Zietsch / Thurner | Elfenzeit 3: Totengrau | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 448 Seiten

Reihe: Elfenzeit

Zietsch / Thurner Elfenzeit 3: Totengrau


1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-946773-22-1
Verlag: Fabylon
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 3, 448 Seiten

Reihe: Elfenzeit

ISBN: 978-3-946773-22-1
Verlag: Fabylon
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Das Ende der Anderswelt naht!
Es gibt die Unsterblichen wirklich: Elfen, Feen, Vampire, Götter, Fabeltiere … und sie leben gleich nebenan. Alle Mythen und Legenden der vielen Ethnien sind wahr.
Seit Jahrhunderten sind die Grenzen zwischen den Welten geschlossen.
Doch dann geschieht etwas, das unmöglich scheint: Die Zeit bricht in die Anderswelt ein, die Grenzen werden durchlässig.

Wieder zurück in München, möchte Nadja mit den Elfen-Abenteuern abschließen. Die Enthüllungen ihres Vaters Fabio Oreso über ihre wahre Herkunft lassen sie an allem zweifeln und sie fühlt sich zwischen den Welten gefangen.
Doch sie ist zu sehr in die Geschichte verstrickt. Nicht nur, dass ihre Elfenfreunde zu ihr kommen, auch Darby O'Gill/Alebin, der Meidling, der verräterische Elf und Massenmörder von York, möchte seine zweifelhafte Beziehung zu Nadja fortsetzen.
Als wäre das noch nicht genug, greift der Getreue an – und die Ereignisse überschlagen sich.
Rian findet den Tod, und Nadja, die sich daran schuldig fühlt, beschließt, ins Totenreich Annuyn zu gehen, um Rians Schatten zurückzuholen. Ihr bleibt nicht viel Zeit, denn Rians Zwillingsbruder David ist durch das Band zwischen ihnen ebenfalls zum Tode verurteilt.
Als wäre das noch nicht genug, muss Fabio Oreso seine wahre Identität enthüllen – und die von Nadjas totgeglaubter Mutter, einer viele Jahrtausende alten wandernden Seele …

Zwei umfangreiche Romane in einer Ausgabe – Spannung pur!
Geh mit auf die große Reise um die Welt, lerne berühmte Städte kennen, springe von Kontinent zu Kontinent und erfahre die wahre Geschichte der vielen mythischen Helden, Götter und Schöpfer.

Band 3 von 10 der größten Urban-Fantasy-Saga.

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Weitere Infos & Material


1.
Zwei Schlösser


In jenem Land gab es nur Nebel. Nur wenige konnten es betreten, nur wenige wussten überhaupt von seinem Vorhandensein und stellten Vermutungen darüber an. Es mochte die Ewigkeit sein, was vor dem Leben entstand, was alles erst möglich machte. Und vielleicht auch zusammenhielt.

Er wanderte ruhig durch den wallenden Nebel, der keine Farbe hatte. Nichts hatte hier eine Farbe, auch er nicht, es gab nur Bewegung und ein wenig Substanz. Substanz, die er war, gehüllt in dunkle Schatten.

»Willkommen daheim, Bruder«, tönte eine Stimme durch den Nebel, ohne Gestalt zu gewinnen. Sie war nicht männlich und nicht weiblich, weder freundlich noch ablehnend. »Bist du hier, um die Zukunft zu erfahren?«

»Kannst du sie mir sagen?«, gab er zurück.

»Vielerlei kann ich dir sagen, Bruder«, antwortete die Stimme. »Ich kann es dir vorlesen, Seite um Seite, und doch steht nichts fest, wie du weißt. Nicht zuletzt hängt es von dir ab.«

»Ich kenne die Zukunft.«

»Auch gut genug?«

»Ich weiß, was ich wissen muss. Das bin ich.«

»Warum bist du dann gekommen?«

»Ich brauche Antworten. Auf Fragen, die noch nicht gestellt wurden.«

Eine Weile herrschte Stille. Der farblose Nebel wallte um ihn, hüllte ihn ein, und wich zurück. Dann: »Ich kann sie dir nicht geben.«

»Du verweigerst sie mir?«

»Nein: Ich kenne sie nicht. Diese Fragen sind nicht vorherbestimmt, und so auch nicht die Antworten.«

»Steht nicht alles in deinem Buch?«

»Gewiss, doch diese Seite, die du wünschst, ist nicht da. Vielleicht wird sie nie vorhanden sein.«

