E-Book, Deutsch, 272 Seiten
Reihe: HarperCollins
Youngson Das Versprechen, dich zu finden
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-95967-794-3
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 272 Seiten
Reihe: HarperCollins
ISBN: 978-3-95967-794-3
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Shortlist Costa First Novel Award 2018
Tina und Anders hatten früher große Träume. Doch das Leben zog vorbei, und der eine Moment, sich diese zu erfüllen, kam nie. Jetzt haben beide jemanden verloren, der ihnen sehr nahesteht und der eine Lücke hinterlässt, die zu füllen ihnen unmöglich scheint.
Tina und Anders sind sich noch nie begegnet. Zufällig beginnen sie einen Briefwechsel und teilen ihre Trauer miteinander, aber auch ihre Lust am Leben. Durch ihre Freundschaft entwickeln sie einen Hunger nach Veränderung. Mit Anfang sechzig stehen sie beide vor einer Frage, die viele Menschen umtreibt: Haben wir das Leben geführt, das wir führen wollten?
»eine Liebesgeschichte, die jedoch keinen Kitsch braucht, um anrührend zu sein. Das Debüt (...) entfaltet in einem Briefwechsel eine emotionale Wucht, die an Glattauers 'Gut gegen Nordwind' erinnert.« Brigitte Woman
»Ergreifend.« bella
»Das Versprechen, dich zu finden ist ein berührendes Debüt von Anne Youngson, die sich getraut hat, sich einen Traum zu erfüllen.« Leserin
»Der Engländerin Youngson ist ein berührendes Werk gelungen, das große Fragen aufgreift und zum Aufbruch ermutigt.« Coopzeitung
»Mit 70 Jahren hat die Britin Anne Youngson ein einfühlsames Debüt über Selbsterkenntnis und die Kraft von neuen Anfängen geschrieben (...).« Generation 55+
»Purer Lesegenuss!« belletristik-couch.de
»Einfühlsam, sehr ergreifend und faszinierend.« Daily Express
»Positiv-nachdenklich stimmend auch durch die bildreiche Sprache ein Genuss. Dringende Empfehlung für die Generation Plus und Jüngere, die sich an ganz besondere Brieffreundschaften erinnern.« ekz Bibliotheksservice
Die Engländerin Anne Youngson ist verheiratet und hat mehrere Kinder und Enkelkinder. Sie war lange Jahre bei einem Motorenhersteller tätig. Nachdem sie in Frührente ging, begann sie, als Beraterin für Schulen zu arbeiten und war außerdem in mehreren Wohltätigkeitsorganisationen aktiv, studierte Kreatives Schreiben und verfasste einige Sachbücher. Momentan macht Anne Youngson ihren Doktor an der Oxford Brookes University. »Das Versprechen, dich zu finden« ist der Debütroman der 70-jährigen Autorin.
Weitere Infos & Material
Bury St. Edmunds
16. Juni
Lieber Anders,
wie Sie vorgeschlagen haben, sende ich Ihnen dies als Anhang einer Mail. Ich habe die Methode geliebt, über die wir miteinander kommuniziert haben; die körperliche Mühe, die dazu gehört, das Papier herauszusuchen, das Kuvert, die Briefmarken, die Zeit, um zum Briefkasten zu gehen, und die zeitliche Verzögerung, bevor ich eine Antwort bekomme. Das alles ließ unsere Briefe so viel wichtiger erscheinen als ein paar Textzeilen auf einem Bildschirm. Die meisten Mails, die ich bekomme, drehen sich um Sonderangebote für Pflanzen, Benachrichtigungen zu landwirtschaftlichen Veranstaltungen oder Erinnerungen, dass ich dran bin, am Kuchenstand des Frauenvereins auf dem Bauernmarkt zu verkaufen. Ihre Briefe sind davon Welten entfernt. Ich habe das Gefühl, dadurch spüren zu können, wie es gewesen sein muss, der letzten Generation anzugehören, für die Gaslaternen und Kerzenlicht normal waren und Elektrizität die ganz neue Erfindung. Ich werfe über meine Schulter einen Blick zurück und schreibe Briefe, denn obwohl ich weiß, dass der neue Kommunikationsweg effizienter ist, will ich an der Sanftheit und Eleganz festhalten, die wir hinter uns lassen. Doch am meisten will ich, dass wir in Kontakt bleiben, und deswegen ist dies ein Anhang, den ich Ihnen elektronisch übersende. Ich verspreche Ihnen, wenn Sie mir auf die gleiche Art antworten, werde ich mir Ihr Schreiben ausdrucken und es lesen, als wäre es in einem Umschlag durch die Tür gekommen. Geben Sie mir das gleiche Versprechen? Es genauso gewissenhaft zu lesen und genauso gewissenhaft über die Antwort nachzudenken, bevor Sie sie schicken? Wenn ich noch etwas anderes finde, was ich Ihnen schicken möchte, wie die Vogelfeder, werde ich das auf dem Postweg machen.
