E-Book, Deutsch, Band 299, 256 Seiten
Reihe: Historical
Willingham Lady Chesterfields Versuchung
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-95446-668-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 299, 256 Seiten
Reihe: Historical
ISBN: 978-3-95446-668-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nur für einen flüchtigen Moment gibt Lady Hannah Chesterfield der verbotenen Versuchung nach - und wird in den Armen von Lieutenant Michael Thorpe überrascht. Bisher war kein adliger Gentleman gut genug für die behütete Schöne. Unfassbar, dass ausgerechnet ein Bürgerlicher nun die umschwärmte Unschuld erobert haben soll! Bis die Wogen geglättet sind, soll Hannah ins Ausland gehen. Doch an Bord des Schiffes, das sie fortbringt, ist auch Michael - und ihre verbotene Liaison geht weiter. Verzweifelt wünscht Hannah, der attraktive Lieutenant wäre eine standesgemäße Partie. Sie ahnt nicht, wessen glühende Küsse sie da gefährlich schwach werden lassen ...
Michelle schrieb ihren ersten historischen Liebesroman im Alter von zwölf Jahren und war stolz, acht Seiten füllen zu können. Und je mehr sie schrieb, desto mehr wuchs ihre Überzeugung, dass eines Tages ihr Traum von einer Autorenkarriere in Erfüllung gehen würde. Sie besuchte die Universität von Notre Dame im Bundesstaat Indiana, da sie mit dem Gedanken spielte, Medizin zu studieren. Jedoch musste sie diesen Gedanken bald wieder verwerfen, da sie kein Blut sehen konnte. Stattdessen studierte sie Englisch und schloss mit summa cum laude, der besten Benotung, ab. Daraufhin kam sie auf die Idee Lektorin zu werden. Ihr erster Teilzeitjob bestand darin, Hypothekenhandbücher zu bearbeiten, was sie umgehend zurück zur Uni fliehen ließ, um Lehrerin zu werden. Michelle unterrichtete 11 Jahre lang, bevor sie aufhörte, um zu Hause bei ihren Kindern zu sein und sich voll und ganz dem Schreiben widmen zu können. Zahlreiche ihrer Romane erschienen in der Reihe Harlequin Historical. Michelle ist mit einem Raketenwissenschaftler verheiratet und lebt zusammen mit ihm in Virginia. Neben dem Schreiben kocht und liest sie gerne und vermeidet sportliche Aktivitäten um jeden Preis.
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
London, 1855
Sie spürte, dass er sie beobachtete. Wie ein Beschützer, dessen wachsamer Blick jeden Gentleman davor warnte, sich ihr zu nähern. Lady Hannah lächelte der unentwegt auf sie einredenden Ballbesucherin neben sich zu, ohne ein einziges Wort zu verstehen, das die Frau von sich gab. Zu sehr hielt die faszinierende Ausstrahlung Lieutenant Thorpes sie gefangen.
Es war bereits ein paar Wochen her, dass sie ihn das erste Mal getroffen hatte, doch es kam ihr vor, als wäre es erst gestern gewesen. Er hatte sie angesehen wie eine Süßigkeit, die er wollte, aber nicht haben konnte.
Als sie einander vorgestellt wurden, hatte der Lieutenant ihre Hand zum Kuss an seine Lippen gehoben und ihren Handrücken dann tatsächlich mit dem Mund berührt. Hannah war heftig errötet, und gleichzeitig hatte sein ungebührliches Verhalten das Verlangen in ihr geweckt, ihm näherzukommen. Vielleicht weil er ihr das Gefühl gab, dass er sie von Kopf bis Fuß mit solch zärtlichen Küssen verwöhnen wollte. Allein der Gedanke daran ließ Hannah wohlig erschauern. Der Lieutenant war ein ungewöhnlicher Mann, und er machte keinen Hehl aus seinem Interesse an ihr.
Die Mitternachtsstunde nahte und mit ihr die Zeit für heimliche Liaisons. Nicht wenige Damen waren in männlicher Begleitung in den Garten hinausgegangen, um kurz darauf mit Zweigen im Haar und von Küssen geröteten Lippen wieder zurückzukehren.
Wie es sich wohl anfühlen mochte, den Mund eines Mannes auf den Lippen zu spüren und sich verführerischen Liebkosungen hinzugeben? Lieutenant Thorpe strahlte eine Ungezähmtheit aus, die sie ungemein anzog. Leider gehörte er keineswegs zu den gesellschaftlichen Kreisen, in denen ihre Familie verkehrte.
