Wilks | Wolf Shadow - Dunkles Vergessen | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 10, 512 Seiten

Reihe: Wolf-Shadow-Reihe

Wilks Wolf Shadow - Dunkles Vergessen


1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8025-9493-9
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 10, 512 Seiten

Reihe: Wolf-Shadow-Reihe

ISBN: 978-3-8025-9493-9
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Als Lilys Mutter urplötzlich ihre Erinnerungen verliert, weiß Lily, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Magie ist im Spiel! Und ihre Mutter ist nicht die Einzige, die unter dem rätselhaften Gedächtnisverlust leidet. Lily und Rule müssen in Erfahrung bringen, wer oder was dahintersteckt!

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1


Sie blinzelte und schwankte, war so benommen, dass sie sich an der Wand abstützen musste. Konnte man das Bewusstsein verlieren, ohne hinzufallen? Dieses Gefühl hatte sie nämlich, in Ohnmacht gefallen zu sein. Was ihr noch nie passiert war, in ihrem ganzen Leben nicht, aber auf einmal schien es ihr wie Dornröschen zu gehen. Wer weiß, wie viele Jahre inzwischen vergangen waren. Nur dass sie noch auf den Beinen war, also konnten es keine Jahre gewesen sein. Die Damentoilette war gleich hinter ihr. Sie war immer noch in dem engen, kleinen Flur des …

Wo war sie?

Angst überkam sie, schnell und heiß und dunkel, flatterte in ihrem Hals mit den Flügeln wie ein gefangener Vogel. Wo war sie?

Sie wusste es nicht. Sie hatte keine Ahnung. Sie … was hatte sie getan? Sie wusste es nicht mehr. Sie erinnerte sich noch daran, dass sie gestern Abend ins Bett gegangen war, aber dass sie nicht hatte einschlafen können, nicht sofort zumindest. Am Abend vor ihrem Geburtstag einzuschlafen, war ihr schon immer schwergefallen. Sie hatte sich aufgesetzt, obwohl es längst Schlafenszeit war – eine Sünde, doch bei besonderen Gelegenheiten drückte man ein Auge zu –, und hatte in ihrem Tagebuch geschrieben, im Licht der Nachttischlampe, das warm und gelb auf die linierten Seiten fiel, die lavendelfarbene Tagesdecke bis zur Taille hochgezogen. Ihrem Tagebuch hatte sie anvertraut, was sie sonst niemandem anvertrauen konnte, nicht einmal Kathy und ganz sicher nicht ihren Schwestern. Alle sagten, sie könnten »es gar nicht erwarten« endlich Teenager zu sein, doch sie war froh, dass sie erst zwölf wurde, nicht dreizehn. Sie war noch nicht so weit, schon dreizehn zu sein, aber das war gar nicht schlimm, denn vor ihr lag noch ein ganzes Jahr, bis sie Teenager war. Ihr blieb noch reichlich Zeit.

Aber das war alles, an das sie sich erinnerte. Sie wusste zwar nicht mehr, wie sie aufgewacht war, ob sie gefrühstückt oder zu Mittag oder zu Abend gegessen hatte. War es Abendbrotzeit? Waren sie hierher gegangen statt zur Rollschuhbahn, wie sie es eigentlich vorgehabt hatten?

Hatte sie etwa ihren eigenen Geburtstag verpasst?

Trotz der Angst überkam sie Empörung. Das war nicht fair. Das war ganz und gar nicht fair. Sie verstand nicht warum, aber sie befand sich in irgendeinem Restaurant. Es roch gut – nach Ingwer und Zwiebeln und Frittierfett. Sie konnte ein bisschen von dem Raum sehen, in den der Flur führte. Ein Mann saß an einem kleinen Tisch mit Tischdecke, beugte sich vor und stach mit dem Zeigefinger in die Luft, so wie Männer es machten, wenn sie glaubten, sie wären wichtig, und die Leute ihnen zuhören sollten. Die Frau, zu der er sprach, sah gelangweilt aus. Sie waren beide weiß, aber das hier war ein chinesisches Restaurant. Das erkannte sie an den Gerüchen und den dunkelroten Wänden. Jemand, den sie von dort, wo sie stand, nicht sehen konnte, lachte schnell und bellend: Ha! Ha! Ha! Das ließ sie an Onkel Wu denken, der auch in solchen Silben gelacht hatte, nur leiser, schnaufender: Ha. Ha. Ha.

