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E-Book

E-Book, Deutsch, 178 Seiten

Zeh Solas

Inselkrimi
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7578-9341-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Inselkrimi

E-Book, Deutsch, 178 Seiten

ISBN: 978-3-7578-9341-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Shane Cameron, der eigenwillige Inspektor der irischen Kriminalpolizei, der mit 56 Jahren wieder bei seiner Mutter wohnt, wird in den Norden der Insel gerufen. Eine Mädchenleiche gibt der dortigen Behörde Rätsel auf. Im Laufe der Ermittlungen wird er mit seiner Vergangenheit und den eigenen Dämonen konfrontiert. Und davon gibt es reichlich. Immer tiefer gerät er in den unheilvollen Sog dieses Falles. Er trifft eine folgenschwere Entscheidung, die sein Leben für immer verändern wird.

Klaus Zeh, Jahrgang 1965, ist Schriftsteller, Musiker und Liedermacher. Er lebt in Reutlingen. Klaus Zeh wird »der Meister der literarischen Skizze« genannt. Bezeichnend ist ebenso seine Themenvielfalt. Seit 2015 setzt er sich künstlerisch und privat gegen Menschenhandel, Zwangsprostitution und sexuelle Gewalt an Kindern ein. Er ist Gründer der Initiative Kunst.GEGEN.Kinderhandel und Fördermitglied bei diversen Menschenrechtsorganisationen. Schon zu Beginn seiner schriftstellerischen Tätigkeit hat sich der Autor gegen die Veröffentlichung im herkömmlichen Verlagswesen entschieden. Ihm ist es ein großes Anliegen, seine künstlerische Unabhängigkeit sowie die Rechte an seinen Werken zu behalten. Auf Instagram und Facebook finden Sie Klaus Zeh unter: klauszeh.autor Alle Werke des Autors sind auf der letzten Buchseite verzeichnet.

