E-Book, Deutsch, Band 278, 256 Seiten
Reihe: Historical
Willingham Irische Küsse
1. Auflage 2010
ISBN: 978-3-86349-466-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 278, 256 Seiten
Reihe: Historical
ISBN: 978-3-86349-466-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die tapfere Normannin Honora St. Leger kennt keine Niederlagen - bis sie in die leuchtenden Augen ihrer jüngeren Schwester blickt. Mit sinkendem Herzen erfährt sie: Katherine, züchtig und schön, wird Ewan MacEgan heiraten, das Leben an seiner Seite und die Nächte in seinen Armen verbringen ... Dabei sehnt sich doch Honora nach dem starken Kämpfer! Verzweifelt versucht sie, diese verbotene Sehnsucht zu bezwingen - vergeblich. Denn Ewan raubt ihr einen Kuss, so süß wie der irische Frühling, so heiß wie irisches Feuer. So als sei sie es, die er erwählt hat! Doch da ist seine Hochzeit mit ihrer Schwester bereits anberaumt ...
Michelle schrieb ihren ersten historischen Liebesroman im Alter von zwölf Jahren und war stolz, acht Seiten füllen zu können. Und je mehr sie schrieb, desto mehr wuchs ihre Überzeugung, dass eines Tages ihr Traum von einer Autorenkarriere in Erfüllung gehen würde. Sie besuchte die Universität von Notre Dame im Bundesstaat Indiana, da sie mit dem Gedanken spielte, Medizin zu studieren. Jedoch musste sie diesen Gedanken bald wieder verwerfen, da sie kein Blut sehen konnte. Stattdessen studierte sie Englisch und schloss mit summa cum laude, der besten Benotung, ab. Daraufhin kam sie auf die Idee Lektorin zu werden. Ihr erster Teilzeitjob bestand darin, Hypothekenhandbücher zu bearbeiten, was sie umgehend zurück zur Uni fliehen ließ, um Lehrerin zu werden. Michelle unterrichtete 11 Jahre lang, bevor sie aufhörte, um zu Hause bei ihren Kindern zu sein und sich voll und ganz dem Schreiben widmen zu können. Zahlreiche ihrer Romane erschienen in der Reihe Harlequin Historical. Michelle ist mit einem Raketenwissenschaftler verheiratet und lebt zusammen mit ihm in Virginia. Neben dem Schreiben kocht und liest sie gerne und vermeidet sportliche Aktivitäten um jeden Preis.
Weitere Infos & Material
1. KAPITEL
England 1180
Ein leises Knarren im Holz, das weniger geschulte Ohren gar nicht bemerkt hätten. Aber Honora St. Leger hatte ihre Sinne geschärft, um auch dieses winzige Geräusch wahrzunehmen, das ihr die Anwesenheit eines anderen Menschen verriet.
Er war hier. Der Dieb, auf den sie gewartet hatte, um ihn auf frischer Tat zu ertappen.
Ihre Knie schmerzten auf den kalten Steinplatten der Kapelle. Sie gab vor, ins Gebet versunken zu sein, dabei rutschte sie unmerklich näher zum Altar und dem Schwert, das sie dort verborgen hatte.
Vor einer Woche war ein Kruzifix aus der Kapelle verschwunden. Und seit letzter Nacht fehlte der Abendmahlbecher. Die Soldaten ihres Vaters hatten nichts gefunden, keine Spur von dem Langfinger.
Ihre feinen Nackenhärchen sträubten sich, jede Faser ihres Körpers war angespannt, das Blut rauschte ihr in den Ohren. Noch näher war sie der Stätte des Herrn gekommen. Ihre Atemzüge wurden ruhiger, während sie sich innerlich auf einen Kampf gefasst machte.
Sie griff unter das Altartuch und fand den kühlen Metallgriff des Schwertes. In diesem Moment brachte ein plötzlicher Luftzug die Kerzen zum Erlöschen.
Honora schnellte hoch und ging in Angriffstellung. Leise Schritte verrieten die Gegenwart eines Fremden. Die Dunkelheit schützte aber nicht nur sie, sondern auch den anderen. Sie war auf ihre Instinkte angewiesen, da sie ihren Gegner nicht sehen konnte. Aber auch der vermochte ihre Gegenwart allerdings nur zu vermuten.
Der Rhythmus der Schritte veränderte sich. Die Angst ließ sie fast erstarren. Heiliger Herr Jesus, es waren zwei.
