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E-Book, Deutsch, Band 10, 316 Seiten

Reihe: Wiener's G'schichten

Wiener Wiener's G'schichten X

Als Lachen tödlich war
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7578-9720-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Als Lachen tödlich war

E-Book, Deutsch, Band 10, 316 Seiten

Reihe: Wiener's G'schichten

ISBN: 978-3-7578-9720-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Erinnerungen und Fakten 1933-1945 "Flüsterwitze" aus dem "Dritten Reich" - analysiert und kommentiert - sowie autobiographisch Erinnertes und dokumentarisches Material zeugen von einer Zeit, in der das Lachen tödlich sein konnte. Welche Wirkung die "Stimme des Volkes" hatte, die unbeirrt und unbestechlich die Demagogie der Nazis anprangerte und ihrem Wahn- und Aberwitz den gesunden Menschenverstand entgegensetze, das schildert Wiener auf eindrucksvolle Weise, zeigt er anhand erschütternder Gerichtsurteile, die über "Witzeerzähler" verhängt wurden. Als Zugabe gibt es Gewitztes und Verschmitztes aus der k.u.k.Monarchie.

Der Schriftsteller Ralph Wiener - bzw. der promovierte Jurist Felix Ecke - ist seit über 90 Jahren in der Lutherstadt Eisleben zu Hause. Hier gründete er 1945 das erste Nachkriegstheater Deutschlands. Anschließend wurde er Rechtsanwalt und schrieb nebenbei Humoresken und Satiren - zuerst für die LDZ und später hauptsächlich für den "Eulenspiegel". Die Eulenspiegeleien sind alle im ersten Band. Der zweite Band beinhaltet Satiren, die bisher nur in anderen Zeitungen, Büchern oder noch gar nicht veröffentlicht sind. Band 3 und 4 enthalten die erfolgreich aufgeführten heiteren Theaterstücke "Geschichten meiner Frau", "Fragen Sie Sibylle" und "Ein himmlischer Abend" Im fünften Teil der "Wiener's G'schichten" geht es jedoch ernster zu, denn hier werden drei gesellschaftspolitische Stücke vorgestellt. Wie im Teil 6 wurde es mit drei weiteren Lustspielen im 2021 vorliegenden 7. Band wieder heiter. Im 8.Band ging es philosophisch zu und der 9.Band beinhaltete Novellen. Wiener lieferte unter anderem auch Kabaretttexte für die Berliner Distel und die DEFA-Stacheltierproduktion. In verschiedenen Verlagen erschienen ca. 20 Bücher. In den 70-ern und 80-ern war er ständig zwischen Ostsee und Erzgebirge als Einmannkabarett unterwegs auf Tournee.

