E-Book, Deutsch, 114 Seiten
Wolf Die unsichtbare Brigade
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-68912-381-9
Verlag: EDITION digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Filmszenarium
E-Book, Deutsch, 114 Seiten
ISBN: 978-3-68912-381-9
Verlag: EDITION digital
Format: EPUB
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Friedrich Wolf (* 23. Dezember 1888 in Neuwied; ? 5. Oktober 1953 in Lehnitz) war ein deutscher Arzt, Schriftsteller und Dramatiker, der sich besonders durch seine politische und literarische Arbeit einen Namen machte. Friedrich Wolf wurde als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren. Er studierte von 1907 bis 1912 Medizin, Philosophie und Kunstgeschichte in verschiedenen deutschen Städten und promovierte 1913 in Medizin. Während des Ersten Weltkriegs diente er als Truppenarzt und entwickelte sich zum entschiedenen Kriegsgegner. Nach dem Krieg engagierte er sich politisch und wurde Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrats in Dresden. Wolf war ab 1928 Mitglied der KPD und verfasste zahlreiche politisch engagierte Werke. Sein bekanntestes Drama, "Cyankali" (1929), prangerte das Abtreibungsverbot des § 218 an und löste eine breite gesellschaftliche Debatte aus. Neben seiner literarischen Tätigkeit arbeitete er als Arzt und engagierte sich für die Rechte der Arbeiterklasse. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierte Wolf 1933 in die Sowjetunion, wo er weiterhin literarisch aktiv war und für Radio Moskau arbeitete. Während des Spanischen Bürgerkriegs versuchte er, als Arzt an den Internationalen Brigaden teilzunehmen, blieb aber in Frankreich. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er in Frankreich interniert, konnte jedoch 1941 mit sowjetischer Hilfe nach Moskau zurückkehren. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Wolf nach Deutschland zurück und engagierte sich in der DDR kulturpolitisch. Er war Mitbegründer der DEFA und der Deutschen Akademie der Künste. Zudem diente er von 1949 bis 1951 als erster Botschafter der DDR in Polen. Friedrich Wolf starb 1953 an einem Herzinfarkt und wurde auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin beigesetzt. Wolf hinterließ ein umfangreiches literarisches Werk, das durch seinen politischen und sozialen Einsatz geprägt ist. Seine Söhne Markus und Konrad Wolf setzten sein Erbe als bedeutende Persönlichkeiten der DDR fort. Staatliche Auszeichnungen 1943: Orden Roter Stern 1949: Nationalpreis der DDR II. Klasse für das Theaterstück Professor Mamlock 1950: Nationalpreis der DDR I. Klasse für den Film Rat der Götter. Werkverzeichnis
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1. Spanische Grenze. Spanische und französische Grenzpfähle, Abenddämmerung, eine Gruppe der Interbrigadisten mit ihrem Kommandanten noch auf spanischer Seite, der Kommandant mitten in kurzer Ansprache: '... Ihr versteht, diese Epoche unseres Kampfes ist zu Ende, die Waffen müssen drüben an die französische Grenzwache abgegeben werden, die Interbrigaden sind aufgelöst. Achtung! Stillgestanden!' Salutierend: 'Es lebe das republikanische Spanien! Es lebe das spanische Volk!' Alle heben die Faust in Stirnhöhe. 'Es lebe Frankreich!' - Es beginnt der Grenzübertritt und die Waffenübergabe an die französische Grenzwache. Die Entwaffneten werden sofort von der Garde mobile, der faschistischen Gendarmerietruppe, in Empfang genommen, in Dreierreihen eingeteilt, gestoßen und angeschrien: 'Allez, allez ... reculez!' Man sieht, wie bei der schnellen Leibesvisitation auch Fotoapparate, elektrische Taschenlampen und Feldstecher von den Garden konfisziert werden. - Noch auf spanischer Seite nimmt Milan Tschochik, ein republikanischer Offizier, aus seiner weiten Reithose eine republikanische Fahne, die um einen abgebrochenen kurzen Fahnenstock gewickelt ist; er reißt sie vom Stock, tritt zu einem älteren Kameraden, Jan Brosek von der Dombrowskibrigade, der einen Hand- und Armverband hat. Sie wickeln schnell den Verband auf, wickeln die Fahne um die verwundete Hand und darüber wieder die Mullbinden. Auch andere suchen, was ihnen wertvoll scheint, noch zu verbergen; der junge Berthel Tanner zieht