E-Book, Deutsch, 313 Seiten, eBook
Zolleis Die CDU
2008
ISBN: 978-3-531-90837-3
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Das politische Leitbild im Wandel der Zeit
E-Book, Deutsch, 313 Seiten, eBook
ISBN: 978-3-531-90837-3
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Das politische Leitbild der CDU basiert historisch nicht nur auf den prägenden Wurzeln und Traditionen der Christdemokratie, sondern zeigt auch, inwiefern die CDU noch heute eine 'christdemokratische' Partei ist. Das Buch untersucht anhand der Parteistrategie der CDU, ihrer Programmatik und ihrer Politik sowie ihres innerparteilichen Lebens den Wandel ihres politischen Leitbildes von der Parteigründung an bis zum Beginn des Parteivorsitzes von Angela Merkel.
Dr. Udo Zolleis ist Lehrbeauftragter für Politikwissenschaft an der Universität Tübingen.
Zielgruppe
Research
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1;Inhalt;5
2;Abkürzungsverzeichnis;9
3;Vorwort;11
4;1 Einführung;13
4.1;1.1 Einleitung;13
4.2;1.2 Gegenstand und Ansatz der Untersuchung;15
4.3;1.3 Analysezugang;19
4.4;1.4 Zeitliche und inhaltliche Eingrenzung;37
4.5;1.5 Grundlage und Aufbau der Arbeit;39
5;2 Ursprünge der Christdemokratie in Deutschland und Europa;41
5.1;2.1 Einleitung;41
5.2;2.2 Die Wurzeln der Christdemokratie in Europa;43
5.3;2.3 Die christdemokratischen Wurzeln in Deutschland;50
5.4;2.4 Zusammenfassung;60
6;3 Die Entwicklung christdemokratischer Parteien in der Nachkriegszeit und die Herausbildung ihrer Wirtschaftspolitik;63
6.1;3.1 Einleitung;63
6.2;3.2 Das christdemokratische Politikverständnis;69
6.3;3.3 Das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft;75
6.4;3.4 Recht auf Eigentum;79
6.5;3.5 Mitbestimmung;81
6.6;3.6 Umwelt und Wirtschaft;83
6.7;3.7 Zusammenfassung;85
7;4 Die CDU als Mitglied der christdemokratischen „famille spirituelle“;89
7.1;4.1 Einleitung;89
7.2;4.2 Das politische Leitbild der CDU;90
8;5 Die CDU im christdemokratischen Jahrzehnt;97
8.1;5.1 Einleitung;97
8.2;5.2 Gründung der CDU;98
8.3;5.3 Der Einfluss des Sozialkatholizismus und der bürgerlichen Sozialreform auf den Eigentumsgedanken der CDU;107
8.4;5.4 Die Miteigentumspläne: eine gescheiterte Initiative zur Eigentumspolitik der CDU;109
8.5;5.5 Das erste Vermögensbildungsgesetz: Die erfolgreiche Durchsetzung der Eigentumspläne;122
8.6;5.6 Zusammenfassung: Die Wirtschaftspolitik der CDU in den 1950er und 1960er Jahren;125
9;6 Die CDU entwickelt sich zu einer Mitgliederpartei;129
9.1;6.1 Einleitung;129
9.2;6.2 Die CDU organisiert und besinnt sich neu;130
9.3;6.3 Die Mitbestimmungsforderungen in der christdemokratischen Tradition;146
9.4;6.4 Die Mitbestimmung als politisches Thema der 1960er und 1970er Jahre;151
9.5;6.5 Die Mitbestimmung als wirtschaftpolitischer Zankapfel innerhalb der Union;153
9.6;6.6 Zusammenfassung;179
10;7 Die CDU vor der Wiedervereinigung als pragmatische Regierungspartei der Mitte;183
10.1;7.1 Einleitung;183
10.2;7.2 Die neue Lagerbildung im politischen Markt;186
10.3;7.3 Innerparteiliches Leben;190
10.4;7.4 Programmformulierung;193
10.5;7.5 Umweltmaßnahmen der schwarz-gelben Bundesregierung;207
10.6;7.6 Zusammenfassung;212
11;8 Die CDU in den 1990er Jahren;215
11.1;8.1 Einleitung;215
11.2;8.2 Politischer Markt;217
11.3;8.3 Innerparteiliches Leben;221
11.4;8.4 Petersberger Steuervorschläge;227
11.5;8.5 Die Privatisierung in der Politik der CDU;229
11.6;8.6 Zusammenfassung;233
12;9 Die CDU nach Helmut Kohl: Zwischen Euphorie und Parteikrise – Die Oppositionsjahre 1998 bis 2005.;235
12.1;9.1 Einleitung;235
12.2;9.2 Politischer Markt;237
12.3;9.3 Innerparteiliches Leben;243
12.4;9.4 Programmarbeit;247
12.5;9.5 Zusammenfassung;259
13;10 Konklusion: Zwischen Werteidentität und politischem Markt – Die CDU als christdemokratische Partei;261
13.1;10.1 Die christdemokratischen Grundwerte in der CDU;261
13.2;10.2 Der Wandel des politischen Leitbildes in der Geschichte der CDU;264
14;Literatur;277
Ursprünge der Christdemokratie und Deutschland und Europa - Die Entwicklung christdemokratischer Parteien in der Nachkriegszeit und die Herausbildung ihrer Wirtschaftspolitik - Die CDU als Mitglied der christdemokratischen famille spirituelle - Die CDU im christdemokratischen Jahrzehnt - Die CDU entwickelt sich zur Mitgliederpartei - Die CDU vor der Wiedervereinigung - Die CDU nach Helmut Kohl: Zwischen Euphorie und Parteikrise - Konklusion: Zwischen Werteidentität und politischem Markt
1 Einführung (S. 13)
1.1 Einleitung
Die Frage nach der Gültigkeit des „C in der CDU wurde bereits früh gestellt. Schon in den 1960er Jahren konstatierte der Jesuit und katholische Sozialwissenschaftler OSWALD VON NELL-BREUNING: „Ihr Christentum hat die CDU restlos ausgeschwitzt und ist zu einer treuen Kapitalistenpartei geworden. Ähnlich argumentierte rund dreißig Jahre später der Kölner Erzbischof KARDINALMEISNER, der der CDU das Recht absprach, das „C in ihrem Namen zu führen.
