E-Book, Deutsch, Band 10, 452 Seiten
Reihe: Elfenzeit
Zietsch Elfenzeit 10: Triquetra
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-946773-36-8
Verlag: Fabylon
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 10, 452 Seiten
Reihe: Elfenzeit
ISBN: 978-3-946773-36-8
Verlag: Fabylon
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Das große Finale!
Die letzte Schlacht.
Der letzte Fluch.
Das letzte Opfer.
Alle Fäden führen zusammen.
Das Geheimnis wird gelüftet.
Was bleibt am Ende?
Band 10 von 10 der größten Urban-Fantasy-Saga.
Autoren/Hrsg.
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Prolog
Was des einen Erlösung, ist des anderen Auflösung
Tief in seinem Inneren hatte er gewusst, dass es eines Tages so kommen musste. Zu viele Feinde, allen voran der Getreue, der ihn mit dem Tabu behaftet hatte. Er hatte bereits seit seiner Jugend, seit dem Verlust seines Geistschattens, damit gerechnet, dass seine Nemesis einst auf der Suche nach ihm sein würde. Merlin hatte ihn verstoßen und gewiss vorgesorgt, das hatte er immer getan.
Und deswegen hatte er sich darauf vorbereitet. Schon damals, als er noch jung und aufstrebend gewesen war, hatte er sich stets ein Hintertürchen offengehalten. Von Anfang an hatte er Rückversicherungen gebildet. Wesen, die ihm einen Gefallen schuldeten, Orte, die er präpariert hatte … und sich selbst geschützt, nachdem Merlin ihm das Furchtbarste angetan hatte, was einem Elfen zustoßen konnte. Es war die letzte Lektion des Zauberers gewesen, und er hatte sie sehr wohl begriffen und niemals vergessen: Nichts war sicher, man musste gegen alles gewappnet sein, sogar gegen den Tod.
Auch, wenn Nemesis nunmehr das Urteil verkündet hatte. Oder gerade dann.
Alebin schritt über die Schwelle nach Annuyn, wo der Graue Mann Samhain ihn schon erwartete, gleich nach dem Portal.
Der Schotte hatte nach seinem Tod nichts vergessen, er erinnerte sich an alles. Und genau das wusste der Herr der Schatten und Toten, deshalb war er hier. Sein Gesicht war düster und verhieß nichts Gutes.
Mit grauer Stimme sprach er: »Du bist hier nicht willkommen.«
»Nemesis schickt mich«, erwiderte Alebin kühn. »Ich habe das Recht, hierher zu kommen. Und noch mehr. Ich bin ein Elf hohen Geblüts, ich habe das Recht auf drei Fragen.«
Um zurückzukehren. Das höchste Gesetz der Elfen, das er in Anspruch nehmen durfte. Dieser Vorgang würde nicht allzu lange dauern. Alebin war in allen Disziplinen ausgebildet, gewieft und mit allen Wassern gewaschen. Nicht einmal der Tod konnte ihm etwas anhaben. Dafür hatte er gesorgt. Es gab Regeln! Die gab es immer.
»Wer, glaubst du wohl, hat das wahre Anrecht darauf?«, fragte Samhain.
»Ist das schon die erste Frage?«, versetzte Alebin frech.
»In der Tat«, erklang eine zweite, heisere, aus der Totengruft hallende Stimme, und nun wurde es Alebin doch ein wenig ungemütlich in seiner Schattenhaut.
»W-was für ein unerwartetes Vergnügen …«, stieß er hervor und , ja, das tat er, in Annuyn, als , als , unter dem Eishauch, der ihm entgegenschlug.
Samhain neigte leicht das graue Haupt vor dem Neuankömmling. »Ich habe dich erwartet. Sei gegrüßt.«
»Ich grüße dich ebenfalls«, gab der Getreue zurück. »Doch mein Besuch ist nur von kurzer Dauer.« Er wies auf Alebin.
