Wood | Tuesday Love Song | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

Wood Tuesday Love Song


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-641-17891-8
Verlag: cbt
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

ISBN: 978-3-641-17891-8
Verlag: cbt
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



»Mir gefällt dein Blog und das sage ich nicht nur, weil du nettes Zeug über mich geschrieben hast.«

Tuesday kann es nicht glauben: Nach einem Blogeintrag über ihren Lieblingssänger Jackson Griffith erhält sie eine Nachricht von ihm. Zunächst hält sie es für einen Scherz ihrer Freunde. Doch ein spontanes Selfie des Sängers überzeugt sie: Er ist es wirklich. Und er möchte sie kennen lernen. Sie, das langweilige, etwas pummelige Kleinstadtmädchen mit ihrer speziellen Vorliebe für Secondhand-Klamotten.

Eleanor Wood lebt in Brighton, wo man sie meistens in Cafés, Plattenläden oder beim Joggen am Strand findet. Sie schreibt gerne bis tief in die Nacht und hat eine Schwäche für französische Mode und den Stil der sechziger Jahre. Ihre Texte wurden schon in verschiedenen Magazinen und Websites veröffentlicht, darunter auch die Elle. »Tuesday Love Song« ist ihr erstes Jugendbuch, das auf dem deutschen Markt erscheint.
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Nevermind …


Okay, als Kurt Cobain starb, war ich noch nicht mal geboren (Moment, heißt das etwa, ich könnte seine Reinkarnation sein? Die Haare würden schon mal passen1, wenn auch sonst leider nicht viel), aber habt ihr euch in letzter Zeit mal wieder Nevermind angehört? Ich meine, so RICHTIG angehört? Das ist das zweite Album von Nirvana, mit dem sie damals den Durchbruch geschafft haben, falls euch das entgangen sein sollte. Es ist von 1991, aber auch wenn es morgen rauskäme, wäre es immer noch aktuell, echt.

Nirvana war immerhin bahnbrechend für eine ganze Generation2. Es muss der Wahnsinn gewesen sein, als Nevermind tatsächlich neu war und die ahnungslose Popwelt der 80er aufmischte, die Guns N’ Roses und andere langhaarige Clowns für die härtesten Rockbands der Welt hielt.

Ich behaupte ja nicht, dass heute alles schlecht ist – das wäre auch ziemlich dumm (und mal ehrlich, was wären wir ohne Grimes, das Internet und Nando’s oder all die anderen coolen Dinge, die es 1991 noch gar nicht gab). Aber im Ernst – ich bin echt froh, in einer Zeit zu leben, in der mir all die Annehmlichkeiten der Moderne UND sämtliche Songs von Kurt Cobain zur Verfügung stehen, in denen ich voller Nostalgie stöbern kann.

Kommentare


Du bist mal wieder die Stimme einer vergangenen Generation, Chew. Das macht dich ziemlich einmalig.

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Chew – sag Seymour, er soll dich dabei nicht auch noch unterstützen – ihr müsst beide mehr unter Leute gehen. Hör nicht auf ihn, wenn er dir etwas anderes erzählt. Vielleicht solltet ihr mal eine offene Beziehung ausprobieren. Seymour, nur zu deiner Information, »ziemlich einmalig« gibt es nicht. Entweder ist eine Person oder Sache einmalig oder sie ist es nicht. Ende der Diskussion.

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Ja, ja, schon gut. Und so weiter und so fort. HDF, ihr beiden. Offene Beziehung? Nish, soll ich Anna erzählen, dass du das vorgeschlagen hast? Egal, das war’s für heute – Made in Chelsea fängt gleich an und das darf ich auf keinen Fall verpassen. Kein Scherz. Ich bin mit E4 und einer Packung Haferkekse verabredet. Was kann es Schöneres geben?

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Im Ernst – meinst du nicht, dass ich damit vielleicht einen Trend lostrete? Wenn in einem halben Jahr alle Hipster diese Dinger tragen, wird dir das Lachen schon vergehen.«

»Keine Chance«, sagt Nishi. »Dann werde ich immer noch über dich lachen, Chew. Weil du diese Latzhose anziehst.«

»Aber …« Ich will ihr widersprechen, auch wenn ich fürchte, dass sie recht hat.

