E-Book, Deutsch, Band 4, 496 Seiten
Reihe: Dollar
Winters Dollar - Buch 4: Thousands
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-86552-871-1
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 4, 496 Seiten
Reihe: Dollar
ISBN: 978-3-86552-871-1
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Pepper Winters stammt aus Neuseeland und ist eine der erfolgreichsten Autorinnen der Dark Romance. Sie schreibt finstere, brutale Liebesgeschichten, in denen die Heldin viel Leid durchlebt. Oh, und Sex ... Ihre Bücher sind voller Sex. Verrucht, heiß, ergreifend. Jedes Buch von Pepper Winters ist eine gewaltige Reise voller Schmerz und Leidenschaft.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1
Elder
Ein-, zwei-, dreimal ging ich im zweiten Badezimmer auf und ab.
Ein-, zwei-, dreimal ging ich zur Tür, drehte fast am Griff, um zu ihr zurückzugehen.
Ein-, zwei-, dreimal setzte ich mich aufs Bett und griff mir an meinen schmerzenden Schädel, zwang mich, die Kontrolle zu bewahren, bis Selix kommen würde.
Ich knirschte mit den Zähnen, während die in mir tobenden Gelüste ununterbrochen in meinem Kopf flüsterten. Es gab kein Entkommen. Keine Hilfe. Ich hatte kein Marihuana mehr und allein zu wissen, dass Pim auf der anderen Seite dieser Tür war – darauf wartete, mir noch mehr Fragen zu stellen, mich weiter zu verhören mit dieser erotischen Beharrlichkeit ihres Blickes und dem anbetungswürdigen Mut in ihrer aufrechten Haltung –, machte es mir nur noch schwerer, mich von ihr fernzuhalten.
Mein Gott!
Sogar mit einer Wand und einer abgesperrten Tür zwischen uns war es mir unmöglich, auf Abstand zu bleiben. Dieser Morgen war verdammt hart, aber die vergangene Nacht war die längste gewesen, die ich jemals erdulden musste.
Ich hatte Pim die Wahrheit gesagt, wie schwer es mir gefallen war wegzubleiben. Einzig die Erinnerung an meinen kleinen Bruder gab mir die Kraft dazu. Die Erinnerung an die Gräueltaten, die ich begangen hatte, und die vielen anderen, die ich vielleicht begehen könnte, sollte ich dem tückischen Wispern in meinem Kopf nachgeben.
Wieder einmal zuckte ich zusammen, dachte an ihr Gesicht, als ich ihr absichtlich das Herz brach.
Mein grausames »Du bist es nicht wert« hallte krank durch mein Innerstes und verbrannte mich in Selbsthass.
Sie hatte mich zu Recht als Lügner bezeichnet.
Ich war ein verdammter Lügner, der sich nicht an seine eigene Geschichte halten konnte. Nicht einmal sich selbst gegenüber. So oft hatte ich ihr die Wahrheit gesagt, nur um sie sofort wieder zu verfälschen.
Erst sagte ich, ich wolle nicht ihren Körper, nur ihren Verstand.
Gleich darauf gestand ich ihr mein Gefühl, nicht atmen zu können, wenn ich sie nicht berührte.
Einmal sagte ich ihr, sie schulde mir jeden Penny, mit dem ich sie bewertete.
Dann widersprach ich dieser scheinheiligen Behauptung und bot ihr ihre schuldenfreie Freiheit an.
Aber sie kaufte es mir nicht ab.
Sie stand vor mir, akzeptierte meine Lügen, als würde sie nicht meine Worte hören, sondern nur das, was ich zu verheimlichen versuchte.
Ohne dass ich es bemerkt hatte, war sie in meine Adern geschwommen und hatte meine Seele infiltriert. Als ich begriff, was sie getan hatte … war es bereits zu spät. Sie hatte in meine Brust gegriffen und sich mein Herz geholt. Sie hatte es zerstückelt, filetiert und in eine verdammte Bratpfanne geworfen.
Ich hatte die Möglichkeit, meinen Schmerz zu beenden.
Ich brauchte nur sechs Schritte zur Tür zu gehen, aufzuschließen und mich meiner verabscheuten Sucht zu ergeben. Wenn ich mich nur für mich selbst interessierte, was soll’s? Ich würde nicht hier sitzen, mich wie ein Drogenabhängiger wiegen, die Sekunden zählen, bis Selix endlich kam, um es zu richten. Ich wäre da draußen, bis zu den Eiern in Pim.
Aber da sie sich mein Herz geholt hatte, gab sie mir bedauerlicherweise auch etwas zurück, das mir seit dem Tag, an dem meine Kindheit und Familie in Flammen aufgegangen waren, gefehlt hatte.
Sie hatte mir ein Gewissen gegeben.
Und eine sogar noch größere Dosis Selbstkontrolle, mich niemals wieder vor alles andere zu stellen – egal wie laut die Stimme der Verführung in mir heulte.
Ich würde sie nicht noch mal gefährden. Eher würde ich mir einen Pflock in meine herzlose Brust rammen.
Sie war es wert.
Zehnmal, nein, tausendmal war sie es wert.
Sie war mehr wert als jedes Vermögen oder Vergeltung. Und das besiegelte meinen Handel mit dem Teufel, der auf meiner Schulter saß.
Ich konnte so nicht weitermachen.
Nichts in der Welt würde mich dazu verleiten, zu ihr zurückzugehen, sie aufs Bett zu drücken und jedes Kleidungsstück zwischen uns wegzureißen. Ich konnte nicht zugeben, dass mein Überleben davon abhing, sie entweder für den Rest unserer Tage nackt unter mir zu haben oder so weit weg von mir, bis sie für mich wieder eine Fremde war und ich zu meinem Leben voller strikter Regeln zurückkonnte.