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Der Mächtige
Bereits bei seinen ersten Auftritten sorgte Hitler, der dem unwiderstehlichen Drang verfallen War, sich ständig in der Öffentlichkeit zu produzieren, für angemessene Unterhaltung und bot Stoff für Witzeleien aller Art. Aus der Frühzeit seiner agitatorischen Tätigkeit möge die »Münchner Post« (Nr. 125) vom 1.Juni 1920 zitiert werden: »Es sprach Herr Adolf Hitler, der sich mehr wie ein Komiker benahm. Sein coupletartiger Vortrag enthielt in jedem dritten Satz den Refrain: Schuld sind die Hebräer!« Politische Harlekinaden am laufenden Band, dabei ein sich immer mehr vergrößerndes Publikum, das nicht - wie es richtiger gewesen wäre - über seine Worte lachte, sondern sie ernst nahm, und darüber hinaus kräftige Finanzspritzen durch die Monopolbourgeoisie, das alles charakterisierte den Aufstieg jenes Mannes. Was übrigens seine Reden betrifft, so berühre ich hier eine eigene persönliche Beziehung. Ich hatte mich im Jahre 1942 als damals Achtzehnjähriger einer antifaschistischen Widerstandsgruppe in Eisleben angeschlossen, die unter Leitung des Bautechnikers Willi Wieser stand, der bereits 1933 im KZ gewesen war und nun innerhalb der Baufirma Rost eine zielgerichtete politische Tätigkeit entfaltete. In dieser Widerstandsgruppe verfasste ich Flugblätter unter dem Titel »Also sprach Adolf Hitler«, d. h., ich stellte Auszüge aus seinen Reden den Tatsachen gegenüber und verteilte die Blätter unter der Arbeiterschaft. Auch der Betriebsinhaber erhielt ein solches Flugblatt von seinem Sohn, las und verbrannte es, ohne mich anzuzeigen. Solche Betriebsinhaber gab es also auch. In meinem großelterlichen Hause in Eisleben wurde jede Hitlerrede im Radio aufmerksam - und vor allen Dingen kritisch - verfolgt, und ich erinnere mich beispielsweise, dass mein Großvater, der Fahrsteiger Hellmuth Ecke, als Hitler in seiner Reichstagsrede vom 11. Dezember 1941 spöttisch bemerkte: »Wenn Herr Churchill oder Herr Roosevelt erklären, dass sie später eine neue soziale Ordnung aufbauen wollen, dann ist das ungefähr so, als wenn ein Friseur mit kahlem Kopf ein untrügliches Haarwuchsmittel empfiehlt«, hinzufügte: »Jetzt macht er auch noch Witze!« In der Hauptsache wurden allerdings Witze über Hitler selbst gemacht. Eine Antwort auf den Gruß »Heil Hitler!« lautete häufig: »Bin ich Psychiater?« »Warum schreien in Deutschland jetzt alle Leute so laut 'Heil Hitler'?« fragte einer. Er erhielt die Auskunft: »Weil sie in Deutschland keinen 'Guten Tag' mehr kennen.« In Österreich setzte sich der Hitlergruß nur schwer durch. Insbesondere die Wiener, die bei jeder Gelegenheit betonten, der Nationalsozialismus sei »ka Weltanschauung, sondern a Strapazen«, blieben bei ihrer gewohnten Großform oder formten das Verlangte sinnig um: »Küss d'Hand, gnä'Frau, und a fesches 'Heil Hitler' an Herrn Gemahl!« Als Beispiel einer besonders witzigen Persiflierung sei folgende Episode erwähnt: Eine Berliner Firma schließt ihren Geschäftsbrief an ein Amsterdamer Kaufhaus routinemäßig mit der Floskel: »Mit deutschem Gruß: Heil Hitler!« Der holländische Geschäftspartner schließt sein Antwortschreiben mit folgenden Worten: »Mit holländischem Gruß! Und unsere gute Königin Wilhelmina lässt auch schön grüßen.« Einem Deutschen, der einen Schweizer mit »Heil Hitler!« begrüßte, antwortete dieser: »Heil Hodler! Wir haben auch einen Maler!« Ein Jude will seinen Namen ändern lassen. »Wie heißen Sie denn?« »Adolf Stinkfuß.« »Ja - da muss man schon Verständnis haben. Und wie möchten Sie heißen?« »Moritz Stinkfuß.« Alle diese Beispiele sind auch heute noch völlig aus sich heraus verständlich. Anders verhält es sich hiermit: Churchill soll einem Korrespondenten der »Times« erklärt haben, Hitler habe es leicht, den Krieg zu gewinnen, da er nur gegen Betrunkene, Verrückte und Paralytiker zu kämpfen habe, er dagegen habe als Gegner den größten Feldherrn aller Zeiten. Hier muss man zum näheren Verständnis daran erinnern, dass Hitler die in dem Witz von Churchill herangezogenen Bezeichnungen tatsächlich in den Mund genommen hat, was natürlich, als dieser Witz kursierte, allgemein bekannt war. Der Vollständigkeit halber seien einige Zitate aus seinen Reden wiedergegeben: »Es wäre schöner, wenn man achtenswerten Kämpfern sich gegenübersähe und nicht diesem Zeug, dieser Fabrikware der Natur.