Zadoff | Fearless (Boy Nobody) | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 432 Seiten

Reihe: Boy Nobody

Zadoff Fearless (Boy Nobody)

Ich bin dein Freund. Ich bin dein Verräter
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8458-0392-0
Verlag: arsEdition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ich bin dein Freund. Ich bin dein Verräter

E-Book, Deutsch, 432 Seiten

Reihe: Boy Nobody

ISBN: 978-3-8458-0392-0
Verlag: arsEdition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Unangenehme Fragen verfolgen Zach alias BOY NOBODY seit seinem letzten tödlichen Auftrag als Undercover-Agent. Wer ist er eigentlich ohne seinen Auftraggeber, das ominöse 'Programm'? Warum fühlt er sich seit seinem letzten Mord so schlecht? Warum fühlt er überhaupt etwas? Viel Zeit zum Nachdenken bleibt ihm nicht. Das 'Programm' schickt ihn in ein rechtsradikales Trainingscamp, dessen paranoiden Anführer er liquidieren soll. Eine scheinbar ganz normale Mission für Zach. Doch dieser Auftrag zieht ungeahnte Konsequenzen nach sich...

Allen Zadoff hat 2010 mit Food, girls and other things I can't have den Sid Fleischmann Humor Award gewonnen. Er lebt in Los Angeles, wo er an Boy Nobodys weiterem Schicksal arbeitet...
Zadoff Fearless (Boy Nobody) jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Soldaten.


Fünf oder sechs von ihnen kann ich in der Dunkelheit erkennen, offenbar die Vorhut. Die Laserpointer ihrer Gewehre wandern über die Hüttenwände.

Ich rolle mich über den Boden, gebe für Sekunden meine Deckung preis, bis ich unter der benachbarten Hütte in Sicherheit bin.

Peters Hütte.

Ich bin ihm nichts schuldig. In den drei Tagen, die ich jetzt hier bin, habe ich mich immer im Hintergrund gehalten, war still und unauffällig, für meine Umwelt so gut wie unsichtbar. Wie eine Lampe, die man heruntergedimmt hat. Nur Peter kennt mich, oder vielmehr den Teil von mir, den er kennen darf.

Vielleicht kennt er mich sogar ein bisschen besser. Ich habe mehr geredet als sonst. Ich konnte nicht anders.

Trotzdem sollte er mir egal sein. Ich sollte lieber zur nächsten Hütte sprinten und dann zur nächsten und immer weiter, bis ich den Waldrand erreiche und fliehen kann.

Aber ich kann nicht zulassen, dass Peter dafür büßen muss, dass er sich mit mir angefreundet hat. Ich muss ihn zumindest warnen.

Es ist nur ein Soldat in der Nähe, und der zielt mit seinem Laserpointer in die entgegengesetzte Richtung. Also krieche ich unter Peters Hütte hervor und taste mich vorsichtig an der Holzwand hinauf, bis ich den unteren Rand des Fensters zu fassen bekomme. Dann ziehe ich mich hoch, klappe den Holzladen zur Seite und spähe durchs Fliegengitter.

In der Mitte des Raums liegt eine Granate. Das Zischen des ausströmenden Gases ist deutlich zu hören.

Ich hole tief Luft und zwänge mich durch das Fliegengitter.

Ich halte mich dicht am Boden, während ich mich zu Peters Bett vortaste. Ich schüttle ihn.

»Wach auf!«

Er reagiert nicht. Ich beuge mich über ihn und horche an seiner Brust. Sein Herz schlägt noch, langsam, aber gleichmäßig. Sein Atem geht flach, aber ruhig.

Der Junge neben ihm ist im selben Zustand. Und der daneben auch.

Betäubungsgas. Das also war in den Granaten.

Ich weiß jetzt, dass Peter nicht in Gefahr ist. Also springe ich aus dem Fenster nach draußen.

Das Gas ist jetzt überall.

Es quillt unter den Türen der Hütten hervor und kriecht über den Boden – fahl wie Nebel im Mondlicht.

Für Peter kann ich nichts mehr tun. Höchste Zeit, an mich selbst zu denken.

Ich laufe los.

Hinter der nächsten Hütte gehe ich in Deckung, presse mich dicht an die Holzwand, warte einen Moment, sprinte dann wieder los, hechte von Hütte zu Hütte und auf den Wald zu, der das Camp umgibt.

