E-Book, Deutsch, Band 3, 330 Seiten
Reihe: Kommissar Roman Worstedt
Weller Katzenkönig
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-95441-340-9
Verlag: KBV
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der dritte Fall für Kommissar ›Worschtfett‹
E-Book, Deutsch, Band 3, 330 Seiten
Reihe: Kommissar Roman Worstedt
ISBN: 978-3-95441-340-9
Verlag: KBV
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Charly Weller, geb. 1951 in Marburg a. d. Lahn, ist von Hause aus Filmemacher. Nach seiner Jugend in Gießen und Wetzlar studierte er zunächst Theologie-, es folgte das Jura- und Publizistikstudium in Berlin. Zwischenzeitlich betätigte er sich als Fotograf, Journalist, Taxifahrer, Versicherungsvertreter und Kinobetreiber. Nach der Regieassistenz unter Peter Fleischmann drehte er erste eigene Filme und wurde ausgezeichnet u. a. mit dem »Prix du Jury« in Cannes und dem »Max-Ophüls-Förderpreis«. Er war Regisseur zahlreicher Folgen von TV-Krimi-Serien wie »Ein Fall für Zwei«, »Die Kommissarin«, »Im Namen des Gesetzes« und anderen. Heute arbeitet er als Chef von »Mittelhessen-TV« und lebt mit seiner Frau Ritchie zwischen Gießen und Wetzlar.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
UNSER SPIEL
Lutz Wagenbach, Kriminaloberkommissar
Polizeipräsidium Mittelhessen, Gießen:
A ls erster verwertbarer Hinweis konnte eine Quittung von der Jet-Tankstelle in der Grünberger Straße verbucht werden. Sie hatte als Erstellungsdatum den vergangenen Samstag, 21.48 Uhr. Ein zusammengeknüllt dazugehöriger Beleg für eine Kreditkartenzahlung belief sich auf 37,51 Euro. Der Kassenbeleg wies aus, dass 31,55 Euro davon für 23,56 Liter Superplus berechnet waren und 5,96 Euro für zwei Mumm-Piccolos. Das Ganze war jetzt drei Tage her, aber immerhin besser als nichts.
Aus der Information, dass Superplus getankt worden war, kombinierten wir, dass der Beleg von jemandem stammen musste, der es sich leisten konnte, seinem Auto nur das Beste zukommen zu lassen.
Die Literzahl seinerseits ließ vermuten, dass vollgetankt wurde, also nicht auf einen bestimmten Geldbetrag hin. Die beiden Piccolos werteten wir dahingehend, dass hier offenbar zwei Personen beteiligt waren, die es sich spontan gut gehen lassen wollten. Weil auf dem Kreditkartenbeleg nur die letzten vier Zahlen der Kreditkartennummer aufgeführt waren, wäre der Inhaber der Karte nicht ohne richterlichen Beschluss ausfindig zu machen gewesen. Die Bank würde offiziell kontaktiert werden müssen und und und …
Um schneller zum Zug zu kommen, bin ich mit meinem Kollegen Hartmut Seipp zu der Tankstelle gefahren und habe gefragt, wer am Samstagabend Dienst hatte. Auf meinen Dienstausweis hin wurde mir der Name des betreffenden Tankwarts genannt wie auch seine Telefonnummer. Ein gewisser Völker, Richard.
Wir hatten ihn danach offensichtlich aus seinem verdienten Tagschlaf geweckt. Er hat gesagt: »Rufen Sie in zwanzig Minuten noch mal an. Ich mache mir einen Kaffee.«
Eine Viertelstunde später fragte ich ihn, ob er sich daran erinnern könne, vergangenen Samstagabend jemandem zwei Piccolos der Marke Mumm verkauft zu haben.
