E-Book, Deutsch, 196 Seiten
Ziegler ENGEL IN ROT
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7487-0923-7
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Erotische Crime-Storys
E-Book, Deutsch, 196 Seiten
ISBN: 978-3-7487-0923-7
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Die Venusfalle lockt. Nicht alles ist Gold, was glänzt, und nicht alles ist Liebe und Leidenschaft, was sich den Anschein gibt. Die Waffen der Frau sind unsichtbar. Das macht ihre Gefährlichkeit aus. Wer zum Weibe geht, sollte auf der Hut und auf buchstäblich alles gefasst sein... Engel in Rot enthält die gesammelten erotischen Crime-Storys des mehrfach mit dem Kurd-Laßwitz-Preis ausgezeichneten Schriftstellers Thomas Ziegler - Storys um Lust und Frust, Verlockung und Verbrechen, in denen der Autor nicht nur dem schwachen Geschlecht den Schwarzen Peter zuspielt...
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EVA
Es war ein schmutziger Job, aber was machte das schon? Nur mit Schmutz konnte man sich heutzutage über Wasser halten, und Markesch hatte nie besonderen Wert darauf gelegt, sein Geld auf saubere Weise zu verdienen. Doch manchmal widerte es ihn an. Es war alles so billig, so gottverdammt gewöhnlich! Markesch kniff die Lippen zusammen und konzentrierte sich auf den Verkehr. Die Autobahn ein graues Band im grauen Herbstlicht, der Himmel wolkenverhangen, schmierig wie ein alter Putzlappen, aus dem unaufhörlich Schmutzwasser tropfte, Regen, der vom Wind in dichten Schleiern über die Fahrbahn getrieben wurde. Vor Markeschs altersschwachem Ford leuchteten die Rücklichter von Tannbergs metallicblauem Mercedes durch den Regen. Der Mercedes blinkte und scherte auf die Überholspur aus. Markesch folgte ihm, ohne jedoch den Abstand zu verringern. Der Regen hatte den Asphalt mit einem tückischen Film überzogen, aber der Mercedes behielt sein hohes Tempo bei. Offenbar hatte Tannberg es eilig. Markesch lächelte dünn. Es sollte ihm recht sein. Je schneller er die Sache hinter sich brachte, desto besser für alle - von Tannberg natürlich abgesehen. Aber was ging ihn Tannberg an? Der Mann hatte es sich selbst zuzuschreiben, wenn er in Schwierigkeiten geriet. Der Regen wurde stärker und prasselte in murmelgroßen Tropfen gegen die Windschutzscheibe. Hektisch surrten die Scheibenwischer, doch die Sicht blieb verschwommen. Ein lausiges Wetter! Genau das richtige Wetter für ein Schäferstündchen, dachte Markesch. Man konnte mit gutem Gewissen den ganzen Tag im Bett verbringen, nackte Haut an nackter Haut, heiße Küsse und kalter Champagner, Lust und Liebe - während die Ehefrau brav das Haus hütet und auf ihren treusorgenden Gatten wartet. »Komplizierte Vertragsverhandlungen«, hatte Tannberg seiner Frau gesagt. »Mit einem wichtigen Geschäftspartner aus Frankfurt. Vor Sonntagabend bin ich nicht zurück.« Markesch schnitt ein höhnisches Gesicht. Der Geschäftspartner saß bereits in Tannbergs Mercedes: brünett, sorgfältig geschminkt, vollbusig und zweifellos sehr anschmiegsam. Tannbergs Sekretärin. Es war wirklich billig. Wahrscheinlich war Tannberg mit seiner reizenden Gespielin auf dem Weg in irgendein abgelegenes, idyllisches Waldhotel, wo keine Gefahr bestand, dass er zufällig erkannt wurde. Ein romantisches Wochenende im Oberbergischen Land, und dann den Mund voller Lügen und in der Hand ein kleines Geschenk, zurück