Die Latzhose schmeichelt mir nicht gerade. Vielleicht liegt es an dem glänzenden Leopardenmuster, an den ausgefransten Hosenbeinen oder daran, dass sie im Schritt so tief hängt, als hätte ich mir in die Hose gemacht. Gut möglich, dass das in der wechselhaften Geschichte dieser Hose tatsächlich mal jemand getan hat.

Ich unternehme einen letzten Versuch. »Meinst du nicht, es schwingt ein kleines bisschen Debbie Harry und New Wave mit?«

»Nein, Chew«, widerspricht Anna. »Nishi hat recht. Eindeutig nein!«

»Jetzt zieh sie schon aus«, sagt Nishi. »Wir treffen uns beim Haushaltskrempel, ja?«

Ich zerre den Vorhang zu und werfe einen letzten Blick in den Spiegel der provisorischen Umkleidekabine. Eigentlich macht es mir nicht allzu viel aus, dass mein Hintern so riesig ist. Na ja, wenn ich ehrlich bin, schon, aber ich versuche, nicht ständig darüber nachzudenken. Ich habe andere Qualitäten, also werde ich mein Leben nicht damit verschwenden, so aussehen zu wollen wie die feenhafte Alexa Chung. Das wird nie passieren – traurig, aber wahr – und ich bin mir sicher, dass ich in meinem Leben mindestens 37 % mehr erreiche, wenn ich mich schon jetzt damit abfinde. Und falls ich mich doch dabei ertappe, mit meinem schwankenden Gewicht, meinen nicht vorhandenen Wangenknochen oder meinen seltsamen Knöcheln zu hadern, sage ich mir, ich sollte lieber an meinem Blog schreiben, anfangen Arabisch zu lernen oder einfach eine leckere Pizza essen. Es hilft nicht immer, aber ich versuch’s wenigstens.

Ehrlich gesagt, es macht mir schon was aus, dass ich nicht cool aussehe. Gar kein bisschen cool. Ich sehe eher aus wie ein zurückgebliebenes Kleinkind. Ich gebe es nur ungern zu, aber meine Freundinnen haben recht.

Also fange ich an – leider schon leicht verschwitzt von dem Kunststoffmaterial – mich aus der Secondhandlatzhose herauszuschlängeln und wieder hinein in das blassblaue Secondhandnachthemd, das ich momentan als Kleid trage, dazu eine weiße Strumpfhose, Ballettschläppchen und eine verschlissene Opa-Strickjacke. Ein bisschen wie Courtney Love 1990 – damals, als sie noch ihre allererste Nase hatte.

Das passt immerhin zu meiner aktuellen Frisur – der blondierten Katastrophe. Schon aus Prinzip färbe ich meine Haare spätestens alle vierzehn Tage um. Meist versuche ich etwas wirklich Auffälliges hinzukriegen und mir dazu auch gleich einen neuen Look zu überlegen. Manchmal probiere ich, mich ganz neu zu erfinden. Für Piercings bin ich viel zu schmerzempfindlich und ich habe noch nichts so lang durchgehalten, dass sich ein Tattoo gelohnt hätte. Und die Vorstellung, dass etwas für die Ewigkeit ist, macht mir Angst. Haare färben – grell, knallig, aber nicht von langer Dauer – ist die perfekte Minirevolution für alle, die im Grund ihres Herzens feige sind. Jeder sieht es und sagt was dazu, aber wenn es einem wirklich nicht mehr gefällt, lässt man die Farbe einfach rauswachsen. Oder noch besser, färbt einfach drüber.

»Moment mal – habt ihr Haushaltskrempel gesagt?«, rufe ich hinter dem Vorhang. »Ihr zwei wollt doch nicht etwa schon zusammenziehen, oder? Ihr kennt euch ja erst seit ungefähr fünf Minuten.«

Als ich wieder angezogen bin und den Vorhang zur Seite ziehe, muss ich feststellen, dass mir gar keiner zuhört. Anna und Nishi sind längst weitergegangen. Der Secondhandladen ist so gut wie leer, der einzige Mensch weit und breit ist die alte Dame hinter dem Tresen, die mich anstarrt, als könnte ich sie jeden Moment erstechen, um an ihr Erspartes zu kommen. Ich lächle ihr so freundlich wie möglich zu und bringe die schreckliche Latzhose dorthin zurück, wo ich sie gefunden habe. Dabei achte ich peinlich genau darauf, sie an den richtigen Platz zu hängen – nur um zu beweisen, dass auch die heutige Jugend zuvorkommend und hilfsbereit sein kann.

