Womack | AMBIENT - DRYCO-ZYKLUS 1 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 324 Seiten

Reihe: Dryco-Zyklus

Womack AMBIENT - DRYCO-ZYKLUS 1

Ein Cyberpunk-Roman
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7438-2884-1
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Ein Cyberpunk-Roman

E-Book, Deutsch, Band 1, 324 Seiten

Reihe: Dryco-Zyklus

ISBN: 978-3-7438-2884-1
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



AMBIENT ist ein Gleichnis, das den Zerfall der westlichen Zivilisation in den ersten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts am Beispiel eines kaputten, verkommenen, von Gewalt und Anarchie zerrissenen New York vor Augen führt. AMBIENT erzählt die Geschichte von Seamus O'Malley, eines Leibwächters und Vertrauten des Multimilliardärs Thatcher Dryden und von Stella, der ständigen Begleiterin und persönlichen Lieblingshure seines Brötchengebers. Was jedoch als einfacher Fall von erwiderter, aber verhinderter Liebe beginnt, entwickelt sich rasch zu einem lebensgefährlichen Balance-Akt zwischen Pflichterfüllung, Geschäftsintrigen, mörderischen Familienrivalitäten, perversen Praktiken eines zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung unfähigen Militärs und dem furchtbaren Geheimnis eines skrupellosen alten Mannes. Hinter alledem lauern - abgesondert von der Gesellschaft - die Ambients, die wahren Kinder dieses chaotischen, moralisch heruntergekommenen Universums, die eine Subkultur mit eigenen Ritualen und eigener Religion auf eigenem Territorium geschaffen haben... Mit AMBIENT legte der US-amerikanische Autor Jack Womack im Jahr 1987 einen grandiosen Erstling vor, der zum Klassiker der Cyberpunk-Literatur wurde und nicht zu Unrecht bis heute mit CLOCKWORK ORANGE von Anthony Burgess verglichen wird. Der Apex-Verlag veröffentlicht sämtliche Romane des DRYCO-Zyklus als z.T. neu übersetzte Neu-Ausgaben sowie den abschließenden Band GOING GOING GONE als deutsche Erstausgabe.