schnell einen Stiefel aus und legt ein kleines Notizbuch mit Gedichten und einer gepressten Rose hinein; schon geht es über die Grenze. Die Bevölkerung des französischen Grenzortes schaut sich die Behandlung der Interbrigadisten durch die Garden schweigend, aber mit deutlicher Missbilligung an. Frauen und Männer reichen den spanischen Freiheitskämpfern Brot und Wein; die Garden drängen immer wieder: 'Allez, allez ... reculez!' Der verwundete Jan Brosek, auf Willi Hoff und den jungen Berthel Tanner gestützt, kann kaum mehr; er bricht zusammen. Die Garden: 'Allez, allez ... reculez!' Der halbohnmächtige Jan wird außerhalb der marschierenden Kolonne an den Straßenrand gelegt. Eine alte Frau und ein etwa 15-jähriges Mädel, die französische Katalanin Peppa, beugen sich über Jan, sie geben ihm zu trinken. Vorn ist eine Stockung, alle Garden rennen dorthin. Berthel und Milan sagen zu Peppa und der alten Frau: 'Schnell, bringt ihn weg! Aber zu euch, nicht in ein Hospital!' Sie erzeugen ein Durcheinander, währenddessen Jan von Peppa über den Straßenrand auf das schon dunkle Feld gezogen wird. Eine marschierendeGruppe summt leise im Marschtempo den Refrain des Liedes: 'Die Heimat ist weit, Doch wir sind bereit, Wir kämpfen und siegen für dich, Freiheit!' 2. Vorkrieg. Paris. Kleines Büro des 'Comité d'aide à l'Espagne Republicaine' Einige freiwillige Helferinnen, unter ihnen die etwa 25-jährige Modellzeichnerin Madeleine Cerval am Verteiler. Sie fragt Jan, der jetzt einen festen Seidenhandschuh um den Handstumpf trägt: 'Worin besteht Ihre Verwundung?' - 'Abschuss der Finger zwei bis fünf im Grundgelenk, Verlust eines Mittelhandknochens.' - 'Sind Sie beschränkt arbeitsfähig?' - 'Teilweise.' - 'Ihr Beruf, bitte?' - 'Arzt. Ehemals Chirurg.' - Madeleine schaut ihn an. 'Welche Nationalität, bitte?' - 'Vordem Pole, das heißt durch Teilnahme an dem spanischen Feldzug ohne Nationalität; das heißt ehemals Österreicher, in Lemberg geboren.' - 'Sie wollen als Arzt weiterarbeiten?' - 'Jawohl. Mich hier auf das französische interne Doktorat vorbereiten.' Zögernd: 'Nur ...' - Madeleine: 'Nur?' - Jan: 'Ich brauchte einen kleinen Raum, um zu arbeiten, um mich vorzubereiten.' - Madeleine, überlegt: 'Wenn Sie mit einer kleinen Kammer vorliebnehmen wollen, die ich zur Zeit nicht brauche, gleich neben meinem Atelier?' - Jan, erfreut: 'Mit der kleinsten Kammer.' - Madeleine, schreibt: 'Hier ist die Adresse; Sie können die Kammer heute Mittag besichtigen.' 3. Die Interbrigadisten werden von einem Lager in ein anderes getrieben Jakob, der Rabe, und Kiki, der kleine Hühnerhund, wandern mit. Kiki an Berthels Seite, Jakob auf der Schulter Milans. 4. Kleine Kammer neben dem Atelier von Madeleine Durch ein schräges, breites Giebelfenster sieht man über die Dächer von Paris mit ihren vielen Schornsteinen. Jan sitzt vor einem Tisch und schreibt. Madeleine tritt leise ein, in der Hand eine Zeitung. Madeleine: 'Störe ich dich? Aber du musst das lesen!' Gibt ihm 'Paris Midi'. - Die Lage ist sehr gespannt, sie verschlechtert sich von Stunde zu Stunde. Frankreich heute zwischen drei Fronten: Spanien-Deutschland-Italien. - Madeleine: 'Glaubst du, es kommt zum Krieg?' - 'Ich weiß nicht. Jedenfalls hätte es nicht dazu kommen müssen.' - 'Wirst du für Frankreich kämpfen?' - 'Ich habe für Frankreich gekämpft, damals, vor Madrid! Unsre Niederlage war eine Niederlage Frankreichs! Man hätte sie verhindern können.' - 'Man? Du meinst wir.' - Jan schweigt. - Madeleine: 'Und heute? Wirst du auch für Frankreich kämpfen?' - 'Für das französische Volk, ja; aber ...' - 'Aber?' - 'Für diese Regierung, die Zehntausende meiner Kameraden in den KZ hält ..." - 'Zehntausende?' - 'Noch als wir diesen Winter über die Grenze kamen, da waren wir über 300 000 Mann, 15 bis 20 kriegserfahrene Divisionen ...' Madeleine küsst ihn. 'Was fehlt dir, mein Lieber?' - Jan, streichelt ihre Hand. 'Du weißt ...' - Madeleine: 'Ich weiß, Jan, ich weiß ... aber heute Abend wollen wir draußen essen, darf ich dich einladen, irgendwo draußen, an der Seine, im Grünen, nur wir zwei, ja?' Sie zieht ihn zu sich hoch, nimmt seinen Mantel vom Haken, wirft ihn Jan über die Schulter und geht mit ihm hinaus.




