Winter | Pictures of you | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 590 Seiten

Winter Pictures of you


21001. Auflage 2021
ISBN: 978-3-95818-626-2
Verlag: Ullstein Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 590 Seiten

ISBN: 978-3-95818-626-2
Verlag: Ullstein Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



BWL-Student Jay interessiert sich nur für zwei Dinge: Fotografie und den nächsten attraktiven Mann in seinem Bett. Beides ahnt sein Vater nicht, der Jay als seinen Nachfolger im Familienunternehmen etablieren möchte. Auf einer Party lernt Jay den verschlossenen Bibliothekar Konstantin kennen und verbringt eine heiße Nacht mit ihm. Mehr kommt für Jay nicht infrage, denn eine Beziehung mit einem Mann ist in seinem Leben nicht vorgesehen. Trotzdem geht ihm Konstantin nicht aus dem Kopf. Während die Anziehung zwischen ihnen immer stärker wird, rückt auch Jays Abschluss näher. Und er muss sich entscheiden, ob er bereit ist, seinem Herzen zu folgen ...

Tina Winter wurde 1985 im Rheinland geboren, lebt aber inzwischen im wunderschönen Münster. Ihrer Leidenschaft für Bücher folgend studierte sie Bibliothekswesen und begann 2016 damit, ihre eigenen Geschichten zu virtuellem Papier zu bringen. In ihren Gay-Romance-Romanen geht es um Männer auf der Suche nach sich selbst, auffallend oft um Kaffee und Topfpflanzen, und natürlich die ganz große Liebe. Mehr Informationen und Updates unter: https://www.instagram.com/tinawinterautorin
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Kapitel 1


Die Stimme seines besten Freundes Noah hallte so laut aus dem Smartphone, dass sich mehrere Fahrgäste, die zusammen mit Jay die Straßenbahn verließen, irritiert zu ihm umdrehten. Hastig drehte er die Lautstärke herunter, wischte über den Bildschirm und machte sich auf das Schlimmste gefasst. Wenn Noah zu Sprachnachrichten griff, war die Lage ernst. Als könnte Jay etwas dafür, dass die Straßenbahn zur Universität so voll gewesen war und ihn seine Mitfahrer entweder halb erdrückten oder auf seine Chats schielten. Trotzdem hätte er schwören können, dass das Handy in seiner Tasche mit jeder Minute zorniger vibriert hatte. Dämliche, unempathische Technik.

Die Ampel sprang auf Grün. Jay schlängelte sich zwischen den anderen Fußgängern hindurch über die Straße, bevor er wieder auf sein Smartphone schaute.

Im Chat mit Noah empfing ihn, wie befürchtet, ein Schwall neuer Nachrichten. Die ersten waren neutral, doch je weiter er nach unten scrollte, desto aufgebrachter wurden sie. Immer mehr Emojis blinkten ihm entgegen. Ein vor Wut rot angelaufenes Gesicht. Ein Totenkopf. Ein Sarg. Und zuletzt die Sprachnachricht. Noah war echt sauer.

Jay stöhnte und tippte eine schnelle Antwort.

Jay, 8:03 Uhr

Krieg dich wieder ein, ich bin unterwegs.

Er sah, dass Noah die Nachricht sofort las und nicht mal eine Sekunde später eine Antwort tippte. Wahrscheinlich die nächste Emoji-Attacke. Oder er fuhr die harten Geschütze auf und schickte ihm ein animiertes GIF, in dem irgendetwas explodierte.

Jay schaltete das Display aus und steckte das Smartphone zurück in seine Hosentasche. Es reichte, wenn Noah gleich persönlich über ihn herfiel, da musste er sich nicht die Diskussion im Chat antun. Was sollte er ihm auch sagen?

Edge Don’t drink and drive!

Keine dieser lahmen Ausreden würde Noah davon abhalten, ihm die Schuld zu geben, wenn sie ihren Vortrag vergeigten. Wieso hatte er es noch gleich für eine gute Idee gehalten, nach ein paar Cocktails zu viel noch im auf Männerfang zu gehen, statt zuzusehen, dass er pünktlich aus dem Bett und zu seinem Seminar kam?

