Winter | Das Abenteuer Hingabe | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Winter Das Abenteuer Hingabe

Was wir gewinnen, wenn wir das Leben nehmen, wie es kommt
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-451-82774-7
Verlag: Verlag Herder
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Was wir gewinnen, wenn wir das Leben nehmen, wie es kommt

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

ISBN: 978-3-451-82774-7
Verlag: Verlag Herder
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Gerrit Winter hat viele Jahre in der Entertainmentindustrie gearbeitet, bis eine persönliche Krise ihn zwang, seinem Leben eine neue Richtung zu geben. Hingabe nennt er das Prinzip, das seither sein Leben beeinflusst und das er erfolgreich als zertifizierter Coach vermittelt. In seinem Buch beschreibt er anhand seiner persönlichen Geschichte und seinen Erfahrungen als Berater, wie wir durch das Abenteuer Hingabe zu einem Leben mit mehr Leichtigkeit, Freude und Erfolg finden können. Grundlage ist die Überzeugung, dass wir mehr und Ungeahntes erreichen, wenn wir feste Konzepte und Pläne loslassen und uns auf das einlassen, was das Leben für uns bereithält!

Ein junger, sympathischer Ratgeber von einem gern gesehenen TV-Gesicht. Der Autor verbindet als Anthropologe, Musikwissenschaftler und Entertainer unterschiedliche Kompetenzen, gibt gesellschaftlich relevanten Themen eine Stimme und bietet einen neuen Ansatz im Bereich Mental Health. Mit Impulsen zur Selbstreflexion und Anleitungen, wie das eigene Abenteuer Hingabe funktionieren kann!

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Autoren/Hrsg.


