Wells | Die Zeitmaschine | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 188 Seiten

Wells Die Zeitmaschine

Ein SciFi Klassiker von H.G. Wells
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-96188-159-8
Verlag: Mantikore-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein SciFi Klassiker von H.G. Wells

E-Book, Deutsch, 188 Seiten

ISBN: 978-3-96188-159-8
Verlag: Mantikore-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



London, Ende des 19: Jahrhunderts: Mithilfe einer von ihm entwickelten Maschine gelingt es einem Wissenschaftler, die vierte Dimension zu bereisen - die Zeit. Neugierig, was die Zukunft der Menschheit bringen mag, begibt er sich ins Jahr 802.701 n.Chr. Doch die Welt, die er dort vorfindet, ist schockierend anders als jene, die er kennt. Monströse Kreaturen aus den Tiefen der Erde rauben seine Erfindung, und für den Zeitreisenden beginnt eine wilde Jagd, will er je in seine eigene Epoche zurückkehren ... Der mehrfach verfilmte SF-Klassiker und Grundstein der Steampunk-Bewegung in zeitgenössischer neuer Übersetzung

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KAPITEL EINS



Der Zeitreisende (denn es ist einfacher, ihn so zu nennen) legte uns eine schwer verständliche Angelegenheit dar. Seine blassgrünen Augen leuchteten und funkelten, und sein gewöhnlich bleiches Gesicht war erhitzt und erregt. Das Feuer brannte hell, und das sanfte Glühen des sich erwärmenden Lichtes in den Lilien unseres Silbers erfasste die Bläschen, die in unseren Gläsern aufblinkten und verschwanden. Unsere Sessel, da sie Patente waren, umfassten uns, statt dass sie nur zum Hinsetzen einluden, und es herrschte jene luxuriöse Atmosphäre nach einem Abendessen, wenn die Gedanken frei von Fesseln der Genauigkeit dahingleiten. Und auf diese Weise legte er es uns nahe – wobei er die Punkte mit seinem schlanken Zeigefinger unterstrich, als wir dasaßen und träge seine Ernsthaftigkeit über dieses neue Paradox (für das wir es hielten) und die Früchte seiner Gedanken bewunderten.

»Sie müssen mir sorgsam folgen. Ich werden der ein oder anderen Vorstellung, die beinahe allgemein anerkannt ist, widersprechen müssen. Zum Beispiel gründet die Geometrie, die man Ihnen in der Schule beibrachte, auf einer Fehlvorstellung.«

»Und man erwartet von uns, dass wir ausgerechnet bei so einer großen Sache beginnen?«, fragte Filby, ein streitlustiger Mensch mit roten Haaren.

»Ich will Sie nicht bitten, dass Sie irgendetwas ohne vernünftigen Grund hinnehmen. Sie werden schon bald so viel zugeben, wie ich es von Ihnen benötige. Sie wissen selbstverständlich, dass eine mathematische Linie, eine Linie der Dicke null, nicht wirklich existiert. Hat man Ihnen das beigebracht? Gleiches gilt für eine mathematische Ebene. Diese Dinge sind reine Abstraktionen.«

»Das stimmt soweit«, sagte der Psychologe.

»Ebenso wenig kann ein Würfel, der nur Länge, Breite und Tiefe aufweist, wirklich existieren.«

»Da muss ich Einwand erheben«, sagte Filby. »Natürlich kann ein fester Körper existieren. Alle echten Dinge …«

»Das denken die meisten. Aber warten Sie einen Augenblick. Kann ein Würfel existieren?«

»Ich kann Ihnen nicht folgen«, sagte Filby.

»Kann ein Würfel, der über gar keinen Zeitpunkt hinweg anhält, eine wirkliche Existenz haben?«

Filby wurde nachdenklich. »Zweifellos«, fuhr der Zeitreisende fort, »muss sich jeder reale Körper in Dimensionen erstrecken: Er muss Länge, Breite, Tiefe und … Dauer haben. Aber durch eine natürliche Schwäche des Fleisches, die ich Ihnen gleich erklären werde, neigen wir dazu, diese Tatsache zu übersehen. Es gibt tatsächlich vier Dimensionen, drei, die wir die drei Ebenen des Raums nennen, und eine vierte: die Zeit. Es herrscht jedoch die Tendenz, eine unwirkliche Unterscheidung zwischen den ersten drei Dimensionen und der vierten zu ziehen, denn es fügt sich so, dass sich unser Bewusstsein unregelmäßig entlang der Letzteren bewegt, vom Anfang bis zum Ende unseres Lebens.«

»Das«, sagte ein sehr junger Mann, der krampfhaft versuchte, seine Zigarre über der Lampe anzuzünden, »das … ist eindeutig.«

»Nun, es ist doch sehr bemerkenswert, dass dieser Umstand derart umfangreich übersehen wird«, fuhr der Zeitreisende mit einem leichten Anflug von Heiterkeit fort. »Eben genau das ist doch mit der vierten Dimension gemeint, wenngleich manche Leute, die von der vierten Dimension sprechen, nicht wissen, dass sie eben das damit meinen. Es ist schlicht ein anderer Blick auf die Zeit. . Aber einige einfältige Menschen betrachten diese Idee von der falschen Seite. Sie haben alle gehört, was sie über diese vierte Dimension zu sagen haben.«

» nicht«, sagte der Kleinstadtbürgermeister.