Wäre seine Mitbewohnerin Maren jetzt hier, würde sie ihm zweifellos einen Vortrag zum Thema Prioritäten halten. Doch im Gegensatz zu ihm hatte sie es selbstverständlich pünktlich zu ihrer Jura-Vorlesung geschafft.

Jay gähnte und trat unter einem Torbogen hindurch in den Park, auf dessen gegenüberliegender Seite sich die beiden Türme der wirtschafts- und rechtswissenschaftlichen Fakultäten erhoben. So früh am Morgen war er fast allein hier. Das würde sich jedoch spätestens zum Mittag ändern, wenn die Studenten aus den umliegenden Unigebäuden in die Junisonne flohen.

Er schlug den linken der beiden Wege ein, um einem Hundebesitzer auszuweichen, der auf dem anderen in seine Richtung kam. Der ältere Mann hatte seinen vierbeinigen Begleiter zwar angeleint, aber Jay wusste aus leidvoller Erfahrung, wozu die haarigen Biester fähig waren, wenn sie sich provoziert fühlten. Das war ihm die Ausrede, die ihm ein Hundebiss liefern würde, echt nicht wert.

Anders als über der Rasenfläche im Zentrum des Parks hing in diesem Teil noch Nebel, der sanft im Licht der wenigen Sonnenstrahlen glühte, die es auf den Boden schafften.

Jay zögerte kurz, dann verließ er den Weg und wühlte in seiner Umhängetasche, bis er die raue Lederhülle seiner Analogkamera ertastete. Wenn er eine gute Stelle zwischen den Bäumen fand und den richtigen Moment abpasste …

Er sog die Unterlippe zwischen die Zähne. Er brauchte bloß eine Minute. Sechzig lächerliche Sekunden, von denen Noah nie etwas erfahren würde.

Geübt schraubte er den Metalldeckel vom Objektiv und schob ihn in die Hosentasche, während er tiefer in die Schatten unter den Bäumen vordrang. Abgesehen vom Berufsverkehr, der über die nahe Hauptstraße rauschte, war es still und auch seine Schritte waren im feuchten Gras kaum zu hören.

Auf einer kleinen Anhöhe blieb er schließlich stehen. Warmes Licht fiel durch die Blätter, brach sich in unzähligen Wassertropfen und tanzte über dem aufsteigenden Morgennebel.

Jay trat näher an einen tiefhängenden Ast heran, hob die Kamera, drückte den Auslöser und lauschte den vertrauten Geräuschen, mit dem sie die Aufnahme verarbeitete. Dann schob sich eine Wolke vor die Sonne und der Park versank wieder in kühler Dunkelheit.

Zufrieden mit seiner Ausbeute stapfte Jay zurück zum Weg. Er liebte die Anspannung, die durch seinen ganzen Körper kribbelte, wenn er mit der Fingerspitze über den Auslöser fuhr und auf den perfekten Moment wartete. Diesen Bruchteil einer Sekunde, in dem es nur um ihn, das Licht und das Motiv vor seiner Kamera ging, das er für die Ewigkeit festhielt – oder zumindest so lange, wie Filme und Fotopapier durchhielten.

Er erreichte den Kiesweg an einer Biegung kurz vor dem Ausgang. Die Bäume standen hier weiter auseinander und boten Platz für mehrere Parkbänke.

Auf einer davon saß ein weiterer Frühaufsteher in der Morgensonne. Ein Mann, der völlig in ein Buch vertieft war und ihn nicht bemerkte.

Ungeachtet der für heute angekündigten 32 Grad trug er ein langärmliges Hemd und Jeans, die perfekt zu seinen zerwühlten Haaren, dem dünnen Brillengestell und der Lederjacke passten, die hinter ihm über der Lehne hing. Als wäre er gerade von seinem Motorrad gestiegen und auf dem Weg zu seinem Job in einer großen Anwaltskanzlei. Sein Gesicht konnte Jay im Gegenlicht nicht klar erkennen, aber das war auch nicht nötig. Es war das Gesamtbild, das ihn faszinierte.

