E-Book, Deutsch, 672 Seiten
Zimmer Hermeneutisch-diskursiver Literaturunterricht
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8192-8639-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kritische Prüfung und Weiterentwicklung eines Arbeitsmodells zur Planung und Gestaltung des Literaturunterrichts im Rahmen der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern an weiterführenden Schulen im Fach Deutsch
E-Book, Deutsch, 672 Seiten
ISBN: 978-3-8192-8639-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Thorsten Zimmer (*1972) arbeitet seit vielen Jahren als Fachleiter für das Fach Deutsch am Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien in Koblenz. Er unterrichtet selbst die Fächer Deutsch und katholische Religion am Megina-Gymnasium in Mayen, ist Herausgeber von Schulbüchern und Unterrichtsma-terialien und war Teil der Kommission zur Entwicklung des aktuellen rhein-land-pfälzischen Deutsch-Lehrplans in der Sekundarstufe I.
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1. Einleitung: Darstellung des Forschungsvorhabens
1.1. Forschungsanlass und Forschungsziele
Literaturunterricht1 zu planen und zu gestalten stellt für die reflektierte2 Deutschlehrerin und den reflektierten Deutschlehrer eine äußerst komplexe Herausforderung dar. Bereits in der Phase der Unterrichtsvorbereitung müssen grundsätzliche Ziele des Deutschunterrichts ebenso bedacht werden wie deren Umsetzung und Umsetzbarkeit in der jeweiligen Altersstufe und anhand der ausgewählten literarischen Texte. Die Vorbereitung konkreter Lernprozesse muss Fragen zur Verbindung analytischer und affektiver Zugänge, zum Verhältnis zwischen inhaltlicher Auseinandersetzung und dem Aufbau grundsätzlicher und definierter Kompetenzen berücksichtigen. Unterrichtsmethoden müssen derart ausgewählt werden, dass sie zu den vorgesehenen Zugangsweisen, den Unterrichtszielen und dem Text passen und dass sie den Ansprüchen und Fähigkeiten der Lerngruppe bzw. der einzelnen Schülerinnen und Schüler gerecht werden. Aufgaben und Materialien müssen gestaltet, Unterrichtsgespräche müssen antizipiert und vorbereitet werden. Dabei müssen Fragen nach der kohärenten Vernetzung der genannten Planungsebenen ebenso im Blick behalten werden wie die grundsätzlich zu bewältigende Balance zwischen einer lernerinnen- bzw. lernerorientierten Offenheit und der zielorientierten Lenkung des Unterrichts. Fortgesetzt wird diese Anspruchskomplexität in der Durchführung der konkreten Stunde: Über die Moderation der vorbereiteten Lernschritte hinaus bedarf es einer permanenten situativen Diagnose zu deren Tragfähigkeit und Angemessenheit. Gespräche müssen initiiert und moderiert, kollektive wie individuelle Unterstützungen müssen zur Verfügung gestellt, Rückmeldungen müssen gegeben und Lerngeschwindigkeiten situativ angepasst werden. Nicht zuletzt müssen Ergebnisse gesammelt, verhandelt, gesichert und in übergreifende Lernlinien einbezogen werden. – Erweist sich dieser Katalog an Anforderungen schon für erfahrene Lehrerinnen und Lehrer als äußerst herausfordernd, birgt er für Berufsanfängerinnen und -anfänger nachvollziehbarerweise ein hohes Potenzial, das Gefühl von Frustration und Überforderung auszulösen.3
Dies ernst nehmend wurde am Staatlichen Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien in Koblenz ein Arbeitsmodell entwickelt, an dem sich sowohl die allgemeine wie auch die fachspezifische Ausbildung der Referendarinnen und Referendare orientieren kann. Indem wesentliche Gestaltungsfaktoren des Unterrichts definiert und einfache Handlungsoptionen zu seiner Planung und Durchführung in gestufter Anspruchsprogression vermittelt werden, soll die beschriebene Komplexität reduziert – besser: handhabbar und bewältigbar – gemacht werden, sodass Referendarinnen und Referendaren zu Könnens- und Erfolgserfahrungen verholfen wird.
Das Arbeitsmodell, das sowohl als Planungs- wie als Durchführungsmodell definiert ist, hat sich in den vergangenen Jahren in der Ausbildungspraxis des Studienseminars Koblenz4 auf vielen Ebenen und in vielen Situationen bewährt. Eine wissenschaftlich fundierte theoretische und praktische Überprüfung ist bisher allerdings nicht erfolgt. So brauchbar das Modell in der konkreten Ausbildungspraxis ist, so schnell stößt es daher an Legitimierungsgrenzen, wenn es zu anderen Modellen in Beziehung gesetzt werden oder als Grundlage von Gesprächen und Konzeptentwicklungen genutzt werden soll, die über den engen Wirkungskreis des Studienseminars in Koblenz hinausgehen. Die geplante Forschungsarbeit zielt in diesem Zusammenhang darauf, das Modell – namentlich in seiner Konkretisierung als Grundlagenmodell für die Ausbildung von Referendarinnen und Referendaren im Fach Deutsch – theoretisch und praktisch zu prüfen, weiterhin auszuschärfen und dadurch evident zu machen. In die Analyse und Prüfung einbezogen werden dabei die grundsätzlichen fachbezogenen Ausgestaltungen des allgemeinen Koblenzer ‚Lehr-Lern-Modells‘ in Form des Arbeitsmodells ‚hermeneutisch-diskursiver Literaturunterricht‘5 sowie die zugehörigen Konkretisierungsvorschläge zu den verschiedenen Steuerungsfaktoren des Unterrichts6. Die Untersuchung des Modells wird dabei von zwei verschiedenen Beobachtungskontexten und -perspektiven ausgehen, die seine Verwendbarkeit im Rahmen der zweiten Phase der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung7 in den Blick nehmen:
Forschungsperspektive 1: Wird Unterricht, der aufgrund des Koblenzer Arbeitsmodells ‚hermeneutisch-diskursiver Literaturunterricht‘ geplant und durchgeführt wird, theoretisch und praktisch dem Anspruch gerecht, literarisches Lernen im Sinne der derzeit gängigen und wissenschaftlich begründeten lerntheoretischen, pädagogischen und vor allem fachdidaktischen Positionen zu ermöglichen, bzw.: Wie muss und kann das Modell ergänzt oder modifiziert werden, um diesem Anspruch noch besser gerecht zu werden?
