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E-Book

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

Wohnhass Blutzoll

Der Tod riecht nach Diesel und Schwefel
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-944154-41-1
Verlag: U-Line UG
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der Tod riecht nach Diesel und Schwefel

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

ISBN: 978-3-944154-41-1
Verlag: U-Line UG
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die verstörende Geschichte eines Söldners, der die zu jagen beginnt, die ihn einst beauftragten. Selbst zur Zielscheibe von Polizei, Verbrechern und Medien geworden, zieht er eine Spur der Verwüstung durchs Land. Alexander Wohnhaas - der Sänger von MEGAHERZ - legt mit Blutzoll einen absolut bösen Thriller vor, der unserer Gesellschaft erbarmungslos den Spiegel vorhällt. Die edle Erstauflage in der SPECIAL EDITION erscheint Ende Dezember/Anfang Januar: • Edles Hardcover im Maxi-Format, 320 Seiten • eingeschlagen in rotes Iris-Leinen, mit aufwendiger Prägung • farbiger Vor- und Nachsatz • Hochwertiger Schutzumschlag, vollfarbig bedruckt • Limitierte Erstauflage

Alexander 'Lex' Wohnhaas, Sänger und Sprecher aus Augsburg, ist vor allem als Frontmann der erfolgreichen Rockband 'Megaherz' bekannt. Er studierte Politikwissenschaften und Geschichte. Mit 'Blutzoll - Der Tod riecht nach Pech und Schwefel' seinen zweiten Roman ab.
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9

Lisa steht in ihrem Zimmer und balanciert den Ball auf ihrem Fußrücken während über die Kopfhörer ihres MP3-Players ohrenbetäubende Agromusik läuft. Wie die Band heißt, weiß sie nicht. Hauptsache es rockt. Laut und hart. So wollte sie auch ihr Trainingsprogramm heute gestalten, doch draußen regnet es in Strömen und ihre Mutter hat sie zum Hausaufgaben machen verdonnert. Nicht dass sie Lisas schulische Leistungen interessieren würden. Die sind ihr herzlich egal. Nur dass ihr Klassenlehrer jetzt schon bei ihnen Zuhause anruft, macht ihr etwas aus. Es geht ihr immer nur darum, die Form zu wahren. Was andere über sie denken, wie sie über sie reden, das interessiert sie.

Lisa tippt den Ball leicht nach oben, kickt ihn mehrere Male von einem Knie aufs andere, will ihn wieder auf ihren Fußrücken rollen lassen, um ihre Kunststückchen von vorne zu beginnen, da läuft er ihr vom Außenrist und prallt laut donnernd gegen die geschlossene Tür ihres Zimmers.

Wie eine Kettenreaktion schreit von draußen ihr Stiefvater:

«Spielt die Verrückte etwa wieder Fußball in der Wohnung?»

«Lisa, ich hab’ dir doch gesagt, du sollst deine Hausaufgaben machen!»

«Immer nur Ärger mit dieser Verrückten! Kannst du dein Kind nicht anständig erziehen?»

«Was soll das denn schon wieder heißen? Mein Kind ist anständig!»

Klatsch! Der übliche Klang, wenn er sie schlägt. Ihr ganzes Zusammenleben besteht nur aus Streit, Sex und Alkohol. Lisa hasst alles daran.

«Anständig? Glaubst du, es ist anständig, wenn die Verrückte mit ihrem Ball gegen Türen donnert und sich die halbe Nachbarschaft beschwert? Die Wohnung ist doch kein Spielplatz!»

Lisa holt sich den Ball und nimmt ihr Training wieder auf. Nur das sie diesmal den MP3-Player noch lauter stellt. Die wüsten Schimpftiraden gehen in kreischenden Gitarrenriffs irgendeiner Assi-Rock-n-Roll Band unter.

Ta-Tack-Ta-Tack. Der Ball gehorcht ihr wie aufs Wort. Sie stellt sich vor, wie sie durch ein riesiges Stadion stürmt. Massen feuern sie an. Die gegnerischen Spielerinnen springen an ihr vorbei. Sie weicht einer Blutgrätsche nach der anderen aus. Die Leute toben. Das Tor ist nur noch knapp zwanzig Meter entfernt. Noch zwei Verteidigerinnen austanzen und sie ist im Sechzehner. Das Tor ist jetzt zum Greifen nahe. Sie verlagert ihr Gewicht auf ihr linkes Standbein, legt ihre ganze Kraft in den alles entscheidenden Schuss.

Kawumm!

