E-Book, Deutsch, Band 29, 148 Seiten
Reihe: 13 Shadows
Ziegler 13 SHADOWS, Band 29: DIE EISVAMPIRE
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7487-0368-6
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Horror aus dem Apex-Verlag!
E-Book, Deutsch, Band 29, 148 Seiten
Reihe: 13 Shadows
ISBN: 978-3-7487-0368-6
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Winter in Alaska... Als er Dunkley dicht an der Station unter dem Schnee begraben fand, glaubte Szargosh an einen Unfall: Sein Freund musste in der arktischen Kälte bewusstlos geworden sein. Doch dann sah er, dass Steve Dunkley tot war, erfroren, trotz seines Spezialanzugs. Als er sich den Toten genauer ansah, wurde Szargosh von Entsetzen gepackt: Dunkleys Körper bestand nicht mehr aus Fleisch, sondern aus Myriaden einziger Kristalle. Er war zu Eis geworden. Szargosh begriff, dass hier etwas geschah, von dem sie alle keine Ahnung hatten. Damit begann das Grauen, begann ihr aussichtsloser Kampf gegen die Eisvampire... THOMAS ZIEGLERS Debüt-Roman DIE EISVAMPIRE erschien erstmals im Jahre 1977 als DÄMONENKILLER-Taschenbuch im Pabel-Verlag - ein bemerkenswerter Horror-Schocker, der es in sich hat. DIE EISVAMPIRE erscheint als durchgesehene Neuausgabe in der Horror-Reihe 13 SHADOWS aus dem Apex-Verlag, die ganz in der Tradition legendärer Heftroman-Reihen wie GESPENSTERKRIMI und VAMPIR-HORROR-ROMAN steht.
Autoren/Hrsg.
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1. Sogar durch die dicke Kunststoffbeschichtung des halbkugelförmigen Zeltes konnte man das Heulen des Schneesturmes hören. Er pfiff, zerrte und toste an den Verstrebungen, dass man kaum noch das eigene Wort verstehen konnte. Rubett wartete ungeduldig darauf, dass das Wasser im Kessel über dem kleinen Propangaskocher heiß wurde. Er war ein kräftiger bärtiger Mann von unbestimmtem Alter und unbestimmter Herkunft, hielt sich aber schon länger in diesem verdammten Land auf als jeder andere, den Szargosh kannte. »Wo Dunkley nur bleibt«, murmelte Szargosh vor sich hin. Er ächzte und streckte sich in dem wohligen Heißluftstrom aus dem batteriebetriebenen Heizgerät. Mit müden Augen starrte er den Kistenstapel an, der ihre Lebensmittelvorräte enthielt. »Er überprüft den Eisrover«, antwortete Rubett leise. Dann nahm er den Kessel von dem Kocher und schüttete das dampfende Wasser in die große Tasse, wo sich rasch der Würfel aus konzentrierter Hühnerbrühe auflöste und zu einer kräftigen wohlschmeckenden, angenehm duftenden Suppe wurde. Szargosh schnupperte und leckte sich über die spröden Lippen, griff nach seiner eigenen Tasse und bereitete sich ebenfalls eine Brühe zu. Für eine Weile erklang nur noch das Schlürfen der beiden Männer. Selbst der Schneesturm schien etwas abgeflaut zu sein. Szargosh gab sich schließlich einen Ruck. »Ich seh mal nach, was mit Dunkley ist«, erklärte er und zog die dicke Felljacke mit der isolierenden Innenbeschichtung an. Anschließend streifte er die Maske über das Gesicht, die nur über schmale Schlitze für Augen und Mund verfügte und die Haut ansonsten lückenlos bedeckte. Gefütterte Handschuhe, Beinschützer und eine Brille – jenen nicht unähnlich, die Schweißer bei der Arbeit tragen – vervollständigten seine Ausrüstung. Szargosh wirkte wie ein aufrecht stehender Bär in seiner Fellkleidung. Eine derartige Präparierung war nötig. Über Alaska lag der Winter mit Temperaturen bis zu minus siebzig Grad. Bei einer derartigen Kälte konnte eine einzige Träne sofort zu Eis gefroren – die Hornhaut des Auges zerstören. Ein tiefer Atemzug hatte nicht selten eine Lungenentzündung zur Folge, und wenn man mit der bloßen Haut ein Stück Metall berührte, war sie so gut wie verloren – oft sogar das Fleisch bis hinunter zu den Knochen. Rubett musterte kritisch seinen Partner und warf ihm dann den Atemschutz zu. Ein ironisches Lächeln überzog seine gegerbten Züge. »Greenhorn«, sagte er spöttisch. Szargosh grinste verlegen. »Gut, dass du bei uns bist, Marty.