Als ich die letzte Hütte erreiche, sehe ich mindestens zwanzig Soldaten zwischen den Bäumen hervorkommen und langsam in meine Richtung gehen. Sie tragen Tyvek-Anzüge, Atemschutzmasken und Nachtsichtbrillen und haben Gewehre im Anschlag. Rote Lichtpunkte tanzen durch die Luft, während sie die Gegend nach mir absuchen.

Diese Typen haben nicht nur eine Profi-Ausrüstung, sondern scheinen auch top ausgebildet. Kann es sein, dass sie für das Programm arbeiten? Die Organisation hat zwar keine eigene Militäreinheit, aber jede Menge anderer Möglichkeiten und fast unbeschränkte Mittel.

Und wenn doch jemand anders hinter dem Angriff steckt? Aber wer? Ich bin bei früheren Einsätzen schon einer Menge Leute in die Quere gekommen: skrupellosen Agenten des Mossad, Mitarbeitern des chinesischen Geheimdiensts, ukrainischen Agenten. Andererseits ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass mich einer von ihnen aufgespürt hat, schon gar nicht hier, mitten in den Wäldern von Vermont. Aber egal, wer es auf mich abgesehen hat, ich muss hier schleunigst verschwinden.

Sobald ich meine Deckung verlasse, werden ihre Infrarotsensoren meine Körperwärme registrieren. Nur dort, wo der Gasnebel dichter ist, können sie mich nicht sofort aufspüren. Wenn ich es bis zur nächsten Gaswolke schaffe, habe ich vielleicht eine Chance.

Also laufe ich los. Aber schon im nächsten Moment haben sie mich entdeckt und kommen von allen Seiten auf mich zu.

Ich erstarre.

Zwanzig Laservisiere sind auf meinen Körper gerichtet. Zwanzig schwer bewaffnete Männer kreisen mich ein. Langsam zieht sich die Schlinge zu.

Eilig scanne ich die Umgebung, suche nach einem Fluchtweg, irgendeiner Möglichkeit, mich aus der Schusslinie zu bringen, aber es gibt keine.

Ich sitze in der Falle.

Doch irgendetwas macht mich stutzig. Ich spüre eine seltsame Anspannung unter den Soldaten. Einige von ihnen treten unruhig von einem Fuß auf den anderen. Obwohl sie mir zahlenmäßig überlegen sind und außerdem Waffen haben, sind sie nervös.

Das kann nur bedeuten, dass sie wissen, wer ich bin.

Aber wieso?

Plötzlich öffnet sich der Kreis. Zwei Soldaten treten beiseite, um einem Mann Platz zu machen, der mit energischen Schritten auf mich zukommt. Er ist unbewaffnet und trägt auch keinen Schutzanzug. Noch bevor ich sein Gesicht sehe, weiß ich, wer es ist. Ich erkenne ihn allein an seinem selbstsicheren Gang. Wir haben uns seit über zwei Jahren nicht mehr gesehen, aber oft miteinander telefoniert. Er ist der Mann, der meine Einsätze überwacht. Der mich ausgebildet hat.

Der Mann, den ich Vater nenne.

Aber er ist nicht mein richtiger Vater. Er ist mein Vorgesetzter.

Jetzt weiß ich, dass ich richtig lag: Das Programm ist hinter mir her. Aber wieso hetzen sie mir diese ganzen Soldaten auf den Hals?

Ich beobachte Vaters Gesicht. Eine undurchdringliche Maske.

In meiner Brust krampft sich etwas zusammen. Mein Atem geht schneller.

Ich weiß, was das bedeutet.

Angst.

Aber das Gefühl verschwindet beinahe so schnell, wie es gekommen ist.

So war es schon immer. Dinge, die anderen Leuten Angst machen, lassen mich kalt.

Während Vater langsam auf mich zukommt, analysiere ich die Lage: In dem Moment, in dem er den Kreis betreten hat, hat sich für mich die Wahrscheinlichkeit, von den Soldaten durchlöchert zu werden, um ungefähr zwanzig Prozent verringert. Sie können schließlich nicht durch ihn hindurchschießen. Ohne es zu wollen, hat Vater die Karten neu gemischt.