Eine Bewegung hinter ihrem Rücken ließ sie mit gezücktem Schwert herumfahren. Ihre Klinge klirrte gegen Stahl, der Unbekannte parierte ihren Hieb mit einer solchen Wucht, dass ihr der Arm regelrecht hochgerissen wurde.
Der Eindringling besaß ein Schwert, also handelte es sich nicht um einen gewöhnlichen Schuft, sondern um einen geübten Kämpfer. Ihr Herzschlag raste, ihre Furcht wuchs. Sie hatte zwar volles Vertrauen in ihr Kampfgeschick, aber in völliger Finsternis blind um sich zu schlagen, erhöhte die Gefahr, der sie ausgesetzt war, beträchtlich.
Und es befand sich immer noch eine dritte Person in der Kapelle, die sie nicht sehen konnte. Die Schritte des Angreifers wurden nun schneller, leichter, obgleich sie nicht sagen konnte, ob sie sich ihr näherten oder von ihr entfernten.
Sie schwang die Klinge erneut, traf etwas – und wurde mit einem zischenden Schmerzenslaut belohnt. „Wer seid Ihr?“, fragte sie fordernd. „Was wollt Ihr?“ Schweigen.
Sie hob das Schwert ein weiteres Mal zum Schlag aus – und verfehlte den Verbrecher. Angestrengt horchte sie, während sie die Klinge in Schulterhöhe hielt. Nichts, nur der kühle Luftzug von der offenen Tür her. Kein Schritt, kein Atemzug durchdrang die Stille. Beide Gestalten waren auf einmal verschwunden.
Wieso?
Oder hatte etwa einer den anderen in die Flucht geschlagen? Wie ein unsichtbarer Beschützer?
Honora furchte die Stirn und sank wieder auf die Knie. Das Heft des Schwertes lag in ihrer erhitzten Hand, ihr Herz pulsierte vor Energie. Es war erst ein halbes Jahr vergangen, seit sie aus Ceredys, der Burg ihres Gemahls, geflohen und in die Festung ihres Vaters zurückgekehrt war. Hier, in Ardennes, hatte sie geglaubt, sicher zu sein. Nun begann sie daran zu zweifeln.
Es war beängstigend, dass dieser Strauchdieb es gewagt hatte, erneut in Erscheinung zu treten, als würde er etwas Bestimmtes suchen. Nur was konnte das sein?
Honora überlegte, ob sie in ihre Kammer zurückkehren sollte. Aber ihre Schwester Katherine schlief noch, und keinesfalls wollte sie die in Gefahr bringen, falls die Angreifer sie verfolgten.
Sie zündete die Kerzen am Ewigen Licht wieder an, versuchte sich zu beruhigen und atmete den Duft von Kerzenwachs und kaltem Weihrauch ein.
Mit dem Schwert in der Hand kauerte sie sich auf die Steinplatten und lehnte den Rücken gegen die Mauer. Die Kälte kroch ihren Körper hinauf, und sie zog die Knie an und steckte die Füße unter die Röcke.
Erst in diesem Augenblick bemerkte sie die fehlende Schatulle, die sie aus Ceredys mitgebracht hatte, ein Geschenk ihrer Schwiegermutter Marie St. Leger.
Sie war gestohlen worden.
Wütend starrte sie auf die leere Stelle, wo sie noch vor Kurzem gestanden hatte. Sie sprach ein stummes Gebet für Maries Seele und schwor sich, den Gauner zur Strecke zu bringen.
„Sie wird dich nicht heiraten.“
Ewan MacEgan legte die Hand an die Augen, um gegen die grelle Sonne geschützt zu sein, die langsam hinter den Hügeln versank. Die Äußerung seines Bruders überraschte ihn nicht. Er war der jüngste Sohn und besaß nur ein winziges Stück Land. Mit welchem Recht glaubte er, um die Hand einer reichen Erbin anhalten zu können?
Aber Lady Katherine of Ardennes war die Frau, die er verehrte, seit er noch ein halbes Kind war. Während andere sich über seine Unbeholfenheit lustig machten, hatte sie gelächelt und ihm versichert: „Eines Tages besiegt Ihr sie alle.“
Schon damals hatte ihm Lady Katherines sanftes Wesen Zuversicht gegeben. Nun war sie erwachsen, eine Lady, um deren Gunst sich zahllose Ritter bewarben. Und Ewan hatte sich vorgenommen, sie zu umwerben und zur Braut zu nehmen.
„Ich kenne sie, seit wir Kinder waren“, erklärte Ewan seinem Bruder.
