E-Book, Deutsch, 128 Seiten
Reihe: Edinburgh Love Stories
Young Valentine
15001. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8437-1246-0
Verlag: Ullstein HC
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Tag der Liebenden
E-Book, Deutsch, 128 Seiten
Reihe: Edinburgh Love Stories
ISBN: 978-3-8437-1246-0
Verlag: Ullstein HC
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Samantha Young wurde 1986 in Stirlingshire, Schottland, geboren. Seit ihrem Abschluss an der University of Edinburgh arbeitet sie als freie Autorin und hat bereits mehrere Jugendbuchserien geschrieben. Mit der Veröffentlichung von »Dublin Street« und »London Road«, ihren ersten beiden Romanen für Erwachsene, wurde sie zur internationalen Bestsellerautorin.
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Jocelyn und Braden
Braden kippte den Rest seines Kaffees hinunter. »Ich muss los.«
»Du hast noch nicht einmal gefrühstückt.« Ich blickte ihn vorwurfsvoll an und deutete auf das Rührei mit Toast, das ich ihm gemacht hatte.
»Tut mir leid, Babe, aber ich komme sonst zu spät zu dieser Konferenz.« Er stellte seinen Becher in die Spüle, beugte sich zu mir herunter, um meine Lippen zu streifen und küsste anschließend Luke und Beth auf die Stirn. »Bis heute Abend.«
»Bye, Dad!«, riefen sie ihm nach, als er aus der Küche stürmte. Luke beäugte augenblicklich gierig das Rührei, das Braden stehen gelassen hatte.
»Soll das ein Witz sein?«, schnaubte ich. Mein Sechsjähriger hatte zum Frühstück gerade Getreideflocken, zwei Scheiben gebutterten Toast und eine Handvoll Rosinen verdrückt. »Wo lässt du das bloß?« Ich schaufelte den größten Teil des Rühreis auf meinen Teller, überließ ihm aber den Rest.
Luke runzelte angesichts der ungleichen Verteilung die Stirn. »Wieso bekommst du mehr?«
»Weil sie ein Baby im Bauch hat, Dummerchen?«, sagte Beth mit der Überlegenheit, die sie ihrem Bruder gegenüber an den Tag legte, wann immer sich ihr die Möglichkeit dazu bot. Wenn sie ihn nicht gleichzeitig unglaublich fürsorglich beglucken und trotz der drei Jahre Altersunterschied bereitwillig mit ihm spielen würde und wenn sie darüber hinaus nicht einfach hinreißend wäre, würde ich meine Älteste als einen altklugen Fratz bezeichnen.
Das kam dabei heraus, wenn sich zwei Schlaumeier fortpflanzten.
»Nenn deinen Bruder nicht Dummerchen«, ermahnte ich sie.
Beth seufzte so schwer, als wäre sie neunzig statt neun. »’tschuldigung. Ich bin nur wegen dieses Valentinstagskrams in der Schule ein bisschen genervt.«
Sie sprach auch so, als wäre sie neunzig. Da kam der ›Einfach hinreißend‹-Teil ins Spiel. »Was für ein Valentinstagskram?«
»Wir müssen heute für irgendjemanden eine Karte basteln und sie ihm dann schenken.«
Ich verbiss mir ein Lachen. »Tja, Baby, das macht man nun einmal mit selbstgebastelten Karten. Man verschenkt sie.«
»Ich muss keine Karte basteln«, nuschelte Luke mit dem Mund voller Rührei.
»Denk an Regel Nummer fünf.«
Er schluckte und grinste mich an. »Sprich nicht mit als Weihnachtsmann verkleideten Leuten, wenn nicht Dezember ist, denn das kann er gar nicht selbst sein, weil er am Nordenpol ist und es deshalb ein Fremder sein muss, der zugibt, der Weihnachtsmann zu sein.«
»Am Nordpol«, korrigierte ihn Beth. »Und es heißt vorgeben. Außerdem ist das Regel Nummer sieben.«
Ich sah meine Tochter an und rümpfte die Nase. »Du bist wirklich nicht gut drauf, Miss Neunmalklug.« Dann wandte ich mich wieder an Luke. »Regel Nummer fünf lautet, nicht mit vollem Mund zu sprechen.«
Er hob beim Kauen den Daumen, um mir zu signalisieren, dass die Botschaft angekommen war.
