Wolf | Rosé Pompadour (anno 1755) | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 272 Seiten

Wolf Rosé Pompadour (anno 1755)

Mord in Versailles
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8393-6134-4
Verlag: BeBra Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Mord in Versailles

E-Book, Deutsch, 272 Seiten

ISBN: 978-3-8393-6134-4
Verlag: BeBra Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Juli 1755: Friedrich der Große reist inkognito nach Frankreich. Bei einem Besuch in Versailles geschieht das Unfassbare - direkt neben ihm wird in der Menschenmenge ein Mann ermordet! Der Preußenkönig, der das blutbefleckte Messer aufgehoben hat, landet als vermeintlicher Täter in der Bastille. Da der Tote ein Protégé der Madame de Pompadour war, scheinen Friedrichs Tage gezählt zu sein. Nur der Spürsinn seines Begleiters Honoré Langustier - der sich fast genauso sehr für Frauen wie für gutes Essen interessiert - kann den König noch vor dem Schaffott retten ... Weitere Titel der PreußenKrimi-Reihe als ebook: Königsblau (1740) Silbergrau (1743) Muskatbraun (1746) Purpurrot (1750) Schwefelgelb (1757) Smaragdgrün (1759) Glutorange (1760) Rabenschwarz (1766) Kreideweiß (1772) Goldblond (1778) Kristallklar (1786)

Tom Wolf, geboren 1964 in Bad Homburg, studierte Literaturwissenschaft und promovierte 1996 in Tübingen. Er ist als freier Autor für verschiedene Tageszeitungen tätig. Seit 2001 lässt er in seinen Preußenkrimis Hofkoch Honoré Langustier im Auftrag des Alten Fritz ermitteln. Tom Wolf wurde im Jahr 2005 mit dem Berliner Literaturpreis »Krimifuchs« ausgezeichnet. Von Februar bis Juni 2006 war er »Stadtschreiber zu Rheinsberg«.
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I


»Ich glaube, meine Lieben, dass mit dem Tod alles vorbei ist! Sollte ich mich täuschen, so werde ich eine hübsche Überraschung erleben und mich darüber aufrichtig freuen! Nun, und wenn ich richtig liege, so bin ich wenigstens nicht enttäuscht!«

Der sogenannte war guter Dinge, dachte an seine geliebte Hündin Biche, die mit dem Kammerdiener Karl und allem Gepäck in einem kleinen Wagen vorausgefahren war. Er lachte über die eigenen Scherze und visierte seine Begleiter über den Rosenquarzknauf seines Stockes hinweg an, auf dem seine Hände bevorzugt ruhten, wenn er saß – den schmächtigen Kabinettsrat an seiner Seite, den jungen Kandidaten der Rechte, den man unterwegs aufgelesen hatte, und dessen Sitznachbarn vis-à-vis. Diesen korpulenten Menschen fixierte er nun, während die Kutsche über ein Schlagloch grätschte und alle der Bewegung träge folgten:

»Was meinen Sie dazu, mein lieber Toepffer, der Sie für gewöhnlich jeden Tag morden?«

Anders als die Vorgenannten schien der beleibte Herr dem Gespräch nicht mit so lebhaftem Interesse gefolgt zu sein und mit den Gedanken völlig bei jener üppigen Wirtin in Breteuil zu verweilen, die ihm so augenfällig zugetan gewesen war. Alles deutete auf einen zur lukullischen Laufbahn Geborenen: mittlere Statur, eher rundes als eckiges Gesicht, glänzende Augen, eine leicht fliehende Stirn, rote, runde Backen, eine markante breite, gerade, wiewohl eher kurze Nase und ein rundes Kinn. Dazu kam natürliches dunkelbraunes, mit Puder nur andeutungsweise bestäubtes, mäßig gewelltes eigenes Haar, im Nacken mit einem schwarzseidenen Bande zusammengehalten. Freundlich strahlten die braunen Augen, die ganze Gestalt bebte vor Lebenslust, und seine Stimme – ein warmer Tenor – verhieß Offenheit und Direktheit. Der Genannte entgegnete ungerührt:

»Es gibt für alle Hühnchen, die ich über den Jordan begleite, ein Leben danach … Im Munde und im Magen Eurer … gräflichen Durchlaucht!«

Das Erstaunen über die gut verhüllte Geistesgegenwart des Dicken wich rasch dem Gelächter, in das nach gebührender Verzögerung, gewissermaßen mit allerdurchlauchtigster Erlaubnis, auch die zwei anderen einstimmten.