Aber nicht nur katholische Vertreter zweifelten am „christdemokratischen Kern der CDU. So folgerte der österreichische Politikwissenschaftler FRANZ HORNER, dass aufgrund der zunehmenden gesellschaftlichen Säkularisierung und dem Abschwächen soziokultureller Milieus sich christdemokratische Parteien zwangsläufig zu diffusen liberal-konservativen Sammlungsparteien gewandelt hätten. Auch Medien und Publizisten fragten nach der Gültigkeit des „C in der Politik der CDU.
So erklärte die Wochenzeitung RHEINISCHER MERKUR in den siebziger Jahren: „Was heißt christliche Politik? Die Pragmatiker verweisen auf Wählerumfragen, nach denen das „C bei der Wahlentscheidung kaum mehr eine Rolle spiele. Die CDU sei für die Wähler die Partei der sozialen Marktwirtschaft, der europäischen Einigung, der Staatsautorität. Die Union solle sich … weniger als christliche denn als konservative Partei profilieren.
Die Reaktion der CDU-Parteiführung auf das schwache Abschneiden bei der Bundestagswahl 2005, das CDU-Grundsatzprogramm zu überarbeiten und damit die Grundlage für bessere Wahlergebnisse zu schaffen, belegt auch die hohe politische Bedeutung der eigenen Identität, die sich im politischen Leitbild manifestiert.
Denn in Zeiten komplexer und komplizierter Entscheidungen geben politische Leitlinien nicht nur Orientierung für die Wählerschaft, sondern helfen auch der politischen Elite, ihr Handeln zu legitimieren und Unterstützung für ihre Politik inner- und außerhalb der eigenen Reihen zu organisieren. Das politische Leitbild, das heißt die Summe aller normativen Wertvorstellungen einer Partei – positioniert diese auf dem politischen Markt, zieht den roten Faden für deren politisches Handeln und strukturiert ihr innerparteiliches Leben.
Aber auch politiktheoretisch ist die Frage nach dem politischen Leitbild der CDU interessant. Denn trotz ihrer Bedeutung in der bundesrepublikanischen Politik ist die wissenschaftliche Lücke über die CDU deutlich. SPD, Bündnis 90/Die Grünen, die FDP, aber auch rechtsextreme Parteien haben mehr Interesse in der akademischen Welt gefunden als die CDU. Noch stärker sticht die wissenschaftliche Lücke bei der Betrachtung der unterschiedlichen Abhandlungen über die CDU hervor.
Sie sind entweder sehr personen- oder politikfeldorientiert oder Studien über eine bestimmte Organisationsbeschaffenheit der Partei. Arbeiten, die sich mit dem Wandel des politischen Leitbildes der CDU beschäftigen, sind bis dato nur als allgemeine Überblicksdarstellungen über die Parteigeschichte vorhanden.
Aber nicht nur in den einzelnen CDU-Studien, auch in der politikwissenschaftlichen Theorie über den Wandel des innerparteilichen Lebens spielen Leitbilder von Parteien keine übergeordnete Rolle.
Dies zeigen nicht zuletzt die in den vergangenen Jahren erschienenen Studien zum Organisationswandel von Parteien. Sie erklären die veränderten gesellschaftlichen Bindungen, gehen auf die veränderte Mitgliederlogik der Parteien ein und beschäftigen sich mit Wahlkämpfen und dem Verhältnis der Parteien zum Staat. Über den Wandel und die Kontinuität von politischen Leitbildern als Kitt dieser Organisationen sagen sie nichts aus.
Dabei schaffen diese erst die logische Verknüpfung zwischen der Strukturierung des politischen Lebens, der eigenen Positionierung und dem Handeln auf dem politischen Markt sowie die eigene Programmposition. Gerade historische Umbrüche in der Geschichte bedeutender Parteien zeigen den engen Zusammenhang zwischen den unterschiedlichen Bereichen und Funktionen von Parteien.