Anna und Nishi haben sich in eine Ecke verkrümelt und begutachten ein altes Teeservice.

»Vier Monate, um genau zu sein«, sagt Anna – im Gegensatz zu mir brüllt sie nicht durch den ganzen Laden, sondern wartet einfach, bis ich neben ihnen stehe.

»Und ihr kauft euch jetzt schon gemeinsames Geschirr.« Ich seufze. »Das muss wahre Liebe sein.«

»Hey, was nimmt eine Lesbe zum zweiten Date mit? Einen Umzugswagen.« Nishi kichert über ihren eigenen Witz.

»Soll ich drüber jetzt lachen?« Meine Frage ist durchaus ernst gemeint.

»Nein«, antwortet Anna und sieht Nishi warnend an. »Das ist nicht komisch. Wie lang bist du eigentlich schon mit Seymour zusammen?«

Das sollte ich vermutlich wissen. Aber ich muss wirklich nachdenken und bin mir dann immer noch nicht ganz sicher.

»Na ja, ich glaube, so richtig kenne ich ihn seit einem Jahr. Es war auf jeden Fall Sommer, als wir ihn auf der Party getroffen haben – ich weiß noch, dass ich den gelben Overall von Beyond Retro anhatte. Den mit dem Palmenmuster, der ein bisschen so aussieht, als könnte Lucille Ball ihn in einem hawaiianischen Sommer-Special von I love Lucy angehabt haben. Aber ich habe keine Ahnung, seit wann wir richtig zusammen sind. Da musst du ihn fragen – er merkt sich solche Details viel eher.«

»Ach, bestimmt erinnert er sich noch an das genaue Datum. Vielleicht sogar daran, was er anhatte, und an jeden einzelnen seiner witzigen Kommentare.« Nishi lacht schon wieder. »Komm schon, sieh mich nicht so an – du weißt doch, wie Seymour ist. Er ist ziemlich … egozentrisch, oder?«

»Offenbar mag ich egozentrische Leute«, sage ich scheinheilig. »Ich bin von ihnen umzingelt.«

Nishi zuckt nicht mal mit der Wimper, schlaues Mädchen. »Hey, ich pass nur auf dich auf. Dazu hat man doch beste Freundinnen, oder? Sie holen einen auf den Boden der Tatsachen zurück.«

Anna und ich wechseln einen Blick und verdrehen genervt die Augen.

»Chew hat recht, Nish – lass uns irgendwo was essen gehen«, unterbricht Anna, diplomatisch wie immer. »Ich sterbe vor Hunger.«

Unglaublich, aber wahr, wir verlassen den Secondhandladen mit leeren Händen. Das kommt so gut wie nie vor, aber heute war einfach nichts Gutes dabei. Wenigstens meine Mutter wird sich freuen – sie versteht unsere »makabre Begeisterung für den Plunder Verstorbener« sowieso nicht. Immer wieder versucht sie heimlich etwas davon wegzuwerfen und betont, bei ausgestopften Tieren oder dieser unheimlichen viktorianischen Puppe, die ich mal mit nach Hause gebracht habe, sei ihre »Schmerzgrenze« erreicht.

Wir ziehen über die Straße zu Macari’s, unserem Lieblingscafé, das aussieht wie eine Mischung aus einer Schulmensa und einem Fünfziger-Jahre-Diner. Wir lassen uns in unsere Lieblingsecke fallen und gehen...


Wood, Eleanor
Eleanor Wood lebt in Brighton, wo man sie meistens in Cafés, Plattenläden oder beim Joggen am Strand findet. Sie schreibt gerne bis tief in die Nacht und hat eine Schwäche für französische Mode und den Stil der sechziger Jahre. Ihre Texte wurden schon in verschiedenen Magazinen und Websites veröffentlicht, darunter auch die Elle. »Tuesday Love Song« ist ihr erstes Jugendbuch, das auf dem deutschen Markt erscheint.

Maatsch, Katja
Katja Maatsch, geboren 1970, studierte in Hamburg, Heidelberg und Buckingham Anglistik. Sie arbeitet seit gut zwanzig Jahren als Lektorin in Kinder- und Jugendbuchverlagen und übersetzt außerdem aus dem Englischen und Schwedischen. Sie lebt mit ihrer Familie in Hamburg.



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