»Es ist ganz einfach. Von diesem Raum, wie ihn unsere Mathematiker vorgeben, wird gesprochen, als habe er drei Dimensionen, die man Länge, Breite und Höhe nennen könnte, und er wird immer durch die Bezugnahme auf die drei Ebenen definiert, jede im rechten Winkel zu den anderen. Einige philosophische Menschen fragen sich aber, warum gerade Dimensionen – warum nicht auch andere Richtungen im rechten Winkel zu den anderen drei? –, und haben sogar versucht, eine vierdimensionale Geometrie zu konstruieren. Erst vor gut einem Monat hat Professor Simon Newcomb dies der New York Mathematical Society dargelegt. Sie wissen doch, dass wir auf einer flachen Oberfläche, die nur zwei Dimensionen aufweist, die Figur eines dreidimensionalen Festkörpers darstellen können, und gleichermaßen glauben diese Leute, dass sie mit einem Modell aus drei Dimensionen eine der vier darstellen können – wenn sie die Perspektive des Gegenstands einnehmen könnten. Verstehen Sie?«

»Ich glaube schon«, murmelte der Kleinstadtbürgermeister und verfiel mit gerunzelter Stirn in einen introspektiven Zustand, wobei sich seine Lippen bewegten wie bei jemandem, der mystische Worte wiederholt. »Ja, ich glaube, ich verstehe es jetzt«, sagte er nach einer Weile, und sein Gesichtsausdruck erhellte sich flüchtig.

»Nun, ich sage Ihnen gerne, dass ich seit einiger Zeit an dieser Geometrie der vier Dimensionen arbeite. Manche meiner Ergebnisse sind merkwürdig. Zum Beispiel haben wir hier das Portrait eines Mannes mit achtzig Jahren, ein anderes mit fünfzehn, ein weiteres mit siebzehn, wiederum eines mit dreiundzwanzig und so weiter. Alle davon sind nachweislich Abschnitte, wenn man so will, dreidimensionale Darstellungen dieses vierdimensionalen Wesens, welches eine feste und unveränderbare Sache ist.«

»Wissenschaftlich eingestellte Menschen«, fuhr der Zeitreisende nach einer Pause fort, die nötig war, um all dies angemessen aufzunehmen, »wissen sehr wohl, dass die Zeit lediglich eine Art Raum ist. Hier haben wir ein bekanntes wissenschaftliches Schaubild, eine Wetteraufzeichnung. Diese Linie, die ich mit meinem Finger nachzeichne, zeigt die Bewegung des Barometers. Gestern stand sie so hoch, gestern Nacht fiel sie ab, dann stieg sie an diesem Morgen wieder sanft aufwärts. Sicherlich folgte das Quecksilber nicht dieser Linie in einer der Dimensionen des Raums, die allgemein anerkannt sind? Aber bestimmt zog es eine solche Linie, daher müssen wir schlussfolgern, dass diese Linie sich entlang der Zeitdimension bewegte.«

»Aber«, wandte der Mediziner ein und starrte angestrengt auf die Kohlen im Feuer, »wenn die Zeit tatsächlich nur eine vierte Dimension des Raums ist, warum wurde und wird sie noch als etwas anderes betrachtet? Und warum können wir uns nicht durch die Zeit bewegen, wie durch andere Dimensionen des Raums?«

Der Zeitreisende lächelte. »Sind Sie sicher, dass wir uns frei im Raum bewegen können? Wir können nach rechts und links gehen, recht gut auch vorwärts und rückwärts, und das haben die Menschen schon immer getan. Ich gebe zu, dass wir uns in zwei Dimensionen frei bewegen können. Aber wie steht es mit aufwärts und abwärts? Die Schwerkraft hindert uns daran.«

»Nicht ganz«, sagte der Mediziner. »Es gibt Heißluftballons.«

»Aber vor den Heißluftballons, und abgesehen von krampfhaften Sprüngen und den Unebenheiten des Untergrunds, hatten die Menschen nicht die Freiheit, sich vertikal zu bewegen.«

»Sie konnten sich aber trotzdem ein wenig auf und ab bewegen«, erwiderte der Mediziner.

»Einfacher, viel einfacher aufwärts als abwärts.«

»Und man kann sich überhaupt nicht in der Zeit bewegen; man kann sich nicht vom gegenwärtigen Augenblick lösen.«

»Gütiger Herr, genau da liegen Sie falsch. Genau da hat sich die ganze Welt geirrt. Wir entfernen uns doch vom gegenwärtigen Augenblick. Wir lösen uns immer vom gegenwärtigen Augenblick. Unsere geistigen Existenzen, die immateriell sind und keine Dimensionen aufweisen, bewegen sich mit einer gleichförmigen Geschwindigkeit von der Wiege bis zur Bahre entlang der Zeitdimension. Ebenso wie wir uns bewegen müssten, würden wir unser Dasein fünfzig Meilen über der Erdoberfläche beginnen.«

»Aber die große Schwierigkeit liegt doch darin«, unterbrach der Psychologe, »dass man sich in allen Richtungen des Raums bewegen , es aber nicht möglich ist, sich durch die Zeit zu bewegen.«

»Das ist der Kern meiner größten Entdeckung. Sie liegen aber falsch, wenn Sie sagen, dass wir uns nicht durch die Zeit bewegen können. Wenn ich mich beispielsweise sehr lebhaft an einen Vorfall erinnere, dann kehre ich zu dem Augenblick dieses Ereignisses zurück: Ich werde...



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