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Real Real Gone
Sein Telefon klingelte. Schlaftrunken tastete er danach und warf dabei das Glas mit einem letzten Rest Connemara Single Malt Whiskey vom Nachttisch. Auch die Schatulle mit den Tabletten, die nun allesamt über den Teppich kullerten. Er hustete und fluchte. Maureen, seine Mutter, schimpfte seit Jahr und Tag, dass er seine Blutdrucktabletten nicht mit Alkohol nehmen dürfe. Oder weshalb er nie ein Glas oder eine Tasse leer trank? Und weshalb er auch immer einen letzten Rest Essen auf dem Teller zurücklassen musste? Von ihr habe er das nicht, sie hätte ihn anders erzogen. Er wusste eine Antwort, doch er gab sie ihr nicht. Sie hätte es als Spinnerei abgetan. Ihn womöglich belächelt. Und er hasste es, belächelt zu werden. Sogar von seiner Mutter. Dass er noch immer bei seiner Mutter wohnte, mit 56 Jahren, daran störten sich beide nicht. Er sah es im Übrigen auch nicht so. Für ihn stellte sich die Situation anders dar. Er hatte sich im Laufe der Jahre die Betrachtungsweise angeeignet, dass seine Mutter bei ihm lebte, nicht andersherum. Obwohl es ihr Haus war und sie schon lange vor ihm darin gewohnt hatte. Zusammen mit ihrem Mann, seinem Vater. Er, Cameron, lebte erst seit zehn Jahren wieder bei ihr. Seit der Scheidung von seiner Frau. Er hatte sich daran gewöhnt zu glauben, er würde sie unterstützen. Immerhin war sie schon 84 Jahre alt. Was man ihr jedoch nicht ansah. Und auch nicht anmerkte. Wenn er ehrlich war, musste er allerdings zugeben, dass sie ihn unterstützte. Und zwar in so ziemlich allem. Er gab es vor ihr jedoch niemals zu, und beruhigte sich damit, ihr durch seine Anwesenheit eine Art Aufgabe fürs Alter zu sein, die ihr half, jeden Tag aufs Neue aufzustehen und weiterzuleben. Ob sie das überhaupt benötigte, wusste er nicht. Er hatte sie auch nie danach gefragt. Es war zu viel gewesen für ihn, damals. Zuerst der Tod seines Jungen, dann die Scheidung. Er hatte zu trinken angefangen und war sogar wegen Trunkenheit bei der Arbeit für ein halbes Jahr suspendiert worden. Seine Mutter hatte ihn bei sich aufgenommen. Fürs Erste, wie sie damals betonte. Das war vor zehn Jahren. Mittlerweile waren sie ein gutes Team. Was bedeutete, dass sie ihm die Wäsche machte, das Essen kochte, ihn täglich weckte, damit er rechtzeitig zum Dienst erschien, und ihn sogar bei manchen seiner Fälle beriet. Meine Mrs. Marple, scherzte er oft, was sie sich natürlich gerne gefallen ließ. Und was bedeutete er für sie? Nun, er war ihr Sohn. Ihr Ein und Alles. Alles, was sie noch hatte. Und er war Inspektor der irischen Polizei. Darauf konnte man als Mutter schon ein bisschen stolz sein, auch wenn man eigentlich aus England stammte. Vor gut sechzig Jahren hatte sie seinen Vater, einen Iren, geheiratet und in Irland eine neue Heimat gefunden. Die ihr die „Eingeborenen“, wie sie sie nannte, immer missgönnten. Aber sie hatte durchgehalten. Auch nach dem Tod ihres Mannes. Da erst recht! Junge!, rief sie aus der Küche nach oben. Dein Telefon! Wach endlich auf! Ihre Stimme hatte noch immer die Kraft und die Rohheit eines englischen Bergwerkarbeiters. So muss wohl ihr Vater geklungen haben, dachte er und schmunzelte. Ihre schwerfälligen Schritte waren auf der Treppe zu hören. Manchmal ließ er es auch absichtlich lange läuten, seit er einen jüngeren Kollegen gebeten hatte, ihm aus dem Internet den Song Real Real Gone als Klingelton herunterzuladen. Er liebte diesen Song. Schon ewig. Wie viele andere Morrison Songs. Eigentlich fast alle. Seiner Meinung nach hatte dieser Mann noch nie ein schlechtes Album aufgenommen. Nicht einmal, als er für kurze Zeit der Scientology verfallen war. Wobei Cameron jenes Ron L. Hubbard gewidmete Album allerdings für das Schlechteste hielt. Vor Jahren gab es einmal einen Zwischenfall in einem Pub in Drumshanbo. Ein junger Bursche hatte in angetrunkenem Zustand den Sänger als altes Waschweib bezeichnet. Daraufhin hatte er dem jungen Mann eine Linke verpasst. Nur den unermüdlichen Bemühungen seiner Mutter hatte er es zu verdanken gehabt, dass er wegen dieses Angriffes nicht seine Marke hatte abgeben müssen. Jetzt stand sie im Zimmer – seine fluchende Mutter: Verdammt Junge, wo um alles in der Welt befindet sich in diesem Saustall dein Telefon? Und wie es hier stinkt! Sie riss die Fenster auf. Jesus, Mum, nicht die Fenster, hustete er. Entweder du