Normalerweise lichtete er keine Menschen ab. Aber manchmal – so wie jetzt – war die Inspiration stärker als seine Abneigung gegen Porträts.

Er trat näher an die Bank heran, darauf bedacht, auf dem feuchten Gras zu bleiben, damit der Mann ihn nicht hörte. Was fast nicht nötig war, denn was immer er las, fesselte ihn so, dass er nicht einmal aufsah, als der Köter von vorhin lautstark zu bellen begann. Jay reckte den Hals. Der kunstvoll verschnörkelten Schriftart nach zu urteilen, in welcher das Buch gedruckt war, musste es über hundert Jahre alt sein. Ein toller Kontrast zu seinem Leser, den Jay auf höchstens Anfang dreißig schätzte.

Seine Finger kribbelten, als er Blende und Belichtungszeit seiner Kamera überprüfte und sie auf den Mann richtete. Gleichzeitig meldete sich sein schlechtes Gewissen. Statt hier herumzustehen und irgendwelche Typen zu fotografieren, sollte er endlich zu seinem Seminar gehen. Andererseits kannte er sich gut genug, um zu wissen, dass er sich den Rest des Tages ärgern würde, wenn er sich dieses Foto entgehen ließ.

, flüsterte er in Gedanken, ging in die Knie und nahm das Profil des Mannes in den Fokus.

Er hatte den Auslöser schon halb heruntergedrückt, als sich der Mann aufrichtete und nach etwas griff, das Jay von seiner Position aus nicht sehen konnte, bis der Mann es an die Lippen hob. Ein Kaffeebecher. Jay hielt den Atem an und wartete, bereit, die Kamera sofort hinter dem Rücken verschwinden zu lassen und sein unschuldigstes Lächeln aufzusetzen.

Doch der Fremde drehte sich nicht um, sondern stellte den Becher nach ein paar Schlucken wieder ab und versank erneut in seinem Buch.

Die Kamera klickte laut, aber auch dieses Mal zeigte sein unfreiwilliges Model keine Reaktion. Jay spürte eine absurde Freude in sich aufsteigen – die sich nur eine Sekunde später auflöste, als sein Smartphone losging und die Stimme von Adam Levine die Stille zerriss.

Jay fuhr aus seiner hockenden Position hoch, und auch der Mann auf der Bank zuckte zusammen, bevor er zu ihm herumfuhr und ihn aus blauen Augen musterte.

. Jay spürte förmlich, wie sich die Härchen auf seinen Armen aufstellten. Das meinten Maroon 5 also mit ihrem Song

»Hast du mich fotografiert?«

Die Frage jagte einen weiteren Schauer über Jays Rücken, aber diesmal war er heiß statt kalt. Die Stimme des Unbekannten war das genaue Gegenteil seines Blickes. Dunkel und weich. Wie Kaffee mit einem Schuss Rum.

»Was?«, hauchte er, noch immer starr vor Schreck.

Der Mann deutete mit dem Kinn in seine Richtung. »Die Kamera. Hast du gerade ein Foto von mir gemacht?«

Jay fluchte lautlos, als er endlich begriff, was der Typ meinte. Wieso hatte er die Kamera nicht sofort eingepackt, nachdem er sein Foto geschossen hatte?

»Nein.« Er räusperte sich. »Ich fotografiere …...


Winter, Tina
Tina Winter wurde 1985 im Rheinland geboren, lebt aber inzwischen im wunderschönen Münster. Ihrer Leidenschaft für Bücher folgend studierte sie Bibliothekswesen und begann 2016 damit, ihre eigenen Geschichten zu virtuellem Papier zu bringen. In ihren Gay-Romance-Romanen geht es um Männer auf der Suche nach sich selbst, auffallend oft um Kaffee und Topfpflanzen, und natürlich die ganz große Liebe.
Mehr Informationen und Updates unter: https://www.instagram.com/tinawinterautorin



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