Whitmore | Das Herrenhaus im Moor | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 512 Seiten

Whitmore Das Herrenhaus im Moor

Roman
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-423-43432-4
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 512 Seiten

ISBN: 978-3-423-43432-4
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Schatten u?ber Lynybrook Hall Ein gefühlvoll erzählter Frauen- und Liebesroman - Zwei Zeitebenen beleuchten das Schicksal von Laura und Victoria - Das südenglische Exmoor bildet die düster-stimmungsvolle Romankulisse Ein verfallenes Herrenhaus wird fu?r Laura Milton zum Schlu?ssel in die Vergangenheit. Denn das Schicksal der Lady Victoria Milton wirft seine Schatten bis in die Gegenwart ... Exmoor, Ende des 19. Jahrhunderts: Die 20-jährige Victoria wird bald ein ansehnliches Vermögen erben. Doch ihr Vormund Richard hat seine eigenen Pläne mit ihrem Geld und verbannt sie in eine Anstalt fu?r Geisteskranke - aus der Arthur, einer von Richards Bediensteten, ihr zur Flucht verhilft. Als sich Victoria, fest entschlossen, ihr Erbe wiederzuerlangen, nach Jahren aus der Deckung wagt, ist ihr Schicksal besiegelt. »Romantischer, spannender Schmöker.« Bild + Funk

Felicity Whitmore, Jahrgang 1977, hat vier große Leidenschaften: England, ihre Hunde und Katzen, das Theater und das Schreiben. Sie reist regelmäßig nach England und schreibt, wann immer sie Zeit dafür findet. In ihren Bestsellerromanen beschäftigt sie sich am liebsten mit den Geheimnissen alter Häuser.
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Prolog


Es gab Nächte, in denen leuchteten die Sterne heller als in anderen. Laura blieb mitten auf der Rheinuferpromenade stehen und sah zum Himmel. Aus den Bars drang Musik zu ihr heraus. Von den Terrassen klangen fröhliche Stimmen. Der Rhein funkelte in der Dunkelheit. Es roch nach frisch gebratenem Fisch, Curry und Zigarettenrauch. Laura machte einer Gruppe junger Frauen Platz, die lachend an ihr vorbeigingen. Sie trat an die Rheinmauer und schloss einen Moment lang die Augen. Die Steine waren noch warm von der Schwüle des Frühsommertages. Laura lächelte. Sie war glücklich. Nach den letzten Monaten, in denen sie so viel auf ihren Mann hatte verzichten müssen, würden sie heute endlich wieder einen romantischen Abend verbringen. Ein Geburtstagsessen zu zweit. Das war das schönste Geschenk, das er ihr hatte machen können. Es schien Jahre her zu sein, dass Frank Zeit zum gemeinsamen Ausgehen gefunden hatte. Er hatte hart dafür gearbeitet, Leiter des Privatkundengeschäftes in seiner Bank zu werden, und war anschließend sogar in den Vorstand gewählt worden. In den ersten Monaten nach seiner Beförderung hatte er genug zu tun gehabt.

Umso mehr freute es Laura, dass er ihrem Vorschlag zugestimmt hatte und sich mit ihr beim kleinen Italiener am Burgplatz treffen wollte, wo sie sich vor dreizehn Jahren kennengelernt hatten.

Langsam schlenderte sie weiter. Es war noch früh, er hatte einundzwanzig Uhr gesagt. Eher konnte er es nicht einrichten. Doch es war ihr recht. So hatte sie sich den ganzen Tag auf den Abend freuen können. Am Nachmittag waren ihre Freundinnen und ihre Schwester Nora zum Kaffee vorbeigekommen. Dann hatte sie sich für den Abend umgezogen und war mit der Bahn von Köln nach Düsseldorf gefahren. In der Nacht würden sie dann zusammen in Franks Wagen zurückfahren. Es war schön, endlich mal wieder Zeit mit Frank zu verbringen. Sie zuckte zusammen, als zwei Skateboarder von hinten an ihr vorbeischossen. Auf einer der Bänke an der Promenade saß ein Liebespaar. Laura lächelte wieder und hielt inne. So hatten sie an ihrem ersten Abend auch hier gesessen. Damals waren die Straßen mit Sternen gepflastert gewesen und der Mond hatte nur für sie beide geschienen.

Laura hatte den Burgplatz erreicht. Hier hatten sie sich zum ersten Mal getroffen – vor dreizehn Jahren. Es war eine Aprilnacht gewesen, nicht ganz so warm wie heute. Sie war gerade von der Arbeit gekommen und wollte nicht gleich nach Hause fahren. Dazu war der Abend zu schön gewesen. Also war sie die Treppe zum Rhein hinuntergegangen und hatte gerade darüber nachgedacht, eine Freundin anzurufen und zu fragen, ob sie sich spontan auf ein Glas Wein treffen sollten, als sie jemand von hinten ansprach.

