Wiener | Die Mission des Dr. Ott | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 228 Seiten

Wiener Die Mission des Dr. Ott

Die Psychologie des Heiratsschwindels
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7481-6221-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Psychologie des Heiratsschwindels

E-Book, Deutsch, 228 Seiten

ISBN: 978-3-7481-6221-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dieser humorvolle Roman spielt im Jahre 1924 und glossiert die Zustände nach der Inflation und gibt vor allem die unsauberen Gepflogenheiten im Staatsapparat der Weimarer Republik der Lächerlichkeit preis. Dr. Ott nämlich, der als Psychologe die Probleme des Heiratsschwindels "erforscht" um die wahren Gründe, die zu einem solchen Verbrechen führen, aufzudecken, heiratet durch dadurch entstandene Komplikationen seine eigene Frau ein zweites Mal. Sehr lustig und turbulent geht es bei allen an dem Schwindel freiwillig und unfreiwillig mitbeteiligten Personen zu. Wer freilich am Ende der Lachende ist, wird erst am Schluss der spritzig und spannend geschilderten Episode verraten.

Ralph Wiener, so der gewählte Künstlername des promovierten Juristen Felix Ecke, ist 1924 in Baden bei Wien geboren. 1945 gründete er in seiner eigentlichen Heimatstadt Eisleben das erste Nachkriegstheater Deutschlands. Ab 1957 war er über 20 Jahre lang freier Mitarbeiter der Zeitschrift "Eulenspiegel". Wiener schrieb u.a. Theaterstücke sowie Texte für Kabaretts wie die "Distel" und veröffentlichte ca. 20 Bücher in verschiedenen Verlagen. Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Ralph_Wiener
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Professor Mull hat einen Plan


„Sonja!“ „Was ist denn, Liebling?“ „Bist du endlich fertig?“ „Nur noch die Wimpern, Liebling!“ Dr. Jürgen Ott seufzte.

Zwei Jahre war er nun schon mit Sonja verheiratet und noch nicht ein einziges Mal war sie pünktlich zum Ausgehen fertig gewesen.

„Ich würde mich ja nicht aufregen“, meinte er resigniert, als Sonja begann, ihre Haarklemmen zu suchen, „aber heute solltest du dich wirklich etwas beeilen. Bitte, stell dir vor: Herr Professor Mull, der Direktor unseres psychologischen Instituts, lässt sich herab, einen unbedeutenden Dozenten wie mich zu einer Abendgesellschaft einzuladen – und meine Frau hält es nicht für nötig, wenigstens pünktlich zu sein. Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige!“

„Erstens bin ich keine Königin, Liebling, und zweitens …“ Dr. Ott wurde nervös: „Ich bitte dich, sag heute Abend nicht ‚Liebling‘ zu mir – wir sind schließlich nicht mehr in den Flitterwochen und außerdem besteht die Abendgesellschaft bei Professor Mull aus lauter seriösen Leuten. Es sind Psychologen, wie ich, und deshalb …“

„Also, wenn du mir Vorschriften machen willst“, unterbrach ihn Sonja, „dann bleibe ich zu Hause, Ich muss ohnehin erst meine Maniküre beenden.“ „Heilige Einfalt!“, rief Dr. Ott und sank hilflos in einen Sessel.

Nach einer halben Stunde verließen sie die Wohnung und stiegen in eine Taxe. „Waldstraße 18, Professor Mull!“ Der Fahrer nickte und fuhr an.

„Um Himmels willen!“, erschrak plötzlich Sonja, „Jetzt hab ich meinen Lippenstift liegengelassen. Wenn mir etwas zustößt…!“ „Heute Abend wird dir nichts zustoßen!“, kam es energisch aus Jürgen, und er packte sie fest beim Handgelenk.

„Au! Du tust mir weh!“, stöhnte sie, aber da hielt schon der Wagen. „Waldstraße 18!“, rief der Fahrer. Dr. Ott zahlte und schritt mit Sonja auf das eiserne Tor der Villa zu.