Der Ball prallt am Polster ihres Sofas ab, hüpft über den niedrigen Glastisch, der zu einer kleinen Sitzgruppe gehört, und fliegt genau in ihren Fernseher. Er plumpst von der Kommode, die auch schon bessere Tage gesehen hat.

Genau in dem Augenblick, als sie vor Schreck hochzuckt und begreift, dass ihr schöner Fernseher wohl ein Opfer ihrer hervorragenden Schusstechnik geworden ist, fliegt auch schon die Tür zu ihrem Zimmer auf. Ihr Stiefvater baut sich mit hochrotem Kopf vor ihr auf. Ein Mann Mitte fünfzig, in verschwitztem Muscleshirt, das so aberwitzig an ihm aussieht, wie ein Supermannkostüm an einem dünnen Hering, nur dass zwischen seinen schlaffen Armen und Beinen noch ein kolossaler Bierbauch baumelt, der nur mühsam unter dem knappen Shirt Platz findet. Dazu trägt er eine Schlafanzughose, mit der er bestimmt heute Morgen schon aus dem Bett gestiegen ist. Seine nackten Füße stecken in Pantoffeln und ein ausgewaschener, blassblauer Bademantel hängt lustlos von seinen Schultern. Das Widerlichste an ihm ist aber die entsetzliche Bierfahne, die er wie eine Giftwolke verströmt, wenn er irgendetwas sagt.

Lisa starrt fassungslos auf die am Boden liegenden Überreste ihres Fernsehers. Der dumme Flimmerkasten ist wie ein Betrunkener kopfüber nach vorne gekippt, während der Ball, beinahe schuldbewusst, in irgendeine Ecke rollt.

«Mein Fernseher …», ist alles, was sie herausbringt, da spürt sie schon die knallende Ohrfeige, die sie buchstäblich von den Füßen fegt. Es braucht ein, zwei Sekunden, bis der Schmerz wie eine glühend heiße Herdplatte angeht und ihre rechte Backe hochwandert.

«Was hast du wieder gemacht?» ruft der Mann, den sich ihre Mutter ausgesucht hat, ihr neuer Vater zu sein. «Schau dir diese Schweinerei an! Der neue Fernseher ist kaputt! Und wie das hier wieder aussieht! Nur Ärger mit dir! Immer nur Ärger mit dir!»

Wieder holt sein Arm aus und diesmal ist die Hand zur Faust geballt.

«Du dummes Kind!» schreit er. «Zu nichts zu gebrauchen bist du! Zu nichts!»

Er wird sie schlagen. Und zwar richtig schlagen. Nicht nur eine hohle Geste, wie die Hand, die zur Ohrfeige ausholt und dann doch nicht zustößt. Nein, diesmal meint er es ernst und Lisa weiß es. Sie hat oft gesehen, wie er das Gesicht ihrer Mutter malträtiert, wenn er übel gelaunt ist, wie er sich danach schluchzend bei ihr entschuldigt, beteuert, dass es nie wieder vorkommen wird, dann aber jedes Mal erneut zuschlägt, wenn ihm irgendeine Laus über die Leber läuft. Bisher hat er Lisa nur gedroht, nie ernst gemacht. Doch heute wird er es tun. Sie weiß es. Er hat es bereits getan. Das spürt sie an dem Brennen ihrer rechten Wange.

Lisa springt auf. Noch bevor ihr torkelnder Stiefvater sein Gewicht verlagert, um zum Angriff überzugehen, hechtet sie vor und rammt ihm mit voller Wucht ihren Ellbogen in die Seite. Sie weiß gar nicht, woher sie auf einmal so viel Kraft hat. Vielleicht ist ihr Stiefvater auch nur überrascht oder schon wieder so betrunken, dass ein kleiner Schubs genügt, um ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen. Jedenfalls kippt er nach hinten, schreit, mehr erschrocken, und kracht auf die Glasplatte ihres kleinen Couchtisches.

Lisa hält kurz den Atem an, dann reckt sie, vor urplötzlichem Siegesrausch benommen, ihre Faust in die Luft.

«Das ist mein Fernseher!» erwidert sie kampfeslustig. «Den hab ich von meinem Geld gekauft!»

Lisas Stiefvater findet sich in einem Stapel «Kicker»-Zeitschriften wieder. Die Glasplatte des Tisches ist unter ihm zerbrochen und eine größere Scherbe hat ihm die Hand zerschnitten.

«Ich bring’ dich um!» schreit er zähnefletschend. «Ich mach’ dich alle, du verzogene Göre!»