»Und jetzt zu dir.« Ich beugte mich vor und schob Beth’ weiches Haar hinter ihr kleines Ohr zurück. »Was hast du denn für ein Problem mit dieser Karte?«
Sie zuckte die Achseln. »Was, wenn ich eine Karte für Aaron mache, und er macht seine nicht für mich?«
Aaron war dieser goldige kleine Junge, einen Kopf kleiner als meine Tochter, der ihr seit dem letzten Jahr wie ein treues Hündchen folgte. Sie waren sozusagen ein »Paar«, soweit man eben bei Neunjährigen davon sprechen konnte.
»Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass Aaron dir seine Karte schenken wird, und es wäre schade, wenn du dann keine für ihn hast. Er wäre bestimmt sehr enttäuscht.«
Beth starrte mich an; grübelte über meine Worte nach, als wären sie von entscheidender Bedeutung, was sie bekanntlich für jemanden in diesem Alter auch waren. »Okay. Vermutlich ist es besser, sich blöd vorzukommen, als die Gefühle eines anderen zu verletzen.«
Noch ein Grund, weshalb ich dieses Kind anbetete.
»Beth, du weißt, dass du für niemanden eine Karte zum Valentinstag machen musst, wenn du nicht willst, ja?«
Sie nickte. »Ich will aber.«
»Okay.« Ich sah Luke an, der sein Rührei aufgegessen hatte und jetzt mit halb geschlossenen Augen vor sich hin starrte. »Hey, Schlafmütze Luke, ab in die Schule mit dir, bevor du ins Land der Träume entschwindest.«
Seine Augen waren immer noch nicht ganz offen.
Beth grinste mich an, beugte sich zu ihrem Bruder und gab ihm einen schallenden Schmatz auf die Wange.
»Igitt!« Er schrak auf und rieb sich die Wange.
Ich hätte mir angesichts des urkomischen, übertriebenen Ausdrucks von Abscheu auf seinem Gesicht beinahe vor Lachen in die Hose gemacht.
»Das sage ich Dad, wenn er nach Hause kommt!« Mit dieser Drohung sprang er von seinem Stuhl, um seine Schultasche zu holen.
Beth und ich klatschten uns ab.
»Stimmt es, dass Will, Bray, Sophia und Jarrod heute über Nacht hierbleiben?«, fragte sie, als wir Luke aus der Küche in die Diele folgten.
Wir zogen unsere Stiefel und Mäntel an. »Nicht die ganze Nacht, aber den größten Teil, ja. Ist das okay für dich?«
»Für mich ja!«, brüllte Luke grinsend.
Das glaubte ich ihm unberufen. Ellies Sohn Will war nur ein Jahr jünger als er, und die beiden waren dicke Kumpel. »Na so was.« Ich zwinkerte ihm zu, und er kicherte.
»Das geht in Ordnung«, brummelte Beth, als wir ins Freie traten und ich die Tür abschloss. »Solange ich nicht die Babys am Hals habe.«
»Yeah.« Ich konnte mich gerade noch beherrschen, die Augen zu verdrehen. »Es wäre ja auch ungeheuer verantwortungsbewusst von mir, meine neunjährige Tochter auf ein sechs Monate altes Kind aufpassen zu lassen.«
»Ich könnte das schon«, widersprach sie. »Ich will einfach nur nicht.«
»Du bist voll und ganz mein Kind«, murmelte ich, als wir zu unserem Range Rover gingen. Wir hatten ein Auto und einen Parkausweis erworben, als ich mit Beth schwanger war. Das war auch etwas, das sich geändert hatte, nachdem Braden und ich Eltern geworden waren. Wir konnten nicht länger auf öffentliche Verkehrsmittel setzen, um uns in der Stadt fortzubewegen. Es war zu umständlich, wenn man Kinder hatte, und die meisten unserer Freunde waren zu derselben Erkenntnis gekommen, als sich Nachwuchs einstellte.
