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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 5, 280 Seiten

Reihe: Kommissar Roman Worstedt

Weller Bonames

Der fünfte Fall für Kommissar ›Worschtfett‹
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-95441-444-4
Verlag: KBV
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der fünfte Fall für Kommissar ›Worschtfett‹

E-Book, Deutsch, Band 5, 280 Seiten

Reihe: Kommissar Roman Worstedt

ISBN: 978-3-95441-444-4
Verlag: KBV
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Frankfurt am Main in Angst und Schrecken. Die IAA bedroht von Anschlägen. Während einer Pressekonferenz ein Attentat auf einen Software-Entwickler, der maßgeblich in den Diesel-Betrugs-Skandal verstrickt war. Die Bedrohungslage ist ernst. Sehr ernst. Alle Polizeikräfte sind mobilisiert, um die Lage in den Griff zu kriegen. Als im nördlichen Stadtteil Bonames eine junge Bankangestellte erschossen am Steuer ihres Kleinwagens aufgefunden wird, fordert man den Gießener Kommissar Roman Worstedt als Spezialisten für soziale Brennpunkte an. Gemeinsam mit seiner Kollegin Regina Maritz soll Worstedt - hinter seinem Rücken despektierlich 'Worschtfett' genannt - die Ermittlungen übernehmen. Je mehr die Hintergründe der unterschiedlichen Verbrechen zutage gefördert werden, desto mehr scheinen diese auf erschütternde Weise miteinander verwoben zu sein.

Charly Weller, geb. 1951 in Marburg a. d. Lahn, ist von Hause aus Filmemacher. Nach seiner Jugend in Gießen und Wetzlar studierte er zunächst Theologie-, es folgte das Jura- und Publizistikstudium in Berlin. Zwischenzeitlich betätigte er sich als Fotograf, Journalist, Taxifahrer, Versicherungsvertreter und Kinobetreiber. Nach der Regieassistenz unter Peter Fleischmann drehte er erste eigene Filme und wurde ausgezeichnet u. a. mit dem 'Prix du Jury' in Cannes und dem 'Max-Ophüls-Förderpreis'. Er war Regisseur zahlreicher Folgen von TV-Krimi-Serien wie 'Ein Fall für Zwei', 'Die Kommissarin', 'Im Namen des Gesetzes' und anderen. Sein erster Kriminalroman 'Eulenkopf' wurde 2015 für den Friedrich-Glauser-Preis in der Sparte Debüt nominiert. Heute lebt er mit seiner Ehefrau Ritchie als freier Autor und Regisseur in der Nähe von Gießen und ist als Dozent an der Technischen Hochschule Mittelhessen tätig.
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1. HUPEN


Hier«, rief der Mann in sein Handy, »können Sie das hören?« Er hielt es über die Brüstung des Balkons hinunter zur Straße, wo eines der dort parkenden Autos in einem fort am Hupen war.

Der Mann war barfuß und trug ein weißes, ärmelloses Feinripp-Unterhemd zu einer schwarzen Boxershorts-Unterhose mit rot aufgedruckten Eintracht-Adlern. Er war Mitte fünfzig, und sein zerzaustes Haar ließ vermuten, dass er kurz zuvor noch im Bett gelegen hat.

Am Abend zuvor hatte er keinen Alkohol getrunken. Nicht einen einzigen Tropfen. Was allerdings zur Folge hatte, dass er noch um vier Uhr in der Früh wach gelegen hat. Ihm fehlte zum Einschlafen schlichtweg seine angestammte Dröhnung.

Als er gegen halb sieben dann zur Toilette musste, war er einfach aufgeblieben. Er versuchte, sich zu erinnern, wann es zum letzten Mal seit seiner Jugend vorgekommen war, dass er um halb zehn Uhr abends ohne Alkohol ins Bett gegangen war. Ihm fiel nur die Woche ein, die er nach einer Blinddarmoperation im Krankenhaus verbracht hatte. Damals hatte er noch bei seinen Eltern auf dem »Platz« gewohnt. Bald darauf war er dann zu seinem älteren Bruder gezogen, der es in der Oberen Kreuzäckerstraße in Praunheim, direkt gegenüber vom Knast, zu einer kleinen Zweizimmerwohnung gebracht hatte.

Diesem Umzug hatte er es letztendlich zu verdanken, endlich eine Arbeit gefunden zu haben. Denn bis dahin waren seine Bewerbungsaktivitäten stets dann gescheitert, wenn er als Anschrift die Bonameser Straße 85 angeben musste. Da hieß es in der Regel gleich: »Ach, das Zigeunerlager«, und er war unten durch.

Die Obere Kreuzäckerstraße war da schon eine andere Hausnummer. Da meinte man eher, dass Zucht und Ordnung, für die innerhalb der Haftanstalt mit der ganzen Strenge des Gesetzes gesorgt wurde, über die Mauern hinaus auf die unmittelbare Umgebung übertragen würden.

