Woodward | Krieg | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 480 Seiten

Woodward Krieg


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-446-28342-8
Verlag: Hanser, Carl
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 480 Seiten

ISBN: 978-3-446-28342-8
Verlag: Hanser, Carl
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das Ende der alten Weltordnung: Bob Woodward, zweifacher Pulitzer-Preisträger, blickt hinter die Kulissen der internationalen Diplomatie
In der Ukraine toben die schwersten Kämpfe auf europäischem Boden seit 1945, in Israel ist ein Ende der Gewalt nicht abzusehen. Beide Kriege drohen sich zu größeren internationalen Konflikten auszuweiten. Die alte Weltordnung ist offensichtlich an ein Ende gekommen. Wie agieren die USA und der Westen in diesen geopolitischen Krisen? Welche Konflikte warten auf die nächste US-Präsidentschaft? Bob Woodward, zweifacher Pulitzer-Preisträger und einst Aufdecker der Watergate-Affäre, gibt einmalige Einblicke hinter die Kulissen der internationalen Politik: Telefonate zwischen Putin und Biden, hektische Diplomatie in Hinterzimmern, gewagte Geheimdienstoperationen. Sein Buch nimmt uns mit an die entscheidenden Schauplätze der Gegenwart und vermittelt ein Gefühl für die Komplexität und das Risiko politischer Entscheidungen in Zeiten des Krieges. Eine investigative Reportage aus dem Maschinenraum der Diplomatie, wie sie nur Bob Woodward schreiben kann.

Bob Woodward, 1943 in Geneva, Illinois, geboren, ist Leitender Redakteur der Washington Post, für die er seit knapp 50 Jahren berichtet. Der Journalist wurde mit zwei Pulitzer-Preisen ausgezeichnet, 1973 zusammen mit Carl Bernstein für die Berichterstattung über die Watergate-Affäre, die zur Abdankung Richard Nixons führte, und 2003 als Chefreporter der Washington Post für die journalistische Arbeit über die Anschläge von 9/11.
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Prolog


Im Februar 1989 lief Carl Bernstein, mein journalistischer Partner bei der Watergate-Affäre, eines Abends auf einer Dinnerparty in New York Donald Trump in die Arme.

»Warum kommst du nicht auch«, drängte mich Carl. Er rief mich von der Party aus an, die Ahmet Ertegun, der türkisch-amerikanische Gesellschaftslöwe und Musikproduzent, in seinem Townhouse auf der Upper East Side gab. »Alle amüsieren sich prächtig«, sagte er. »Trump ist da. Es ist wirklich interessant. Ich habe mich mit ihm unterhalten.«

Bernstein war fasziniert von Trumps Buch Etwas widerstrebend erklärte ich mich bereit dazuzukommen, hauptsächlich, wie Carl mich häufig erinnert, weil ich den Schlüssel zu seinem Apartment brauchte, in dem ich damals vorübergehend wohnte.

»Bis dann«, sagte ich zu ihm.

Es war 17 Jahre her, dass Carl und ich zum ersten Mal bei Storys zum Einbruch im Watergate Hotel am 17. Juni 1972 zusammengearbeitet hatten. Trump warf einen Blick auf uns, wie wir da beieinanderstanden — wir waren damals um die 45 —, und kam zu uns herüber. »Wäre es nicht toll, wenn Woodward & Bernstein Donald Trump interviewen?«, sagte er.

Carl und ich sahen einander an.

»Klar«, sagte Carl. »Wie wär’s mit morgen?«

»Ja«, sagte Trump. »Kommen Sie in mein Büro im Trump Tower.«

»Der Kerl ist interessant«, versicherte mir Carl, als Trump außer Hörweite war.

»Aber nicht in politischer Hinsicht«, sagte ich.

Trump, ein Unternehmer und Geschäftemacher mit einem sorgfältig genährten und gepflegten Image, das schon damals darauf angelegt war, andere gezielt und mit einer Spur Rücksichtslosigkeit zu manipulieren, weckte sofort mein Interesse.

Die Mikrokassette mit dem Trump-Interview und die maschinenschriftliche Transkription wurden zusammen mit einem Exemplar seines Buches in einen Umschlag gesteckt und gingen irgendwann in Unmengen von Unterlagen, Interview-Aufzeichnungen und Zeitungsausschnitten verloren.1

Ich bin sammelwütig. Carl und ich haben über 30 Jahre lang danach gesucht.