»Aber ich helfe dir mit Jarrod«, sagte Beth, als ich die Dublin Street hinunter in Richtung ihrer Grundschule fuhr.
»Und warum nur mit Jarrod und nicht mit Bray und Sophia?«
»Weil sie schon Kleinkinder sind. Sie kommen alleine klar. Jarred ist noch ein ganz kleines Baby.«
Ich schmunzelte über ihre Argumentation, beschloss aber, sie nicht zu korrigieren. »Okay, abgemacht. Du hilfst mir heute Abend, Jarrod zu betreuen.«
»Ja, aber nur bis zu meiner Schlafenszeit.«
»Alles klar. Aber du weißt, dass Jarrod vor dir schlafen geht.«
Ich schielte aus dem Augenwinkel zu ihr hinüber und sah, dass sie die Stirn runzelte. »Heißt das, dass ich mich auch noch nach seiner Schlafenszeit um ihn kümmern muss?«
»Samt Windeln und allem.«
»Bäh.« Sie streckte die Zunge heraus wie ein Frosch. »Nein danke. Dann nehme ich lieber Sophia.«
»Das dachte ich mir schon. Aber es ist okay.« Ich grinste zu ihr hinüber. »Wir überlassen Windel-Jarrod deinem Dad.«
Beide kicherten über mein geplantes Komplott und nickten zustimmend.
Egal wie oft ich in den Spiegel starrte, das Bild änderte sich nicht.
Ich verzog das Gesicht.
Es war vermutlich ganz gut, dass Braden und ich an diesem Valentinstag mit dem Babysitten an der Reihe waren. Mit meinem Schwangerschaftsbauch fühlt ich mich so gar nicht sexy.
»Kleine Ellie.« Ich tätschelte meinen Bauch und sprach mit meiner ungeborenen Tochter, wie so oft. »Du ruinierst meinen Sexappeal und meine Verführungstricks. Schlechtes Timing, Kleines, schlechtes Timing.« Vielleicht vertraute ich dem Kind manchmal unangemessene Dinge an, aber ich baute darauf, dass es sich an keines der einseitig geführten Gespräche während seiner Zeit in meinem Bauch erinnern würde.
»Was ist schlechtes Timing?« Braden kam, ein Handtuch um die Hüften geschlungen, aus unserem Badezimmer geschlendert. Er war eben vom Fitnessstudio zurückgekommen.
Prompt verspürte ich ein Kribbeln zwischen den Beinen. Mein Blick verfolgte gierig einen Wassertropfen, der über seine Bauchmuskeln rann.
Und das war ein weiterer Nachteil, den der sechste Monat einer Schwangerschaft mit sich brachte. Ich war die ganze verdammte Zeit rattenscharf auf Sex und fühlte mich doch nicht wohl genug, um über Braden herzufallen, wie es normalerweise der Fall wäre.
Das hieß aber nicht, dass wir keinen Sex hatten.
Den hatten wir.
Und nicht zu knapp.
Dass ich schwanger war, törnte meinen Mann nicht ab. Im Gegenteil, es schien ihn genauso zu einem dauergeilen Teenager mutieren zu lassen wie mich. Er verwandelte sich in einen besitzergreifenden Höhlenmenschen. Genauso gut könnte er ein T-Shirt tragen, auf dem stand: »Ich Mann. Mein Samen im Bauch meiner Frau. Meine Frau. Meine!«
»Am Valentinstag schwanger.« Ich biss mir auf die Lippe, um nicht vor Wonne zu seufzen, als er das Handtuch wegnahm, um seinen nackten Körper noch einmal abzurubbeln.
Ich schwöre, dass mir etwas Sabber am Kinn hinunterlief, als ich seinen Hintern fixierte. Er hatte einen tollen Hintern. Ich...