« Rubett nickte ernst. »In ein paar Monaten brauchst du mich nicht mehr«, sagte er leise. »Entweder bist du dann tot, oder du machst alles automatisch, um dein Leben zu schützen.« Er räusperte sich. »Und nun sieh nach. Dunkley ist schon zu lange draußen. Bei der Kälte frieren einem manchmal die Gedanken ein.« Szargosh drehte sich schwerfällig um und tapste unbeholfen auf die zweigeteilte Ausgangstür zu, öffnete die vordere Pforte, schloss sie sorgfältig und wartete einen kleinen Augenblick. Dann stieß er die zweite Tür auf. Sofort war er in einem Wirbel tanzender Schneeflocken versunken, und die eisige Kälte biss und brannte selbst durch seine dicke Kleidung noch wie mit Hunderten winziger Zähne auf seiner Haut. Konzentriert blickte er durch seine getönte Schneebrille. Obwohl es Mittag war und die Sonne schien, herrschte eine trübe Dämmerung. Der Schneesturm musste den halben Polarkreis in die Atmosphäre geblasen haben. Ein ohrenbetäubender Lärm marterte seine Ohren. Szargosh hatte schon manchen Schneesturm erlebt, aber dieser übertraf alle bisherigen bei weitem. Unverkennbar strebte der Winter allmählich seinem Höhepunkt entgegen. Er sah sich kurz um. Das graue Material des Kunststoffzeltes war kaum noch zu erkennen; eine dicke Schneeschicht hatte sich über die Halbkugel gestülpt und passte sie der weißen Umgebung immer mehr an. Wenn der Sturm vorbei ist, müssen wir den Schnee entfernen, sonst bricht uns noch das Zelt zusammen, dachte Szargosh. Dann erinnerte er sich an sein Vorhaben. Gebückt stapfte er nach rechts. Dort hatten sie bei Beginn des Sturmes den Eisrover abgestellt und ihn mit einer Kälte hemmenden Plane bedeckt. Aber selbst mit diesem Schutz würden sie noch einen ganzen Tag den Motor mit Heißluft erwärmen müssen, ehe er ansprang. Verfluchte Kälte, schimpfte Szargosh in Gedanken. Erst als er knapp davor stand, bemerkte er den unregelmäßigen Koloss des Rovers. Der Sturm und die dadurch hervorgerufene Dunkelheit begrenzten das Sichtfeld auf knapp einen Meter. Ein Mann ohne gutes Orientierungsvermögen wäre rettungslos verloren in dieser scheinbar unendlichen Wüste aus Schnee. Szargosh umrundete das Fahrzeug und rief leise nach Dunkley. Keine Antwort. Besorgt runzelte er die Stirn. Wo war Dunkley? Hatte er die relativ sichere Umgebung ihres Lagers verlassen und war zu der Felsengruppe geeilt, die knapp fünfzig Meter entfernt lag? Aber wozu? Es war glatter Selbstmord, sich bei diesem Unwetter zu lange im Freien aufzuhalten. »Steve!«, schrie Szargosh hinter seiner Gesichtsmaske. »Steve! Steve Dunkley! Gib Antwort! Wo bist du?« Aber das Tosen des Sturmes verschluckte seine Worte. Ein seltsames Gefühl beschlich Szargosh. Wenn Dunkley etwas passiert war... Vielleicht hatte er seine Schutzbrille verloren und irrte hilflos und erblindet durch den Orkan. Oder er war vielleicht in eines der Schneelöcher gerutscht – Vertiefungen im Boden, die während des Winters mit Schnee und Eis gefüllt waren und tückische Fallen darstellten, die schon manchen Mann für immer gefangen hatten. »Hallo, Steve!«, brüllte er wieder. »Gib Antwort! Steve!