Dieser war verunsichert. Wie kam der Kapuzenkerl hierher? Konnte der etwa in Annuyn ein- und ausgehen, wie es ihm beliebte? Das war in Alebins Planungen nicht einkalkuliert gewesen. Und dass Samhain den Vermummten nicht sofort wieder abwimmelte, gefiel ihm noch weniger. Die beiden schienen ziemlich vertraut miteinander …
»Meine Antwort«, begann er, doch der Getreue unterbrach ihn mit einer unwirschen Handbewegung.
»Daran ist niemand interessiert.«
»Aber …«
Alebin stolperte zurück, als der Getreue ihm mit einem schnellen Schritt sehr nahe kam, ihn um mehr als Haupteslänge überragend und dadurch nur noch bedrohlicher. Der Umhang, schwärzer als die finsterste Nacht, schlug wie eine wütende Katze nach ihm.
»Wieso, glaubst du, hat deine Nemesis dich eingeholt?«, zischte der Mann ohne Schatten. »Als du aus Lyonesse geflohen bist, habe ich das Tabu aufgehoben, und du bist genau dorthin gerannt, wo ich dich haben wollte! Ins Niemalsland, wo es kein Entrinnen mehr gibt.«
»Äh …«
»Hast du tatsächlich angenommen, entkommen zu können?«
»Niemand fängt mich«, flüsterte Alebin. »Niemand kann mich festhalten.«
»Dann bin ich Niemand.«
Alebin wusste, dass der Getreue, obwohl sein Gesicht unter dem Kapuzenschatten verborgen war, dämonisch grinste. Hatte er das also geplant? Aber das war unmöglich! Das konnte keine Falle gewesen sein!
»Ich vergesse niemals, und ich übe selten Nachsicht«, fuhr der Getreue fort. »Nicht, wenn es sich um solche grausamen Verbrechen handelt wie bei dir, Alebin. Die Liste ist sehr lang, doch ich werde nur auf die abscheulichste Tat eingehen. Du bist verantwortlich für den Ausbruch von Ragnarök und Lokis Tod!«
»Er hat dir wohl viel bedeutet, hm?«, entfuhr es Alebin, und dazu grinste er boshaft. , dachte er.
Eiskalter Hass, ausgehend von dem Getreuen, ging ihm durch und durch.
»Mehr, als du dir vorstellen kannst«, fauchte der Mann ohne Schatten.
Zum ersten Mal sprach auch Samhain wieder. »Er hat uns allen viel bedeutet, du armseliger Narr. Loki war der Lebensbringer. Sein Verlust ist unersetzlich.«
»Odin und seine Genossen haben es ihm allerdings schlecht gedankt«, bemerkte Alebin. »Denen habe ich einen Gefallen getan …«
»Aber die sind nicht hier, um für dich zu sprechen«, unterbrach der Graue Mann. »Keiner ist hier. Du bist allein.«
»Das war ich doch immer!«, schrie Alebin. »Wenn Einsamkeit einen Namen hat, so ist es der meine! Ich verlange meine drei Fragen, und ich verlange meine Rache!«
»Rache …«, hauchte es von fern.
Dann kamen sie heran. Schatten, so viele Schatten, dass Alebin sie nicht mehr zählen konnte. Sie kamen von überall aus dem grauen Land, in dem die Zeit keinen Einzug gehalten hatte. Die grauen Bäume trugen graue Blätter, Blüten und Früchte. Das graue Gras wuchs. Wenn die Welten starben, bliebe Annuyn dann wohl als Einzige übrig. Wie war das möglich?
»Rache …«, wiederholten die Schatten.
Einige besaßen vertraute Gestalt. Alebin erkannte ein paar wieder, wusste von manchen sogar noch den Namen. Es waren viele, so viele, die seinetwegen hier waren. Ein langes Leben, viele Tode.
