Elektronik-Unternehmen in Edinburgh.

»Ich sehe schon, du bist gerade beschäftigt.« Dad lehnte immer noch im Türrahmen. »Ich treffe mich heute mit Cynthia. Pizza ist im Tiefkühlfach.«

»Glaubst du nicht, Cynthia erwartet eher so etwas wie ein Candle-Light-Dinner?«

»Sehr lustig«, sagte mein Dad trocken. »Bis dann.« Kopfschüttelnd verließ er mein Zimmer und der Ladebalken war vielleicht zwei Millimeter vorgerückt!

Ich wartete noch ein wenig, bis ich hörte, wie Dad die Tür hinter sich geschlossen und den Schlüssel gezogen hatte, dann sprang ich auf und lief zum Tiefkühlfach.

Die Küche war gerade groß genug für zwei Personen, doch da ich hier meistens alleine wirtschaftete, machte das nicht viel aus. Margherita, die mochte ich am liebsten! Ich zog das Blech heraus, platzierte den Teigfladen vorsichtig darauf, stellte den Backwecker und schlug die Ofenklappe wieder zu.

Cynthia, hieß sie nicht Sheryl? Ganz sicher, vor einem Monat hatte ihr Name noch mit einem »S« angefangen. Meine Mum und mein Dad hatten sich vor fünf Jahren getrennt. Sie lebte seitdem in Newcastle und ich hier in Edinburgh.

Ich war der Typ, der mit seinen siebzehn Jahren gerne zur großen Gruppe gehört hätte, zum Mainstream, wie man so schön sagte, aber ich schaffte es einfach nicht. Wo ich auch hinkam, meine Anpassungsversuche scheiterten kläglich. Nicht, dass ich versucht hätte mit einem Dudelsack in die Schule zu kommen, nachdem wir hergezogen waren oder so was. Echte Freunde hatte ich bisher kaum gefunden. Doch immerhin, seit kurzer Zeit war ich stolzes Mitglied unserer Klassen-WhatsApp-Gruppe.

Eine dampfende Pizza auf dem Arm balancierend stieß ich erneut die Tür zu meinem Zimmer auf. Mein kleines Reich war leider sehr beengt. Auf der rechten Seite stand mein Bett, das wir mit Ach und Krach zwischen beide Wände gequetscht hatten, in der Mitte der Schreibtisch mit meinem Computer. (Wie passend, das Zentrum meines Lebens in der Mitte, tja, Nerd eben). Zu meiner Linken befand sich die Kleiderkommode, wo sich haufenweise Bücher, Ladekabel, kunterbunte Kuscheltiere und Brettspiele stapelten, die mangels Mitspielern vermoderten. Ich räumte ein tellergroßes Loch in das Chaos und stellte die Pizza dort ab.

In diesem Moment tönte eine Fahrradklingel aus der Tasche meines karierten Rocks (ich hatte die Schuluniform noch nicht ausgezogen). Das war mein Smartphone, vermutlich verglichen meine Klassenkameraden ihre Angaben in der Prüfung und verbreiteten gründlich Panik. Ich zog mein Handy heraus und entsperrte es.

Was war denn jetzz richtig?? :D Hab keine Ahnung …!

Ich auch nicht, tippte ich.

Mein Gott!! War echt soo eine Kacke!! –.-

Stimmt, tippte ich.

Vor allem die erste Aufgabe!!! mann, hat die wer?? Hallo??

Satzzeichen sind keine Rudeltiere, tippte ich und machte noch so einen süßen Wolf-Emoji daneben.

Eleanor wurde aus der Gruppe entfernt.

Lol. Ich schaltete mein Handy aus.

Etwas niedergeschlagen ertränkte ich nun meine soziale Unbeholfenheit in Orangensaft. Großzügig schenkte ich mir ein und trank in langen Zügen. Ich knallte das Glas auf die Theke und lief zurück in mein Zimmer, endlich! Es hatte geladen. Mit einem Lächeln ließ ich mich in meinen Sessel sinken.

Ich klickte mich durch gefühlte hunderte von Werbe-Pop-ups, bis ich endlich wieder den ursprünglichen Bildschirm sehen konnte. Da wollte man mir ein Anti-Viren-Programm andrehen, ein heißes Date mit einem vollbusigen Single aus meiner Nähe (ich stehe nicht auf große Hupen, ganz allgemein), einen Haufen Designer-Sessel und noch einige vielversprechende Aktien.

Ich begann also eine neue Partie in Ebelle-Online. Vor mir erschien etwa drei Sekunden lang die detaillierte Karte der Welt. Sehr hilfreich war das. Ehe ich auch nur das Gröbste hatte entziffern können, war sie schon wieder verschwunden. Vermutlich musste ich mich dort auf meine ausgeprägten Pfadfinder-Kenntnisse verlassen. Der Bildschirm wurde schwarz, dann flimmerte plötzlich eine weitläufige Landschaft auf. Das war eigentlich nicht normal für ein Online-Spiel. Normalerweise durfte man vorher ausführlich einen Charakter erstellen, der so wenig wie möglich seinem tatsächlichen Ich ähnelte. Also quasi das Gegenteil-Spiegelbild zur Person hinter dem Avatar darstellte.

