Wells / Schulze | Im Jahre des Kometen | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 314 Seiten

Reihe: Science Fiction & Fantasy bei Null Papier

Wells / Schulze Im Jahre des Kometen

Phantastischer Roman
Überarbeitete Fassung
ISBN: 978-3-95418-932-8
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Phantastischer Roman

E-Book, Deutsch, 314 Seiten

Reihe: Science Fiction & Fantasy bei Null Papier

ISBN: 978-3-95418-932-8
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



William Leadford, ein Vertreter der britischen Arbeiterklasse und Unterschicht, sieht sich um sein Glück betrogen. Überall wittert er Verschwörungen und Unterdrückung. Er fühlt sich missbraucht und ausgebeutet durch seinen Vermieter, den Pfarrer, den reichen Nebenbuhler seiner Auserwählten - kurz: durch die Oberschicht. Als er das Liebepaar am Strand mit einer Waffe stellen will, greift auch noch die deutsche Kriegsmarine an. Und als würde es noch nicht der Katastrophen genug sein, sieht man am Himmel einen Kometen auf die Erde zurasen. Doch der Komet wird anders auf die Menschheit einwirken als erwartet. Null Papier Verlag

Herbert George Wells (21. September 1866 - 13. August 1946) war ein englischer Schriftsteller und Vorreiter der Science-Fiction-Literatur. Als ausgebildeter Historiker und Soziologe schrieb er Romane, Kurzgeschichten und wissenschaftliche Abhandlungen. Seine größten Erfolge waren die beiden Science-Fiction-Romane'Der Krieg der Welten' und 'Die Zeitmaschine'.
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Erstes Kapitel – Staub im Schatten


I.


Ich habe mir vorgenommen, die Geschichte der »großen Wandlung« zu schreiben, soweit sie mein eigenes Leben und das Leben einiger eng mit mir verbundener Menschen berührt hat, und zwar ursprünglich nur zu meinem eigenen Vergnügen.

Vor langer Zeit schon, in meiner herben, unglücklichen Jugend, regte sich in mir der Wunsch, ein Buch zu schreiben. Heimlich zu kritzeln und mich als Schriftsteller zu träumen, war einer meiner Hauptgenüsse, und voll Mitempfindung und Neid las ich jeden Fetzen über die Welt der Literatur und das Leben von Literaten, den ich nur erwischen konnte. Selbst inmitten des gegenwärtigen Glücks ist es mir noch ein Genuß, daß ich Muße und Gelegenheit finde, diese alten, hoffnungslosen Träume wieder aufzunehmen und teilweise zu verwirklichen. Aber das allein, glaube ich, würde in einer Welt, in der für einen alten Mann so vieles zu tun ist, was ein lebhaftes und stets wachsendes Interesse bietet, noch nicht genügen, mich an den Schreibtisch zu treiben. Ich sehe, daß eine solche Zusammenfassung meiner Vergangenheit, wie sie dieser Bericht mit sich bringen muß, notwendig wird für meinen eigenen, sicheren, geistigen Zusammenhang. Der Gang der Jahre bringt den Menschen schließlich zum Rückblick; mit Zweiundsiebzig ist einem die eigene Jugend weit wichtiger, als mit Vierzig. Und ich habe den Kontakt mit meiner Jugend verloren. Das alte Leben scheint mir so abgeschnitten vom neuen, so fremdartig und unvernünftig, daß ich bisweilen finde, es grenzt ans Unglaubliche. Die Daten sind dahin, die Orte, die Gebäude. Neulich, auf meinem Nachmittagsspaziergang übers Moor, da, wo ehedem die düsteren Ausläufer von Swathinglea sich nach Leet zu erstreckten, blieb ich wie erstarrt stehen und fragte mich: Hab ich wirklich hier im Gestrüpp, zwischen Abfall und Scherben gekauert und – mordbereit – meinen Revolver geladen? so etwas je in meinem Leben denkbar? War eine derartige Stimmung, ein solcher Gedanke, ein solches Vorhaben jemals möglich bei mir? Hat nicht vielmehr irgendein wunderlicher Nachtmar aus dem Land der Träume eine falsche Erinnerung in die Geschichte meines entschwundenen Lebens geschmuggelt? Es müssen noch viele am Leben sein, die an sich dieselben oder ähnliche Fragen stellen. Und ich denke, auch die, die jetzt heranwachsen, um in dem großen Unternehmen der Menschheit an unsere Stelle zu treten, werden manch einer Erzählung wie der meinen bedürfen, um die alte Welt der Schatten, vor dem Anbruch unseres Tages, auch nur zum kleinsten Bruchteil zu verstehen. Zufällig ist mein Fall auch ziemlich typisch für die Wandlung, die mich inmitten eines Wirbels von Leidenschaft packte; und ein seltsames Geschick stellte mich eine Zeitlang geradezu in den Angelpunkt der neuen Ordnung …

