E-Book, Deutsch, Band 2, 231 Seiten
Reihe: Night and Day
Westham Night and Day: Versuchung
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7392-0302-7
Verlag: BoD E-Short
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Band 2
E-Book, Deutsch, Band 2, 231 Seiten
Reihe: Night and Day
ISBN: 978-3-7392-0302-7
Verlag: BoD E-Short
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Carla Westham ist eine erfolgreiche deutsche Unternehmerin. Die Selfmade-Millionärin ist begeisterte Hobbypilotin und Rennfahrerin. Sie lebt seit Jahren mit ihrer Familie in Südafrika. 'Night and Day: Gefallener Engel' ist ihr Debütroman, 'Night and Day: Versuchung' ergänzt nun die zweiteilige Reihe.
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Kapitel 1
Michael Clay lehnte erschöpft am großen Fenster seines Wohnzimmers im 26. Stock und kühlte die Stirn an der Glasfläche. Seit Stunden versuchte er nun schon, seine Gedanken und seine Gefühle zu sortieren. Die Erlebnisse der vergangenen Nacht hatten seine Emotionen auf Alarmstufe Rot gesetzt, das freigesetzte Adrenalin schmierte den Gefühlsmotor, der ihm, einmal in Gang gesetzt, gnadenlos den Schlaf raubte.
Sein Gesicht war gezeichnet vom Schlafentzug, seine Augen umrahmten dunkle Schatten, trotzdem war er nicht imstande, auch nur ein paar Minuten zu schlafen. Wieder lief er die Strecke zwischen der großzügigen Küche und dem Wohnzimmerfenster ab, seine Hände mit den vom Faustschlag aufgeschürften Knöcheln fuhren immer wieder unbewusst durch die zerzausten Haare, dann über sein Gesicht und blieben schließlich an seinem Bart hängen, den er sonst so sorgfältig pflegte, doch jetzt ein wenig verfilzt schien.
Wie in Slow Motion erschienen die Bilder der vergangenen Nacht vor seinem geistigen Auge. Sophie, wie sie in dieser dunklen Folterkammer nackt und apathisch von der Decke hing, an einem Karabiner gefesselt. Das schmerzverzerrte Gesicht Peters, als seine Faust mit voller Wucht dessen Jochbein zertrümmerte, die Angst und die Wut, die er spürte und schließlich die große Erleichterung, dass Sophie noch lebte.
Die Emotionen, die er empfand, als er erfuhr, dass Sophie schon wesentlich älter war als er bisher geglaubt hatte, eine Tatsache, die ihn unglaublich erleichterte. Und nicht zuletzt die bewegende Fahrt nach Hause, in deren Verlauf er ihr seine Liebe beteuerte und einen Heiratsantrag machte; es waren aufwühlende Erlebnisse, die er nun verarbeiten musste.
Bei dem Gedanken an diesen einzigartigen Moment musste er unwillkürlich schlucken, er hatte seine Liebe zu ihr tatsächlich ausgesprochen und er bereute seinen Schritt nicht. Mit diesem einen bewegenden Liebesbeweis war ihm schlagartig klar, dass dies sein Leben von Grund auf verändern würde und es war richtig so. Sophies Gesicht erschien wieder in seiner Erinnerung, wie sie glücklich lächelte und seinen zarten Kuss erwiderte.
Er hatte noch den Duft ihres Haares in der Nase und ein Lächeln spielte um seinen Mund. Wie gut es tat, sie in seinen Armen zu spüren, ihre Nähe, ihre Wärme und ihr Vertrauen. Er schloss die Augen und seufzte tief.
Nur unter Aufbietung aller Überzeugungskraft konnte ihn Cathy schließlich davon überzeugen, Sophie zurück in ihr Zimmer zu bringen. Er verließ sie erst, als der von Cathy herbeigerufene Arzt ihr Zimmer betrat. Er hatte sie noch den ganzen Weg vom Auto bis in ihr Zimmer in seinen Armen gehalten, am liebsten hätte er sie gar nicht mehr losgelassen. Sophie war extrem müde, sie war erschöpft, aber erstaunlich gesammelt. Wie tapfer sie alles ertragen hatte!