« Nichts. Nur das Heulen des Windes, das Tanzen der Eiskristalle. Szargosh gab sich einen Ruck und ging noch einmal eine etwas größere Runde um den Rover. Plötzlich stieß sein Fuß gegen etwas Hartes. Alarmiert blieb er stehen und bückte sich, schaufelte schwer atmend den Schnee zur Seite. Ein Bein – in gefütterten Hosen! So schnell er konnte, grub er weiter und verwünschte die Kälte, den Sturm, dieses mörderische Land. Es war Dunkley, der hier lag. Regungslos und wie tot. Szargosh rüttelte Dunkley an der Schulter. »Steve, was ist passiert? Steve – antworte doch! Sag etwas, verdammt noch mal! Steve!« Aber Dunkley rührte sich nicht. Sein Mund blieb stumm. Szargoshs Gedanken, von plötzlicher Angst getrübt, klärten sich allmählich. Er musste ihn ins Zelt schaffen. Nur dort konnte Dunkley geholfen werden. Vielleicht war er verletzt, und die Kälte hatte ihn bewusstlos werden lassen. Er packte Dunkley an den Beinen, wollte ihn in Richtung Zelt schleifen. Da bemerkte er, was er unbewusst die ganze Zeit ignoriert hatte: Steve Dunkleys Körper war eiskalt. Sogar durch die plumpen Stiefel konnte Szargosh noch diese furchtbare Kälte fühlen. Ein Schauer lief dem kleinen Mann über den Rücken. Da stimmte doch etwas nicht. Dunkley befand sich kaum zwanzig Minuten im Freien. Selbst bei den herrschenden Minustemperaturen konnte ein warmer Körper nicht so schnell zu einem Eisblock werden. Und dann – wie starr, wie hart Steves Körper war. Wie... Wie ein Stück Holz. Oder... Szargosh wehrte sich zuerst gegen diesen Gedanken, aber er drängte sich immer wieder in sein Bewusstsein. Oder wie ein riesiger Eiswürfel! Szargosh begann zu zittern. Die Legenden der Eskimos fielen ihm ein... Unwirsch schüttelte er den Kopf. Unsinn war das, abergläubisches Geschwätz. Er beugte sich zu Dunkley hinab und fuhr ihm über das vermummte Gesicht. Trotz seiner Handschuhe fühlte er einen eisigen Hauch, der von Dunkley ausging. Dunkley war tot, erfroren. Daran war nicht mehr zu zweifeln. Mit einem Ruck riss er dem Toten die Gesichtsmaske herunter. Szargosh zuckte zurück, schrie auf. Nein, das konnte nicht sein, das war unmöglich! Das konnte einfach nicht sein! Aus geweiteten Augen starrte er in Steve Dunkleys Gesicht. Auf den ersten Blick sah es völlig normal aus. Doch blickte man näher hin, musterte es genauer... Die Haut bestand nicht mehr aus Fleisch, sondern aus Myriaden winziger Kristalle. Ebenso die Augen, die Haare... Steve Dunkley war zu Eis geworden! 2. Es dauerte geraume Zeit, bis Szargosh sein Entsetzen überwunden hatte und wieder klar denken konnte. Er musste zurück ins Zelt und mit Rubett sprechen. Rubett kannte sich aus, er musste wissen, was für Dunkleys Tod und seinen gespenstischen Zustand verantwortlich war. Szargosh drehte sich um und eilte zurück zum Zelt. Der kniehoch liegende Schnee behinderte ihn, und die Macht des Sturmes forderte seine letzten Kräfte heraus. Szargosh hatte Angst. Ihm war, als würde er von unzähligen gierigen Augen beobachtet, als würde jemand – etwas! – auf ihn warten. Meter um Meter legte er zurück, sein Atem flog, und trotz der beißenden Kälte wurde ihm warm unter seiner dicken Kleidung. Und die Schneeflocken tanzten und wirbelten, verformten sich zu grotesken Gebilden, die mit weißen, formlosen Klauenhänden nach ihm griffen. Nur ruhig, redete Szargosh sich ein. Gleich hast du es geschafft. Nur noch ein paar Schritte, dann ist alles überstanden. Szargosh stolperte. Verzweifelt ruderte er mit den Armen, um sein Gleichgewicht zu bewahren, aber vergeblich. Er fiel lang hin. Die Müdigkeit ließ rote Punkte vor seinen Augen tanzen, der klirrende Frost und eine merkwürdige Schwäche lähmte seine Glieder. So muss es auch...