Meine Erinnerung führt mich durch den Zeitraum von fünfzig Jahren zurück in ein kleines, schlecht erleuchtetes Zimmer mit einem Schiebefenster, das auf den gestirnten Himmel blickt, und im selben Augenblick kehrt mir auch der charakteristische Geruch jenes Zimmers wieder – der durchdringende Geruch einer schlecht geputzten Lampe, in der billiges Petroleum brennt. Die Beleuchtung durch Elektrizität war damals schon seit fünfzehn Jahren bekannt; aber der größere Teil der Welt benützte noch immer solche Lampen. Diese ganze erste Szene spielt sich, wenigstens für mich, in dieser Geruchsbegleitung ab. Das war die abendliche Atmosphäre des Zimmers. Bei Tag hatte es ein feineres Aroma, etwas Stickiges, eine besondere Art leiser, prickelnder Schärfe, die sich mir – weshalb, weiß ich nicht – mit dem Begriff Staub verbindet.

Man gestatte mir, dieses Zimmer im einzelnen zu beschreiben. Es hatte vielleicht acht zu sieben Fuß Flächeninhalt; die Höhe übertraf diese Dimensionen um ein Beträchtliches. Die Decke war aus Gips, stellenweise gesprungen und ausgebaucht, grau vom Lampenruß und an einer Stelle von einer Gruppe gelber und olivgrüner Flecken gefärbt, die von durchgesickerter Feuchtigkeit stammten. Die Wände waren mit einer trüb-braunen Tapete bedeckt, auf der sich in schrägen Reihen in Form einer krausen Straußenfeder oder einer Akanthusblüte ein rotes Muster wiederholte, das an den weniger verblichenen Stellen von einer Art schmutziger Farbenpracht war. Diese Tapete wies mehrere große, gipsrandige Wunden auf, die von Parloads vergeblichen Versuchen herrührten, Nägel in die Wand zu schlagen, um Bilder daran aufzuhängen. Ein Nagel hatte die Ritze zwischen zwei Backsteinen getroffen und saß; und an ihm hingen, von zerrissenen und zusammengeknoteten Jalousieschnüren ein bißchen unsicher gehalten, Parloads Bücherborte: mit einem klebrigen blauen Lack angestrichene und mit einer Franse aus ausgeschlagenem amerikanischem, mit Reißstiften befestigten Tuch verzierte Bretter. Darunter stand ein kleiner Tisch, der sich gegen jedes plötzlich daruntergeschobene Knie mit der Gehässigkeit eines Maultieres benahm; auf ihm lag eine Decke, deren schwarz und rotes Muster durch die Unfälle von Parloads mitteilsamem Tintenfaß etwas weniger monoton erschien; und auf ihr wiederum, als Leitmotiv des Ganzen, stand und stank die Lampe. Diese Lampe, muß man wissen, bestand aus einer weißlichen, durchsichtigen Substanz, die weder Porzellan noch Glas war; sie hatte eine Glocke aus derselben Substanz, eine Glocke, die die Augen des Lesers in keiner Weise schützte und wundervoll geeignet war, rücksichtslos die Tatsache hervorzuheben, daß nach dem Füllen der Lampe Staub und Petroleum mit sorglosester Freigebigkeit auf ihr herumgeschmiert worden waren.

Die unebenen Dielenbretter des Zimmers waren mit zerkratztem, schokoladefarbenem Lack überzogen, auf dem in Staub und Schatten undeutlich eine kleine Insel zerschlissenen Teppichs erblühte.

Ferner war da ein sehr kleines Kamin aus Gußeisen, in einem Stück, ledergelb angestrichen und ein noch kleineres gußeisernes Mißgebilde von Ofenvorsetzer, das den ganzen Feuerstein sehen ließ. Kein Feuer brannte darin; nur ein paar Fetzen zerrissenen Papiers und der zerbrochene Kopf einer Maiskolbenpfeife waren hinter dem Gitter zu sehen; in der Ecke stand, wie beiseite geworfen, ein enger eckiger, lackierter...



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