Zimmermann | Der Appalachian Trail | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 228 Seiten

Zimmermann Der Appalachian Trail

5'000'000 Schritte von Georgia nach Maine
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-347-22155-0
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

5'000'000 Schritte von Georgia nach Maine

E-Book, Deutsch, 228 Seiten

ISBN: 978-3-347-22155-0
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Andreas Zimmermann und Ursula Wanner haben die 2167.1 Meilen des Appalachian Trails, des längsten durchgehend markierten Wanderweges der Welt, in 178 Tagen zu Fuss gemeistert: 'Wir haben diesen Weg geliebt und gehasst. Wir sind gewandert, Tag für Tag, haben geflucht, gelacht und geweint, haben tolle Menschen kennengelernt. Wir haben den Zustand des Flow genossen, haben gelitten, sind auf allen vieren gekrochen. Wir sind beinahe verdurstet, doch meist sind uns eher Schwimmhäute gewachsen. Wir haben uns vollgefressen, haben gehungert und ab und zu einen über den Durst getrunken. Wir haben geschwitzt, gefroren und geschlottert, um unser Leben gebangt. Das war das volle Leben, wie es intensiver nicht sein konnte und das Verrückteste daran ist: Wir würden es wieder tun!' In seinem packenden Reisebericht erzählt Andreas Zimmermann von den Freuden und Leiden unterwegs. Die Geschichten sind mal heiter, mal besinnlich und tiefgründig und gespickt mit vielen praktischen Tipps.

Andreas Zimmermann, geboren 1963, erlernte ursprünglich den Beruf des Maschinenzeichners. Danach machte er die Matura auf dem zweiten Bildungsweg und studierte an der Universität Bern einige Semester Ur- und Frühgeschichte, Ethnologie und Soziologie. In die Studienzeit fallen seine ersten längeren Reisen nach Kanada und Alaska, sowie eine 4-monatige Feldforschung in Jordanien. Seit 1993 verdient er seinen Lebensunterhalt als selbstständiger Reisefotograf, Vortragsreferent und Autor.
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Die ersten Tage

Wir schreiben den 2. April 2000, es ist unser erster Tag auf dem Appalachian Trail. Wir registrieren uns in der Rangerstation und machen bei der Rubrik «Thru-Hiker» ein Kreuzchen. Die Federwaage vor dem Haus zeigt für meinen Rucksack 25 kg an, für denjenigen von Ursula 19 kg. In Anbetracht der scheinbar vielen Lebensmittel und der umfangreichen Kameraausrüstung finde ich dies nicht allzu schlecht.

Der eigentliche Start des AT befindet sich auf dem Springer Mountain. Mit einem Taxi kann man sich in die Nähe des Startpunktes bringen lassen. Wir ziehen es aber vor, auch den «Approach Trail», den Zugangsweg, der am bekannten Torbogen beginnt, zu Fuss hinter uns zu bringen. Das ergibt für uns zusätzliche 8.8 Meilen. Auf die restlichen 2167.1 Meilen gerechnet ist das aber nur noch ein Klacks.

Die Route

(Amicalola Falls) – Springer Mountain – Mount Katahdin

Wir prüfen ein letztes Mal unser Gepäck und da der Nachmittag bereits ziemlich fortgeschritten ist, beschliessen wir, nur 1.2 Meilen bis zur Amicalola-Lodge zu wandern, wo wir einen Campingplatz vorfinden. Der Pfad ist sehr steil und felsig, da er die Klippe des Wasserfalls überwinden muss. Auf halber Strecke erreichen wir den Weg, der zu einer Aussichtsplattform führt. Ein Wasserfall von oben ist in der Regel nichts Spektakuläres, so auch in diesem Fall. Für uns ist es aber eine günstige Gelegenheit, eine Pause einzulegen, ohne zugeben zu müssen, wie erschöpft wir schon sind …

Wir richten uns auf dem Camping ein, geniessen ein üppiges Mahl und eine letzte Dusche und verkriechen uns in unseren mollig warmen Schlafsäcken. Morgen früh geht es dann richtig los.

