Weyhe | Afrika Momente | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 198 Seiten

Weyhe Afrika Momente


2. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7526-1458-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 198 Seiten

ISBN: 978-3-7526-1458-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Zwanzig Fotos eines Sammelalbums aus den 50iger Jahren verwandeln sich in spannende Geschichten der Begegnung von Afrikanern und Europäern des heutigen Afrikas. Sarah Bergmann hat jahrelang in Afrika gelebt. Obwohl sie sich geschworen hat, nie wieder einen Fuß auf diesen Kontinent zu setzen, reist sie noch einmal zurück. In Nairobi trifft sie sich mit Johnson, ihren ehemaligen Koch und Vertrauten. Mit ihm als Zuhörer lässt sie die Bilder lebendig werden. Zu jedem Bild eine Geschichte. Eine, die ihr wirklich widerfahren ist, eine die so hätte geschehen können, oder eine deren Verlauf sie sich so gewünscht hätte. Ohne es zu merken, lässt sie so ihr eigenes Leben in Afrika noch einmal an sich vorüberziehen. Doch auch Johnson hat noch eine Geschichte: Sie entspringt seinem Wunsch, wie es hätte zu Ende gehen können mit Sarahs Leben in Afrika.

Ihre erste Heimat liegt in München, wo sie ihre Kindheit und Jugend verbringt. 1973 macht sie sich mit ihrer kleinen Tochter auf den Weg nach Afrika, zuerst Uganda dann Kenia. Hier findet sie umgehend ihre zweite Heimat. Neben ihrer Arbeit für eine Entwicklungshilfe-Organisation setzt sie ihre Leidenschaft zum Schreiben fort. Kurzgeschichten und Reiseberichte entstehen, die in der deutschen Postille "Sundowner" erscheinen. Seit 1999 lebt sie in Andalusien und ist verliebt in ihre dritte Heimat. Hier findet sie Muße ihre begonnenen Geschichten weiterzuspinnen, neue zu erstellen. Ihr Buch "Afrika Momente" ist ihr aktuelles Werk, ein weiteres ist in Bearbeitung. Kurzgeschichten sind zu lesen bei story.one und Digital Publisher.