»Du meinst, die Fragen werden mir nie gestellt?«

»Sie sind nur Wünsche, Bruder. Und bei aller Macht, die du besitzt, und die ich fürchte – diese sind dir nicht gegeben. Du kannst den Verlauf nicht ändern.«

Er fühlte Zorn in sich aufsteigen. »Aber beeinflussen! Wozu sonst bin ich hier?«

Die Stimme lachte leise. »Du weißt es.«

Er beruhigte sich. »Ja.«

»Was bedrückt dich also?«

»Die Zeit schwindet, ich kann den Verfall nicht aufhalten. Ich suche einen Weg, mehr zu gewinnen.«

»Ja, die Veränderungen schreiten schnell voran. Manchmal fürchte ich mich, die Seiten umzublättern.«

Da musste er still lächeln. »Deshalb bin ich ja da.« Seine Unsicherheit verflog. Er hatte die Antworten erhalten, die er benötigte.

»Wirst du aufsuchen?«

»Das wird wohl unvermeidlich sein, wenn du mir diese Frage stellst.«

»Bleib noch ein wenig und schöpfe Kraft, Bruder.«

»Ich kann nicht.«

»Hast du nicht eine anstrengende Reise vor dir?«

»Gewiss. Doch sie duldet keinen Aufschub.«

Die Stimme fragte nicht nach, worauf er Bezug nahm. »Ich hätte mich gern noch ein wenig mit dir unterhalten.«

»Ich weiß. Ich vermisse dich auch. Aber was bedeutet das schon für uns …«

»Im Augenblick? Viel.«

»Wenn du das sagst …«

»Sollten wir uns fürchten?«

»Alles beginnt, und alles endet, so ist das nun einmal. Das ist deine Lehre.«

»Aber so … war es nicht vorgesehen …«

»Das, Bruder, liegt fern Macht. Du weißt es nicht. Und das ist gut, für uns alle. Hab deshalb keine Sorge um mich.«

Die Stimme näherte sich, und er fühlte sie wie einen zarten Hauch über sich hinwegstreichen. »Dann wirst du jetzt gehen?«

»Ich komme dich bald wieder besuchen, Bruder.«

Er wandte sich um und verließ das Land, und die Schatten blieben hinter ihm zurück.

*

»Wir sitzen ganz schön in der Patsche«, brachte Pirx es auf den Punkt. »Die nächsten hundert Jahre trau ich mich nicht mehr, eurem Vater unter die Augen zu treten.«

»Es ist noch lange nicht ausgestanden«, knurrte David. »Er kann mit uns nicht mehr nach Belieben umspringen, das lasse ich mir nicht gefallen! Vor allem habe ich es satt, die ganze Zeit untätig herumzusitzen! Wie lange sind wir jetzt schon hier? Wochen? Monate?«

»Das is’ doch egal, oder?«, meinte Pirx. »Seit wann spielt die Zeit eine Rolle in der Anderswelt?«

»Seit sie dort Einzug gehalten hat, Stachelkopf!«

»Fordere den Zorn deines Vaters nicht erneut heraus«, warnte Grog. »Du kennst ihn nicht so lange wie ich, und ich habe schon Dinge erlebt …« Ein Schauer der Erinnerung überlief ihn, seine dichten Körperhaare sträubten sich in einer Wellenbewegung.

»Ich geh da nicht nochmal rein!«, entschied daraufhin der kleine rotbemützte Igel endgültig.

»Feigling!«, beleidigte David ihn.

»Ich hänge am Leben, zumindest an dem Rest, der mir noch bleibt!«, keifte der Pixie zurück. »Ich bin nicht der verwöhnte Kronprinz, der …«

»Verwöhnt?«, fuhr David auf.

»Kinder …«, versuchte Grog mit beschwichtigend erhobenen Händen die beiden zu beruhigen. Daraufhin fielen sie gemeinsam über ihn her, und alle schnatterten durcheinander.

Rian achtete nicht auf den lautstarken Disput hinter ihr. Sie stand am Fenster und blickte hinaus auf das sterbende Land. Viele Bäume trugen inzwischen die Herbstfärbung, der eine oder andere war schon ganz kahl. Die Elfen waren draußen unterwegs und gingen ihren Beschäftigungen nach, als wäre nichts geschehen. Sie spielten Ball, ritten um die Wette, übten sich in Scheinkämpfen oder flanierten durch die Lustgärten.