Immer wieder musste er über ihre Fähigkeit, Schmerzen und Leid zu ertragen, staunen. Gemessen an dem was sie bisher durchmachen musste, war ihr stabiler seelischer Zustand mehr als überraschend. Er empfand eine tiefe Bewunderung für das Mädchen, das er zu seiner Frau nehmen wollte, sie war so stark und doch wirkte sie so zerbrechlich. Er vermisste sie jetzt schon, nach ein paar Stunden, aber sie allein zu lassen war für alle die bessere Entscheidung. Sie wurde nun medizinisch und psychologisch betreut und er gab sie vertrauensvoll in die Obhut Cathys, die das Richtige zu tun schien.
Das Licht der Sonne blendete ihn auf einmal, als sie über den Häuserzeilen auftauchte und mit einer erstaunlichen Kraft, die schon die warmen Sommermonate erahnen ließ, in sein Gesicht schien. Er drehte sich vom Fenster weg und sah auf die Uhr, es war 6.30 Uhr morgens. Er hatte die ganze Nacht kein Auge zugebracht, aber er fühlte sich nicht müde, erstaunlich, was ein Mensch so leisten kann, wenn er unter Hochspannung steht.
Ein leises Geräusch vom Korridor ließ ihn aufhorchen. Mit einem vorsichtigen „Mr. Clay?“ erschien seine Hausdame Zoe in der Tür und schaute ihn ungläubig an: „Sie sind schon wach? Ich hatte sie nicht so früh erwartet!“
„Es war eine unruhige Nacht“, kam es lapidar von seinen Lippen. Das war die Untertreibung des Jahrhunderts! „Ich würde ganz gerne noch etwas Warmes trinken, bevor ich mich anziehe, wären sie so nett und bereiten mir einen Cappuccino, Zoe?“
„Aber natürlich, Mr. Clay, kommt sofort!“
Mit einem Lächeln registrierte er ihre plötzliche Entschlossenheit, Zoe erschien genau zum richtigen Zeitpunkt. Seufzend entschloss er sich, den Tag zu nehmen wie er ist und vielleicht früher aus dem Büro zu gehen, je nachdem, wann die Müdigkeit ihn überfallen würde. Denn sie würde ihn irgendwann einholen, spätestens wenn er zur Ruhe kommt, das wusste er.
Der heiße Cappuccino vertrieb seine Gedanken und die Müdigkeit, setzte aber auch Hungergefühle in Gang. Er streute etwas Zucker über den Milchschaum und löffelte ihn mitsamt dem Zucker vorsichtig in den Mund. Er schmeckte herrlich und brachte die Lebensgeister wieder ein bisschen zurück, die sich schon schlafen gelegt hatten.
„Ich komme dann in einer halben Stunde zum Frühstück, Zoe! Ich brauche noch etwas Zeit im Bad.“ Damit verschwand er in seinem Schlafzimmer, das in dieser Nacht völlig unberührt geblieben war.
Wie aus dem Ei gepellt, saß er eine halbe Stunde später lässig im Dreiteiler auf seinem Barhocker und las in der Times, er hatte es heute nicht eilig. Sein Jackett hatte ihm Zoe über den Stuhl gehängt.
Punkt 7.30 Uhr läutete es an seiner Haustür. Er erwartete keinen Besuch, aber es war ihm fast klar wer da an der Tür stand. Theo war bereits am Lift und ließ die beiden Besucher herein.
Michael erhob sich höflich und begrüßte Sophies Schwester Eva mit einem Nicken. Er respektierte ihren Unwillen, anderen Leuten die Hand zu geben und wartete, ob sie auf ihn zugehen würde. Und sie streckte ohne zu zögern ihre Hand aus und griff die Seine. Es war ihre Art ihm ihre Sympathie zu zeigen, da war er sich sicher, wieder einen Schritt weiter, dachte er ganz nebenbei.