»Trefflich pariert, Toepffer«, meinte der Graf. »Wo Sie die Hühnchen erwähnen – da fällt mir eine Anekdote ein, die man sich vom Urgroßvater und Vorgänger des jetzigen hiesigen Königs erzählt. Er warf bei Tische einmal die Frage auf, wozu das Lesen diene. ›Die Lektüre‹, antwortete der lebhafte Marschall von Frankreich – der Herzog von Mortemart und Vivonne –, ›tut meinem Geiste das, was Ihre Rebhühner meinen Wangen tun – sie erhält ihn in frischer Blüte!‹«

Man schmunzelte, lachte auch geziemend, um zu zeigen, dass die Botschaft angekommen war, während sich der Graf in einem kleinen Viereck Licht sonnte, das durch die Scheibe hereinfiel. Offiziell war er hier nichts weiter als ein Tourist auf dem Weg nach Paris. Recht eigentlich aber war er ein Schelm und Komödiant. Fragte ihn einer, wer er denn sei, so antwortete er mal dies, mal das. Seinen Begleitern – dem Ingenieur-Major (vorn neben dem Schwager auf dem Kutschbock sitzend), dem Kabinettsrat und dem Küchenmeister – hatte er in Wesel eingebläut, dass man die echten Namen unbedingt vermeiden müsse!

Jean-Michel de Quattre, der Kandidat der Rechte, schien nichts Verwunderliches an der Reisegesellschaft zu finden, in die er so unvermutet geraten war. Er hatte allen Grund, sich über diesen Zufall zu freuen. Am Freitisch des reichen Kunstsammlers van de Loo in Brüssel hatte sich ihm dieser Herr im zimtfarbenen Rock genähert und ihn – nach einigen höchst tiefschürfenden Debatten über die stilistische Unerreichbarkeit der Alten in Malerei und Skulptur – freundlichst eingeladen, ihn nach Paris zu begleiten. Ihm sei sehr daran gelegen, weiter über die Künste mit ihm zu plaudern. Es solle auch zu seinem Nutzen sein, denn dieses kleine Amt eines sachkundigen Gesellschafters sei mit freier Kost und Logis, bezahlter Traverse und einem wöchentlichen Salär von zehn Louis dotiert, hatte der Herr gesagt. Sodann hatte er sich als vorgestellt, seines Zeichens Kapellmeister des Königs von Polen, zugleich aber hinzugefügt, er bekleide dieses Amt nur nominell und dem höfischen Amtsregister nach. Von Musik verstünde er nämlich nichts weiter, als ein wenig die Flöte zu blasen. Sein Bruder Henri habe ihm das Hofamt abgekauft und erfülle nun brüderlich die Pflichten, teile indes mit ihm den guten Lohn, wie es sich gehöre. Im Übrigen sei der dritte August aber fast gänzlich taub, sodass es einerlei sei …

Zehn Louis die Woche! Nichts hätte de Quattre zu diesem Zeitpunkt gelegener kommen können, wollte er doch in Paris seinen Traum verwirklichen und ein Studium der Medizin beginnen. Sein alter Herr in Breda beharrte noch immer auf der Vorstellung, der Sohn sei zum Brüsseler Anwalt geschaffen. Dieser lähmenden Aussicht war dauerhaft nur durch Flucht und Untertauchen zu entkommen. Offiziell freilich blieb de Quattre erst einmal beim . In seinem Kopf summte es. Zehn Louis waren zweihundertvierzig Livres die Woche! Drei Wochen, und er würde ein ganzes Jahr in Paris bestreiten können, wo ein durchschnittliches eine Livre und ein Milchkaffee zwei Sou kosteten! Schon für hundert Livre bekam er ein Pferd! Zwei Pferde pro Woche plus … Da riss ihn die Stimme des Grafen aus seinen Berechnungen:

»Wären Sie nun gar sehr überrascht, mein Lieber, wenn ich der dünne zu diesem stattlichen hier wäre?«

Er lächelte verschmitzt, drehte leicht den Kopf, bis der Blick zwischen von Toepffer und de Quattre hin und her springen konnte. Der Angesprochene, von den rosigen Aussichten auf seinen Reichtum angespornt, reagierte flink:

»Wie denn nicht? Ihr Koch kämpft mit seinen zauberischen Mitteln an Ihrer Seite, Ihr Major und Ihr Kutscher draußen und Ihr Rat hier tun nichts anderes. Daher wäre ich nicht erstaunt, wenn Sie mich gleichfalls mit einem Charakter aus Purcells Halboper belegten.«

Das Grafenlächeln verbreiterte sich.

