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E-Book, Deutsch, Band 3, 212 Seiten

Reihe: Philosophische Bücherei

Wember Dreigliederung

Eine aktuelle, allgemeinverständliche Einführung in Rudolf Steiners Entdeckungen zu einer heilsamen Organisation der Weltgesellschaft
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-943731-61-3
Verlag: Stratosverlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Eine aktuelle, allgemeinverständliche Einführung in Rudolf Steiners Entdeckungen zu einer heilsamen Organisation der Weltgesellschaft

E-Book, Deutsch, Band 3, 212 Seiten

Reihe: Philosophische Bücherei

ISBN: 978-3-943731-61-3
Verlag: Stratosverlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das Buch ist die derzeit beste Einführung in Rudolf Steiners Ideen zur Dreigliederung des sozialen Organismus. Es ist verständlich geschrieben, es liefert viele anschauliche Beispiele. Fachleute haben es geprüft und empfohlen. Es ist der 1. Band. Band 2 liegt vor unter dem Titel «Dreigliederung leben».

Dr. Valentin Wember war jahrzehntelang Waldorflehrer aus Überzeugung, zuletzt als pädagogischer Schulleiter in der Schweiz. Er arbeitet seit 2003 in der Lehrerbildung und als Schulberater in Europa, Asien, Afrika, Australien und Nordamerika. Zahlreiche Buchveröffentlichungen, u.a. «Die Fünf Dimensionen der Waldorfpädagogik», «Was will Waldorf wirklich?»; «Wie entwickelt man Erkenntniskräfte und wie möglichst nicht?»; «Willenserziehung»; «Wille zur Verantwortung»; «Management».