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KAPITEL 3
PILGERN UND BUSFAHREN
Wenn man Berichte über den Jakobsweg hört oder liest, sind das oft regelrechte Heldengeschichten, die sich auf den über 800 Kilometern ereignen, während der Wanderer unterwegs – quasi im Vorbeigehen – den Sinn des Lebens findet. Auch ich bin aus diesem Grund gestartet. Ich wollte Großes erleben, mein Leben neu ausrichten. Pustekuchen! Wenn man die beste Party plant, die es je gegeben hat, dann geht das meistens in die Hose, oder? Die richtig guten Partys sind die, die zufällig entstehen. Mein Jakobsweg half mir, ganz ohne Zweifel. Aber auf eine andere Weise, als ich es erwartet hatte. Die Reise half mir dabei, von nun an Hingabe in mein Leben zu integrieren. Die Geschichte beginnt damit, dass ich in dem weltbekannten französischen Örtchen Saint-Jean-Pied-de-Port auf meinen Jakobsweg startete. Fest entschlossen stand ich am ersten Tag um halb sechs auf, denn es sollte die Pyrenäen rauf- und wieder runtergehen. Der Marsch forderte recht schnell seinen Tribut. Bereits am zweiten Tag fingen meine Knie und Fußgelenke an, sich zu entzünden. Das passiert laut Pilgerführer, wenn man nicht genug trainiert hat und dann dreißig Kilometer am Stück mit elf Kilo Rucksackgepäck läuft. Wenn ich heute meine Tagebucheinträge lese, sehe ich, wie sehr ich mir damals gewünscht habe, wieder zu funktionieren. Gleichzeitig erkenne ich, dass es nicht meine Aufgabe war, den Weg wie eine geölte Maschine zu bewältigen, im Gegenteil. Ich ging auf den Jakobsweg, um zu heilen. Ich dachte, dass das Laufen mich heilen würde. Wieder ein Plan, wieder Kontrolle, wieder eine Erwartung, wie das Leben zu sein hat. Stattdessen lernte ich auf dem Weg, was es bedeutet, wenn alles anders kommt. „Ich bin in Zubiri. Ich musste den Bus nehmen, weil mein Knie trotz Bandage und Schmerztablette so wehtut, dass ich es kaum aushalte. Habe mir ein Zimmer in einem Hostel gegönnt. Ich habe es hier schön, ein Bad für mich, die Sonne scheint, der Himmel ist blau, die Vögel zwitschern … und ich bin total frustriert. Den Bus genommen zu haben fühlt sich als Pilger beschissen an. Eigentlich könnte ich stolz auf mich sein, hab mich mal nicht gequält, mir stattdessen was gegönnt und sollte das nun genießen. Aber ich kann es nicht. Alle anderen laufen. Ich sage mir die ganze Zeit: Du bist kein schlechterer Pilger oder Mensch, weil du dir 19 Kilometer mit dem Bus gegönnt hast. Es war gut und mutig, das zu tun. Das soll ich wohl heute lernen. Du bist, was du bist, nicht das, was du machst oder leistest. Harte Lektion.“ (17. November 2011) Im Buddhismus heißt es, Leiden entsteht durch Nicht-Verstehen. Das musste ich damals lernen. Ich litt und verstand es nicht, oder ich verstand alles nicht und musste deshalb leiden. Ich befasste mich zu dieser Zeit viel mit dem Buddhismus und meinem eigenen Glauben. Ich hatte vor Kurzem mein Theologie- und Musikwissenschaftsstudium abgeschlossen. Durch das Studium hatte sich mein Glauben verändert. Er war stärker geworden, weil er ein Fundament bekommen hatte. Die Kraft, die der Glaube auf mich ausübte, war immens. Als Coach arbeite ich heute überkonfessionell, sehr wichtig sind mir immer noch die Grundbotschaften aller Weltreligionen: Liebe und Zuversicht. Sie sind es, die uns Menschen am Leben erhalten, auch in stürmischen Zeiten, sie machen uns resilient. Damals brauchte ich aber aus irgendeinem Grund mehr und beschäftigte mich deshalb auch mit den Grundlagen des Buddhismus. Vielleicht ist es kein Zufall, dass auf diese Weise die Hingabe in mein Leben einzog. Denn wenn eine Weltreligion Hingabe „fordert“ oder besser „empfiehlt“, dann ist es für mich der Buddhismus. Ich war damals noch weit davon entfernt zu verstehen, aber ich war auf meinem Weg und sollte in den kommenden Wochen lernen, was es heißt, sich dem Leben noch mehr hinzugeben. TIEFKÜHLERBSEN UND AUFRÄUMEN
Auf meinen Weg durch Nordspanien haderte ich jeden Tag damit, dass ich wegen meiner Entzündungen wiederholt den Bus nehmen musste und lief immer mal wieder fest entschlossen los, bis ich schließlich einen körperlichen Zusammenbruch erlitt und in einem spanischen Krankenhaus landete. Es folgten elf Tage, in denen ich mit Tiefkühlerbsen auf meinen Knien in einer Pilgerunterkunft mitten in der spanischen Pampa pausieren musste. Elf Tage in einem Hochbett, mit täglich wechselnden Mitschläfern, die abends kamen und am nächsten Morgen wieder aufbrachen. Während ich Eisbeutel auf meinen Knien verteilte! Das war ein hingebungsvoller Aufschlag auf dem Boden der Tatsachen. In diesen Tagen füllte ich unzählige Seiten meines Tagebuchs und arbeitete mein gesamtes Leben auf. Was konnte ich sonst auch tun? Ich verstand in dieser Zeit, dass mein Weg darin bestand, mit mir allein zu sein. Mein Jakobsweg bedeutete Einkehr statt Kilometer machen. Ich sollte aufräumen in meinem inneren Kinderzimmer, in meinem Jugendzimmer und in meinem jungen Erwachsenenhaushalt. Ich sollte mich wieder mir selbst zuwenden und das, was ich vergessen hatte, wieder in den Fokus rücken: meinen Körper, meine Gefühle und meine Bedürfnisse. Deshalb war es irrelevant, ob ich lief oder nicht. Ich konnte genauso gut in irgendeinem Hochbett oder auf den unzähligen Busfahrten durch Spanien in Richtung Santiago de Compostela heilen. Ich musste es nehmen, wie es kam. Zum ersten Mal musste ich wirklich annehmen, was für mich nicht annehmbar war, ganz einfach, weil mein Körper es so wollte und das Leben mich an diesen Punkt gebracht hatte. Natürlich war mir das während der elf Tage mit Tiefkühlerbsen auf den Knien nicht so bewusst wie heute in der Retroperspektive. Während ich stundenlang irgendwo in der spanischen Provinz an einer Bushaltestelle saß und wartete, haderte und stritt ich immer wieder mit mir, Gott und der Welt und hatte viele Kämpfe auszufechten. Auch heute noch muss ich manchmal tief durchatmen, um dazu zu stehen, dass ich den Jakobsweg zwar gelaufen bin, jedoch nur ungefähr 200 Kilometer des über 800 Kilometer langen Weges. Aber ich bin den Weg gelaufen, mit den Beinen, mit meinem Kopf, mit meiner Seele und mit dem ganzen Gepäck, das das Leben mir mitgegeben hat. Schließlich kam ich in Santiago de Compostela an. Heute kann ich sagen, dass ich dorthin geführt wurde. Denn als ich irgendwann vor einem magischen Ort stand, einer Pilger unterkunft, die auch noch Heavenly Kingdom hieß, wurde das Ende meiner Reise eingeläutet. Ich war der einzige Gast vor Ort und traf dort eine kluge Frau, die mir folgenden Rat gab: Sie sagte, es sei nicht wichtig, wie ich nach Santiago komme, es sei nur wichtig, dass ich meinen Weg dort beende. Und sie schlug mir vor, am nächsten Tag mit dem Bus zum sagenumwobenen Cruz de Ferro zu fahren, einem wichtigen Ort für Pilger, um dort meine mitgebrachten Sorgen in Form von kleinen Steinen niederzulegen. Ein typisches Ritual aller Jakobswegpilger. Ich machte es genauso, besuchte das eiserne Kreuz (Cruz de Ferro übersetzt) und fuhr dann mit dem Bus Richtung Santiago de Compostela. Durch unfassbar viele hingebungsvolle und wegweisende Verkettungen günstigster Umstände, so nenne ich es hier mal, um das Wort Wunder nicht überzustrapazieren, schaffte ich es dort in den Abschlussgottesdienst. Meine Reise war beendet. Ich fühlte es. Ich gab mich hin. Und das zum ersten Mal seit vielen Jahren. Auf einmal ging alles ganz leicht, seit ich im Heavenly Kingdom im wahrsten Sinne des Wortes dem „himmlischen Königreich“ einfach mal zugehört hatte. Zurück in Deutschland fühlte ich mich klarer und leerer als je zuvor. Es war an der Zeit mich dem hinzugeben, was das Leben mit mir vorhatte. Auf einmal hörte das Leiden auf, auf einmal hörten die Schmerzen auf, die Quälerei, der Kampf, die Flucht, das Überleben. Und übrig blieb Erleichterung, Leichtigkeit und das Gefühl, angekommen zu sein. Ich fühlte mich wie ein Glas, das nun befüllt werden konnte. Ich war endlich einmal leer, und zwar ohne Plan und ohne Ideen, wie es weitergehen sollte, aber auch frei von den toxischen Substanzen, die mein Glas gefüllt hatten. Ich hatte kein Geld mehr, keine Karriere, keine Beziehung und keine Ahnung, was ich mit meinem Leben nun anfangen sollte. Es war nicht unbedingt schön für mich, fühlte sich aber neu an. PLATZ FÜR EINEN NEUEN ANFANG
Nach meiner Rückkehr aus Spanien und der Durchtrennung fast aller toxischen Seilschaften in meinem Leben, stand in meinem leeren Terminkalender ein letzter Auftritt: ein Charitykonzert namens „Cover me“ von und mit dem fantastischen Dirk Bach, der zum wiederholten Mal zugunsten der Aidshilfe Spenden sammeln wollte und dafür Kollegen aller Sparten der Entertainmentbranche zusammenbrachte. Ich hatte keine Ahnung, dass dieses Event mein Leben nachhaltig verändern sollte. Der große Abend näherte sich und ich konnte den letzten künstlerischen Funken mobilisieren und performte ganz ordentlich meine Gruppensongs und mein Solo. Am nächsten Tag stand die Heimreise in mein kleines norddeutsches Dorf an, doch dann ermutigten mich die Begegnungen und Gespräche mit den Kollegen dazu, dem Leben einen Deal vorzuschlagen. Bereits in Oldenburg hatte ich als Vocalcoach zwei Jahre Erfahrung sammeln dürfen. Nun fragten mich einige Kollegen, ob ich ihnen gesanglich helfen könne. Ich beschloss, die ersten zwei Bewerbungen meines Lebens rauszuschicken. Schon ein paar Tage später zeigte die Kompassnadel in Richtung Köln, wo ich eine Stelle als Coach für Popgesang und Performance annahm und in eine kleine Wohnung zog, um ein neues Leben zu beginnen. Im Rückblick nenne ich diese Zeit meine „Tomaten-Mozzarella-Phase“, denn viel mehr als diesen italienischen Klassiker konnte ich mir damals nicht leisten. Aber ich hielt durch, folgte dem Plan, den das Leben für mich hatte,...