»Ah ja? Und welcher könnte das denn wohl sein?«

De Quattre zögerte keine Sekunde mit der Response:

»Wer anders als Philidel, den Merlin durch seine dunklen Kräfte vom Sachsenkönig Oswald fort auf des Engländers Seite zieht! Stammte das zauberhafte Dessert bei van de Loo doch erklärtermaßen von Ihrem Küchenchef, dem Herrn von Toepffer!« Für den Grafen war der Fall damit entschieden.

»Bravo, mein Lieber! Sah man je einen Mann in diesem Alter, der eine derart entlegene Oper trefflicher memorierte? Kennen Sie auch meinen Lieblingsdichter Racine so gut? Ich vermag Ihnen fast alle seine Stücke auswendig herzusagen.«

Er neigte sich zu von Toepffer und flüsterte ihm ins Ohr:

»Bemerken Sie, wie gut meine Wahl ist? Wir nehmen ihn unter unsere Fittiche. Eröffnen Sie ihm im Geheimen, was nötig ist, damit er sich bloß vorsieht! Wir können uns in dieser gefährlichen Stadt keine Blöße erlauben. Paris ist ein heißes Pflaster, da dürfen wir keinem Menschen trauen. Wenn man mich enttarnt, ist Pommern offen!«

Der Vertraute nickte und seufzte. Diese ganze verfluchte Reise hatte etwas Unheimliches. Erst sollte Wesel die Endstation sein, dann war Brüssel das Ziel. Doch nun – der quirlige Mathematiker d’Alembert hatte dem (wie der bei den Seinen auch hieß) diesen Floh ins Ohr gesetzt – war es Paris! Man würde ihn im Kreise der Enzyklopädisten freudig und mit aller Hochachtung empfangen! Von Toepffer hasste dieses Versteckspiel – war er etwa Schauspieler? Unweigerlich musste er daran denken, dass er selbst vor fünfzehn Jahren auf einer ähnlichen Inkognitoreise dieses kleinen großen Mannes geködert worden war. In seiner Straßburger Wirtschaft war 1740 ein angeblicher abgestiegen und hatte sich lang und breit über Kunst und Literatur, Philosophie und Musik mit ihm unterhalten. Der einfache Gastwirt hatte Witz und Geist im Übermaß bewiesen und damit sein Schicksal selbst besiegelt. bereute seinen Schritt jedoch keineswegs, nahm er nur alles in allem, auch wenn der Privatmann, den er in Straßburg kennengelernt, ein gänzlich anderer gewesen war als der König, den er in Charlottenburg getroffen hatte. Es war wohl ein glanzvolles und ruhmreiches Leben seither gewesen, indes kein Zuckerschlecken. Der Herr war launisch, oft jähzornig, er liebte es, jene, die ihm blindlings vertrauten, aus heiterem Himmel zum Besten zu halten, zu verspotten und zu quälen. Bisweilen stürzten sie urplötzlich ins Bodenlose ab. Manchmal freilich blieb er denen, die er sich einmal zum...


Wolf, Tom
Tom Wolf, geboren 1964 in Bad Homburg, studierte Literaturwissenschaft und promovierte 1996 in Tübingen. Er ist als freier Autor für verschiedene Tageszeitungen tätig. Seit 2001 lässt er in seinen Preußenkrimis Hofkoch Honoré Langustier im Auftrag des Alten Fritz ermitteln. Tom Wolf wurde im Jahr 2005 mit dem Berliner Literaturpreis »Krimifuchs« ausgezeichnet. Von Februar bis Juni 2006 war er »Stadtschreiber zu Rheinsberg«.

Tom Wolf, geboren 1964 in Bad Homburg, ist Schriftsteller und freier Autor für verschiedene Tageszeitungen. Im Jahr 2005 wurde er für seine PreußenKrimis um Honoré Langustier, den Hofkoch Friedrichs des Großen, mit dem Berliner Literaturpreis "Krimifuchs" ausgezeichnet. 2006 war er "Stadtschreiber zu Rheinsberg". Tom Wolf lebt im brandenburgischen Putlitz. Zuletzt erschienen von ihm im berlin.krimi.verlag der Gerardine-de-Lalande-Roman "Das
Spanische Medaillon" und der PreußenKrimi "Glutorange".



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