Ziegler | Bruno, 41, ledig | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 318 Seiten

Ziegler Bruno, 41, ledig

Wie das Internet hilft, erwachsen zu werden
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7578-3412-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wie das Internet hilft, erwachsen zu werden

E-Book, Deutsch, 318 Seiten

ISBN: 978-3-7578-3412-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Nach mehr als 40 Jahren im Bannkreis seiner alkoholkranken Mutter sucht Bruno den Eingang in ein neues Leben. Mit Unterstützung seines Kollegen Paul und der Nachbarin Rose startet er den Versuch, das eigene Ich neu zu entdecken. Einprägsame Erlebnisse bei der Partnersuche im Internet offenbaren viele Fallstricke, erzeugen zwanghafte Sehnsüchte und führen schließlich zu der banalen Erkenntnis, dass jeder für sein Glück selbst verantwortlich ist.

Martin Ziegler ist Pensionär, 74 Jahre, und hat seine Talente früh entdeckt, aber viel zu spät genutzt. Er ist begeisteter Musiker, Maler, Golfspieler und Autor.

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2
Brunos Schicht an diesem Montag endet um 17:00 Uhr, der Regen hat aufgehört und er macht sich auf den Weg nach Hause. Mit gemischten Gefühlen stellt Bruno sein Fahrrad vor dem Haus ab. Ein paar Kinder sehen ihn vorwurfsvoll an, weil er mit seinem Rad eines der Kellerfenster, ein Tor für ihr Fußballspiel, versperrt. Bruno schiebt sein Gefährt an eine Stelle etwas außerhalb des Spielfelds und erntet dankbare Blicke der kleinen Fußballer. Er öffnet die Haustür, steigt nach oben in den ersten Stock und betritt die Wohnung. Im Flur dringt ihm Essiggeruch in die Nase, vielleicht wurde wirklich etwas gereinigt. Bruno geht hoffnungsvoll in die Küche, sieht sich aber demselben Chaos gegenüber, das er am Morgen verlassen hatte. Seine Mutter ist nirgends zu sehen, das Wohnzimmer ist ebenfalls noch in unverändertem Zustand. Sogar die Fenster stehen immer noch sperrangelweit offen. Darunter hat sich auf dem Dielenboden eine große Wasserlache gebildet. Gottlob war die Regendauer heute nur kurz, der Schaden hält sich in Grenzen. Aus der Küche nebenan holt er einen Putzlappen und einen Eimer, wischt das Wasser auf und stellt den Eimer in den Flur. Auch das Schlafzimmer ist leer, das weiße Laken, die Bettdecke und der hellblaue Bezug der Kissen sind zerknüllt und verknittert und übersät mit Flecken. Neben dem Bett steht erneut eine leere Weinflasche, daneben ein gläserner Aschenbecher. Auf dessen Rand liegt noch eine abgebrannte Zigarette. Die Asche ist noch bis zum Filter erhalten, sie hatte also noch gebrannt, als die Mutter das Zimmer verließ. Bruno schüttelt verzweifelt den Kopf. Er weiß, wie sinnlos es sein wird, seine Mutter damit zu konfrontieren. Abhängig von ihrem jeweiligen Zustand ist ihre Reaktion entweder gleichgültig oder zornig. Auf jeden Fall kann er nicht auf Einsicht oder Verständnis hoffen. Seine persönliche Verantwortung für die Mutter, die Wohnung und für sich wächst unablässig und droht ihn zu erdrücken. Er geht in sein Zimmer, schält sich aus seiner Latzhose und tauscht sie gegen seine Jogginghose. Seine Füße haben seit dem Morgen noch keine Socken gesehen und auch jetzt steckt er wieder barfuß in seinen Filzpantoffeln. Er marschiert in die Küche, nimmt das schmutzige Geschirr aus