Der Getreue hielt die Toten mit einer Handbewegung auf, und sie blieben stehen. Nur ein Schatten trat ein Stück näher heran, auf seinem Kopf schimmerte silbrig ein Geweih.
»Ainfar?«, sagte Alebin verdutzt. »Kleiner Bruder, du hier? Das wusste ich nicht …«
»Er kommt, um seinen Bruder abzuholen«, sagte der Getreue.
»Mich? Ich bin gerührt. Aber ich kann nicht blei-«
»Wer redet von dir?«
Das verschlug Alebin die Sprache. Entsetzt sah er, wie Samhain sich umdrehte und ging. »Das geht nicht!«, rief er. »Zuerst meine Fragen!«
»Du hast kein Anrecht darauf«, erwiderte der Graue Mann unterwegs, ohne sich ihm zuzuwenden. »Dich gibt es nicht mehr.«
»Was? Aber … geh nicht fort! Lass mich nicht allein mit … mit …«
Alebin stieß einen Schrei aus, als der Getreue plötzlich seine Schattengestalt packte.
»Merlin hat es durch seine Hellsichtigkeit geahnt«, zischte der Vermummte. »Er hat dir eine zweite Chance gegeben. Doch anstatt dir deinen Schatten zu verdienen, hast du dir einen geraubt – und unverzeihliche Blutschuld durch Brudermord begangen!«
Alebin geriet in Panik. »Lothyncam bat mich darum, er wollte erlöst werden!«
»Du es immer noch, zu «, donnerte der Getreue, dass der Boden unter seinem Zorn erbebte. »Von welcher Erlösung sprichst du? Du hast deinem Bruder Annuyn verwehrt, hast ihn gezwungen, mit dir zu gehen, als dein Schatten in der Welt der Lebenden zu verweilen! Kannst du dir vorstellen, welche Pein er all die Jahrhunderte durchleiden musste? Welche Qualen er erduldete, obwohl er schuldlos war? ist dein zweitgrößter Frevel, Alebin. Lokis Tod gebar deine Nemesis, aber als du ins Niemalsland flohst, hat Lothyncams Schatten sie auf deine Fährte gerufen!«
»Nein!«, heulte Alebin auf. »Merlin hat mir meinen Geistschatten genommen, das war die größte Qual und der Beginn des Verbrechens! Er sagte, ich sei der Auserwählte!«
»Du hättest es sein können.«
»Er hat sich geirrt, der unfehlbare Zauberer und Manipulator! Denkst du, ich weiß nicht, auserwählt ist? Wieso werde ich bestraft, weil ich es nicht bin?«
»Du hast nie verstanden, weil du Merlin nicht zugehört hast! Ich wiederhole, du hättest dir deinen Geistschatten verdienen können, stattdessen hast du nur an deine Rache gedacht. Doch nun werde ich Gerechtigkeit üben und das Gleichgewicht wiederherstellen.«
»Billige Worte für deinen Rachedurst! Und macht dich das besser als mich?«
»Mit dir werden Hass und Vergeltung vergehen. Dein Gift wird getilgt, sowie Merlins Schuld. Und … die meine. Ich erlöse dich jetzt ebenso wie deinen Bruder. Sei dankbar um das, was ich dir gewähre, du warst nie so milde: Dir wird vergeben, Alebin, denn du hast deinen Sinn verloren.«
Und dann entriss er Alebin den gestohlenen Schatten seines Bruders.
Alebin war es, als würde ihm die Haut bei lebendigem Leibe abgezogen, obwohl er doch tot war. Er schrie gellend, während die eine Hand des Getreuen ihn unentrinnbar festhielt, und die andere an ihm ruckte und zerrte, bis die Nägel sich mit schrillem Klang lösten. Als ob Alebin entzweigerissen würde, und so war es auch.
Schließlich hielt der Getreue eine dünne Schattengestalt in der einen Hand, und in der anderen nur noch eine schlaffe, blasse...