Sie spähte verstohlen in seine Richtung. Thorpe lehnte an der Wand und hielt ein Glas Limonade in der Hand. Sein schwarzer Frackrock saß etwas zu eng um die breite Schulterpartie – ein Hinweis darauf, dass er sich vermutlich keinen der erstklassigen Schneider in der Savile Row leisten konnte. Die helle Weste betonte seinen muskulösen Oberkörper, und die weiße Satinkrawatte wirkte etwas achtlos gebunden. Thorpes dunkles Haar war ein wenig länger als üblich. Sein Gesicht war entgegen der Mode glatt rasiert.
Als er merkte, dass sie zu ihm hinsah, lächelte er ihr zu, als wolle er sie ermutigen, sich zu ihm zu gesellen und mit ihm zu sprechen. Das kam natürlich unter gar keinen Umständen infrage.
Wieso war er überhaupt auf diesem Ball? Sicherlich nicht, um unter den geladenen jungen Damen Ausschau nach einer künftigen Gattin zu halten. Er war zwar Offizier, besaß jedoch keinen Titel. Es musste die ungewöhnliche Freundschaft zu ihrem Bruder Stephen sein, die ihm den Zutritt zum Haus ihres Vaters, des Marquess of Rothburne, ermöglicht hatte.
„Hannah!“ Ihre Mutter Christine war unbemerkt an sie herangetreten und wedelte ihr mit einer Hand vor den Augen herum. „Träumst du schon wieder, Mädchen? Steh gerade und lächle“, flüsterte Ihre Ladyschaft aufgeregt. „Da kommt Belgrave, um dich zum Tanz aufzufordern. Ich hoffe so sehr, dass ihr ein Paar werdet. Der Baron wäre der perfekte Gatte für dich. Er sieht gut aus und verfügt über ausgezeichnete Manieren.“
Hannah sah das anders. „Mutter, ich habe nicht den Wunsch, den Baron zu heiraten.“
„Warum nicht? Was stimmt nicht mit Lord Belgrave?“
Hannah hob die Schultern. „Ich weiß nicht. Irgendetwas stimmt eben nicht mit ihm.“
„Du lieber Himmel.“ Ihre Mutter verdrehte die Augen. „Hannah, was du dir wieder einbildest! Es ist rein gar nichts verkehrt mit Seiner Lordschaft, und ich bin sicher, dass er einen exzellenten Ehemann abgibt.“
Obwohl Hannah vom Gegenteil überzeugt war, verzichtete sie darauf, ihrer Mutter zu widersprechen. Sie wusste seit langem, dass ihre Eltern ein sehr genaues Bild vom zukünftigen Ehemann ihrer Tochter hatten. Selbstverständlich musste der Auserwählte adlig und vermögend sein und darüber hinaus einen eindrucksvollen Titel vorweisen können. Ihre Eltern stellten sich wohl einen Ausbund an Tugend vor, der niemals etwas Unrechtes tat und Damen mit formvollendetem Respekt behandelte.
Und vermutlich in seiner Freizeit kleinen Kätzchen das Leben rettete, dachte Hannah ironisch. Solche Männer gab es nicht, das wusste sie aus erster Hand, immerhin war sie mit zwei Brüdern aufgewachsen.
Trotzdem hatte sie den sehnlichen Wunsch zu heiraten, auch wenn sie sich allmählich fragte, ob sie jemals den richtigen Mann finden würde. Schon lange träumte sie von einem Gatten und einem eigenen Hausstand und malte sich die damit verbundene Freiheit in den leuchtendsten Farben aus.
Sie würde ihre eigenen Entscheidungen treffen können, ohne um Erlaubnis zu bitten oder befürchten zu müssen, sich nicht wie eine Dame zu verhalten. In ihrem Elternhaus kam sie sich trotz ihrer zwanzig Jahre oft wie ein fünfjähriges Mädchen vor, das vor allem Unbill der Welt geschützt werden musste.
„Also, Hannah“, ihre Mutter schlug einen milde tadelnden Ton an, „der Baron hat sich auf das Freundlichste um dich bemüht. Seit einer Woche schickt er dir jeden Tag Blumen.“
In der Tat hatte Lord Belgrave seinen Absichten deutlich Ausdruck verliehen. Doch trotz der betonten Höflichkeit konnte Hannah sich des Verdachts nicht erwehren, dass mit diesem Mann etwas nicht stimmte. Er war beinahe zu vollkommen.
„Mir ist im Augenblick nicht nach Tanzen zumute“, erwiderte sie missmutig, obwohl sie ahnte, dass ihre Mutter die Entschuldigung nicht gelten lassen würde.
