Weng | Die Modeschöpferin von Manhattan | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Weng Die Modeschöpferin von Manhattan

Roman
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-8412-3627-2
Verlag: Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

ISBN: 978-3-8412-3627-2
Verlag: Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Haute Couture der Liebe. 

August, 1939: Die Welt steht am Abgrund, doch Manhattan tanzt - in den Kleidern von Valentina Schlee, den exquisitesten Kreationen der Welt. Die Modeschöpferin und ihre junge Assistentin Daisy arbeiten nur für die reichsten, schönsten und glamourösesten Damen der Gesellschaft: Marlene Dietrich, Katharine Hepburn und vor allem eine - die große Greta Garbo. Doch während Daisy sich zu einem Mann hingezogen fühlt, den sie nicht lieben darf, merkt sie bald, dass auch Valentina ein Geheimnis mit sich trägt ... 

Ein facettenreicher Roman über eine riskante Liebe inmitten der goldenen Ära Hollywoods.



Joan Weng, geboren 1984, studierte Germanistik und Geschichte und promoviert über die Literatur der Weimarer Republik. Im Aufbau Taschenbuch sind ihre Romane 'Die rote Tänzerin', 'Amalientöchter', 'Das Café unter den Linden', 'Die Frauen vom Savignyplatz', 'Die Damen vom Pariser Platz' und 'Die rote Tänzerin' sowie die Kriminalromane 'Feine Leute' und 'Noble Gesellschaft' lieferbar. Mehr zur Autorin unter joanweng.de
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Kapitel 1


Manhattan 20. August 1939

Der Sommer war drückend heiß und voller Hoffnung – man hoffte auf andauernden Frieden in Europa, man hoffte auf einen wirtschaftlichen Aufschwung oder wenigstens auf einen neuen Garbo-Film.

Daisy Goldenblatts Eltern jedoch hofften vor allem auf eines: einen Heiratsantrag von Alistair Fraser, von den Frasers aus Louisville.

Der wirtschaftliche Aufschwung kam, das sah Daisy allenthalben. Es war, als durchströme ein großes Aufatmen ganz Amerika: aufwärts, nach zehn quälenden Jahren Wirtschaftskrise, endlich wieder aufwärts.

Überall wurde das Wunder sichtbar: Die zerlumpten Arbeitslosen, die rachitischen Kinder, die mageren Frauen, die sich in löchrigen Strümpfen feilboten, all diese Schreckgespenster des Schwarzen Freitags waren plötzlich verschwunden, oder zumindest schrumpfte ihre Zahl.

Roosevelt hatte es geschafft.

Ein neuer Garbo-Film würde auch kommen oder wurde zumindest aktuell gedreht, eine Komödie sollte es sein. Etwas Lustiges über Russen und Stalin und die große Liebe würde es werden – so hatte es Daisy zumindest gerade in der Zeitung gelesen.

Eigentlich las sie nicht gerne Zeitung, all die unerfreulichen Dinge darin gingen ihr auf die Nerven.

Nur hatte der Herr, der seit der Station Wall Street in der Subway neben ihr gesessen hatte, seine Blätter so umfassend ausgebreitet, dass Daisy schon die Augen hätte zukneifen müssen, um dem baldigen Garbo-Film zu entgehen.

Und auch in Europa schien sich die Lage gut zu entwickeln, der Frieden würde halten. Verhandelten all diese grauen Anzugträger nun nicht schon seit Wochen sehr öffentlich im Geheimen mit Josef Stalin, um diesen hässlichen kleinen Deutschen von allen Seiten einzukeilen?

Zumindest glaubte Katej, Daisys Kollegin bei Valentina Schlee Couture, fest an Genosse Stalins guten Willen, verteidigte dessen Kriegshass gerne laut und wortreich. Der Sozialismus per se war ja schon ein Garant für den Frieden und wer war mehr davon beseelt als der große Genosse Stalin? Da reichte Katej ein Blick in seine seelenvoll dunklen Augen.

Daisy für ihren Teil hegte Zweifel daran – doch da sämtliche Männer in ihrer Familie fanden, Frauen sollten sich keine politische Meinung anmaßen, hielt sie sich mit dieser Einschätzung zurück.

In New York hatte man vielleicht im Moment eine politische Meinung, aber hier trugen die Damen auch Taschen mit Bambushenkeln, und beides war im Süden im wahrsten Sinne des Wortes untragbar. Man konnte da fragen, wen man wollte.

Eine Frau mit politischer Meinung war einfach ungehörig. Was käme dann bitte als Nächstes? Krokodilleder nach fünf Uhr?

Daisy stammte aus Savannah, tief im Süden. Wie froh sie war, von dort fortgekommen zu sein. Und wie froh sie war, dass heute Montag war. Vergnügt ließ sie ihre Handtasche am Bambushenkel hin und her schlenkern.

Montag war der beste Tag der Woche, genau wie Samstag der gefährlichste war: Samstags war das Risiko eines Heiratsantrags am höchsten, Sonntag war auch noch nicht ohne, aber niemand hielt montags um die Hand einer Dame an – am allerwenigsten Alistair Fraser von den Frasers aus Louisville. Der tat sowieso nie etwas, was sich nicht gehörte.

»Hast du den Sonntag überstanden, oder muss ich kondolieren? Ich meine natürlich: zur Verlobung gratulieren?«, rief Katej nun auch sehr passend, gerade als Daisy aus der herrlichen Kühle der Subway-Unterführung hinaustrat. Es war, als liefe sie gegen eine heiße, nach Abgasen stinkende Wand. Ihr luftiges, bunt gestreiftes Leinenkleid begann fast sofort an ihr zu kleben.