« (15.3. 1932) »Unsere Gegner sind kleine Würmchen.« (22.8. 1939) »Ich habe im Innern und nach außen nur das Unglück gehabt, gegen lauter Nullen kämpfen zu müssen.« (24.2.1940) »Für mich und meine Mitarbeiter ist es daher oft geradezu eine Beleidigung, uns mit jenen demokratischen Nullen abgeben zu müssen, die selbst noch auf keine einzige wahre große Lebensleistung zurückzublicken in der Lage sind.« (3.10.1941) »Dieser Schwätzer und Trunkenbold Churchill, was hat er wirklich an besonderen Werten geschaffen, dieses verlogene Subjekt, dieser Faulpelz ersten Ranges? Und von seinem Spießgesellen im Weißen Haus möchte ich dabei gar nicht reden, denn dieser ist nur ein armseliger Irrer.« (30.1.1942) »Wenn ich einen Gegner von Format hätte, dann könnte ich mir ungefähr ausrechnen, wo er angreift. Wenn man aber militärische Kindsköpfe vor sich hat, da kann man natürlich nicht wissen, wo sie angreifen, es kann ja auch das verrückteste Unternehmen sein. Und das ist das einzig Unangenehme, dass man bei diesen Geisteskranken oder ständig Betrunkenen nie weiß, was sie anstellen werden.« (30.9.1942) Obwohl die unmittelbar Zuhörenden stürmisch applaudierten, hatte sich ein Großteil der Bevölkerung seine eigene Meinung über Hitler gebildet. »Was ist der Unterschied zwischen Hitler und einem Leberkranken?« wurde gefragt, und die Antwort lautete: »Der eine ist leberleidend, der andere leider lebend!« Ein ähnlicher Gedanke lag folgender Anekdote zugrunde: Als Hitler im November 1939 kurz vor der Explosion einer Höllenmaschine den Bürgerbräukeller verlassen hatte und aus diesem Zufall oder Regieeinfall die Vorsehung gepriesen wurde, die damals und später in so wunderbarer Weise den Führer erhielt, da fand sich an der Attentatsstelle eine Tafel mit der Inschrift: »Dem leider zu früh Heimgegangenen!« Auch Hitlers vermutete Paralyse fand Eingang in die Witzerzählungen, was nicht zuletzt dem Umstand zuzuschreiben ist, dass er weithin dafür bekannt war, in Zuständen der Erregung in den Teppich zu beißen. So wird berichtet, dass er beim Aussuchen eines Teppichs für seine Reichskanzlei von der Verkäuferin gefragt wurde: »Wollen der Herr Führer ihn gleich essen oder soll ich ihn einpacken?« Die ersten Anregungen, mit Hilfe des gesprochenen Wortes Einfluss zu gewinnen, hat Hitler im Jahre 1910 - also noch während seines Aufenthaltes im Wiener Obdachlosenasyl - erhalten. In dem Film »Der Tunnel« (nach dem gleichnamigen Roman von Bernhard Kellermann) trat ein Volksredner auf, der die arbeitenden Massen durch seine Reden in Aufruhr versetzte. Dieser Film faszinierte Hitler so stark, dass er tagelang von nichts anderem sprach als von der Macht der Rede. Er besorgte sich bald darauf den Roman und berauschte sich an den gewagten Superlativen, vor allem an der Redewendung »aller Zeiten«, die zu einem seiner Lieblingsausdrücke werden sollte. So nannte er den ersten Weltkrieg den »blutigsten Krieg aller Zeiten« (30.1.1937), das Winterhilfswerk »größtes soziales Werk aller Zeiten« (5.10.1937), den Westwall die »gewaltigste Leistung aller Zeiten« (12.9.1938), den Versailler Vertrag den »größten Wortbruch aller Zeiten« (8. 9.1939), den Fall von Dünkirchen die »größte Schlacht aller Zeiten« (5. 6.1940), Dr. Todt den »größten Straßenbaumeister aller Zeiten« (12.2.1942) und Franklin D. Roosevelt den »größten Kriegsverbrecher aller Zeiten« (13.4.1945). Als Redner Erfolg zu haben, war sein Ziel. »Die Macht aber«, hatte er in seinem Elaborat »Mein Kampf« geschrieben, »die die großen historischen Lawinen religiöser oder politischer Art ins Rollen brachte, war seit urewig nur die Zauberkraft des gesprochenen Wortes.« Das erwähnte Buch »Mein Kampf«, das jedem Hochzeitspaar vom Standesbeamten als eheliche Pflichtlektüre übergeben wurde, erreichte längst nicht die Wirkung seiner Reden, und es ist bezeichnend, dass er diesem Buch ursprünglich den monströsen Titel »Viereinhalb Jahre Kampf gegen Lüge, Dummheit und Feigheit« vorangestellt hatte, bevor es vom Geschäftsführer des Parteiverlages auf die...



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