Sie atmete sehr schnell. Schnaufte wie Onkel Wu. Sie ballte die Fäuste und versuchte normal zu atmen. Sie brauchte etwas, das normal war.

Sie fühlte sich müde. Müde und irgendwie schwer, als wäre sie erkältet. Sie schniefte versuchsweise. Die Nase war nicht verstopft oder so. War sie krank gewesen? Vielleicht hat sie hohes Fieber gehabt. Eine Hirnhautentzündung. Vergaß man dann Sachen? Vielleicht hatte sie eine schlimme Hirnhautentzündung gehabt und war davon genesen, aber jetzt hatte sie einen Rückfall – deswegen war ihr so schwindelig – und –

»Entschuldigung«, sagte jemand hinter ihr.

Sie fuhr herum.

Zwei Frauen waren aus der Toilette gekommen. Sie waren ziemlich alt – vielleicht dreißig – und komisch angezogen. Beide trugen Jeans, was seltsam war. Wer trug Jeans, wenn er in ein schickes Restaurant ging? Eine hatte einen großen, weiten Pullover an, aber die andere ein enges, dehnbares T-Shirt, das einfach alles zeigte, als wäre sie eine Prostituierte. Diese Frau trug große Ohrringe und hatte superkurzes Haar wie Mia Farrow und … guter Gott. In ihrer Nase steckte ein kleiner Glitzerstein.

Ihre Mutter ließ sie keine Ohrlöcher machen, und diese Frau hatte ein Loch in der Nase!

Die beiden Frauen starrten sie komisch an. Sie errötete. Wie eine Idiotin stand sie da und versperrte ihnen den Weg. Sie trat zur Seite. Ihr Fuß stieß gegen irgendetwas. Sie blickte nach unten.

Jemand hatte seine Handtasche mitten im Flur liegen lassen. Es war eine hübsche Handtasche – schwarzes Leder, ein Leder, das so weich war, dass man es streicheln wollte. Sie sollte es jemandem sagen.

Sie hatte gerade einen unsicheren Schritt gemacht, als noch jemand in den Flur trat. Ein Mann. Er war groß und wahrscheinlich so alt wie die beiden Frauen, und er sah fantastisch aus. Wie ein Filmstar – ein bisschen wie Clint Eastwood, der immer noch ihr Lieblingsschauspieler war. Wie sehr war sie enttäuscht gewesen, als Tausend Meilen Staub abgesetzt worden war. Nur dass die Haare dieses Mannes dunkel und zerzaust waren, und er sehr dramatische Augenbrauen hatte, ganz anders als Clint.

Der Mann musterte sie und legte den Kopf schief, als wäre er verwirrt. Sie spürte ein leichtes Flattern im Magen. Dann sprach er sie an.

»Julia? Alles in Ordnung?«

Lily schob die Reste ihres Hühnchen Kung Pao auf dem Teller herum und versuchte so auszusehen, als würde sie ihrem Cousin Freddie zuhören, der voller Begeisterung über implizite Rendite, Parität und Agio sprach. Was zur Hölle war Agio? War das überhaupt ein Wort?

Sie fragte ihn nicht danach. Denn dann würde er es ihr erklären, und das konnte endlos dauern. Wahrscheinlich war es Brokersprache und hatte etwas mit Devisenhandel zu tun, seinem Fachgebiet. Auf dem er in der letzten Zeit meist für Rule tätig war. Rules zweiter Clan war nicht so wohlhabend wie der der Nokolai.

»… bin nicht überzeugt, dass der Baht sich im Aufwind befindet, aber …« Freddie brach ab und schmunzelte. »Deine Augen werden glasig.«

»Tut mir leid.« Sie und Freddie kamen nun, da er aufgehört hatte, sie um ihre Hand zu bitten, sehr viel besser miteinander aus. Dass er dabei nie erwähnt hatte, dass er schwul war, hatte sie ihm vergeben. Zumal sich herausgestellt hatte, dass er sich selbst dessen gar nicht bewusst gewesen war. Sein Coming-out sich selbst gegenüber war noch gar nicht allzu lange her. Noch war er nicht bereit, seine Familie aufzuklären … womit er seine Mutter meinte.