zur Ehefrau im Kölner Villenviertel Marienburg: ein erlesenes Parfüm oder ein geschmackvolles Bukett, nichts Großes, nichts Ausgefallenes, natürlich nicht, schließlich durfte man die Kombinationsfähigkeit der Frauen nicht unterschätzen. Für die Geliebte allerdings würde eine Brillantbrosche abfallen, vielleicht sogar ein Nerz, je nachdem, wie gut sie im Bett gewesen war. Das einzige, was noch fehlte, um aus diesem bezaubernden Rendezvous auf dem Land eine wirklich große Erfahrung zu machen, war ein Erinnerungsfoto. Markesch grinste. Kein Problem, dachte er. Wirklich nicht. Wird bestimmt spaßig werden, wenn Tannbergs Frau es ihm demnächst in einer besinnlichen Stunde präsentiert. Eine Ausfahrt kam in Sicht; der Mercedes verließ die Autobahn. Zufrieden nahm Markesch den Fuß vom Gaspedal und hielt sich dicht hinter der Limousine. Dicht genug, um erkennen zu können, wie die Sekretärin erregt auf Tannberg einsprach. Nach ihren Gebärden zu urteilen, schien sie nicht besonders glücklich zu sein, aber das hatte nichts zu bedeuten. Wer sich in der Rückenlage einen Nerz verdienen konnte, durfte das Unglücklichsein höchstens aus dem Konversationslexikon kennen. Weiber!, dachte Markesch. Er wusste Bescheid, er machte sich keine Illusionen. Wo bei einem normalen Menschen das Herz saß, hatten Frauen einen Eisblock. Glatter Wahnsinn, sich gleich mit zwei von dieser Sorte einzulassen. Die einzige Freundin, mit der ein Mann zurechtkommen konnte, war eine Flasche Scotch Whisky. Der Regen ließ nach, die Wolkendecke riss auf, und das kühle Licht der Nachmittagssonne zerstreute den Dunst. In engen Windungen schraubte sich die Straße durch das hügelige Land, vorbei an malerischen Fachwerkhäusern, umzäunten Weiden und bewaldeten Hängen, die wie Schwämme das Sonnenlicht auf saugten. Aus den Niederungen kroch Nebel herauf. Markesch fröstelte. Zum Glück hatte er die Heizung immer dabei. Er griff in das Handschuhfach und holte die Whiskyflasche heraus. Überrascht stellte er fest, dass sie nur noch zu einem Drittel gefüllt war. Schien besonders schnell zu verdunsten, diese Marke. Er klemmte die Flasche zwischen die Oberschenkel, und während er mit der linken Hand steuerte, drehte er mit der rechten den Schraubverschluss ab. Er trank, und der Whisky wärmte seine Seele. Tannbergs Mercedes blinkte und bog in einen schmalen Waldweg. Markesch trat abrupt auf die Bremse. Verwirrt runzelte er die Stirn. Was, zum Henker, hatte das zu bedeuten? Nirgendwo gab es ein Hinweisschild auf einen Gasthof, und er wollte verdammt sein, wenn Tannberg zum Pilze sammeln in den Wald gefahren war. Gott! dachte Markesch. Das darf doch nicht wahr sein - der Bastard will das Hotelzimmer sparen! Eine schnelle Nummer auf dem Liegesitz, und dann zum Essen nach McDonald's, wie? Es ist nicht zu fassen! Langsam ließ er den Ford an die Abzweigung heranrollen. Tannbergs Wagen war bereits hinter der nächsten Biegung verschwunden, doch das Rot der Rücklichter glühte wie bengalisches Feuer durch das tropfnasse braungrüne Unterholz. Dann erloschen die Lichter. Tannberg hatte angehalten. Markesch zögerte, setzte ein Stück zurück und parkte den klapprigen Ford im Schatten der Bäume. Er nahm den Fotoapparat vom Rücksitz, steckte die Whiskyflasche in die Seitentasche seiner speckigen Lederjacke und stieg aus. Die Luft roch nach Laub und Feuchtigkeit. Bis