Eva sah trotz der frühen Morgenstunden wieder mal umwerfend aus. Sie hatte einen schwarzen, eng anliegenden Overall an, der tief dekolletiert war und ihre Taille umspielte ein Strass besetzter Gürtel mit Nieten und Perlen. In den Ohren staken zwei Brillanten, sonst waren keine Accessoires zu sehen. Ihr Make-up war wie immer perfekt, ein dunkles Grau verschwamm mit dem schwarzen Kajal zu einem malerischen Passepartout für ihre tiefblauen Augen. Nur an den Augen konnte Michael überhaupt erkennen, dass sie ebenfalls müde war, das Weiß ihrer Augen war rot durchädert. Erstaunlich, dass diese Frau überhaupt jemals müde wurde!
Sie stellte ihm den Mann an ihrer Seite vor. „Michael, das ist Professor Shelby, er behandelt Sophie schon seit Jahren und war heute Nacht sofort zur Stelle, um Sophie aufzufangen.“
Ihre Stimme war wie immer kalt und emotionslos, und doch kam der Ton nicht ganz so sicher, wie sonst bei ihren Auftritten. Michael vermutete, dass sie etwas nervös war, ließ sich aber nichts anmerken und begrüßte den untersetzten Mann an ihrer Seite mit einem freundlichen Händedruck.
Professor Shelby schien in seinen späten 50er Jahren zu sein, sein Gesicht so zerknittert wie sein Anzug, aber er wirkte dadurch sehr sympathisch. Er lächelte freundlich, kleine Fältchen umspielten dabei seine Augen. Eine dicke Hornbrille dominierte sein Gesicht, die seine Augen größer erschienen ließ, als sie wirklich waren, es war, als könnte er durch einen Menschen hindurch blicken, was für seinen Beruf sicherlich förderlich war.
Vermutlich hat man ihn mitten in der Nacht geweckt und er mußte Hemd und Anzug im Dunkeln anziehen! Michael lächelte in sich hinein, denn es fiel ihm auf, dass der Professor vergessen hatte, ein paar Knöpfe an seinem Hemd zu schließen. Das störte im Gesamtbild nicht weiter, aber Michael sah es sofort, denn er hatte einen Blick für solche Details. Auch der Hemdkragen saß nicht richtig, eine Krawatte hatte er erst gar nicht an. Trotzdem passte es zu dem freundlichen Typ Mensch, der nun vor Michael stand und sich als Professor Chris Shelby vorstellte.
„Möchten sie sich setzen? Kaffee oder Tee?“ Zoe stand schon aufmerksam, aber nicht aufdringlich neben ihm. Beide Besucher schüttelten nun den Kopf und Zoe zog sich dezent zurück, um sich wieder mit dem Frühstück zu beschäftigen. Eva schien es kaum erwarten zu können, sich dem Thema zu widmen, weswegen sie gekommen waren.
„Mr. Clay, Cathy hatte mich diese Nacht noch angerufen und ich bin sofort hergekommen. Sophie wird ein paar Tage in meine Klinik kommen und dort unter Beobachtung gestellt.“
Michael atmete tief ein. „Wie geht es ihr jetzt?“
„Sie ist stabil, erstaunlich stabil! Außerdem hat sie ordentlich blaue Flecken, aber die Schmerzen sind nicht das was mir Sorgen macht, es sind die psychischen Folgen, die ich befürchte. Aber noch zeichnet sich kein Rückfall in ihre frühere Psychose an, sie scheint ein festes Ziel zu haben und da haben sie einen nicht unerheblichen Anteil daran.“
Er lächelte jetzt aufmunternd. „Sind sie denn soweit ok? Brauchen sie irgendwelche Hilfe? Sie haben ja sicher auch einiges durchgemacht heute Nacht?“
Michael war von seiner Anteilnahme...