der Spüle und lässt Wasser ins Becken laufen. Er säubert Porzellan und Gläser und wischt anschließend noch die Arbeitsplatte trocken. Der Mülleimer wird mit einem neuen Beutel bestückt. Den Karton mit den leeren Flaschen stellt er zum späteren Abtransport in den Flur, daneben einen Einkaufskorb mit dem restlichen Leergut. Er sieht sich ernüchtert in der Küche um, sein Blick fällt auf den zweiteiligen Kühl-Gefrierschrank. Er öffnet ihn. Man könnte getrost den Stecker ziehen, geht ihm durch den Kopf. Der Inhalt beschränkt sich auf eine halbvolle Flasche Wodka, ein angebissenes Stück Käse und eine Tüte haltbare Milch. Der Gefrierschrank ist ebenso spärlich bestückt. Vier Kartons Pizza im obersten Fach, ein eingeschweißtes Paket Nürnberger Bratwürste schlummert einsam in der mittleren der drei Schubladen. Für eine abwechslungsreiche Ernährung sorgt Bruno durch die Auswahl unterschiedlicher Beläge auf seinen Pizzavarianten. Von Zeit zu Zeit findet aber auch ein kompletter Blumenkohl und ein Broccoli den Weg über den Kochtopf auf seinen Teller. Er hat nie gelernt, richtig zu kochen, es war auch nie erforderlich. Seine Mutter ist bzw. war früher eine hervorragende Köchin. Mit ihren begrenzten finanziellen Mitteln zauberte sie trotzdem immer wohlschmeckendes Essen auf den Tisch. Das ist lange her. In den letzten Jahren griff auch sie auf das reichhaltige Angebot der Fertiggerichte zurück, die sie lange verteufelt hatte. Bruno hat sich damit abgefunden, er sorgt schon längere Zeit für sich selbst. Sein nicht sehr üppiges Gehalt reicht aus, um täglich mindestens einmal satt zu werden. Wofür seine Mutter ihre Rente ausgibt, darüber macht er sich schon lange keine Gedanken mehr. Er nimmt den vollen Leergutkarton unter den linken Arm und greift mit der rechten Hand die Einkaufstasche mit den restlichen Flaschen. Dann öffnet er mit dem Ellbogen die Wohnungstür. Vorsichtig balanciert er seine gläserne Last Stufe für Stufe nach unten in den Hof. Neugierige Blicke aus den umliegenden Fenstern begleiten den Weg jeder einzelnen Flasche. Alle verschwinden sie klirrend im Schlund des Containers. Bruno blickt nach oben zum Nebenhaus. Blitzschnell taucht das Gesicht wieder ab, das eben noch hinter dem Vorhang zu sehen war. Die alte Frau Schneider führt sicher wieder Strichlisten, denkt sich Bruno, bei welcher Summe sie wohl mittlerweile ist? Mit dem leeren Karton und der Einkaufstasche in der Hand stapft er zurück ins Haus. Als er vor der Treppe steht, wird die Haustür geöffnet. Maria Heisterkamp trägt immer noch das rote Schürzenkleid, mit dem Bruno sie bereits auf dem Bett liegen sah, dazu die roten Schuhe, keine Strümpfe. Das Kleid wird nur notdürftig mit einem dünnen Band zusammengehalten, der Ansatz ihres Busens ist sichtbar. Scheinbar trägt sie auch keine Unterwäsche. Von der einst für teures Geld gemachten Dauerwelle pendeln nur noch vereinzelt strähnige Locken um den Kopf, das Haar sieht ungepflegt und fettig aus. Maria hat den Türgriff noch in der Hand, als sie Bruno auf der Treppe stehen sieht. „Jetzt steh hier nicht rum, nimm mir das ab“, knurrt sie ihn an und streckt ihm eine Plastiktüte entgegen. Bruno steht wie versteinert, als er ins Gesicht seiner Mutter sieht. Um ihre Augen haben sich dunkle Ringe gebildet, ihre Augäpfel enthalten mehr rot als weiß und links und rechts von