auf das nervöse Tröpfeln aus den regenschweren Baumkronen war es still. Der Himmel klarte weiter auf, und ein Hauch von Gold mischte sich in das kühle Nachmittagslicht. Gutes Licht. Ersparte glatt den Weichzeichner. Markesch schlug sich in den Wald. Gebückt pirschte er durch das Unterholz; Zweige peitschten ihm ins Gesicht und überschütteten ihn mit feinem Sprühregen. Der Boden war aufgeweicht und von glitschigem Laub bedeckt. Mehrfach rutschte Markesch aus und bewahrte sich erst im letzten Moment vor einem Sturz. Er fluchte. Eine verdammte Art, sein Geld zu verdienen. Warum musste dieser Idiot von Tannberg sein Schäferstündchen auch mitten im Wald abhalten? Ein paar Millionen auf dem Konto, aber kein Geld für ein Hotelzimmer, wie? Geiz oder Paranoia, dachte Markesch, das ist hier die Frage. Vor ihm glänzte etwas Blaues durch das dunkle Grün des Waldes. Der Mercedes. Markesch schlich geduckt weiter, bis er eine Stelle erreicht hatte, von der aus er den Wagen deutlich sehen konnte. Er kauerte sich hin und überprüfte kurz die Kamera; ein japanisches Fabrikat, vollautomatisch, man musste nur auf den Auslöser drücken. Genau das Richtige für einen technischen Blindgänger wie ihn. Er koppelte das Teleobjektiv an und blickte wieder zu dem Mercedes hinüber. Tannberg und seine Sekretärin waren noch nicht zur Sache gekommen - sie redeten. Oder besser: Die Sekretärin redete, während Tannberg mit mürrischem Gesicht zuhörte. Markesch zog die Whiskyflasche aus der Tasche und nahm einen großen Schluck. Der Whisky brannte in der Kehle, eine billige Marke, aber das Leben war hart, und man musste nehmen, was einen noch härter machte. Immerhin vertrieb das Zeug die Kälte aus der Seele, und nur darauf kam es an. Die Sekretärin redete noch immer. Hübsches Ding, dachte Markesch. Hohe Wangenknochen, ausdrucksstarke Augen, sinnliche Lippen. Aber zu geschwätzig. Markesch gönnte sich noch einen Schluck. Verdammt, warum mussten die Weiber so viel reden, bevor sie sich hinlegten? Um zu beweisen, dass sie nicht so leicht zu haben waren? Eine Art Balzverhalten? Ein magisches Ritual, Zauberworte, um den Mann an sich zu binden? Markesch hasste es. Es war so sinnlos. Es gab keine Worte, mit denen man einen anderen Menschen binden konnte. Die einzigen Fesseln, die wirklich hielten, waren die Fesseln, die man sich selbst anlegte. Komm schon, Baby, dachte er ungeduldig, komm schon, bringen wir die Sache hinter uns. Zier dich nicht, mach schon, nur ein paar Bilder, und dann können wir alle gehen... Tannberg schien ähnlich zu denken. Er legte seinen Arm um sie, zog sie heftig an sich, küsste sie fordernd auf den Mund, bedeckte ihren Hals, ihre Schultern mit hitzigen Küssen. Markesch riss die Kamera hoch. Klick! Sie schüttelte den Kopf, versuchte ihn abzuwehren, sich seinen Händen zu entziehen, aber Tannberg ließ sich davon nicht stören. Gut so, mein Junge, dachte Markesch, gut so, mach' weiter, weiter, großartig! Tannberg nestelte an ihrer Bluse, knöpfte sie auf. Klick! Tannberg zerrte ihr die Bluse von den Schultern und entblößte das spitzenbesetzte Schwarz ihres BHs. Klick! Tannbergs Hand schloss sich um die Wölbung ihrer linken Brust und schob das Körbchen hoch. Klick! Tannbergs Zunge zog eine feuchte Spur um das dunkle Rosa ihrer Brustwarze. Klick! Sie stieß ihn fort. Schrie ihn an. Schlug ihn mit der flachen Hand ins...