Laura sah sich um und in diesem Moment blieb ihre Welt stehen. Sein Lachen veränderte ihr ganzes Leben. Die braunen Augen, in denen sich die Sterne spiegelten, hielten sie fest. Sie war gefangen von der Wärme seines Blickes, der alles über sie zu wissen schien. Das Lachen, das eben noch auf seinem Gesicht gelegen hatte, war mit einem Mal verschwunden. Niemand von ihnen sprach ein Wort, beide verharrten in ihren Bewegungen. Sie sahen sich nur an, mitten auf der Rheinuferpromenade, umgeben von kichernden Mädchen und Liebespaaren, von Einsamen, Freundescliquen und Touristen. Lange hatten sie so dagestanden, bevor sie aus ihrer Starre erwacht waren. Er hatte seine Hand nach ihrer ausgestreckt und war langsam auf sie zugekommen, das Jackett lässig über die Schulter geworfen. Sie hatte seine Hand ergriffen, ohne auch nur ein einziges Wort mit ihm gesprochen zu haben. Sie wusste nicht, woher er kam, wohin er wollte und wer er war. Sie wusste nur, dass sie ihn wollte, und zwar für den Rest ihres Lebens.

Laura seufzte und sah auf die Uhr. Sie hatte noch zehn Minuten Zeit, und wie sie Frank kannte, würde er sowieso nicht pünktlich sein. Sie setzte sich einen Moment auf die Stufen und sah auf den Rhein. Die Lichter der Schiffe und Straßenlaternen spiegelten sich auf dem Wasser. Damals waren sie zu dem kleinen Italiener gegangen und danach hatten sie hier gesessen und sich unterhalten. Frank war Engländer, er hatte kaum ein Wort Deutsch gesprochen. Laura musste ihre dürftigen Englischkenntnisse aus der Schule hervorkramen. Irgendwann hatten sie nicht mehr geredet. Sie waren die ganze Nacht zusammengeblieben, und als die Sonne aufging, hatte Frank sie angesehen und gefragt: »War das ein Traum? Oder gab es diese Nacht wirklich?«

Laura hatte gelacht und sich eng an ihn geschmiegt. Sie hatte es in diesem Augenblick gespürt: Dieser Mann war ihr Traummann, der Mensch, für den sie geboren worden war, und sie wusste, dass er genauso empfand. Nicht einmal ein ganzes Jahr später hatten sie geheiratet.

Sie streckte die Beine aus und sah zur anderen Rheinseite hinüber, wo zwei Hunde hinter einem Ball herliefen. Was Frank ihr wohl zum Geburtstag schenken würde? Lauras Herz schlug vor Aufregung etwas schneller. Ob er ihr rote Rosen schenken würde? Damals hatte er ihr jeden Tag Blumen geschenkt. Wann hatte das aufgehört? Laura konnte sich nicht mehr genau erinnern. Sie atmete tief ein. Das war wohl der Preis, den man zahlte, wenn das erste Verliebtsein allmählich in Liebe überging. Die Gefühle wurden tiefer, aber die gegenseitige Aufmerksamkeit nahm ab. Wie oft hatte er sie früher mit einer Einladung in ein besonderes Restaurant überrascht, mit einer Halskette oder einem außergewöhnlichen Konzertabend.

Laura betrachtete ein junges Pärchen, das Hand in Hand an der Rheinmauer entlangschlenderte. Hoffentlich bewahrten sie sich die Frische und ihre junge Liebe möglichst lange. Sie stand auf und klopfte sich den Staub von ihrem kurzen schwarzen Rock. Über der grünen Bluse trug sie eine Strickjacke aus schwarzem Kaschmir. Sie wusste, dass Frank es gern hatte, wenn sie sich elegant kleidete. Sie selbst hätte manchmal lieber zu bequemeren Stücken gegriffen, aber sie wollte Frank gern gefallen.