Bevor er läutete, wandte er sich noch einmal an seine Gattin: „Also, Sonja, mach mir keinen Ärger und bring mich nicht in Verlegenheit! Professor Mull ist mein Vorgesetzter und würde es als sehr taktlos ansehen, wenn du …“

„Ich bitte dich, Jürgen, hör auf! Du hättest ja nicht einmal an die Blumen gedacht. Und überhaupt, wenn ich nicht wäre …“

Dr. Ott drückte auf den Klingelknopf. Es surrte, und beide traten in den Vorraum. Ein Zimmermädchen nahm ihnen die Garderobe ab und führte sie in den Salon, wo bereits eine ansehnliche Gesellschaft versammelt war.

Professor Mull – ein gemütlicher, dicker älterer Herr mit einem neckischen Spitzbart – ging mit vorgestreckten Händen auf die Neuankömmlinge zu: „Ah, da sind ja die Heißersehnten! Je später der Abend, desto schöner die Gäste!“

„Gestatten Sie, Herr Professor, dass ich Ihnen meine Frau vorstelle…“ „Nicht nötig, mein lieber Doktor, habe ich mir schon denken können – schließlich sind wir Psychologen. Hahaha!“

Plötzlich wandte er sich nach seiner besseren Hälfte um: „Cornelia! Das ist Ehepaar Doktor Ott! Noch etwas in den Flitterwochen – daher die Verspätung. Hahaha! Sie entschuldigen“, sagte er leise zu Sonja, die etwas rot geworden war, „nur ein kleiner Scherz. Und das ist meine Cornelia, mir treu seit vierzig Jahren.“

„Sehr erfreut!“, sagten alle abwechselnd, und dann macht Professor Mull seinen Dozenten mit den übrigen Gästen bekannt, soweit sie nicht schon dienstlich miteinander zu tun hatten.

Da war zum Beispiel Dr. Hansen, die rechte Hand des Professors und sein ständiger Vertreter im Amte. Dann der Diplompsychologe Westphal, welcher bereits zwölf Jahre im Institut Professor Mulls zubrachte und ebenso lange auf seine Promotion wartete.

Schließlich ein junger, blondgelockter Assistent mit Namen Alex Weber, der einen etwas hilflosen Eindruck machte; denn er war noch nicht verheiratet und passte eigentlich in diese Gruppe, die sonst nur aus Ehepaaren bestand, gar nicht hinein.

Aber der Professor hatte trotz der Bedenken seiner Gattin darauf bestanden, dass Alex eingeladen wurde und hatte offenbar hierfür seine Gründe.

Die Nicht-Psychologen waren durch folgende Personen vertreten: Herr Max Seifert und Frau – mit Professor Mull im dritten Grad verschwägert, aber dennoch gern gesehen, weil Max als Abteilungsleiter im Amt für Statistik immer wieder mit allen möglichen Neuigkeiten aufwarten konnte.

Herr Ferdinand Berger und Frau, seit über vierzig Jahren mit der Gattin des Professors eng befreundet, Referatsleiter im Ministerium des Inneren.

Schließlich das Ehepaar Dr. Schilling, praktischer Arzt mit einer äußerst gut gehenden Praxis. Dr. Schilling war überhaupt ein Mann von altem Schrot und Korn, der immer zur rechten Zeit das rechte Wort fand.

„Na, nun könnten wir ja endlich essen!“ sagte er, als die allgemeine Vorstellung vorüber war, „furchtbar anstrengend, das dauernde Verbeugen!“ „Werner!“, ermahnte ihn seine Ehefrau und stieß ihm heimlich in den Rücken.

„Ihr Gatte hat schon recht!“, meinte die Frau des Hauses, welche alles beobachtet hatte, „bitte gehen wir in das Speisezimmer!“

Nun wanderte die kleine Gesellschaft in den Nebenraum, wo bereits für fünfzehn Personen gedeckt war. Professor Mull hatte sich den Abend etwas kosten lassen. Vorzügliche Speisen, erlesene Getränke, herrliche Tischblumen – alles dies erweckte den Eindruck, als ob es sich um eine besondere Feierlichkeit handelte.