Mein Gegenteil-Tag-Ich wäre dann wohl blond und vollbusig, mit himmelblauen Augen, hochgewachsen, allseits beliebt, behütet von glücklich verheirateten Eltern und außerdem ein richtiges As in Fremdsprachen (insbesondere in Französisch).

Die Welt hatte sich geöffnet. Willkommen daheim in der Fantasy, wo Trolle noch putzige Fabelwesen waren.

***

Ich stand auf einer weiten, ebenen Grasfläche. Durch die Lautsprecher hörte ich es rauschen, eine Soundstörung? Nein, hinter mir war das Meer. Ich drehte mich um. Ich stand an einer Art Küste, ein schmaler Sandstreifen vor mir. Hektisch drückte ich einige Tasten. Ich streckte die Hände aus. Ich trug eine Rüstung, die anscheinend meinen ganzen Körper bedeckte. Um ehrlich zu sein, sah sie ziemlich hässlich aus. Sie spiegelte im Sonnenlicht, vermutlich konnte ich damit meine zahllosen Gegner blenden, die mir bald wieder auflauern würden. In einer Sache sind Online-Spieler und Schulhöfe genau gleich: »Da ist ein Neuer! Schnappt ihn euch!«

Nein, diesmal ohne mich. Ich hielt die Vorwärts-Taste gedrückt und entfernte mich von der Küste. Vor mir erstreckte sich nichts als grünes Niemandsland, kein anderer Spieler war zu sehen, ein Glück.

In den folgenden Stunden begann ich die Gegend ausführlich zu erkunden. Viel gab es bisher nicht zu sehen, ein wenig enttäuschend. Die Landschaft war öde und leer und schien lediglich von einigen schwarz-weiß gescheckten Krähen bevölkert zu werden, die mit einem langgezogenen Schnarren, das gar nicht typisch für Krähen klang, über mich hinwegschwirrten. Warum sahen diese Vögel eigentlich aus wie ein schlecht belichtetes Bild? So etwas nannte man wohl kreatives Design. Ich fühlte mich ein wenig deplatziert, wie ich so aufs Geratewohl einfach geradeaus lief. Egal, mich sah ja keiner. Endlich, nach etwa zwanzig Minuten, war da etwas Neues am Horizont. Ein Lächeln glitt über mein Gesicht, als ich die Umrisse eines Dorfes in der Ferne erkannte. Mir war sofort klar, hier durfte man sich als Neu-Einsteiger austoben und seine ersten Lorbeeren sammeln. Nicht, dass ich der Einzige mit diesem Gedanken gewesen wäre. Ich sah von den kleinen Häusern eine dicke schwarze Rauchsäule aufsteigen. Dort waren auch andere Spieler, vermutlich auf der Suche nach einer weniger hässlichen Rüstung. Blieb nur zu hoffen, dass ich mich gut genug vor ihnen verbergen konnte oder sie so gutmütig waren, mich nicht sofort umzubringen – oft genug war es ja schon passiert.

»Elle!« Ich schreckte hoch. Die Stimme kam aus dem Flur. Es war mein Dad.

Widerwillig sprang ich hoch und riss die Tür auf. Ich prallte zurück, als ich Dad zusammen mit einer blonden Frau im Flur stehen sah.

»Ich dachte, ihr geht essen«, sagte ich und setzte ein freundliches Gesicht auf. Wenn ich nur brav genug Konversation machte, konnte ich schneller wieder zurück und endlich das Dorf erkunden.

»Wollten wir eigentlich auch«, erklärte Dad.

»Wir haben uns spontan anders entschieden«, schaltete sich Cynthia ein. »Der Italiener hatte Ruhetag.«

»Pech, äh, ich meine, wie bedauerlich. Ich hoffe doch, das stellt keine allzu große Enttäuschung für euch dar.«

Cynthia lachte. Lachte sie über mich oder meine witzige Art ein Gespräch zu führen?

»Das ist meine Tochter, Elle …« Dad schien zu überlegen, was, beziehungsweise, ob es irgendetwas Unverfängliches über mich zu erzählen gab. »Sie ist siebzehn.« Das war schon ein wenig schwach.

»Meine Freizeit verbringe ich eigentlich durchgängig vor...


Antonia Anders lebt bei ihrer Familie in einer bayerischen Kleinstadt. Das Schreiben faszinierte sie schon von Kindesbeinen an und entwickelte sich zu einer ausgeprägten Leidenschaft für das Fantasy-Genre, ganz egal, ob als Film, Buch oder Spiel. Wenn sie gerade einmal Stift und Notizbuch beiseitelegt, spielt sie gerne Querflöte oder Klavier – oder Online-Rollenspiele.



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