Er musste nicht lange überlegen, um sich daran zu erinnern, dass es sich dabei um den Herrn Brandstätter gehandelt habe, den Chef der gleichnamigen Gebäudereinigungsfirma. Der sei so etwas wie Stammkunde an der Tankstelle. Drei- bis fünfmal die Woche hole er sich dort seine Alkoholvorräte, aber immer nur für den bevorstehenden Abend. Bevorzugt vier Lawinchen Billobräu und einen Jägi. Hin und wieder komme es aber auch mal vor, dass er zwei Piccolos kaufe. Aber immer nur zwei. Und auch immer nur Piccolos.
Auf meine Frage, ob er denn allein gewesen sei, der Herr Brandstätter, meinte Völker, soweit er habe sehen können: nein. Zwar habe er nichts Genaues erkennen können, weil sein Auto an der Tanksäule nahe an der Straße gestanden habe. Aber es habe so ausgesehen, als sei da eine Blondine dringesessen.
Mit dieser Information haben wir uns dann losgemacht zu Georg Brandstätter. Eine Villa im Neureichen-Stil in Fernwald. In der Einfahrt ein fettes, schwarzes Daimler Coupé ohne Typenbezeichnung auf der Heckklappe. Das Eingangsportal kleiner als der Wetzlarer Dom.
Nachdem Frau Brandstätter unsere Dienstausweise am Eingang eingehend über eine dort installierte Videokamera begutachtet hatte, wurden wir eingelassen. Die Dame des Hauses war Mitte vierzig, vollschlank, trug ihre dunklen Haare als Pagenschnitt, was an Mireille Mathieu erinnerte, und war ansonsten von oben bis unten auf Gucci getrimmt. Ein warmherziges Luxusweibchen, wenn man so will.
Wir fragten nach ihrem Mann.
Sie rief in eine Wohnlandschaft, die aussah wie der Ausstellungsraum eines Möbelhauses: »Georg, kommst du mal?«
Als Georg erschien, erklärten wir, dass wir ein paar Fragen an ihn hätten.
»Fragen Sie«, entgegnete er.
Wir wollten ihn nicht in Verlegenheit bringen, weshalb ich meinte, dass wir das Gespräch gerne mit ihm allein führen würden.
Das gefiel seiner Frau nicht sehr, aber sie nahm es hin. Er führte uns auf eine Veranda, wo wir etwas zu trinken angeboten bekamen. Wir lehnten dankend ab.
Georg mochte knapp über fünfzig gewesen sein, hatte sich die Haare blond gefärbt und stand auf Lacoste. Dunkelgrünes Poloshirt, weißer V-Neck-Pullover in Zopfmuster. Dazu eine hellbeigefarbene Gabardine-Hose und rote Slipper, wie man sie sonst nur am Papst sieht. Am Handgelenk eine fette Breitling. Für mittelhessische Verhältnisse ein Mann von Welt.
»Könnte es sein, Herr Brandstätter«, begann ich die Unterhaltung, »dass Sie sich am Samstagabend auf dem Gelände des Gießener Güterbahnhofs aufgehalten haben?«
Er wurde augenblicklich nervös: »Wieso wollen Sie das wissen?«
»Sie können versichert sein, dass das, was wir hier miteinander besprechen, unter uns bleiben wird«, versuchte Hartmut ihn zu beruhigen, »Ihre Frau wird darüber nichts erfahren.«
»Worum geht es? Sagen Sie bitte, was Sie von mir wollen.«
»Es geht nur darum, ob Sie an dem besagten Abend auf dem Gelände des Güterbahnhofs waren. Mehr nicht.«
»Ja, war ich. Und jetzt?«
»Waren Sie allein?«
»Hören Sie, meine Herren, Sie haben gesagt, dass es nur um die Beantwortung der Frage geht, ob ich am Samstagabend auf dem Gelände des Güterbahnhofs war. Ich habe Ihnen diese Frage beantwortet. Und jetzt? Jetzt stellen Sie mir weitere Fragen. Ich habe verschärft den Eindruck, dass Sie nicht aufrichtig sind. Also noch mal: Was wollen Sie?«
Das hatte gesessen. Georg Brandstätter war ohne Zweifel jemand, der wusste, was er wollte, und sich nicht die Wurst vom Teller ziehen ließ.