Lily konnte ihn verstehen. Wegen Tante Jei – die genau genommen Lilys Cousine zweiten Grades war, aber Lily und ihre Schwester nannten alle Cousinen oder Cousins ersten Grades ihrer Mutter »Tante« oder »Onkel« – gab es das passiv vor passiv-aggressiv. Sie war matt und kraftlos, brauchte viel Zuwendung und seufzte gern, eine Witwe mit nur einem Kind, das sie verhätschelte, an das sie sich klammerte und das sie unbarmherzig kontrollierte.

Armer Freddie.

Tante Jei war vermutlich der Grund, warum Rule sich entschuldigt hatte, um auf die Toilette zu gehen. Er war neben sie gesetzt worden, und selbst Rules Geduld war irgendwann erschöpft.

»Schon in Ordnung«, sagte Freddie freundlich und tätschelte ihre Hand. »Du träumst wahrscheinlich von dem großen Tag. Jetzt sind es nur noch zwei Wochen, nicht wahr?« Er strahlte sie an.

»Zwei Wochen und fünf Tage.« Nach denen, dachte sie mit einem Lächeln, Rule offiziell mit Tante Jei, Freddie und allen anderen an diesem Tisch verwandt sein würde. Armer Mann.

Sie befanden sich in dem größeren von zwei privaten Speisesälen im Golden Dragon, wo fast alle Feiern der Familie stattfanden, seit Onkel Chen der Besitzer war – noch ein »Onkel«, der eigentlich ein Cousin war. Dieses Jahr waren weniger erschienen als sonst. Keines der Kinder war hier, und Großmutters Partnerin, Li Qin, hatte sich vor zwei Tagen den Fuß gebrochen. Er war immer noch zu geschwollen, um gegipst zu werden. Da sie den Fuß so oft wie möglich hochlegen musste, hatte Großmutter darauf bestanden, dass sie zu Hause blieb. Außerdem fehlte Lilys jüngere Schwester, wenn auch aus einem ganz anderen Grund.

»Ich war kürzlich auf der Hochzeit der Tochter eines Kollegen eingeladen«, sagte Freddie gerade. »Ein schönes Mädchen. Es war eine sehr moderne Zeremonie. Sie haben ihr Gelübde selbst geschrieben, und als es Zeit für die Reden war …«

Lily nickte und ließ ihre Gedanken wandern. Ihre Mutter hatte ihr streng untersagt, großen Aufwand zu betreiben. »Deine Hochzeit steht kurz bevor, da wäre es zu viel verlangt. Alle haben genug zu tun.« Mit »alle« meinte sie sich selbst. Sie und Rule hatten den Großteil der Arbeit auf sich genommen, die ein solch großes Ereignis mit sich brachte, und Lily war ihnen wirklich dankbar dafür. Vielleicht war sie Rule tatsächlich ein bisschen dankbarer, weil es so offensichtlich war, dass ihre Mutter sich blendend amüsierte.

Lilys Vater hatte die Anweisungen seiner Frau klugerweise missachtet. Julia Yu liebte es, wenn man ihren Geburtstag mit großem Aufwand feierte.

Und dazu gehörten mit Sicherheit nun mal auch Geschenke. Lilys Blick fiel auf den Tisch hinter Freddie. Darauf lag über ein Dutzend bunt eingepackter Päckchen. Sie lächelte. Freddie verstand ihr Lächeln als Anerkennung für seine Geschichte über die Rede des Bräutigams, kicherte und begann eine neue Geschichte über jemanden, den sie nicht kannte.

Jedes Jahr behauptete Julia Yu, dass sie nichts...


Wilks, Eileen
Eileen Wilks wurde in Texas geboren und lebt seit über dreißig Jahren in der westtexanischen Stadt Midland. Seit 1996 schreibt sie Liebesromane, die regelmäßig auf die Bestsellerlisten gelangen. Ihre Bücher wurden mehrfach für den RITA Award und den Romantic Times Award nominiert.

Eileen Wilks wurde in Texas geboren und lebt seit über dreißig Jahren in der westtexanischen Stadt Midland. Seit 1996 schreibt sie Liebesromane, die regelmäßig auf die Bestsellerlisten gelangen. Ihre Bücher wurden mehrfach für den RITA Award und den Romantic Times Award nominiert.



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