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Krokodilstränen
Nilkrokodile werden bis zu sechs Meter lang Der Bootsmann schöpfte das brackige Wasser aus dem kleinen Boot und zog es an den Landungssteg. Er wischte mit einem alten Lappen über die nassen Sitzbänke, während er auf die von der Lodge angekündigten Touristen wartete. Die afrikanische Sonne stand im Zenit, und er konnte nicht verstehen, wie jemand freiwillig jetzt eine Flusstour unternehmen mochte. Es war die Zeit, um im Schatten unter dem Mangobaum zu dösen. Er liebte diesen Platz, weil er dort seine Gedanken auf Safari schicken konnte. Heute aber blickte er ungeduldig in die Richtung der Lodge. Er hoffte auf ein gutes Trinkgeld, das er dringend brauchte. Seine kleine Tochter benötigte Medizin gegen Malaria. Im Dorf gab es nicht einmal eine Krankenstation, die Stadt Narok war weit entfernt. Seit fast einer Woche lag die Kleine schon mit hohem Fieber in der Hütte. Er wusste, dass dieses Fieber sie auffressen würde, wenn nicht schnell Hilfe kam. Das Geld, das er heute hoffentlich bekommen würde, wollte er gleich morgen früh dem Fahrer der Safari-Firma mitgeben, der dann in der Stadt die Medizin holen und mit nächster Möglichkeit zur Lodge zurückbringen sollte. Mit viel Glück konnte das Päckchen bis zum nächsten Abend bei ihm eintreffen. Sein Chef in der Lodge wollte ihm nichts aus seinem Medizinschrank geben. Er hatte nur mit verkniffenem Gesicht den Kopf geschüttelt. Das sei nicht erlaubt und er glaubte, dass Leute wie er die Medizin doch nur verkaufen würden. Der Bootsmann seufzte und dachte an seine Familie. Er stammte nicht aus der Gegend, sondern kam aus dem kenianischen Hochland. Den Job hatte er bekommen, weil er ganz gut Englisch sprach und über Tiere Bescheid wusste. Das kam noch aus der Zeit, als er zur Schule ging und ein indischer Geschäftsmann, bei dem sein Vater damals arbei-tete, das Schulgeld bezahlt hatte. Als der Mann plötzlich gestorben war, hatte das Geld für seine Ausbildung gefehlt, und er musste sich mit verschiedenen Aushilfsjobs durchschlagen. Jetzt war er schon das dritte Jahr im Mas-saigebiet und hatte vor zwei Jahren eine junge Massai geheiratet. Seit knapp einem Jahr hatten sie eine wunder-hübsche Tochter, die die schmalen Gesichtszüge der Mutter und die hellbraune Haut des Vaters geerbt hatte. In Gedanken versunken malte er mit einem Stock Muster in den Sand. Wenn er weiter zur Schule gegangen wäre, vielleicht wäre er heute ein richtiger Tour-Guide, hätte einen Führerschein und einen Land Rover. „David´s Tours and Safaris“ hätte auf den Türen gestanden und er würde viel Geld verdienen. Stattdessen saß er in diesem elenden Dorf fest, und vielleicht musste seine Tochter sterben, und … „Hallo, sind Sie derjenige, der uns auf die Fluss-tour nimmt?“ Er fuhr aus seinen Gedanken hoch und sprang auf. „Ja, das bin ich“, sagte er. Vor ihm stand ein wei-ßes Paar, das misstrauisch das kleine Boot musterte. Er wischte sich die Hand an seiner Hose ab und reichte sie zum Gruß. Die beiden ignorierten ihn. „Ist das Ding auch sicher? Es sieht so klein aus. Hat es einen Motor? Können uns die Hippos nicht umwerfen?“ Der junge Mann sah ängstlich aus. Er wischte sich mit einem weißen Taschentuch über das rot verbrannte Gesicht, sein Blick huschte umher. Die Frau kaute auf einem Kaugummi, kramte in ihrer goldfarbenen Handtasche, aus der sie Handspiegel und Lippenstift herausholte und sich die Lippen nachzog. Sie musterte den Bootsmann, ihr Blick wanderte langsam an seinem Körper entlang, blieb an den Muskeln seiner Oberarme hängen. „Wie heißen Sie?“, fragte sie den Bootsmann mit rauchiger Stimme und fuhr sich mit der Zunge leicht über die Lippen. „David, David Ngecha“, antwortete er. „Okay, David, ich bin Lola und das ist mein Mann Jack. Wir haben vor drei Monaten geheiratet.“ Letzteres sagte sie mit einem anzüglichen Blick in Davids Richtung. Sie war eine auffallende Erscheinung. Hochgewachsen, mit langem, über die Schulter fallendem Haar und einem rosa glänzenden Mund, dessen Lippen sie ständig mit der Zunge befeuchtete. Die kurzen safarigrünen Shorts bedeckten nur knapp ihr rundes Hinterteil. Die bunte Bluse mit Leopardenmuster war bis auf einen Knopf geöffnet und über dem Bauch geknotet. Als sie sich bückte, um an ihrem mo-dischen, ebenfalls goldfarbenen Turnschuh herumzufummeln, konnte David die üppigen Brüste deutlich sehen. Er drehte sich weg und schluckte den Speichel, der sich plötzlich in seinem Mund angesammelt hatte, hinunter. Dann reichte er der Frau die Hand, um ihr beim Einsteigen behilflich zu sein. Sie sprang auf die Bootsbank, und als das Boot gefährlich ins Wanken geriet, stieß sie einen spitzen Schrei aus und klammerte sich an Davids Hemd fest. Für einen Augenblick nahm er ihren Duft wahr. Der Mann, Jack, war unter seinem Sonnenbrand ein blasser Typ mit wässerigen Augen, die jetzt ängstlich das Ufer absuchten. „Gibt es hier Krokodile?