»Sie haben ja recht«, versuchte ich den Schaden einzugrenzen, »aber dennoch möchten wir Sie bitten, mit uns gewissermaßen auf dem kleinen Dienstweg zu kooperieren. Es wäre doch niemandem damit gedient, Sie zu uns ins Präsidium vorzuladen.«
»Was war Ihre Frage?«
»Ob Sie allein waren an dem Samstagabend?«
»Nein, war ich nicht. Hören Sie, ich bin ein erfolgreicher Geschäftsmann, eine Person des öffentlichen Lebens. Ich habe das grüne Abitur …«
»Das grüne Abitur?«, fragte Hartmut.
»So sagen wir Jäger, wenn man die Jagdschein-Prüfung bestanden hat.«
»Dann sind Sie also Jäger?«
»Ja, das bin ich. Seit sechs Jahren, und Schatzmeister beim Jagdverein Halali.«
»Heißt das, Sie haben auch Waffen hier im Haus?«
»Selbstverständlich. Kommen Sie.«
Nach einem Labyrinth von Räumen und Gängen erreichten wir ein Büro mit einem Waffenschrank mit Zahlenschloss.
Während Georg die Kombination eingab, sagte er: »So ein Zahlenschloss ist mir sicherer als eines mit Schlüssel. Was ich im Kopf habe, kann mir keiner wegnehmen, um damit Unfug anzustellen. Verstehen Sie?«
Wir verstanden. Dann bestaunten wir sieben Jagdgewehre unterschiedlicher Marken und Modelle. Der Inhalt dieses Schranks war Georgs ganzer Stolz. Gerade noch rechtzeitig, bevor er mit glänzenden Augen damit loslegen konnte, uns die Beschaffenheit der einzelnen Waffen zu erörtern, konnte ich die Notbremse ziehen und auf das besagte Geschehen am Güterbahnhof zurückkommen.
Er setzte sich an seinen mächtigen Cocobolo-Schreibtisch. Hartmut ging zur Tür des Raums und machte sie leise zu. Wir nahmen gegenüber des Hausherren Platz.
»Herr Brandstätter, wir versichern Ihnen, dass Sie keine Befürchtung zu haben brauchen, Ihre Frau könnte etwas erfahren. Aber bitte erzählen Sie uns, was sich an dem Abend am Güterbahnhof zugetragen hat.«
»Warum soll ich denn Angst haben, dass meine Frau etwas erfahren könnte?«
»Ich will mal so sagen, es würde meinen Erfahrungen widersprechen, wenn Ihre Frau es hinnehmen würde, dass sie an dem Abend etwas getan hätten …«
»Wieso das denn? Ich mache doch nichts hinter dem Rücken meiner Frau. Warum sagen Sie so was?«
»Soll das heißen, dass Ihre Frau davon weiß?«
»Was heißt denn ›davon weiß‹? Natürlich weiß sie davon. Sie war ja dabei.«
»Augenblick – Sie meinen, Sie waren zu dritt?«
»Blödsinn. Wir waren natürlich alleine. Meine Frau und ich. Sonst niemand.«
»Sie waren also mit Ihrer Frau nachts dort auf dem Gelände des Güterbahnhofs?«
»Ja.«
»Dürfen wir vielleicht erfahren, was Sie da gemacht haben?«
»Na, was schon? Was können ein Mann und eine Frau wohl nachts auf einem abgelegenen Gelände miteinander machen?«
»Sagen Sie es uns.«
»Ein Spiel. Unser Spiel. Wir haben unser Spiel gespielt. Es war nichts im Fernsehen, keine Veranstaltung, zu der wir hätten gehen können. Ein richtig...