Als ich ihn im Dezember 2019 für das zweite meiner drei Bücher über seine Präsidentschaft — — im Oval Office interviewte, scherzte ich mit Präsident Trump über »das verloren gegangene Interview«.

»Wir haben an einem Tisch gesessen und uns unterhalten«, entsann sich Trump.2 »Ich kann mich noch gut erinnern.« Er sagte, ich solle versuchen, es zu finden, denn er glaube, es sei ein großartiges Interview.

Vergangenes Jahr, 2023, begab ich mich zu einem Depot, wo meine Unterlagen verwahrt werden, und sichtete Hunderte von Kartons mit alten Akten. In einer Schachtel mit verschiedenen Zeitungsausschnitten aus den 1980ern stieß ich auf einen schlichten, leicht ramponierten Umschlag — das Interview.

Es ist ein Porträt des jungen Trump im Alter von 42 Jahren, der sich ausschließlich auf seine Immobiliengeschäfte, aufs Geldverdienen und auf seine Prominenz konzentriert. Doch was seine Zukunft angeht, bleibt er wolkig.

»Ich habe wirklich vor, das tollste Hotel zu bauen«, sagte uns Trump 1989. »Deswegen setze ich auch Suiten obendrauf. Ich baue tolle Suiten.

Sie fragen mich, wohin die Reise geht, und ich glaube, das kann ich Ihnen gar nicht sagen«, sagte Trump. »Wenn alles so bleiben würde, wie es jetzt ist, könnte ich Ihnen wahrscheinlich ziemlich genau sagen, wohin die Reise geht.« Aber, betonte er, »die Welt ändert sich.« Das war nach seiner Überzeugung die einzige Gewissheit.

Außerdem sprach er davon, dass er sich unterschiedlich verhalte, je nachdem, in welcher Gesellschaft er sich befand. »Wenn ich mit Kerlen zusammen bin — also Bauunternehmern und so weiter —, reagiere ich auf eine bestimmte Weise«, sagte Trump und wies dann auf uns. »Wenn ich weiß, dass ich zwei gestandene Profis mit eingeschalteten Tape-Rekordern vor mir sitzen habe, verhalte ich mich natürlich anders.«

»Viel interessanter wäre, wie ich wirklich bin, im Gegensatz zur Fassade«, sagte er über sich selbst. Ich machte mir so meine Gedanken über das »wie ich wirklich bin«.

»Das ist viel interessanter. Das hat noch keiner zu sehen gekriegt«, fügte Trump hinzu.

Er inszenierte sich permanent selbst, und an diesem Tag waren wir die Empfänger seiner totalen Charmeoffensive.

»Es ist nie das Gleiche, wenn jemand vor einem sitzt und sich buchstäblich Notizen macht. Wissen Sie, da benimmt man sich, und das ist offen gesagt bei Weitem nicht so interessant, wie wenn man so richtig aus der Rolle fällt.«

Außerdem schien ihm sehr daran zu liegen, knallhart und stark zu wirken.

»Das Schlimmste am Fernsehen-Machen ist, dass sie einen dafür mit Schminke zukleistern«, sagte Trump. »Heute Morgen habe ich was gemacht, und sie schminken einem das Gesicht, und was dann? Geht man duschen und wäscht es sich ab, oder lässt man’s drauf? Und im Baugewerbe schminkt man sich nicht. Da kriegt man Probleme, wenn man sich schminkt.«

Wir baten Trump, uns die einzelnen Schritte eines seiner Immobiliengeschäfte zu erklären. Wie kommen sie zustande?

»Instinktiv«, sagte er sofort. »Ich kann Ihnen nicht sagen, was das ist, verstehen Sie. Aber Instinkt ist viel wichtiger als jedes andere Element, wenn man die richtigen Instinkte hat. Und die schlechtesten Geschäfte, die ich gemacht habe, waren die, bei denen ich meinem Instinkt nicht gefolgt bin. Und bei den besten Geschäften, die ich gemacht habe, bin ich meinem Instinkt gefolgt und habe nicht auf die Leute gehört, die gesagt haben: ›Das kann unmöglich klappen.‹

Sehr wenige Leute haben richtige Instinkte«, sagte er. »Aber ich habe Leute mit richtigen Instinkten Dinge tun sehen, die andere Leute einfach nicht hinkriegen.«

Gibt es einen Masterplan?