Winter, Gerrit
Gerrit Winter ist Theologe, Musikwissenschaftler, Entertainer und Autor und arbeitet seit Jahren erfolgreich als Stimm- und Motivationscoach. Besonders wichtig sind ihm die Themen Persönlichkeitsentwicklung, Kommunikation und Mental Health. Er vereint gesellschaftlich relevante Themen und Entertainment, ohne missionieren zu wollen. Immer wieder steht er als Speaker auf der Bühne oder ist im TV mit seiner Expertise zu sehen. Als Businesscoach berät er internationale Unternehmen oder Institutionen wie die London Business School. Der 39-jährige Norddeutsche lebt in Köln und auf Mallorca.

Gerrit Winter ist Theologe, Musikwissenschaftler, Entertainer und Autor und arbeitet seit Jahren erfolgreich als Stimm- und Motivationscoach. Besonders wichtig sind ihm die Themen Persönlichkeitsentwicklung, Kommunikation und Mental Health. Er vereint gesellschaftlich relevante Themen und Entertainment, ohne missionieren zu wollen. Immer wieder steht er als Speaker auf der Bühne oder ist im TV mit seiner Expertise zu sehen. Als Businesscoach berät er internationale Unternehmen oder Institutionen wie die London Business School. Der 39-jährige Norddeutsche lebt in Köln und auf Mallorca.



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