Seinen ersten Job hatte er dann bei einem Einkaufsmarkt gefunden. Er erinnerte sich so gut daran, weil für den nächsten Morgen ein Vorstellungsgespräch anstand, an dem ihm sehr gelegen war und bei dem es ebenfalls um einen Job im Lager eines Einkaufsmarktes ging. Alle möglichen Arbeiten hatten sie ihm über die Jahre hinweg unterjubeln wollen. Autowaschanlage, Müllabfuhr und all so’n Zeug, was kein Schwein machen will. Aber er war nicht für jeden Dreck zu haben. Da hatten sie sich geschnitten. Er fand immer einen Weg, warum er nicht genommen wurde. Um sich lieber als Harzer mit kleinen Nebeneinkünften über die Runden zu bringen.

Weil ihm an diesem Job, um den es an dem Morgen gehen sollte, so verdammt viel lag, wollte er für das Vorstellungsgespräch unbedingt ausgeschlafen sein. Ausgeschlafen, fit und hellwach. Um alles in der Welt. Und um den Ausgang des Gesprächs auch ja nicht dem Zufall zu überlassen, hatte er sich nach der Tagesschau noch ein Hemd gebügelt. Er erinnerte sich, dass er sich zum letzten Mal ein Hemd gebügelt hatte, als seine Frau gestorben war. Das war jetzt sieben Jahre her. Als er dann das frisch gebügelte Hemd betrachtete, kam ihm in den Sinn, vielleicht noch etwas mehr hermachen zu können, wenn er dazu eine schöne Jacke trug. Weil er aber außer einer Eintracht-Fan-Jacke nur diverse Jeansjacken und Kapuzenpullover im Schrank hängen hatte, rief er seinen Freund Harry an. Die beiden kannten sich von Kindesbeinen an. Harry war ebenfalls »auf dem Platz« groß geworden, und weil er so außerordentlich wortgewandt war, stand er im Ruf, landesweit einer der gefragtesten Rekommandeure für Fahrgeschäfte zu sein.

Harry wohnte im dritten Stock und fuhr jede Woche in bestem Zwirn nach Bad Nauheim zum Ball-Paradox ins . Dort machte er dann auf dicke Hose und gab sich als Börsenmakler aus, um mit einsamen Damen, die zur Kur in Bad Nauheim weilten, das Tanzbein zu schwingen. Gelegentlich hatte er Hilmar schon angefixt, doch mal mitzukommen, aber der war für diese Art von Ringelpiez mit Anfassen nicht zu haben. Denn seit dem Tod seiner Frau hatte er mit Weibern nichts mehr am Hut.

Als Hilmar ihn an diesem Abend anrief und nach einer Jacke fragte, die was hermachen würde, meinte Harry, seinen Ohren nicht zu trauen. Was will dieser verlauste Althippie auf einmal mit einer schicken Jacke, dachte er sich, meinte aber im nächsten Moment: »Komm runter, du kriegst was verpasst, dass Graf Koks neben dir aussieht wie ein indischer Bettelmönch.« So kam es, dass Hilmar ein kariertes Sakko über sein Hemd anziehen konnte, das an die früheren Auftritte des Moderators Peter Frankenfeld im Fernsehen erinnerte.

Als Hilmar fast dreißig Jahre zuvor schon mal bei einem Einkaufsmarkt gearbeitet hatte, hatte er als Einkaufswagenschubser auf dem Hof angefangen. Zu der Zeit mussten noch keine Geldstücke oder Chips als Pfand in die Einkaufswagen gesteckt werden, um sie benutzen zu können. Sein Job war es deshalb gewesen, die auf dem Parkplatz wild verstreut stehen gelassenen Wagen einzusammeln und in den vorgesehenen Standbuchten zusammenzuschieben. Er hatte diese Arbeit geliebt. Das kann man nicht anders sagen. Denn er war den ganzen Tag über an der frischen Luft gewesen, und es gab niemanden, der ihm was zu sagen hatte. Er war rundherum sein eigener Herr und hat auch später immer wieder gesagt, dass er dieser Arbeit am liebsten bis ans Ende seiner Tage nachgegangen wäre.

Dann aber hieß es auf einmal, dass neue Einkaufswagen eingeführt werden sollten. Und zwar solche, wo eine Münze eingesteckt werden müsste, um sie benutzen zu können. Auf diese Weise sollten die Leute dazu angehalten werden, ihre Einkaufswagen nach der Benutzung selbst zu den Abstellbuchten zurückzubringen. Als er zum ersten Mal davon hörte, war ihm schlagartig klar, was die Einführung dieser neuen Wagen für ihn bedeutete. Nämlich, dass man ihn wegrationalisieren würde.