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  1       »Wir reden später darüber, O'Malley«, vertraute mir Mister Dryden an, als er am Morgen in den Wagen stieg; ich saß als bewaffneter Begleitschutz neben Jimmy, dem Fahrer. »Ich habe einen Plan.«   Jimmy liebte die Fifth Avenue, denn sie war die sicherste Route in Richtung Stadtzentrum. Wir fuhren einen Castrolite, sieben Meter lang, zweivierzig breit, durchaus manövrierfähig, sofern man nicht im Stau steckte. Wir waren einigermaßen sicher und hatten uns daran gewöhnt. Vater sagte immer, man könne sich an alles gewöhnen, was einen nicht umbringt. Er war tot.   »Na los!«, sagte Mister Dryden,   Der Bordcomputer machte Jimmy auf innere Störungen aufmerksam, und er ermahnte ihn freundlich, wenn es schlechte Nachricht gab. Das Chassis war gepanzert. Darunter verlief rundum eine Drahtschürze; kein Spaßvogel würde einen Brandsatz unter den Wagen rollen können. Auf Knopfdruck wurde eine Elektroabschirmung hoher Voltspannung eingeschaltet und verbrannte Bösewichtern, die Verdrießlichkeiten anbringen wollten, die Finger. Im Bedarfsfall standen weniger passive Möglichkeiten zu Gebote. Wenn alles andere versagte, beschirmten meine Hände; es gab keine sichereren Hände als meine.   »Wo?«, fragte Jimmy.   Mister Dryden liebte E, wie schon sein Vater. Don't Be Cruel drang aus dem CD-Player, als wir dahinrollten. Er hatte alles, was er brauchte, im Fond des Wagens: eine Bar, einen Fernseher, ein bis oben vollgestopftes Drogenfach, einen Kurzwellensender der Heimatarmee, zwei Telefone, einen IBM XL 9ooo, ein Kopiergerät und ein Bidet. Das Bidet war für Avalon; Avalon war für Mister Dryden.   »Buchhandlung«, sagte er.   Avalon liebte wenig; sie saß neben Mister Dryden. Der Fernseher auf ihrer Seite war wie immer auf Vidiac eingestellt. Ich konnte den Bildschirm nicht sehen; konnte nur (wenn ich gut hinhörte, denn Mister Drydens Musik spielte immer mit voller Lautstärke) technische Geräusche ausmachen, kühl und fern. Moderne Musik - alles Klangfarbe und Modulation und Furze und Rülpser und Schluchzer - konnte mich nie anziehen, und die schrille Losgelassenheit der Ambientgruppen - deren Musik im Fernsehen niemals zu hören war – geht mir übermäßig auf den Geist. Ich bevorzuge die Musik jener, die bereits seit langer Zeit tot sind.   »Rapido«, fügte er hinzu.   Ich liebte Avalon; ich sah ihr beim Ankleiden zu. Ihr Haar war kurzgeschnitten, keine drei Zentimeter auf dem Scheitel; sie zog eine schulterlange blonde Lockenperücke über. In diesem Augenblick trug sie nur ihre Perücke; ihre Nacktheit war freilich nie völlig zusagend, solange sie nicht ihr Gebiss angebracht hatte. Proxies wie Avalon waren gesetzlich verpflichtet, sich die Zähne vom Gesundheitsdienst ziehen zu lassen, so dass sie ihrer Frustration nicht in unzuträglicher Weise Luft machen konnten. Sie hatte sich bei Mister Dryden eingehängt, nachdem sie die übliche Zeit als Animiermädchen gedient hatte; sie war zwanzig und seit zwei Jahren bei uns. Ich war seit zwölf Jahren sein erster Leibwächter und inoffizieller Geschäftsberater; sie war mit ihrem Job so zufrieden wie ich mit meinem.   »Ta raas«, seufzte Jimmy.   Avalon lächelte mir zu und spreizte die Beine, als wolle sie die Sonne einlassen. Der Anblick ihres Gesichts ließ das trübe Licht des grauen Himmels freundlicher erscheinen. Dieser Morgen war bedeckt; so war es meistens.   »Wie geht's bei dir, O'Malley?«, fragte sie.   »Leidlich«, antwortete ich.   Wir hielten an der Ampel 86. Straße. Nicht nur ich war entbrannt; fünf rohe Jugendliche hatten bei der Mauer des Parks einen Penner angezündet und sahen zu, wie er nussbraun getoastet wurde. Jungs der Heimatarmee hielten im Umkreis des Parks ständig Wache und sicherten die Betonfläche um die Met; brusthohe Rollen aus Nato-Stacheldraht verstärkten diese Umwallung zusätzlich. Gleichwohl standen schon früh am Morgen ungezählte Bourgeois am Eingang zur Met im Schatten von Panzerkanonen Schlange und warteten, dass man ihnen wegen Überfüllung den Zutritt zur großen Ausstellung der Kunst der Naturvölker verwehren würde, über die sie später dann quaken konnten, als ob sie sie wirklich gesehen hätten.   Straßenrowdys und Jungen der Heimatarmee - keiner älter als sechzehn - starrten unseren Wagen an. Avalon beugte sich zum Fenster und drückte ihre Brüste gegen die Scheibe. Sie wusste, dass man sie durch das Einwegglas nicht sehen konnte, aber das machte ihr nichts aus - auch Mister Dryden nicht, der sie ignorierte.   »Jah!