Beide Optionen waren nicht gesund und auf keinen Fall akzeptabel.
Aber … sie ist es wert.
Und das war die Lüge, die ich niemals richtigstellen würde.
Sie musste glauben, dass sie es nicht wert war.
Sie musste mich für das, was ich getan hatte, hassen.
Sie musste meine Lügen als Wahrheit akzeptieren – musste mich als den Süchtigen sehen, der ich war, und nicht den Schwarm von einem Liebhaber, auf den sie hoffte.
Trotz meiner morbiden Gedanken blieb mir ein Rest geistiger Gesundheit, an den ich mich klammern konnte. Es waren das Wissen, wie mein Verstand funktionierte, und die zaghafte Hoffnung, dass mich zwei Dinge wie zuvor retten konnten.
Abstand und Zeit.
Abkühlen funktionierte und das brauchte ich dringend.
Früher war die »Heilung« von jeder aktuellen Besessenheit geistige Langeweile gewesen – in diesem Zustand entschied mein Verstand, dass er alles erreicht hatte, was er wollte, und der Nebel lichtete sich, ließ mich die Welt wieder ohne Sucht betrachten.
Auf mich wartete ein ganzes Universum voller Empfindungen jenseits meiner Zwangshandlungen. Und jedes Mal schien es, als wäre ich einem Strudel entkommen, der aus nichts anderem bestand als Origami, Origami, Origami oder kämpfen, kämpfen, kämpfen. Dann konnte ich wieder normal durchatmen, ein Seufzen der Erleichterung, und war endlich wieder heil.
Es dauerte eine Weile. Und eine Garantie gab es nicht. Doch das wäre auch mit Pim möglich. Sie könnte mich irgendwann langweilen …
Ich verdrehte die Augen.
Schwachsinn.
Je mehr Zeit ich mit ihr verbrachte, umso mehr faszinierte sie mich.
Okay, Zeit würde vielleicht nicht funktionieren … aber möglicherweise Abstand.
Die zweite Methode, mich von meinen Zwängen zu lösen: mich vom Auslöser fernzuhalten. Das schreiende Verlangen zu ignorieren, mich in etwas zu verbeißen und mich nur noch damit zu befassen. Den Entzug durchzustehen, egal wie quälend dieser wurde.
Manche Besessenheit dauerte nur einen Tag, bis ich sie hinter mir lassen konnte. Einfache Dinge wie ein Lied, das mir gefiel und ich dann stundenlang immer wieder abspielte, bis ich es nicht mehr hören konnte, ohne an Selbstmord zu denken, während ich zugleich nicht in der Lage war, es abzuschalten.
In solchen Fällen musste ich nur die CD wegwerfen, den iPod verbrennen oder das Internet abschalten, auch wenn mein Cello nach mir rief.
Nach ein paar Tagen harten Entzugs wich der Sturm, der mich dazu verführen wollte, seinen giftigen Regen zu trinken und zwischen seinen widerwärtigen Wolken zu leben, wieder klarem Himmel.
Es hat früher schon funktioniert.
Es kann wieder funktionieren.
Wenn ich Pimlico ein paar Tage aus dem Weg gehen könnte … vielleicht eine Woche … dann könnte ich das Nirwana, in ihr zu sein, vergessen und alles könnte wieder wie früher werden. Platonische Dinge. Retter und Gerettete.
Ich brauche nur Zeit.
Ich sah auf meine Uhr, ignorierte den Drang, ein-, zwei-, dreimal draufzusehen. Seit ich sie angebrüllt hatte, war eine volle Stunde vergangen.
Schuldgefühle nagten an mir.
Ich bin ein Dreckskerl, ihr zu sagen, sie wäre es nicht wert.
Sie war so viel mehr wert, als ich ihr geben konnte, und das machte mir eine Scheißangst. Eher würde ich mich selbst verletzen, bevor ich jemanden verletzte, den ich liebte …
Meine Wirbelsäule wurde zu Stein.
Liebe …
Schon zum zweiten Mal schlich sich dieses hinterhältige Wort in meine Gedanken.
Liebe unter Geschwistern und die von Eltern kannte ich. Ich verstand, was es bedeutete, jemandem mein Herz aus Verwandtschaft und Verpflichtung bedingungslos zu schenken.
Aber der Wandel von Fremden zu Freunden … zu Liebenden.
Alles, was mich ausmachte, auszuliefern und mich darüber zu freuen zu fallen, anstatt auszuflippen, wenn man darüber nachdachte, was das bedeutete.
Bin ich verliebt?
War es das, was in meiner Brust rumorte? Das Übelkeit erregende Wissen, dass ich mich aus dem Fenster stürzen würde, wenn es die einzige Möglichkeit wäre, Pim zu beschützen? Oder war das nur eine andere Ebene von Schuldgefühl, weil ich wusste, was sie durchgemacht hatte?
Die Fragen fauchten durch mein Blut, verzerrten das Verlangen nach körperlicher Intimität zu etwas völlig anderem.
Sie war es, die mich leiden ließ.
Aber sie war auch diejenige, die das wieder richten konnte.
Alle meine bisherigen Rechtfertigungen verpufften.
Ich sah die Tür an, stand davor und gab mir selbst die Erlaubnis. Ich würde ihr ganz genau sagen, was passieren musste. Dass sie zu ihrem eigenen Schutz die nächste Woche in Quarantäne bleiben musste. Sollten wir uns begegnen, dann nur mit Mindestabstand und anderen Anwesenden. Und am wichtigsten: keine Berührungen.
Sollte sie sich daran...