„Es geht dir ausgezeichnet“, erwiderte die Marchioness unerbittlich. „Und darum kannst du die Aufforderung unmöglich ablehnen. Es wäre ein Affront.“
Hannah presste die Lippen aufeinander und widerstand der Versuchung, mit ihrer Mutter zu streiten. Ein aussichtsloses Unterfangen, wenn es um schickliches Verhalten ging.
„Um Himmels willen, so lächle doch“, forderte ihre Mutter sie auf. „Du siehst aus, als wolltest du jeden Moment ohnmächtig werden.“ Ohne eine Antwort abzuwarten, schwebte Lady Rothburne davon – gerade rechtzeitig, ehe Lord Belgrave eintraf, um seinen Tanz einzufordern.
Hannah zwang sich zu einem Lächeln und hoffte inständig, dass die Zeit schnell vergehen würde. Als der Baron sie allerdings auch beim nächsten Tanz nicht aus seinen Fängen ließ, erhaschte sie einen Blick auf den Lieutenant, der finster zu ihnen herüberstarrte.
Michael Thorpe verfügte über einen sechsten Sinn, wenn es darum ging, Ärger vorauszuahnen. Auf dem Schlachtfeld hatte ihm diese Gabe häufig das Leben gerettet.
Auch jetzt, da er Lady Hannah und Lord Belgrave beim Tanzen beobachtete, stellte sich eine böse Vorahnung ein. Vermutlich war der jungen Dame gar nicht bewusst, dass sie von Verehrern umzingelt wurde wie von hungrigen Haien. Er hätte wetten können, dass es heute Abend in diesem Saal keinen einzigen Junggesellen gab, der nicht danach gierte, sie zu der Seinen zu machen.
Er selbst bildete keine Ausnahme.
Sie war ein Inbild der Unschuld, ein wahrer Engel. Doch obwohl sie noch nicht viel von der Welt gesehen haben konnte, war Michael ein Ausdruck von Verdruss nicht entgangen, der in ihren grünen Augen lag. Sie trug ihr karamellbraunes Haar an diesem Abend kunstvoll hochgesteckt und, passend zu ihrer elfenbeinweißen Ballrobe, mit Jasminblüten geschmückt. Wenn er ehrlich war, verwunderte es ihn, wie unverhohlen die Rothburnes ihre Tochter auf dem Heiratsmarkt anboten.
Am liebsten hätte er Lady Hannahs Verehrer verjagt, sie wütend angeknurrt und ihnen unmissverständlich zu verstehen gegeben, wohin sie sich scheren sollten. Doch was würde er damit erreichen – außer die junge Dame vor ihren Freunden und ihrer Familie in Verlegenheit zu bringen?
Nein. Es war besser, sich im Hintergrund zu halten und ein wachsames Auge auf sie zu haben. In den vergangenen Monaten hatte er so viel Elend und Zerstörung erlebt, dass es ihm ein tiefes Bedürfnis war, etwas so Zerbrechliches, Gutes, Reines zu beschützen. Schon bald würde er wieder auf die Krim zurückkehren und sich den Dämonen stellen müssen, die er zurückgelassen hatte. Es war mehr als wahrscheinlich, dass eine Kugel seinem Leben ein Ende bereitete.
Doch bevor die Armee ihn wieder aufs Schlachtfeld zurückbeorderte, würde er ein letztes Mal seine Freiheit genießen. Wütend beobachtete er Belgrave und stellte sich für einen kurzen Augenblick vor, wie es sich wohl anfühlen mochte, Lady Hannah in den Armen zu halten.
Sein guter Freund Lord Whitmore trat neben ihn und bedachte ihn mit einem besorgten Blick. Kurz darauf gesellte sich auch Whitmores jüngerer Bruder Lord Quentin zu ihnen.
„Ich hoffe um deinetwillen, Thorpe, dass du kein Auge auf meine Schwester geworfen hast“, sagte der Earl mit leiser Stimme. „Ansonsten sähe ich mich leider genötigt, dich zu töten.“
Lord Quentin beugte sich vor und grinste über das ganze Gesicht. „Und ich würde ihm dabei helfen.“
Michael beschloss, nicht auf die Drohungen einzugehen, obwohl er keinen Augenblick bezweifelte, dass sie ernst gemeint waren. „Eure Schwester sollte nicht mit Belgrave tanzen. Ich traue ihm nicht über den Weg.“
„Er wirkt ein wenig affektiert, nicht wahr?“, stimmte Lord Quentin zu. „So übertrieben bemüht, bei den Damen Eindruck zu schinden.“
„Dagegen könntest du dir ein bisschen mehr Mühe mit deinem Äußeren geben“, stichelte Whitmore und musterte den purpurfarbenen Frackrock, den sein Bruder über einer zitronengelben Weste trug, skeptisch.
„Ich habe eben eine...