Es ist die Schwungfeder eines weiblichen Fasans. Ich schwanke hier zwischen zwei Möglichkeiten: entweder Ihnen alles über Fasane zu erzählen, was ich weiß, als würden Sie überhaupt nichts wissen, oder diesen ersten Satz einfach so stehen zu lassen, als würde er Ihnen alles sagen, was Sie über die Feder wissen müssen, die ich Ihnen geschickt habe. Ich zögere, Ihnen alles zu erzählen, was ich weiß, nicht nur, weil ich nicht davon ausgehen will, dass Sie nichts wissen, sondern auch, weil ich so klingen könnte, als würde ich versuchen zu beweisen, dass auch ich ein paar Fakten kenne, so wie Sie. Ich könnte so klingen, als wollte ich Ihre Informationen über die Eisenzeit mit meinen Informationen über Federwild übertrumpfen. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ich das tun würde, denn ich habe schmerzlich wenig Ehrgeiz, zu beweisen, dass ich besser bin als jemand anders, und das ist schon immer so gewesen. Wenn jemand etwas gut macht, wünsche ich mir vielleicht, dass ich es auch so gut könnte. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass ich mich bemühen sollte, es noch besser zu machen. Ich finde, das ist ein Fehler. Ich hätte eine bessere Meinung von mir haben sollen.
Ich werde Ihnen von Fasanen erzählen, und ich hoffe, es wird Sie nicht zu sehr langweilen. Wir haben Volieren auf unserem Land, in denen Fasane brüten; ein Jäger aus der Gegend kümmert sich um die Vögel, und ein halbes Dutzend Mal im Jahr taucht ein Konvoi von Allrad-Fahrzeugen mit ein, zwei Anhängern auf, voller Männer mit Käppis und Jagdgewehren. Dann kommen mehrere Pick-ups mit Männern, Jungen und vereinzelt mal einer Frau auf der Ladefläche, die Stecken mitbringen, an denen Streifen von weißen Plastiksäcken befestigt sind. Sie klettern vom Wagen und marschieren über die Felder, wobei sie ihre Stöcke schwenken, um die Fasane vom Boden in die Luft zu scheuchen. Die guns, wie man sie nennt (als hätte jedes bisschen Menschlichkeit sie für die Zwecke dieses Sports verlassen), stellen sich an die Markierungen und schießen auf die verwirrten Fasane, die noch gestern von einigen der Leute gefüttert wurden, die jetzt versuchen, sie zu töten, während sie auffliegen und sich fragen, was zum Teufel eigentlich los ist. (Jetzt vermenschliche ich – Fasane sind außerordentlich dumme Vögel und haben zweifellos überhaupt keinen Gedanken im Kopf.) Schlammverschmierte, aufgeregte, aber gehorsame Hunde holen die toten Vögel, die in Reihen an einer Art Gestell aufgehängt werden, das man in einem der Anhänger zu diesem Zweck aufgestellt hat. Zu Mittag suchen sich die Treiber und die Jäger einen Unterstand oder, für den unwahrscheinlichen Fall, dass das Wetter gut genug ist, eine Bank, auf die sie sich setzen, und essen die Sandwiches, die ihre Frauen ihnen mitgegeben haben. Am Ende des Tages laden sie ihren Anteil an toten Vögeln und ihre schlammverschmierten Hunde in ihre Allradfahrzeuge und fahren nach Hause zu ihren Frauen. Edward und Tam gehören an diesen Tagen auch zu den guns. Ich weiß aus Erfahrung, dass man von den Frauen erwartet, dass sie dem heimkehrenden Krieger gratulieren, seine Beute an einem geeigneten Ort aufhängen und dann den Schlamm aufwischen, den Hund und Herr mit in die Küche gebracht haben. Wenn die Vögel dann irgendwann fast, aber noch nicht zu verfault zum Essen sind, wird die dankbare Gattin sie rupfen und ausnehmen und in die Gefriertruhe legen. Die Zahl der Fasane in der Gefriertruhe wird auf einem konstanten Level gehalten, indem man gelegentlich einen auf den Tisch bringt, aber hauptsächlich durch heimliches Entsorgen von noch nicht verzehrten Vögeln, wenn die nächsten Trophäen hereinkommen.