Er bleibt etwa acht Schritte vor mir stehen. Außerhalb meiner Angriffsdistanz, aber nah genug, um mit mir sprechen zu können, ohne dass es die Soldaten mithören können.

»Sie kennen deinen Namen nicht. Ich werde ihn deshalb nicht erwähnen«, sagt er leise.

Ich sehe zu den Soldaten hinüber.

»Sie gehören nicht zu uns«, sagt er. »Sie glauben, dass es sich um eine Operation des Heimatschutzministeriums handelt.«

Das Programm ist nicht dem Heimatschutzministerium unterstellt. Wir arbeiten unabhängig. Offiziell gibt es uns gar nicht.

»Warum sind sie dann hier?«

»Nur eine Vorsichtsmaßnahme. Wir waren nicht sicher, auf welcher Seite du stehst.«

»Ganz schön viel Aufwand für einen Sicherheitscheck«, sage ich.

Ich bemerke, wie Vater die Kiefermuskeln anspannt. Er verheimlicht mir etwas.

»Was wissen die über mich?«, frage ich.

»Dass du gefährlich bist. Und dass du möglicherweise ein Feind der Vereinigten Staaten bist.«

Ein Feind?

Aber ich bin doch genau das Gegenteil. Ich bin ein Soldat des Programms. Das heißt, ich bin ein Patriot und verteidige die Vereinigten Staaten. Denn darum geht es in meinem Job. Also warum halten sie mich für einen Feind?

Vaters Miene verrät mir nicht das Geringste. Er verschränkt die Arme vor der Brust und mustert mich.

»Es ist lange her, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben«, sagt er.

»Stimmt.«

Ich habe Vater seit meiner Abschlussprüfung nicht mehr gesehen. Damals musste ich gegen Mike antreten, meinen sogenannten Bruder. Er hat mir ein Messer in die Brust gerammt, aber ich habe überlebt.

Und damit hatte ich bestanden.

»Das war am Tag deiner Abschlussprüfung«, sagt Vater.

Er erinnert sich also noch.

»Ja, vor zwei Jahren«, erwidere ich.

»Seitdem ist eine Menge passiert. Du hast Hervorragendes geleistet. Wir hätten uns nicht träumen lassen, dass du dich so gut entwickeln würdest. Deine Mutter ist sehr stolz auf dich.«

Mutter. Die Frau, die das Programm leitet.

»Und das bin ich auch«, sagt er. »Umso bedauerlicher ist es, dass du dich in diese missliche Lage gebracht hast.«

Er deutet auf die Soldaten.

Missliche Lage. So langsam verstehe ich, worum es hier geht. Zumindest ahne ich es.

»Ich habe mich seit zweiundsiebzig Stunden nicht gemeldet«, sage ich.

»Zweiundsiebzig Stunden oder zweiundsiebzig Minuten, du bist einfach abgetaucht. Das verstößt gegen die Regeln.«

Die Regeln verlangen, dass ich einen Auftrag erledige und dann auf den nächsten warte. Das ist der ewige Kreislauf meines Lebens. Arbeiten – warten – wieder arbeiten.

Ganz einfach.

»Wieso bist du ausgerechnet hierhergekommen?« Vater blickt sich mit missbilligender Miene um.

»Ich brauchte ein bisschen Abstand.«

»Abstand? Wovon?«

Von meinen Erinnerungen. Aber das sage ich ihm natürlich nicht.

»Von allem.«

Aber er scheint trotzdem zu wissen, was in mir vorgeht: »Du bist Soldat. Du machst eine sehr wichtige Arbeit. Das ist nicht immer angenehm, aber das war dir von Anfang an klar.«

»Natürlich.«

»Also, wo liegt dann das Problem?«

Das wüsste ich selbst gern. Früher hätte ich niemals gegen die Regeln verstoßen, kein bisschen. Ich wäre niemals...


Zadoff, Allen
Allen Zadoff hat 2010 mit Food, girls and other things I can't have den Sid Fleischmann Humor Award gewonnen. Er lebt in Los Angeles, wo er an Boy Nobodys weiterem Schicksal arbeitet...

Allen Zadoff hat 2010 mit Food, girls and other things I can't have den Sid Fleischmann Humor Award gewonnen. Er lebt in Los Angeles, wo er an Boy Nobodys weiterem Schicksal arbeitet...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.