»Ah, ich sehe schon: Du bist entkommen.« Lachend hakte sich Katej bei ihr ein, fragte dann: »Was hast du ihm gesagt?«

»Sommergrippe.« Daisy hustete einige Male demonstrativ, aber es gab eben Dinge, die waren unausweichlich, und seit zwei Wochen war Alistair nun fertiger Jurist, ein Einstieg in die Kanzlei von Daisys Vater war für Oktober geplant, weshalb ihre Mutter und ihre zukünftige Schwiegermutter ihr auch schon reichlich hektisch Briefe schrieben.

Woran lag die Verzögerung? Warum hatte Alistair ihr noch immer keinen förmlichen Antrag gemacht?

War Daisy nicht extra seinetwegen und wegen seines – reichlich extravaganten – Wunsches, in New York zu studieren, in diesen Moloch von einer Stadt gezogen? Als ob es im Süden keine Universitäten gäbe! Hatte sie nicht nur seinetwegen bald zwei Jahre unter diesen barbarischen Yankees und fern von ihrer Familie gelebt? Nun ja, bei Tante und Onkel, aber trotzdem.

Ihre Mütter wollten endlich mit den konkreten Planungen für die Hochzeitsfeierlichkeiten beginnen – am besten wäre das letzte Septemberwochenende, denn im Oktober verfärbte sich das Laub schon, und das würde einen ziemlich grässlichen Hintergrund zu Daisys rotblondem Haar abgeben.

»Was meinst du, Katej? Wie lange kann ich krank bleiben? Wie lange dauert so eine Sommergrippe denn schlimmstenfalls?«

»Ach, bei Grippe weiß man nie. Das ist tückisch, da gibt’s auch immer mal einen Rückfall. Schonung ist das Beste und strikt keine emotionale Aufregung.« Katej zwinkerte ihr vergnügt zu. »Überhaupt warst du schlau, gestern direkt nach dem Film heimzugehen. Freddy ist so eine Landplage, wenn er getrunken hat. Also den heirate ich bestimmt nicht!«

Katej war auch noch nicht verlobt, was daran lag, dass sie sich einfach nicht entscheiden konnte. New York war voll von Kandidaten, und wenn man sich erst einmal festgelegt hatte, dann war der Spaß vorbei. Endgültig. Dann gab es nur noch Haushalt und Kinder und nie mehr schöne Kundinnen bei Valentina Couture und durchtanzte Nächte.

»Dabei hat er doch – ich zitiere – ›den prächtigsten Schnurrbart von ganz Manhattan‹«, stichelte Daisy gut gelaunt, während sie an sommerlich dekorierten Schaufenstern vorbeieilten. Man trug nun wieder Pastell und gerne auch gestreift.

»Also heiratest du dann doch Mick? Ich kann dir sagen, so eine Festanstellung bei der Vertretung von Shell Oil, das ist viel wert.«

»Hör mir auf mit Festanstellung. Mit dem war ich ja am Samstag weg, und um den zu ertragen, musste ich drei Blue Mondays trinken. Von dem ganzen Zucker habe ich bestimmt zugenommen.«

Daisy musterte Katejs gertenschlanke Erscheinung in ihrem blau-weißen Lieblingskleid, todschick mit neuem Strohhütchen und Handtasche mit Bambushenkel.

»Nein, ich glaube, es ist alles in Ordnung«, gab sie Entwarnung, aber Katej schien ihr nicht zu glauben und erklärte: »Ich versuche ab heute eine neue Diät. Die macht Mae West auch, habe ich gehört, als die Crawford es Madame Valentina erzählt hat. Weil Madame sich doch weigert, mit der West zu arbeiten, weil die – jetzt zitiere ich – ›ein Gesicht wie ein Pfannkuchen hat, aber keiner von der leckeren Sorte‹.«

»Aber du bist viel schlanker als Mae West, sonst hätte Madame dich auch nie eingestellt«, gab Daisy zu bedenken. »Ich glaube nicht, dass du Diättipps brauchst. Und außerdem arbeitet Madame mit der West nicht, weil die über Madame gesagt hat, sie sähe aus wie ein Suppenhuhn von der Heilsarmee.«

»Die ist aber echt lecker, also die Hühnerbrühe von der Heilsarmee, meine ich. Ich hab die als Kind öfters gegessen«, wandte Katej ein, und wie immer, wenn sie nachdachte, blieb sie erst einmal stehen. Dabei hatten sie es mal wieder furchtbar eilig, um fünf vor acht musste aufgeschlossen werden, damit sie Schlag acht in ihren schönen Salesdresses am Schreibtisch sitzen und die Morgenpost sortieren konnten. Um halb neun würde Katej damit beginnen, die unwichtigeren Korrespondenzen in die Maschine zu hacken, während Daisy rasch noch einmal durch den Verkaufsraum von Valentina Couture eilen, das wachsame Auge schweifen lassen würde.

Auf der Suche nach – was?

Vielleicht einem Stäubchen oder einem welken Rosenblatt? Sie erkannte einen Makel, wenn sie ihn sah.

Nach nun mehr zwei Jahren in ihrer Stelle wusste Daisy, worauf die große, die gottgleiche Valentina Schlee Wert legte: vollkommene Perfektion.

Nicht mehr und nicht weniger.

Und der Verkaufsraum hatte das zu...



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