Forschungsperspektive 2: Bietet das Modell Referendarinnen und Referendaren eine tragfähige und ausbaufähige Grundlage zur Planung, Gestaltung und Reflexion komplexer Prozesse literarischen Lernens auf globaler8 wie lokaler9 Ebene, bzw.: Wie muss und kann das Modell ergänzt oder modifiziert werden, um diesem Anspruch noch besser gerecht zu werden?
Ziele der Forschungsuntersuchung sind die theorie- und praxisbezogene Überprüfung, Fundierung und Ausschärfung des Arbeitsmodells samt der zugehörigen Arbeitsmethoden – sowohl in seiner Anwendung bei der Unterrichtsplanung und -gestaltung als auch in der Ausbildung von Lehrerinnen- und Lehrern. Die erste Kernfrage der Forschungsarbeit wird aufgrund der gründlichen Darstellung der Forschungsstände innerhalb der einzelnen Bereiche und der darauf aufbauenden Entwicklung von Qualitätsansprüchen an ein Unterrichtsmodell zur Umsetzung literarischer Lernsituationen im theoretischen Teil der Arbeit zu beantworten versucht. Ausgehend von Bestimmungen dessen, wie literarisches Lesen und Lernen definiert sind, und um welche Kompetenzen und Spannungsfelder es dabei geht, werden auch die einzelnen Steuerungsebenen des Modells – namentlich die Aufgaben, das Material und die Gesprächsführung als ‚personale Steuerung‘ – an die fachdidaktische Forschungslage angebunden. Dabei sollen die Bezeichnungen des Koblenzer Arbeitsmodells als ‚hermeneutisch‘ und als ‚diskursiv‘ fachtheoretisch wie fachdidaktisch geprüft werden. Die oben formulierte erste Forschungsperspektive wird zunächst auf der theoretischen Ebene in den Blick genommen. Die Forschungsfrage lautet dann:
Forschungsfrage 1a) Wird Unterricht, der aufgrund des Koblenzer Arbeitsmodells ‚hermeneutisch-diskursiver Literaturunterricht‘ geplant und durchgeführt wird, vor dem Hintergrund fachdidaktischer Konzeptionen dem Anspruch gerecht, literarisches Lernen im Sinne der derzeit gängigen und wissenschaftlich begründeten lerntheoretischen, pädagogischen und v. a. fachdidaktischen Positionen zu ermöglichen? – Teilfragen, die zu beantworten sind, lauten: Lässt sich die modellierte Phasierung theoretisch begründen? Passt die Vorstellung von Lernaufgaben zu den theoretischen Positionen? Sind die Vorstellungen zur Gesprächsgestaltung theoretisch begründbar? Lassen sich vertretbare Aussagen zur Materialauswahl und -präsentation formulieren?
Praktisch bewähren muss sich das Arbeitsmodell sowohl als Modell zur Abbildung eines ‚angemessenen‘ literarischen Lernprozesses als auch in seiner Funktion als Ausbildungshilfe für Referendarinnen und Referendare. Ausgehend von den vorher entwickelten Anforderungs- und Qualitätskriterien wird im empirischen Teil der Arbeit die Tauglichkeit des Modells im Unterricht der Referendarinnen und Referendare geprüft. Aufgrund der Analyse zweier Literaturstunden soll analysiert werden, ob die Lernprozesse, die mithilfe des Arbeitsmodells gestaltet werden, tatsächlich das literarische Lernen – wie es vorher definiert bzw. beschrieben wurde – ermöglichen und fördern, und ob bzw. in welchem Maß das Modell Referendarinnen und Referendare bei der Planung und Durchführung literarischer Lernprozesse unterstützt. Weitere Forschungsfragen, die untersucht werden, sind also die folgenden:
Forschungsfrage 1b) Wird Unterricht, der aufgrund des Koblenzer Arbeitsmodells ‚hermeneutisch-diskursiver Literaturunterricht‘ geplant und durchgeführt wird, praktisch dem Anspruch gerecht, literarisches Lernen im Sinne der derzeit gängigen und wissenschaftlich begründeten lerntheoretischen, pädagogischen und vor allem fachdidaktischen Positionen zu ermöglichen, bzw.: Wie muss und kann das Modell ergänzt oder modifiziert werden, um diesem Anspruch noch besser gerecht zu werden?
Forschungsfrage 2) Bietet das Koblenzer Arbeitsmodells ‚hermeneutisch-diskursiver Literaturunterricht‘ Referendarinnen und Referendaren eine tragfähige und ausbaufähige Grundlage zur Planung, Gestaltung und Reflexion komplexer Prozesse literarischen Lernens auf...