Und der Anlass? Auf diese Frage pflegte Professor Mull stets zu antworten: „Am schönsten sind die Feste ohne Anlass!“ Er war ein lebensfroher Mensch, der Herr Professor. Er sah gern Gäste um sich und lachte gern.

Nach dem reichhaltigen Diner begaben sich Männlein und Weiblein wieder in den Salon, um bei einem Glas Cocktail einander zu erwärmen.

Während die Damen in einem schnell improvisierten Modekränzchen zunächst in aller Gründlichkeit das neuste Hutmodell (eine Art umgestülpter Blumentopf) besprachen, hatte sich bei den Herren ein anderes aktuelles Thema durchgesetzt: Die Ehekrisen mit allen ihren Folgeerscheinungen.

Die Diskussion wurde mit Sachkenntnis und Eifer geführt, nur Alex Weber, der vierundzwanzigjährige Assistent, saß schüchtern etwas abseits und kam sich offenbar überflüssig vor.

Doch da wurde er plötzlich von Professor Mull angesprochen: „Nun junger Freund, was halten Sie denn von der Sache?“

Alle blickten auf Alex, der ganz rot wurde und verlegen flüsterte: „Herr Professor, ich habe mit Frauen noch zu wenig Erfahrung.“

„Recht so, mein Lieber“, erwiderte Professor Mull mit einem schelmischen Seitenblick auf seine Gebieterin, „das Beste ist, man lässt die Finger davon! Aber merken Sie sich den Rat eines erfahrenen Psychologen. Frauen sind wie Brennnesseln – je kräftiger man zupackt, desto weniger stechen sie einen!“

„Das war ein Wort!“ bekräftigte Dr. Schilling, „von Ihrer Fakultät kann man allerhand lernen. Ich werde jedenfalls manchem meiner Patienten zur Wiederherstellung eines harmonischen Ehelebens Brennnesseln verschreiben. Aber Spaß beiseite: Ist Ihnen bekannt, dass die Ehekrisen zu einem Problem geworden sind, welches uns Ärzten viel zu schaffen macht? Sehen Sie meine Herren, durch die dauernden Reibereien in einer – nun sagen wir: unglücklichen Ehe – bilden sich allmählich im Organismus krankhafte Herde, die im Laufe der Zeit solche Formen annehmen, dass …“

„Der Doktor drückt sich sehr gemäßigt aus“, warf Diplompsychologe Westphal ein, „krankhafte Herde bilden sich nämlich nicht nur durch Reibereien, sondern werden ja oft vom Ehepartner direkt hereingetragen.“

„Aber ich muss doch bitten, Herr Westphal!“, räusperte sich Professor Mull, „wir wollen doch etwas das Niveau wahren!“ „Verzeihung, Herr Professor!“ Der Diplompsychologe machte eine unterwürfige Verbeugung.

Inzwischen hatte sich Professor Mulls Schwippschwager, Max Seifert, besonnen, dass auch er zu diesem Thema etwas beitragen könnte: „Wir haben im Amt für Statistik verschiedene Erhebungen gemacht, die völlig im Einklang mit dem stehen, was soeben Herr Dr. Schilling sagte. Die Zerrüttung der Ehen ist ein akutes Problem geworden. Wir schreiben heute das Jahr 1924. Allein bis zum Jahre 1923 kam bei uns in Berlin auf sechs Eheschließungen eine Ehescheidung. Das Standesamt hat also vor dem Scheidungsgericht keinen allzu großen Vorsprung.“

Max Seifert zog eine kleine Tabelle aus der Rocktasche. Bitte, meine Herren, hier die amtliche Zahl aus dem Jahre 1923: Sie weist 41519 Eheschließungen auf gegenüber 6701 Ehescheidungen. Und ein Sechstel aller Eheschließungen sind bereits Geschiedene!“

Die...



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