ihrer Nase ziehen sich zwei tiefe Falten bis unter den Mund. Ihre Gesichtsfarbe ähnelt der des nikotingeschwängerten Stores aus dem Wohnzimmer, ihr Atem verbreitet den Geruch von billigem Schnaps. Die Finger, die aus dem Tragegriff der Plastiktüte ragen, sind gelb verfärbt und die Ränder ihrer Fingernägel sind so schwarz wie Brunos Gedanken, die bei diesem Anblick beginnen, in ihm aufzusteigen. Er greift wortlos nach der Tüte und eindeutige Klick-Geräusche identifizieren sofort den Inhalt. Er zieht die beiden Griffe auseinander und sieht nach einem schnellen Blick seine Befürchtung bestätigt. Ein bunter Pappkarton trägt die Aufschrift ‚Schwäbischer Linseneintopf‘, daneben zwei Packungen Marlboro. An zwei Literflaschen Wein lehnt sich noch eine Flasche Chantré. Stumm steigen Mutter und Sohn hintereinander die Treppe nach oben bis zur Wohnungstür. Hinter den Türspionen im Erdgeschoß verfolgen neugierige Augen den Auftritt von Maria Heisterkamp. Bruno stellt die Tüte ab und kramt in seiner Hose umständlich nach dem Wohnungsschlüssel. Seine Mutter hinter ihm wird immer unruhiger, tritt von einem Bein aufs andere und wippt schließlich mit zusammengepressten Knien auf und ab. „Beeil dich, ich muss aufs Klo, jetzt mach schon!“ Bruno öffnet eilig die Tür, seine Mutter verschwindet umgehend im Badezimmer. In der Küche positioniert er den ganzen Inhalt der Tüte auf der Arbeitsplatte. Der Kassenzettel gibt den Wert des Einkaufs mit 21,90 € an, allerdings steht auch noch eine kleine Flasche Korn auf der Quittung. Sie ist nicht beim Inhalt der Tüte zu finden. Bruno muss nicht lange darüber nachdenken. Er weiß, seine Mutter hat sich auf dem Weg vom Supermarkt bis nach Hause eine kleine Wegzehrung genehmigt. Jetzt kommt sie schwankend aus dem Bad zu ihm in die Küche. Sie öffnet umständlich eine der Zigarettenschachteln und geht mit einer brennenden Zigarette in der Hand ins Wohnzimmer. Vor dem offenen Fenster bleibt sie stehen und sieht sich um. „Verdammt, wo ist die Weinflasche von gestern? Die war doch noch halbvoll?“, wendet sie sich fragend an Bruno. „Ich habe alles entsorgt, Mama. Es war nur noch ein abgestandener Rest, glaub es mir“, sagt Bruno ängstlich, schon ahnend, dass ihm vielleicht erneut ein Fehler unterlaufen ist, „ich habe nur ein bisschen aufgeräumt, die Flaschen weggebracht und die Küche saubergemacht.“ „Braver Junge“, lobt ihn seine Mutter, „wenn schon sonst nichts aus dir geworden ist, deiner Mama hilfst du wenigstens immer.“ Sie verschwindet mit der glimmenden Zigarette im Mund in die Küche. Mit einer Rotweinflasche, dem Korkenzieher und einem Glas kommt sie zurück, setzt sich auf die Couch und beginnt die Flasche zu öffnen. „Mama, willst du nicht erstmal etwas essen?“, fragt Bruno besorgt, „es ist doch noch nicht einmal sieben Uhr.“ Es kommt keine Antwort, er versucht es erneut, dann setzt er sich zu ihr auf die Couch. „Mama, ich mache mir Sorgen um dich. Du kannst doch so nicht weitermachen“, sagt er flehentlich, „warum willst du dir nicht helfen lassen?“ Sie sieht ihn verständnislos an. „Wobei soll ich mir helfen lassen? Mir geht es doch gut, meinst du nicht? Ich glaube, eher sollte ich dir helfen, du bekommst doch nichts auf die Reihe. Bist ja sogar unfähig, dir eine Frau zu suchen.“ Sie hat den...



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