“, fragte er, seine Hände umklammerten den Bootsrand. „Oh ja, viele, viele“, antwortete der Bootsmann. „Wir werden sie gleich sehen. Es sind Nilkrokodile. Sie können bis zu sechs Meter lang werden.“ Sie legten ab und glitten hinaus auf den ruhigen Fluss. Die Hitze war jetzt in der Mittagszeit fast unerträglich. Die Frau hob die Arme und band ihre blonden Haare umständlich zu einem Pferdeschwanz zusammen. Anschließend überprüfte sie das Ergebnis in ihrem kleinen Spiegel. Sie saß auf der Bank, die Knie gespreizt, und spielte mit dem Knopf an ihrer Bluse. Dabei ließ sie den Bootsmann nicht aus den Augen. Ihr Mann beschäftigte sich mit seiner Kamera und begann das Teleobjektiv in Richtung Flussufer auszuprobieren. „Mach ein paar Fotos von mir, Liebling, zur Erinnerung.“ Sie warf ihren Kopf zurück, wobei sich ihr Haar wieder löste, machte einen Schmollmund, lachte, schaute in die Ferne, wechselte die Positionen, während die Kamera ununterbrochen klickte. „Jetzt von uns beiden!“ Sie reichte David die Kamera, und der Mann erklärte ihm kurz die Funktionen. David sah sie jetzt durch das Objektiv und sein Blick konnte ungestört zwischen ihren Beinen ruhen. Diese Frau beunru-higte ihn zutiefst. Er begehrte sie und gleichzeitig ver-achtete er sie, denn die Frauen seines Stammes würden sich niemals so schamlos kleiden und benehmen. „Sind Krokodile eigentlich Säugetiere?“ Ihre Kulleraugen erschienen noch größer, dabei legte sie die Stirn in Falten. Jack hasste es, wenn sie sich dumm stellte, wobei er sich inzwischen nicht mehr sicher war, ob sie es wirklich nur spielte. Das Boot schaukelte leicht, und Jack fühlte sich nicht gut. Er schloss die Augen, hörte nebenbei, wie David zu ausschweifenden Erklärungen über die Fortpflanzung von Krokodilen ausholte. Seine Gedanken wanderten. Er hatte diese Reise nach Afrika nicht gewollt, er war kein Abenteuer-Typ, und ein Aufenthalt in einem Hotel am Strand hätte ihm durchaus genügt. Lola hatte jedoch darauf bestanden und Jack hatte wie immer nachgegeben. Sie hatten damals nach ihrer ersten gemeinsamen Nacht umgehend geheiratet. Jack erinnerte sich, wie seine Kollegen die Augenbrauen hochgezogen hatten, als er sie ihnen vorstellte. Er seufzte und öffnete die Augen. Lola rieb sich gerade ihre Beine und Arme mit Sonnenöl ein und fuhr mit der Hand in ihren Ausschnitt, wobei sie genüsslich die Augen schloss und ihre Zunge spielen ließ. Jack beobachtete, wie der Bootsmann ihr gebannt zusah. Jack erkannte in seinen Augen zwar Lust, jedoch auch einen anderen Ausdruck, der ihm nicht gefiel. Jack kletterte über den Sitz, packte seine Frau an den Schultern und sagte etwas zu ihr, wobei er sie leicht schüttelte. „Au, du tust mir weh!“ Sie machte sich frei, rieb sich die Schultern, und warf ihm einen ärgerlichen Blick zu. Dann lehnte sie sich zurück und ließ ihre Hand über die Bootskante ins Wasser hängen. „Vorsichtig!“, ermahnte David sie. „Die Krokodile schwimmen manchmal unter dem Boot mit. Sie sind unheimlich schnell. Es wäre schade um Ihre Hand.“ „Würden Sie mich denn retten, wenn ich ins Wasser falle?“ Lola legte den Kopf schief, machte wieder ihren Schmollmund und riss die blauen Augen weit auf. „Ja, ich würde Sie retten, aber das wollen wir nicht ausprobieren“, erwiderte David mit einem Blick zum Ufer, wo die Krokodile wie aufgereiht ruhten. „Außerdem hat es hier Flusspferde, mit denen ist auch nicht zu spaßen.“ „Und wenn meine Handtasche ins Wasser fällt, würden Sie diese retten?“ Jack stöhnte auf. „Nein“, David schüttelte den Kopf. „Wegen einer Tasche würde ich nicht mein Leben riskieren.“ „Und wenn ich Ihnen hundert Dollar geben würde?“ Lola ließ nicht locker und sah ihn herausfordernd an. „Hör auf, Lola, das ist widerlich!“ Jack sah sie voller Abscheu an. Sie lachte nur, warf den Kopf zurück und sagte: „Lass mich doch, das ist spannend. Für ihn ist das viel Geld, für dich gar nichts. Wenn...



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