«, rief Jimmy und wich aus. Ein Taxi – TRARI TRARA UND EX in den Kofferraumdeckel gekratzt - wechselte die Fahrspur und stieß an unseren Wagen. Der Fahrer schrie Jimmy an und fuhr auf unserer Spur weiter. Jimmy gab Gas. rammte das Taxi mit der Frontplatte, die den Kühlergrill unseres Wagens schützte, bevor wir die 79. Straße erreichten, und stieß es auf die Bordsteinkante. Die Tür flog auf, der Taxifahrer fiel heraus in den Rinnstein. Jimmy drückte einen der Abwehrknöpfe und dünstete ihn im Vorbeifahren roh. Der Mann schnellte herum wie ein frischgefangener Fisch.   »Matschi wird uns nicht mehr nerven«, sagte Jimmy und schüttelte den Schreck mit einem Lachen ab.   Kleine Jungs sprangen über die Umfassungsmauer und klopften den Taxifahrer mürbe. Einer schlug die Scheiben des Taxis ein; damit noch nicht zufrieden, zerschlug er die Scheiben anderer vorbeifahrender Wagen. Die Jungs der Heimatarmee lachten; angeregt, stets für Unterhaltung und Abwechslung zu haben, feuerten sie in vorbeikriechende Busse. Fahrgäste sprangen hoch, ließen sich von Trittbrettern und Seiten fallen.   Avalon legte ihre Einkaufskluft an: ein anliegendes Kleid aus schwarzem Leder, vorn und hinten von oben bis unten offen und durch eine Verschnürung zusammengehalten. Die Schnüre waren in Höhe der Gabelung verknotet. Über dem Knoten war eine Tätowierung winziger männlicher Artillerie, mit einem blutigen Messer anstelle des Friedensstifters. Sie zog die Reißverschlüsse ihrer hüfthohen schwarzen Stiefel zu; setzte die SS-Offiziersmütze mit dem Totenkopf schneidig auf ein Ohr.   »Wie seh' ich aus?«, fragte sie Mister Dryden, der Avalons Kleidung für Auftritte in der Öffentlichkeit auswählte; sein modischer Geschmack hatte ziemlich stilisierte Formen angenommen.   »Lecker«, murmelte er bei der Durchsicht seiner Post, ohne den Blick vom Monitor zu wenden. Er bediente die Knöpfe mit einer Hand; mit der anderen kratzte er sich ständig, zog und bohrte und befühlte seine Haut, versuchte die Maden zu fangen, deren Kriechen er darunter wahrzunehmen glaubte.   »Ist das alles?«, fragte sie; es war. Sie sah zu mir her und rollte mit den Augen. Sie war ein Traum, programmiert und abgerufen; die Frau, die man nach Haus zu Mutter brachte, wenn Mutter zu Haus war. Meine war tot. So nah und doch so fern zu sein, spannte meine Gefühle aufs äußerste an; wäre ich eine Motte gewesen, ich wäre bereitwillig in ihrem Licht verbrannt.   Zwei Hubschrauber knatterten in zweihundertfünfzig Metern Höhe über der Stadtmitte, kurvten zwischen den Hochhäusern. Junge Piloten der Heimatarmee knallten sich mit Drogen voll und starteten dann ihre Maschinen, um zwischen den Wolkenkratzern Fangen zu spielen. Jedes Jahr wurden Dutzende abgeschossen, um den Schaden zu begrenzen.   Die Einfahrt zur Kontrollzone Stadtmitte befand sich auf Höhe der 59. Straße. Am Gehsteig waren Spuren einer unlängst erfolgten Explosion zu sehen: die Sperrmauer war rot bespritzt, und es herrschte größere Unordnung als durch übermäßige Benutzung erklärt werden konnte. An der Wand stand in Schablonenschrift die am leichtesten durchzusetzende Antiterrorvorschrift der Armee:   ENGLISCH SPRECHEN ODER SCHNAUZE HALTEN!     Man konnte wochenlang durch jede beliebige Zone Manhattans wandern, ohne englische Worte zu hören.   Da wir 1A-Nummernschilder hatten, brausten wir auf unserer Fahrspur entlang, während die Lastwagen, Taxis und Busse auf den regulären Fahrspuren angehalten, durchsucht und umgeleitet wurden; die Stoßzeit war vorbei, und der Stau hatte eine Länge von nur vierzig Blocks. Von der Fassade des Vollzugshauptquartiers Stadtmitte der Heimatarmee, dem alten Plaza Hotel, das seit langem im stumpfen Olivgrün der Armee gespritzt war, hingen Flaggen. Auf dem Dach waren Maschinengewehre und Granatwerfer postiert, die auf den Park gerichtet waren. Ein Springbrunnen vor dem Gebäude spritzte scharlachrot gefärbtes Wasser in die Luft, um die unaufhörlichen Gießbäche der Schlachtfelder in Übersee zu symbolisieren. Vor dem Anwerbebüro in der 58. Straße standen Jungs Schlange, in Wagenladungen herangekarrt, um sich freiwillig zu melden; die Armee bevorzugte das Blut der Frischen und Unverdorbenen. Armeejungs hielten die Wartenden bei Laune, indem sie Tauben von Dächern schossen; wer andere Unterhaltung wünschte, verfolgte das über die Straßenmonitore verbreitete Fernsehprogramm. Bei Schwartz, auf der anderen Straßenseite, mästeten sich die Kinder der Besitzenden, begleitet von Hauslehrern und Kindermädchen, an der Fülle ihres eigenen Marktes. Wir passierten das Bergdorf-Turmhaus in der 57., Gucci's World in der 53., Cartico in der 52., Saint Paddy's Condoplex in der 5o., Saks-Mart in der 49.   »Parkplatz?«, fragte ich. Fahrzeuge säumten die Straßenseiten.   »Früh genug, Mann«, sagte Jimmy. »Früh genug«   Vor der Buchhandlung parkte ein Lieferwagen der Post; selbst der Fahrer schien rnit Graffiti bedeckt. In Kontrollzonen wurde die Post einmal täglich zugestellt; in anderen Zonen einmal wöchentlich, wenn...



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