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1 Sieben Fragen
1. Ernährung und Krankheit
Undankbarkeit ist eine Untugend. Fangen wir deshalb an mit einem der größten Erfolge, den sich die Menschheit auf ihre Fahnen schreiben darf: Der Anteil an unterernährten Menschen der Weltbevölkerung hat sich in den letzten fünfzig Jahren mehr als halbiert. 1970 waren 28 Prozent der Weltbevölkerung unterernährt. Im Jahr 2015 waren es nur noch 11 Prozent.[3] Es handelt sich um einen Erfolg, der immer noch zu wenig bekannt ist. Allerdings sollte man ihn nicht isoliert betrachten, denn auf der anderen Seite stehen den weltweit 800 Millionen unterernährten Menschen groteskerweise 1,9 Milliarden Erwachsene gegenüber, die übergewichtig oder fettleibig sind. (Stand 2018)[4] In einigen Ländern nimmt das dramatische Ausmaße an: 43 Prozent der Kinder in den USA sind übergewichtig. Genauer: 30 Prozent der US-Kinder haben nicht ein bisschen Übergewicht, sondern massives Übergewicht, also einen Body-Mass-Index von >30. Und weiter: In der Führungsmacht der westlichen Welt leiden 50 Prozent der erwachsenen Bevölkerung unter chronischen Erkrankungen. Dazu zählen Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Krebs, Autoimmunerkrankungen – und das im Land mit der größten Wirtschaftskraft der Welt. Man sollte erwarten, dass die USA aufgrund ihrer Wirtschaftskraft ein Gesundheits-Paradies sind. Das Gegenteil ist der Fall. Die Hälfte der US-amerikanischen Erwachsenen ist auch seelisch so instabil, dass sie Medikamente nehmen müssen, durch die ihre seelische Verfassung gefestigt werden kann.[5] Mit der Zunahme der Übergewichtigkeit hängt ein massiver Anstieg von Krankheiten und Todesfällen zusammen: Im Jahr 2000 starben auf unserem Planeten 900.000 Menschen an Diabetes, im Jahr 2019 waren es bereits 1,4 Millionen. Herzerkrankungen und Schlaganfälle waren im Jahr 2019 weltweit die häufigsten Erkrankungen und verursachten 15 Millionen Todesfälle – im Jahr 2000 waren es noch 12 Millionen.« Zum Vergleich: die Zahl der weltweiten Kriegstoten im Jahr 2019 betrug 54.000.[6] Rechnet man die 7,7 Millionen Raucher hinzu, die an den Folgen des Rauchens gestorben sind, so fallen auf jeden Kriegstoten 420 Tote durch Zivilisationskrankheiten. Der normale, alljährliche Wahnsinn ruinierter Gesundheit ist vierhundertfach tödlicher als alle Kriege zusammen. Durch eine Steuerung der Aufmerksamkeit auf Kriege wird das verdrängt. Jeder Krieg ist furchtbar und das Sterben im Krieg ist grausam, dreckig und brutal. Aber die Folgen des Krieges werden verschlimmert, wenn die militärischen Kriege von dem 400-fach tödlicheren Krieg ablenken, den wir durch unsere Zivilisation gegen uns selbst führen. Auch an Hunger sterben weltweit immer noch viermal mehr Menschen als durch Krieg. Der positive Sachverhalt der weltweiten Verringerung von Unterernährung sollte also nicht blind dafür machen, dass es parallel eine konterkarierende Entwicklung gibt. Hinter den benannten Sachverhalten verbirgt sich als wesentliche Ursache u.a. der Faktor Stress [7],[8], der von unseren Lebensverhältnissen ausgeht. Abermillionen Menschen haben das Gefühl, keine Kontrolle über das eigene Leben zu haben. Sie fühlen sich anonymen Verhältnissen ausgeliefert. Sie haben keinen Einfluss auf diejenigen Instanzen, die ihr Arbeitsleben bestimmen und sie leben deshalb in einer existenziellen Unsicherheit. Der kanadische Arzt Dr. Gabor Maté hat die Lebensverhältnisse der westlichen Welt aus diesem Grund toxisch genannt.[9] Frage 1 Was läuft in den modernen Gesellschaften falsch, sodass sie krankmachend und 400-fach tödlicher als alle Kriege sind? Worin liegen die systemischen Ursachen? 2. Zwangsarbeit und Bullshit-Arbeit
Zu den erfreulichen Entwicklungen der Menschheit in den letzten Jahrhunderten gehört die Reduktion der Zwangsarbeit. Um das Jahr 1800 war Zwangsarbeit in so gut wie allen Ländern legal oder wurde sogar vom Staat selbst praktiziert. Heute ist sie international geächtet – ein bedeutsamer Fortschritt.[10] Auf der anderen Seite darf diese Entwicklung nicht darüber hinwegtäuschen, dass nach Schätzung der International Labour Organisation »immer noch jährlich 150 Milliarden US-Dollar mit Zwangsarbeit erwirtschaftet werden. Man geht davon aus, dass 21 Millionen Männer, Frauen und Kinder in Zwangsarbeit als »moderne Sklaven« gefangen sind – also grob die Bevölkerung von Australien und Neuseeland zusammengenommen. Die große Mehrheit von ihnen – fast 19 Millionen – werden durch privatwirtschaftliche Akteure, in der Hauptsache Unternehmen, ausgebeutet.