Ein ohrenbetäubender Knall reisst uns aus unseren Träumen, die Erde scheint zu beben, grelles Licht blendet die Augen – ein Gewitter, wie wir es noch nie erlebt haben, zieht über uns hinweg. Sintflutartig ergiessen sich die Wassermassen aus dem Himmel. Blitz und Donner in endlosen Kaskaden. Bald schon ist unser Zelt am Zusammenbrechen. Ich stürze mich, nur mit Unterhose bekleidet, hinaus und bin in Sekundenbruchteilen völlig durchnässt. Die Heringe sind aus dem sandigen Boden gespült worden und liegen nun in den grossen Pfützen. Ich bediene mich an der Feuerstelle und bringe das Zelt mittels einigen grossen Steinen wieder halbwegs zum Stehen. Das Unwetter scheint ewig zu dauern. Es hört erst gegen Morgen auf zu regnen. Nachdem das Zelt wieder sicher steht, schläft Ursula herrlich weiter. Ich dagegen tue praktisch kein Auge mehr zu. Das Positive am Ganzen: Das Zelt hat den ersten Härtetest bravourös überstanden. Im Innern blieb alles trocken.

Orientierung auf dem Trail:

• White Blaze

Der gesamte Weg ist mit senkrechten weissen Markierungen an Bäumen und Felsen gekennzeichnet (Grösse ca. 15 cm x 5 cm). Sich verlaufen ist praktisch unmöglich. Der AT ist somit der längste durchgehend markierte Fussweg der Welt.

• Blue Blaze

Analog der weissen Markierungen existieren auch blaue. Diese weisen meist den Weg zu Wasserstellen. Ab und zu werden so aber alternative Routen zu schwer begehbaren Abschnitten markiert.

• Appalachian Trail Data Book

… ist das wichtigste Hilfsmittel zur Orientierung und Organisation auf dem Weg. Es enthält von Meile zu Meile aufgelistet Informationen über Schutzhütten, Campingmöglichkeiten, Trinkwasser (Flüsse, Quellen), Strassenanschlüsse, Ortschaften und ihre Infrastruktur sowie Höhenangaben von Bergen und Tälern. Gewicht: ca. 100 g

• Appalachian Trail Thru-Hikers’ Companion

… ist das zweite Buch, welches häufig mitgenommen wird. Als Ergänzung zum Data Book bietet es ausführliche Informationen zu Ortschaften, wie Ortspläne, Preislisten von Hotels / Motels / Hostels, empfehlenswerte Restaurants, Sehenswürdigkeiten, Ausflüge in die nähere Umgebung und auch Höhenprofile der verschiedenen Streckenabschnitte sind vorhanden.

Gewicht: ca. 330 g

• Topographische Karten

… sind für den gesamten Trail erhältlich. Sie sind teuer und nur von geringem Zusatznutzen. Meiner Meinung nach sind solche Karten nur überflüssiger Ballast!

Frisch gestärkt mit Müsli und heisser Schokolade gehts um 10 Uhr morgens endlich weiter. Das Zelt wiegt wegen der Nässe mindestens ein Kilogramm mehr. Ich habe das Gefühl, jedes Gramm einzeln auf meinen Schultern zu spüren. Die Landschaft ist in feinen Nebel gehüllt und ab und zu nieselt es ein wenig. Der Wald ist noch kahl und grau, hinterlässt aber bei diesem Wetter einen geradezu mystischen Eindruck. Es macht Spass, endlich unterwegs zu sein. Dank unseren Regenponchos kann uns das Wetter nichts anhaben. Gemütlich legen wir die 6.1 Meilen bis zur Black Gap Shelter zurück. Aus dem Hüttenbuch erfahren wir, dass am heutigen Tag weitere 16 Hiker (Wanderer) vor uns auf dem Trail sind. Die nächste und übernächste Hütte wird wohl ziemlich überfüllt sein, denken wir. So kommt es, dass wir uns schon kurz nach 14 Uhr hier für die nächste Nacht einrichten.