stehst auf oder ich erzähl dem Superintendent, dass du noch immer säufst. Das würdest du niemals tun, Mum, lachte er, noch immer hustend. Na gut, dann eben dem Chief Superintendent. Er vernahm den Schalk in ihrer Stimme. Du bist großartig, Mum, sagte er mit belegter Stimme. Du stinkst, Junge, entgegnete sie, steig unter die Dusche, bevor du zum Dienst gehst. Zuerst einmal muss ich mein scheiß Telefon finden, schimpfte er. Der Anrufer hatte aufgelegt, der Song riss ab. Nicht auszuhalten, dieser Gestank!, polterte seine Mutter, wenn du halbwegs wieder zu einem menschlichen Wesen geworden bist, gibt es Frühstück. Mum, du weißt doch, dass mich deine Mutter-Attacken nicht beeindrucken. Ein leerer Frühstückstisch vielleicht schon, entgegnete sie. Auch das nicht, murmelte er vor sich hin und suchte in dem Gerümpel auf dem Boden mit den Augen nach der Whiskey-Flasche. Das hab ich gehört, mein Junge!, rief sie beim Verlassen seines Schlafzimmers im Treppenhaus über ihre Schulter. Er nahm naserümpfend eine Geruchsprobe seiner Achselhöhlen. Na gut, Mum, murmelte er vor sich hin, hast ja recht. Er schlurfte in sein Badezimmer, zog sich Unterhose und Guinness-Shirt aus, stieg in die Duschkabine und duschte lange und heiß. Doch nicht zu lange und zu heiß – wegen seines Kreislaufes. Er war stolz auf seine Dusche, hatte sich extra jemanden aus Dublin kommen lassen. Die Flaschner in Sligo waren seiner Meinung nach alles „Flaschen“. In ganz Sligo konnte man keine Dusche finden, deren Wasserstrahl kräftig genug war, seine Haut zu massieren. Nirgendwo in diesem Kaff gab es einen Wasserstrahl, der die Kraft hatte, ihn wieder auf Vordermann zu bringen. Er wusste das, er war in seinem Leben oft genug umgezogen. Vor dem Spiegel rubbelte er sich die langen graumelierten schwarzen Haare, frisierte sie streng zurück und machte ein schwarzes Haarband darum. Beim Ankleiden fiel ihm an der widerspenstigen Hose auf, dass er offenbar wieder ein Pfund zugelegt haben musste, was er mit einem Achselzucken kommentierte. Rasieren fiel wieder mal aus, er hatte keine Lust dazu. Der Anruf fiel ihm ein. In seinem Schlafzimmer dröhnte der Straßenlärm durch die offenen Fenster. Hupen, Motorenlärm, ein paar grölende Rugby-Fans, die in diesem Moment am Haus vorübergingen, übertönt nur von einem vorbeifahrenden Bus. Seine Eltern hatten damals, in den Sechzigern des letzten Jahrhunderts, für eine Handvoll irische Pfund dieses Haus in Gallows Hill ergattert. Sein Vater hatte es hellblau gestrichen und bis zu seinem Tod jahrelang selbst renoviert und ausgebaut. Bis auf die Wasserleitungen … Wo steckst du bloß, kleines Mistvieh, brummte er, und fand sein Mobiltelefon schließlich unter einem Stapel Schallplatten und aufgeschlagenen Büchern mit japanischen Haikus. Überall, wo er ganz besondere Dreizeiler gefunden hatte, machte er Eselsohren in die Seiten. Er schaute zum Plattenspieler hinüber. Auf dem Plattenteller lag noch immer die B-Seite von No Guru, No Method. Seine Feierabend-Musik. Dazu ein paar Gläser Whiskey und der Ärger des Tages war meistens fortgespült. Er kannte die Telefonnummer auf dem Display seines Mobiltelefons nicht und rief gespannt zurück. Am anderen Ende der Leitung wurde abgenommen. Ein Mann fauchte ein genervtes „Hallo“ in die Muschel – mehr nicht. Im Hintergrund waren Kindergeschrei und eine zischende Kaffeemaschine zu hören. Hallo, meine Name ist Shane Cameron, sagte er, Sie haben mich vor einer halben Stunde angerufen. Shane!, rief es am anderen Ende, Shane, ich bin es, Ray! Schön, dass du dich so schnell zurückmeldest. Ray? Ja, ich, Ray! Sorry, hab dich nicht erkannt … der Lärm im Hintergrund, bemerkte Cameron. Ja, bin noch Zuhause, meine Kids, diese Rasselbande, räusperte sich Ray entschuldigend. Was gibt es, Ray, weshalb hast du angerufen? Immer noch der Alte, lachte Ray, immer gleich zur Sache kommen. Weißt du, wie lange wir uns nicht mehr gesprochen haben? Eine ganze Weile, denk ich, aber du rufst doch nicht etwa an, um dich zu erkundigen, wie es mir geht oder um mit mir über Rugby zu plaudern, also, schieß los. Schon gut, Alter, na dann, sagte Ray und schlug einen anderen Ton an: Ich brauche deine Hilfe, Shane. Du? Meine Hilfe? Das ist ja mal ganz was Neues. Ja. Ich sage es ungern, lachte Ray verlegen, aber ich komme hier nicht weiter. Ein schwieriger Fall. Worum geht...



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