[11] »Die meisten Sklaven der Neuzeit arbeiten nicht in den zertifizierten Fabriken der Markenhersteller, sondern in den Minen, auf den Feldern und Plantagen der Globalisierung. Dort werden die Rohstoffe produziert oder gefördert.«[12] Die modernen Sklaven in den Minen zum Abbau von seltenen Erden für Mobiltelefone oder moderne Batterien sind zudem nur eine Seite der modernen Arbeitswelt. Es gibt groteskerweise auch die entgegengesetzte. 2018 veröffentlichte David Graeber, Wirtschaftsprofessor an der London School of Economics, sein Buch »Bullshit-Jobs. Vom wahren Sinn der Arbeit«. »Bullshit-Jobs« sind – im Unterschied zu »Shit-Jobs« – Arbeiten, die völlig sinn- und nutzlos sind. ShitJobs sind anstrengende Arbeiten, die sehr schlecht bezahlt werden, aber es sind Arbeiten, die einen Sinn haben, nämlich etwas herstellen, reinigen oder Instand halten. Die Kinderarbeit in einer Mine im Kongo ist ein menschenrechtsverletzender, brutaler Shit-Job. Im Unterschied dazu werden Bullshit-Jobs zwar meist ordentlich bezahlt, aber die Tätigkeiten sind komplett sinnfrei. Graeber definiert einen Bullshit-Job folgendermaßen »Es ist eine Arbeit, deren Existenz selbst derjenige Mensch nicht rechtfertigen kann, der diese Arbeit ausübt.« Beispiele sind Rezeptionisten in Büros, in denen so gut wie nie Menschen zu Terminen erscheinen oder anrufen. Der Mensch an der Rezeption habe – so Graeber – nur den Sinn, dass sich irgendwelche Vorgesetze besser fühlen. Einen Bullshit-Job haben Firmen-Anwälte, die nur deshalb angestellt sind, weil die Konkurrenz auch welche hat. Einen Bullshit-Job haben die »Kästchenankreuzer«, die durch Papierkram so tun müssen, als ob sie eine Aufgabe verrichten. Und schließlich gibt es noch den Bullshit-Job der Aufgabenverteiler, die Menschen managen, die gar nicht gemanagt werden müssten. Aber die schockierende Nachricht kommt erst: In Umfragen würden – so Professor Graeber – rund vierzig Prozent der Menschen zwischen 15 bis 50 Jahren behaupten, dass es keinen Unterschied mache, wenn ihr Job wegfalle. Sie halten also ihre Arbeit für überflüssig. Und weiter: Der Gallup Engagement Index von 2021 gibt an, dass 68 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland nur noch Dienst nach Vorschrift machen.[13] Zur sinnlosen Arbeit und zur trostlos-resignierten Arbeit kommt noch Arbeitslosigkeit hinzu. 1 Prozent Anstieg der Arbeitslosigkeit erzeugt einen 5-Prozent-Anstieg der Hospitalisationen aus psychischen Gründen.[14] Wer selbst hauptsächlich einer sinnhaften Arbeit nachgehen durfte, für den sind diese Größenordnung und das damit verbundene Leid unvorstellbar. Der Mensch ist dazu veranlagt, schöpferisch zu sein. Wird ihm das verunmöglicht, so wird er seiner Menschenwürde beraubt – und zwar in einem weit schlimmeren Maße als durch das Phänomen der entfremdeten Arbeit, das Karl Marx in seinen Frühschriften analysiert hat.[15] Kein Wunder, dass sich die wirtschaftlichen und politischen Führungskräfte der Welt Gedanken darüber machen, ob es nicht schlechterdings zu viele überflüssige Menschen auf dem Planeten gibt und wie man das Problem lösen könnte. Frage 2 Was läuft falsch, wenn es derart empörende Formen von Arbeit in einem solchen Ausmaß gibt? Was sind die systemischen Ursachen? Wo liegen die tieferen Wurzeln? 3. Armut und Reichtum
Der schwedische Arzt Hans Rosling, Entwicklungshelfer und Autor des Weltbestsellers »Factfulness«, hat in zahlreichen Beiträgen eine positive Entwicklung der weltweiten Einkommen konstatiert.[16] Dazu hat Rosling vier Einkommensniveaus unterschieden: Ungefähr eine Milliarde Menschen leben auf Stufe 1. Sie verdienen ein Einkommen von unter 2 Dollar pro Tag. Auf Stufe 2 lebt die größte Gruppe der Weltbevölkerung: ca. 3 Milliarden. Sie haben ein Einkommen von unter 8 Dollar pro Tag. Weitere 2 Milliarden Menschen leben bereits auf Stufe drei mit einem Einkommen zwischen 8 und 32 Dollar pro Tag. Auf Stufe 4 (mehr als 32 Dollar pro Tag) lebt weltweit eine Milliarde Menschen. Wenn man die Aufteilung so wählt, wie Hans Rosling das aus guten Gründen gemacht hat[17], dann kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die große Mehrheit der Weltbevölkerung (fünf von insgesamt sieben...



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