Langsam ging sie den Burgplatz hinauf und stellte erstaunt fest, dass Franks Wagen schon in einer Seitenstraße nahe dem kleinen Restaurant geparkt war. Gerade als sie sich näherte, löste sich ein dunkler Schatten, der dicht an dem Auto gekauert haben musste. Laura fuhr erschrocken zurück. Was war das? Hatte sich etwa jemand an dem teuren Wagen zu schaffen gemacht? Bestimmt war er interessant für Autodiebe. Sie dachte kurz darüber nach, der Gestalt hinterherzulaufen, ließ den Gedanken aber wieder fallen. Wenn irgendjemand wirklich versucht hätte, den Wagen zu stehlen, wäre die Alarmanlage losgegangen. Außerdem hatte sie extrem unbequeme Pumps an. Und der Wagen schien unversehrt zu sein. Ob die Diebe wohl zurückkommen würden? Sie sah sich um. Hier herrschte viel Betrieb, jeder Verbrecher musste damit rechnen, überrascht zu werden. Also war es äußerst unwahrscheinlich, dass es sich bei dem Schatten überhaupt um einen Autodieb gehandelt hatte. Bestimmt hatte sie sich nur getäuscht.

Laura suchte in ihrer Handtasche nach der Haarbürste, kämmte sich und steuerte auf den Italiener zu. Der Inhaber hatte gewechselt seit ihrem ersten Besuch hier, aber das Restaurant war unverändert. Als sie das Lokal erreicht hatte, sah sie schon durchs Fenster, dass es gut gefüllt war. Natürlich, es war schließlich Freitagabend. Gläserklirren, heiteres Stimmengewirr und leise Musik empfingen sie. Es duftete herrlich nach Gebratenem, Tomaten und Kräutern. Ein Kellner begrüßte sie lächelnd und fragte nach ihrem Namen. Dann führte er sie zu ihrem Tisch, in den hinteren Bereich des Lokals.

Laura stutzte. Es lag offensichtlich ein Irrtum vor. Der Mann wies auf einen Tisch, an dem bereits eine Gruppe gut gelaunter Menschen saß. Sie wollte ihn gerade auf seinen Fehler aufmerksam machen, als sie plötzlich Frank erkannte. Er saß am Kopfende und lachte über etwas, das offenbar der Mann zu seiner Rechten gesagt hatte. In diesem Moment hatten die anderen am Tisch sie entdeckt und die Unterhaltung verstummte. Frank sah auf.

»Ah, Laura.« Er stand auf, kam um den Tisch herum und küsste sie auf die Wange. »Schön, dass du da bist.«

Sie sah ihn irritiert an und sagte leise: »Wer ist das alles? Wollten wir nicht zu zweit …?«

»Natürlich, ihr kennt euch ja noch nicht …« Frank drehte sich zu den anderen Gästen am Tisch um. »Hört mal her, Leute! Das hier ist meine Frau, Laura.«

Laura nickte in die Runde. Was hatte Frank vor?

»Das ist Colin, mein Vorstandskollege, und das seine Frau Gabriele und mein Kollege Rainer.« Frank wandte sich an den Kellner, der abwartend hinter Laura stehen geblieben war. »Bitte, bringen Sie uns Champagner.«

Laura nahm zögernd Platz. Warum waren Franks Kollegen hier? Sie hatte mit ihm allein feiern wollen. Es war schließlich ihr Geburtstag.

Frank hatte sich inzwischen wieder an den Tisch gesetzt und strahlte sie an. »Laura, möchtest du die Menükarte? Wir haben schon gegessen, aber wir haben extra mit dem Dessert auf dich gewartet.«

»Wie lange seid ihr schon hier?« Die Verwirrung, die Laura eben noch gespürt hatte, ging in Verärgerung über. »Du hättest mich anrufen können. Ich bin schon länger in Düsseldorf und hätte auch früher herkommen können.«

»Das konnte ich ja nicht ahnen.« Frank lachte. »Ah, da kommt der Champagner!«

Sie stießen auf Laura an. Alle gratulierten ihr zum Geburtstag.

Der Champagner schmeckte Laura nicht und sie hatte auch keinen Appetit mehr. Also bestellte sie einen Kaffee, als die anderen ihre Dessertwünsche nannten, und hörte der oberflächlichen Unterhaltung am Tisch auch nur mit halbem Ohr zu. Zwanzig Minuten später löste sich die Runde auf. Jetzt...


Whitmore, Felicity
Felicity Whitmore, Jahrgang 1977, hat vier große Leidenschaften: England, ihre Hunde und Katzen, das Theater und das Schreiben. Sie reist regelmäßig nach England und schreibt, wann immer sie Zeit dafür findet. In ihren Bestsellerromanen beschäftigt sie sich am liebsten mit den Geheimnissen alter Häuser.

Felicity Whitmore, Jahrgang 1977, hat vier große Leidenschaften: England, ihre Hunde und Katzen, das Theater und das Schreiben. Sie reist regelmäßig nach England und schreibt, wann immer sie Zeit dafür findet. In ihren Bestsellerromanen beschäftigt sie sich am liebsten mit den Geheimnissen alter Häuser.



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