»Ich glaube nicht, dass ich definieren könnte, was der große Masterplan ist«, sagte er in Bezug auf sein Leben. »Das verstehen Sie sicher. Aber instinktmäßig passt irgendwie alles zusammen. Ich sag Ihnen was: Wenn Sie’s rauskriegen, lassen Sie es mich wissen. Es würde mich interessieren. Es würde mich wirklich interessieren.«

Ich fragte nach seinem sozialen Gewissen. Ob es ihn »in die Politik oder irgendeine öffentliche Rolle« führen könne.

»Na ja, wissen Sie, für mich ist das alles sehr interessant«, sagte er. »Neulich habe ich mir in Atlantic City einen Boxkampf angesehen, und das sind raue Burschen, wissen Sie, körperlich raue Burschen. Und in gewissem Sinn auch mental stark, okay. Ich meine, die schreiben keine Bücher, aber sie sind in gewissem Sinn mental stark.

Und der Champion hat verloren, und er wurde von jemand besiegt, der zwar ein guter Kämpfer ist, von dem aber keiner erwartet hat, dass er gewinnt. Und nach dem Kampf wurde der Boxer interviewt, und sie haben ihn gefragt: ›Wie haben Sie das gemacht? Wie haben Sie gewonnen?‹

Und er hat gesagt: ›Ich bin einfach mit den Schlägen mitgegangen, Mann. Ich bin einfach mit den Schlägen mitgegangen.‹ Ich fand diese Formulierung großartig«, sagte Trump, »weil sie ebenso sehr das Leben wie das Boxen oder sonst irgendetwas betrifft. Man geht mit den Schlägen mit.«

Blickt man heute auf Trumps Leben zurück — auf seine Immobiliengeschäfte, seine Präsidentschaft, die Amtsenthebungsverfahren, die Ermittlungen, die Zivil- und Strafprozesse, eine Verurteilung, das fehlgeschlagene Attentat, die Kampagne zur Wiederwahl —, dann hat er genau das getan. Die Schläge ausgependelt.

»Jeder, der sagt, wo er in zehn Jahren sein wird, ist ein Schwachkopf«, fügte Trump hinzu. »Die Welt ändert sich. Es gibt Wirtschaftskrisen. Es gibt Rezessionen. Es gibt Aufschwünge. Es gibt Abschwünge. Es gibt Kriege. Dinge, die sich der eigenen Kontrolle und meistens auch der Kontrolle der Leute entziehen. Also muss man wirklich mit den Schlägen mitgehen, und es ist dumm, zu weit im Voraus vorherzusagen, wohin die Reise geht.«

Damals war er regelrecht besessen von kritischen Schlagzeilen über angebliche Verlustgeschäfte, die er gemacht habe.

»Wenn man verkauft, macht man mehr Geld, als wenn man kauft«, erklärte er. »Als...


Stingl, Nikolaus
Nikolaus Stingl, 1952 geboren, übersetzte u. a. William H. Gass, Ben Lerner, Thomas Pynchon, Colson Whitehead und Emma Cline und wurde mit mehreren wichtigen Übersetzerpreisen ausgezeichnet.

Woodward, Bob
Bob Woodward, 1943 in Geneva, Illinois, geboren, ist Leitender Redakteur der Washington Post, für die er seit knapp 50 Jahren berichtet. Der Journalist wurde mit zwei Pulitzer-Preisen ausgezeichnet, 1973 zusammen mit Carl Bernstein für die Berichterstattung über die Watergate-Affäre, die zur Abdankung Richard Nixons führte, und 2003 als Chefreporter der Washington Post für die journalistische Arbeit über die Anschläge von 9/11.

Weber, Alexander
Alexander Weber hat u.a. die Werke von Robert Gerwarth, Gay Talese, Nora Krug, Agatha Christie und Prinz Harry ins Deutsche übertragen.

Domainko, Annika
Annika Domainko ist promovierte Latinistin und studierte in Cambridge und Heidelberg. Sie arbeitet als Lektorin und Autorin in München.

Wirthensohn, Andreas
Andreas Wirthensohn, geboren 1967, lebt als freier Lektor, Übersetzer, Literaturkritiker und Hörfunkautor in München. Er übersetzte u.a. Bücher von Eva Illouz, Neil MacGregor, Eric Hobsbawm, Timothy Snyder und Yuval Harari.

Kleiner, Stephan
Stephan Kleiner, geboren 1975, lebt als literarischer Übersetzer in München und übertrug unter anderem Hanya Yanagihara, Geoff Dyer, Nick Hornby, Michel Houellebecq, Marlon James, Charlie Kaufman und Barack Obama ins Deutsche. 2024 erhielt er für seine Arbeit den Heinrich-Maria-Ledig-Rowohlt-Preis.



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