Ich weiß, ich klinge verächtlich, aber ich stehe diesem Hobby tatsächlich ambivalent gegenüber. Einerseits ist es einfach lächerlich, die Vögel erst zu züchten und zu füttern, nur um sie dann zum Fliegen zu überreden und abzuschießen. Wenn das Fleisch nun sehr teuer wäre und der Geschmack verbessert würde, indem man sie erschreckt, bevor man sie aus dem Himmel schießt – statt ihnen einfach den Hals umzudrehen wie einem Huhn –, wäre es weniger absurd. Doch niemand, den ich kenne, isst freiwillig besonders oft Fasan, und selbst der glühendste Fan des Schießens würde nicht behaupten, dass das Fleisch besser schmeckt. Andererseits erfordert die Jagd Feldgehölze, lange Hecken, Abschnitte auf den Feldern, auf denen eigentlich unnütze Pflanzen wie Sonnenblumen gesät werden. Wenn die Fasanenjagd verboten oder einfach eingestellt werden würde, gäbe es keinen Bedarf mehr für diese Vielfalt, und manche Teile der Landschaft, die ich sehr schätze, würden in landwirtschaftlich nutzbare Flächen verwandelt werden. Außerdem mag ich die Fasane und die Hunde. Wie gesagt, die Fasane sind hirnlos, aber sie verstecken sich immer in einem Busch oder einem Grasbüschel, und wenn man sie aufstört, flattern sie mit einem großartigen, panischen Flügelgeknatter aus ihrer Deckung und gleiten über das offene Feld wie ein perfekt gefaltetes Papierflugzeug. Außerdem sehen sie hübsch aus. Die Männchen sind (wie Sie sicher wissen) die bunteren, aber die Federn der Weibchen haben ein wunderschönes symmetrisches Muster in verschiedenen Nuancen von Braun und Cremefarben, das nicht auf Auffälligkeit abzielt. Ich mag Muster lieber als Farben. Haben Sie schon mal einen Farnwedel betrachtet, der sich entrollt? Das ist ein Meisterstück der Komplexität ohne ein einziges Element des Zufalls. Und ich mag die Hunde, weil Hunde immer ohne Falsch sind. Sie können gerissen und hinterlistig sein, aber doch immer auf eine vorhersagbare Art.
Ich freue mich über die Freude, die Tam und Edward an diesem Sport haben, wenn man es denn so nennen will. Sie sind nüchterne, hart arbeitende Männer, und es gefällt mir, sie beim Aufbruch so aufgeregt zu sehen – soweit sie eben der Aufregung fähig sind – und später die Zufriedenheit in ihrer Unterhaltung über den verbrachten Tag zu hören. Letztlich ist es doch ein Ritual, und Rituale verleihen den Jahreszeiten ihr Muster. Edward und Tam würden diese Ansicht natürlich zurückweisen. Wenn man sie auffordern würde, die Fasanenjagd zu rechtfertigen, würden sie sich auf wirtschaftliche Aspekte berufen – die Jagdgesellschaft zahlt uns Geld; auf die Regulierung der Wildbestände – die Jagd reguliert die Zahl der Raubtiere; und auf den sozialen Zusammenhalt – sie hält die Männer und Jungen von der Straße weg und bringt sie alle zusammen an die frische Luft. Nur widerstrebend würden sie zugeben, dass sie es tun, weil es ihnen Spaß macht, und dass das allein Rechtfertigung genug sein könnte.
Ich sollte noch erwähnen, dass die Feder, die ich Ihnen geschickt habe, nicht von einem Vogel stammt, der bei der Jagd getötet wurde. Die ist für diesen Sommer schon vorbei, und die überlebenden Vögel stolzieren herum, paaren sich und suchen nach Futter wie alle anderen Vögel auch. Ich habe die Feder von einem Weibchen genommen, das auf der Zufahrt zu unserer Farm von einem Auto überfahren wurde. Ich freue mich, dass sie Ihnen gefällt. Das Wissen, dass Ihnen diese eine Feder etwas bedeutet, wird die ganzen anderen ähnlichen Federn, die ich hier herumliegen sehe, auch gleich viel bedeutungsvoller für mich machen.
Als ich gestern beim Himbeerpflücken war, dachte ich darüber nach, wie die Menschen der Eisenzeit glaubten, nach ihrem Leben noch ein weiteres zu erleben. Wenn ich Himbeeren pflücke, gehe ich so achtsam wie möglich an den Sträuchern entlang und halte Ausschau nach jeder reifen Frucht. Aber so gründlich ich auch schaue, auf dem Rückweg finde ich immer noch Früchte, die ich übersehen hatte, als ich mich den Pflanzen aus der anderen Richtung näherte. Ein zweites Leben, dachte ich, könnte wie eine zweite Runde entlang den Himbeersträuchern sein: Ich würde gute Dinge entdecken, die mir in meinem ersten Leben nicht untergekommen waren, aber ich schätze, ich würde...