Wie anders war doch die Welt der Menschen. Sie waren ständig in Hektik, rannten der Zeit hinterher, die ihnen doch immer voraus war, und hatten Angst, etwas zu versäumen. Sie mussten für ihren Unterhalt zumeist hart arbeiten, und es gab Länder, in denen litten sie Not und Hunger. Das alles gab es in der Anderswelt nicht. Gewiss, die Dienstboten mussten arbeiten, doch ihnen blieb genug Zeit übrig für Vergnügungen, denn abgesehen von Verurteilten, die zum Frondienst verdonnert waren, wurde jeder entsprechend seiner magischen Talente eingesetzt; da konnte von Mühsal wie so oft bei den Menschen keine Rede sein.

, fragte Rian sich. Dabei hatte sie sich sogar darauf gefreut, wieder nach Hause zu kommen, um zumindest für eine Weile das unbeschwerte Leben zurückzubekommen, das sie als Prinzessin geführt hatte. Doch nun kam ihr alles oberflächlich vor. Die meisten Elfen ignorierten die drohende Gefahr völlig und änderten nichts. Andererseits … warum sollten sie auch? Keiner wusste, wie viel Zeit ihm noch blieb. Wie sollte diese anders – besser – genutzt werden?

Für Rian war es so, als schwebte sie momentan zwischen den Welten. Sie hatte in der Menschenwelt zu viel gesehen und erlebt, um jetzt wieder zu ihrem früheren Leben zurückzukehren, als wäre nichts geschehen. Doch genau das war es, was Fanmór von ihnen verlangte. Er wollte andere mit der Suche nach dem Quell der Unsterblichkeit beauftragen, einen Suchtrupp losschicken, der den bisherigen Hinweisen nachgehen sollte.

Die Zwillinge hatten dagegen protestiert, aber der Riese hatte die Einwürfe kurzerhand beiseitegeschoben und sie fortgeschickt. Sie sollten sich zuerst erholen und warten, bis er sie wieder zu sich rief.

»Rian, sag doch auch endlich etwas!«, erscholl Davids wütende Stimme in ihre Gedanken, und sie fuhr zusammen. Sie wandte sich vom Fenster ab und den drei Streithähnen zu, die sie allesamt erwartungsvoll ansahen.

»Wozu soll ich etwas sagen?«, erwiderte sie. »Zu eurem albernen Streit? Ich habe nicht zugehört.«

»Recht hast du!«, quäkte Pirx. »Die reden sowieso nur wirres Zeug!«

»Fang nicht wieder an!«, schnappte David, und bevor Grog den Mund öffnen konnte, fuhr er ihn an: »Was du sagen willst, kann ich mir schon denken!«

»Also gut.« Rian durchquerte den marmorgefliesten Raum und ließ sich auf einer samtroten Chaiselongue nieder. Bedauernd blickte sie auf das leere Tischchen daneben. Kein Nougat, keine Pralinen. Und erst recht keine Chips. Auch kein Fernseher, um sich die Langeweile zu vertreiben. Am meisten vermisste Rian und

»Worum geht es?«

Ihr Bruder und die zwei Kobolde schnappten hörbar nach Luft.

»Als ob du das nicht wüsstest!«, beschwerte sich Pirx.

Rian lachte ohne jede Heiterkeit. »Ich verstehe eure Aufregung nicht! Fanmór ist der König der Crain und der Hochkönig von Earrach, er hat ein Machtwort gesprochen, und wir haben uns zu fügen! So ist es Brauch bei den Elfen.«

»Aber es ist falsch!«, ereiferte sich David.

»Wie willst du ihn davon abbringen? Unser Vater hat noch nie seine Meinung geändert. Stimmt’s etwa nicht, Grog?«

»Nun …«, sagte der alte Kobold zögernd, »er nimmt durchaus ab und zu Rat an oder ersucht sogar darum.«

»Von seinen eigenen Kindern?« Rians Augen blitzten spöttisch.

»… nein«, gab der Grogoch unglücklich zu.

»Dann gibst du einfach auf?«, fragte David ungläubig.

»Was zieht mich denn in die Menschenwelt zurück, Bruder?«

»Ich … ich dachte, du magst Nadja …«

»Nicht so wie du.«

David griff sich an die Brust, dort, wo nah an seinem Herzen eine Seele zu wachsen begonnen hatte. »Ich verdanke ihr mein Leben, und ich …«

»David«, unterbrach Rian sanft. Schon lange redeten sie sich nur noch mit ihren Menschennamen an, ohne dass es ihnen auffiel. »Du brauchst nichts zu erklären. Und dich nicht zu...



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