Ausserdem wollen wir das Ganze langsam angehen. Wir sind ohne jegliches Training in dieses Abenteuer gestartet und erst zwei Tage vor dem Abflugtermin konnten wir die gesponserten Schuhe bei Raichle Boots in Kreuzlingen abholen. Also nur nichts übertreiben am Anfang. Auch Relaxen und Nichtstun kann schön sein. Vor allem werden es uns die müden Muskeln danken. Gegen Abend verschlechtert sich das Wetter. Die Wolken verfärben sich von grau zu grau-schwarz, bis hin zu einem hässlichen gelb-schwarz. Und bald darauf entlädt sich wieder ein heftiges Gewitter über unseren Köpfen. Doch diese Nacht in der sicheren Hütte schlafe ich herrlich. Ich bemerke nichts von Ursulas heroischem Kampf mit den frechen Mäusen, die unsere Lebensmittel stibitzen wollen. Mit Ausnahme eines angeknabberten Fladenbrotes kann Ursula weiteren Schaden abwenden. Mir wird jetzt sofort klar, wozu all die von der Decke hängenden Schnüre dienen, die mit nach unten offenen alten Konservendosen bestückt sind. Von oben kommend, können die Mäuse die darunter aufgehängten Essenssäcke nicht mehr erreichen.

Nach 1.5 Meilen erreichen wir den Springer Mountain. Wir sind nun den dritten Tag unterwegs und haben den offiziellen Startpunkt des AT erreicht. 2167.1 beschwerliche Meilen liegen noch vor uns. Auf dem Weg zum Gipfel setzt eisiger Wind und Schneetreiben ein. Rasch tragen wir uns mit klammen Fingern ins Gipfelbuch oder Logbook, wie es hier heisst, ein und verlassen diesen ungastlichen Ort. Der Springer Mountain liegt am südlichen Ausläufer der Blue Ridge Mountains, aber von dem, was dieser malerische Name verspricht, ist leider nichts zu sehen.

Die Wege hier in Georgia sind noch nach alter Väter Sitte angelegt und führen, meist ohne Spitzkehren, in der direktesten Linie auf den Gipfel eines Berges und auf der anderen Seite wieder hinunter, auch wenn oben nichts zu sehen ist. Einfach möglichst rasch Richtung Norden und möglichst über jeden Berg, der an der Route liegt. Es ist ein ständiges Auf und Ab.

Man ist jedoch bemüht, attraktivere Routenführungen zu finden. Der Trail ist immer im Wandel und so ist die Gesamtlänge des AT seit dem Jahr 2000 um fast 30 Meilen gewachsen.

Die Landschaft ist noch nicht lange aus ihrem Winterschlaf erwacht. Die ersten Bäume treiben aus und einige Frühlingsblumen zieren den Wegrand. Am Morgen sind die Temperaturen sehr frisch und die noch karge Vegetation ist mit glitzernden Eiskristallen übersät. Die Regenperiode scheint für den Moment vorbei zu sein und die Sonne hat Kraft, zu wärmen. An den Abenden können wir bereits in kurzen Hosen und T-Shirt unseren Feierabend geniessen. Ursula, die mit der Kälte ihre Mühe hat, ist jetzt richtig munter geworden und sammelt fleissig Holz für das Lagerfeuer. Es benötigt aber einiges an Anstrengung und zum Schluss etwas Benzin aus unserem Kocher, um das nasse Holz in Brand zu setzen.

How to shit in the woods (Wie man in den Wald scheisst)

Hinterlasse nichts weiter als deinen Fussabdruck, das gilt auch für den Toilettengang.

• Die Schutzhütten verfügen meist über ein Plumpsklo, hier Outhouse oder Privy genannt. Da gibt es weiter keine Probleme.

• Für die Notdurft in der freien Natur gräbt man sich mit der mitgeführten Plastikschaufel oder mit einem Stück Ast (Bitte nur Fallholz verwenden!) ein Loch und erledigt sein Geschäft. Das Papier wird möglichst vollständig verbrannt und das Loch wieder zugeschüttet. Wer Gewicht sparen will verzichtet auf das Papier und wischt sich den Hintern mit Moos oder Blättern ab.

• Die Mobile Po-Dusche, das...



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