Lisa begreift, dass die Zeit für große Reden vorbei ist. Jetzt zählt nur noch eins. Davonlaufen!

Flucht heißt die Devise und schnell ist sie. Wie ein geölter Blitz schießt sie durch die Zimmertür hinaus auf die Diele.

Ihre Mutter kommt ihr entgegen.

Sie versucht, Lisa zu fassen, festzuhalten. Ihre Augen sind gerötet. Hat sie wieder mal geheult? Sich in Selbstmitleid ertrunken und damit getröstet, dass irgendwann einmal alles besser wird? Wie sie sie dafür hasst. Ihre Mutter ist jetzt eine Mittäterin, eine Komplizin dieses versoffenen Tyrannen, der ihr Zuhause zur Hölle macht. Warum hat sie sich ausgerechnet diesen Typen ausgesucht? Warum sucht sie sich andauernd solche Verlierer aus? Warum nicht mal jemand netten, jemand anständigen? Einer, der mit ihr am Sonntag auf den Sportplatz geht, ihr hilft, endlich einen Verein zu finden, der stolz auf sie ist, so wie Millionen andere Väter, echte Väter.

«Kind, was hast du wieder angestellt?» kreischt sie stattdessen hysterisch und schnappt hilflos nach ihr.

Lisa ist flink. Wenn sie will, kann sie jedem Gegner entkommen. Auf dem Fußballfeld wie im wahren Leben.

Ihre schnellen Beine sind überhaupt der einzige Grund, warum sie oft eine so freche Klappe riskiert. Die Erwachsenen und Jugendlichen saufen und rauchen nur. Haben überhaupt keine Kondition. Sie dagegen ist durchtrainiert, immer startbereit für den Beginn einer großartigen Sportlerkarriere.

Die Diele ist mit einem Katzensprung überwunden. Schon reißt sie die Wohnungstür auf und stürmt ins Treppenhaus.

Draußen gibt es Hunderte Verstecke, kleine Schlupflöcher, in die sie sich verkriechen kann, bis sich der Rauch wieder gelegt und ihr Stiefvater längst vergessen hat, warum er sich ständig über sie so aufregt. Denn der nächste Suff kommt bestimmt und danach weiß er eh nichts mehr.

Sie ist schon auf dem nächsten Treppenabsatz und spürt den Hauch von Freiheit. Nur raus aus der engen 3-Zimmer-Wohnung dieser Plattenbausiedlung. Weg von Egon, so heißt der Traumprinz, dem ihre Mutter aufgesessen ist, und auch weg von ihrer Mutter. Doch plötzlich prallt sie gegen eine Wand. Jemand steht ihr im Weg. Sie hat nur einen Blick zurück riskiert, um zu sehen, ob nicht doch der Versager, der ihr Kindergeld versäuft, ihr hinterherjagt, und jetzt ist da dieser Kerl.

Der Mann dreht sich zu ihr um. Keine Ahnung, woher er so plötzlich aufgetaucht ist. Es ist der gleiche, verrückte Typ, der ihr vorgestern wegen ihres Balls eine Standpauke gehalten hatte. Sie kann sich noch ganz genau an den irren Blick erinnern, den er ihr dabei zugeworfen hat.

Jetzt sieht er eher überrascht, beinahe erschrocken aus.

Während sie das denkt, passieren gleichzeitig mehrere Dinge.

Zum ersten hechtet nun doch ihr Stiefvater mit hochrotem Gesicht und einem Pantoffel in der Hand, den er als Waffe erkoren hat, aus der Wohnung und stürzt wie ein tollwütiger Hund die Treppe herab und auf sie zu. Zum anderen bleibt der Kerl, der sie dummerweise an ihrer Flucht hindert, wie zur Salzsäule erstarrt stehen und rührt sich keinen Zentimeter vom Fleck, was es nicht unbedingt leichter macht, um noch rechtzeitig an ihm vorbeizukommen. Dann ist da noch ihre Mutter, die laut jammernd an der Wohnungstür verharrt und wehklagt, was für ein undankbares Kind sie doch großgezogen habe und dass Egon, ihr unfreiwilliger Stiefvater, doch bitte nicht so einen Krach...


Alexander "Lex" Wohnhaas, Sänger und Sprecher aus Augsburg, ist vor allem als Frontmann der erfolgreichen Rockband "Megaherz" bekannt. Er studierte Politikwissenschaften und Geschichte. Mit "Blutzoll - Der Tod riecht nach Pech und Schwefel" seinen zweiten Roman ab.



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