Bevan lenkte sein Pferd zum Fluss und ließ es trinken. „Das liegt fünf Jahre zurück. Ihr Vater will sie mit einem reichen normannischen Adeligen verheiraten, nicht mit einem mittellosen Iren.“
„Ich bringe es zu Reichtum, verlass dich drauf“, entgegnete Ewan eigensinnig. „Ich werde ihr die schönste Burg errichten lassen, die sie sich nur wünschen kann.“ Er sprach zwar im Brustton der Überzeugung, doch auch er hatte seine Zweifel, ob Lord Ardennes ihn als Bewerber um Katherines Hand überhaupt in Erwägung ziehen würde. Das Einzige, was er zu seinen Gunsten anführen konnte, war seine königliche Abstammung, da sein ältester Bruder Patrick König jener Provinz in Éireann war, in der auch er lebte.
Bevan tätschelte den Hals seines Pferdes. „Wir können dir helfen. Nimm das Land, das Patrick dir angeboten hat.“
„Ich nehme nichts, was ich mir nicht selbst erworben habe. Ich erobere mir mein eigenes Land.“ Er wollte kein Schmarotzer sein, der sich durch den Wohlstand seiner Angehörigen mehr aneignen konnte, als ihm zustand.
„Das lässt dein Stolz wohl nicht zu, wie?“ Die Narbe an Bevans Wange trat hervor. „Aber er wird dir wenig nützen. Die Familie der jungen Lady besitzt Reichtümer, von denen du nicht einmal träumst. Sie wird einen der mächtigsten Edelleute heiraten, den dieses Land hervorgebracht hat. Du hast nicht die geringste Chance.“
Ewan weigerte sich, seinem Bruder zu glauben. „Ich will mein Glück versuchen.“ Er straffte die Schultern und richtete den Blick in die Ferne. Danach drückte er seinem Wallach die Sporen in die Flanken, brachte ihn in eine schnellere Gangart und gab vor, das Mitleid, das sich in Bevans Gesicht spiegelte, nicht gesehen zu haben.
„Es gibt andere Frauen, die besser für dich geeignet wären“, fuhr Bevan in milderem Tonfall fort, als er seinen Bruder eingeholt hatte. „Eine Frau aus Éireann. Es ist doch nicht nötig, dass du hier unter Fremden in einem feindlichen Land lebst. Heirate eine irische cailín.“
Gib diesen Wunschtraum auf, das hatte ihm Bevan damit zu verstehen geben wollen, und greif nicht nach den Sternen.
Genau diesen Rat hatten ihm seine Brüder schon damals gegeben, als er den Wunsch geäußert hatte, Krieger zu werden. Allerdings verfügte er nicht über die naturgegebenen Talente, die Patrick oder Bevan eigen waren. Obwohl er sich bis zur völligen Erschöpfung während seiner Ausbildung an allen Waffengattungen verausgabt hatte, beruhten seine Fähigkeiten allein auf Muskelkraft, nicht auf Raffinesse und listenreicher Taktik. Trotz aller Niederlagen und Fehlschläge hatte er seine Schwächen überwunden und es bis zu dem Mann gebracht, der er heute war.
Den Rest des Weges ritten die Brüder schweigend nebeneinander her. Die Landschaft war Ewan vertraut. Fruchtbares Land mit saftigen Wiesen zog sich bis zu den Hügelketten in der Ferne hin. In den letzten fünf Jahren hatte sich nichts daran verändert.
Unvermittelt wurde ihm bewusst, wie glücklich und zufrieden er hier einst war. Für die meisten seiner Landsleute waren die Normannen immer noch feindliche Eindringlinge, während Ewan das nie so gesehen hatte. Nachdem Bevans Gemahlin Genevieve sich für ihn verwendet und ihren Vater Thomas de Renalt, Earl of Longford, gebeten hatte, den Knaben in Pflegschaft zu nehmen, lebte Ewan drei Jahre auf dessen Burg und lernte bei den Normannen schließlich zu kämpfen.
Ein leichtes Unbehagen befiel ihn, als er sich die Narben an seinen Händen betrachtete. Die Wunden waren zwar längst verheilt, aber seine Finger waren etwas steif geblieben. Ein Schwert zu halten erforderte seine ganze Konzentration, und er war gezwungen, die Unbeweglichkeit durch Kraftaufwand auszugleichen.
Aber die Narben waren gerechtfertigt für das, was er Bevan angetan hatte. Er warf seinem älteren Bruder einen Seitenblick zu und...