Als er dann während einer Frühstückspause das Gerücht streute, mit seiner bevorstehenden Entlassung zu RTL gehen zu wollen, wollte der Chef des Marktes auf einmal tatsächlich mit ihm reden. Man würde ihn doch nicht im Regen stehen lassen, schleimte der Mann rum und bot ihm schlussendlich an, ins Lager des Marktes wechseln zu können.

Richtig begeistert war Hilmar über diese Versetzung nicht. Jedenfalls nicht gleich. Dafür war die Arbeit im Freien einfach eine viel zu große Erfüllung für ihn gewesen. Aber wenigstens müsste er nicht stempeln gehen, sagte er sich, und fand nach anfänglichen Eingewöhnungsschwierigkeiten doch recht bald Gefallen an seinem neuen Tätigkeitsfeld. Was in erster Linie darauf zurückzuführen war, dass unter den Lagerarbeitern eine außergewöhnliche Kollegialität bestand. So war es an der Tagesordnung, sich den persönlichen Bedarf an Lebensmitteln kurzerhand von der Rampe hinunter in den Kofferraum seines dort zuvor postierten Autos einzuladen. Im Endeffekt war das die beste Zeit seines Lebens. Alles in Saus und Braus. Und dann war damals auch noch Ramona in sein Leben getreten. Seine Ramona.

Ihre erste Begegnung fand an dem Tag statt, als Edwin Müller, der Detektiv des Marktes, von der Ambulanz abtransportiert wurde. Der Mann hatte einen größeren Karton mit einem Guckloch versehen und sich von einem Gabelstapler hoch in eines der Regale bugsieren lassen. Von diesem erhöhten Standpunkt aus wollte er ausspähen, ob Kunden etwas klauten. Was Müller aus diesem Winkel jedoch nicht mitkriegen konnte, war, dass ein Regalauffüller eine Leiter an das Regal angestellt hatte und hochkletterte, um Waren aus den dort gelagerten Kartons zu holen. So kam es, dass dieser Mann sich völlig unbedarft gerade an dem Karton zu schaffen machte, in dem Müller auf der Lauer lag. Plötzlich hallte ein markerschütternder Schrei durch den Verkaufsraum, weil der Regalauffüller dem Detektiv sein Trapezmesser unbeabsichtigt durch die Kartonwand hindurch in die linke Wange gerammt hatte. Die Folge war eine böse Narbe in der betroffenen Gesichtshälfte, die dem Detektiv anschließend den Namen »Scarface« eintrug. Große Teile der Belegschaft wurden an diesem Tag Zeuge, wie der verletzte Detektiv blutüberströmt aus dem Karton geborgen wurde. Mit blankem Entsetzen im Gesicht konnte die anwesende Fleischereifachverkäuferin Ramona nicht anders, als sich einem der Anwesenden an die Schulter zu drücken. Zu dem Zeitpunkt wusste sie noch nicht, dass es sich bei dem Mann, der ihr da zögerlich Trost spendete, um Hilmar Petri handelte.

Nach diesem Vorfall trafen die beiden eine Woche später zufällig auf dem Gang zum Pausenraum aufeinander. Sie blieben einfach stehen und glotzten sich an wie zwei schwangere Mondkälber, wie man so sagt. Bis Ramona schließlich meinte: »Na?«

Um nicht den Eindruck zu erwecken, mundfaul zu sein, entgegnete Hilmar daraufhin: »Und?«

Dann ergriff Ramona erneut die Initiative und meinte: »Sonst nix?«

Was Hilmar wiederum nicht unkommentiert stehen lassen wollte und seinerseits anführte: »Was denn noch?«

So begann seinerzeit die Liebe...


Charly Weller, geb. 1951 in Marburg a. d. Lahn, ist von Hause aus Filmemacher.
Nach seiner Jugend in Gießen und Wetzlar studierte er zunächst Theologie-, es folgte das Jura- und Publizistikstudium in Berlin. Zwischenzeitlich betätigte er sich als Fotograf, Journalist, Taxifahrer, Versicherungsvertreter und Kinobetreiber.
Nach der Regieassistenz unter Peter Fleischmann drehte er erste eigene Filme und wurde ausgezeichnet u. a. mit dem "Prix du Jury" in Cannes und dem "Max-Ophüls-Förderpreis".
Er war Regisseur zahlreicher Folgen von TV-Krimi-Serien wie "Ein Fall für Zwei", "Die Kommissarin", "Im Namen des Gesetzes" und anderen.
Sein erster Kriminalroman "Eulenkopf" wurde 2015 für den Friedrich-Glauser-Preis in der Sparte Debüt nominiert. Heute lebt er mit seiner Ehefrau Ritchie als freier Autor und Regisseur in der Nähe von Gießen und ist als Dozent an der Technischen Hochschule Mittelhessen tätig.



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