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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 323, 64 Seiten

Reihe: Maddrax

Weinland Maddrax 323

Die Hölle auf Erden
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8387-1840-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Hölle auf Erden

E-Book, Deutsch, Band 323, 64 Seiten

Reihe: Maddrax

ISBN: 978-3-8387-1840-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Manchmal hat Matt Drax den sicheren Verdacht, dass ihn das Schicksal gerade dort absetzt, wo die größtmögliche Gefahr lauert. Als er diesmal Ort und Datum ihrer Ankunft erfährt, überläuft es ihn eiskalt: Hiroshima, Japan, 2. August 1945. Am Morgen des 6. August wird die Stadt von einer amerikanischen Atombombe in Schutt und Asche gelegt werden.
Er hätte die Chance, den Verlauf der Geschichte in dieser Parallelwelt zu ändern - wenn es denn eine ist. Doch wie glaubhaft wäre er als Amerikaner in Feindesland?

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2.

Genauso warnungslos, wie der Eisensturm aufgezogen war, flaute er auch wieder ab.

Es dauerte aber noch zwei volle Tage, bis Mahó sich ins Freie wagte.

„Es ist Nacht, mein Kind“, warnte ihre Mutter. „Du sollst doch nicht im Dunkeln draußen herumstreunen. Wann wirst du endlich auf die hören, die es gut mit dir meinen? Eines Tages wird dir ein Unglück geschehen, das spüre ich. Warte bis zum Morgen. Du wirst dich verlaufen, stürzen … Es kann so vieles passieren.“

Lächelnd nahm Mahó den Korb und huschte durch die Tür.

„Was sollen wir nur mit ihr machen?“, seufzte die Frau. „Ich kann sie doch nicht anbinden.“

„Aber einsperren“, sagte ihr Mann, der alles mit angehört hatte, aber nicht eingeschritten war. Das tat er nie.

Mahós Mutter senkte den Blick. „Das würde sie nicht verkraften.“

„Dann lass sie. Kinder haben einen besonderen Schutzengel.“ Für Mahós Vater schien die Angelegenheit damit erledigt.

Seine Frau weinte.

Dort, wo das Portal entstanden und die Steinlawine niedergegangen war, ragten weitere vereinzelte Äste in der Dunkelheit auf. Den Baum, der die Lage der verschütteten Anomalie verriet, hatte Matt markiert, indem er mit einem spitzen Stein ein Kreuz in seine Rinde ritzte.

Von hier oben aus hatten sie erkannt, dass sie sich in der Nähe eines größeren Gewässers befanden; man konnte eine Küstenlinie und dahinter eine Bucht sehen. Auf deren jenseitigem Ufer zog eine Unzahl von Lichtpunkten ihre Aufmerksamkeit auf sich. Offenbar handelte es sich um eine menschliche Ansiedlung von beeindruckender Größe. Um zu ihr zu gelangen, hätten sie jedoch entweder ausdauernd schwimmen oder sich ein Boot beschaffen müssen.

Das mochte der nächste oder übernächste Schritt sein; zunächst aber stand weiterer Erkenntnisgewinn ganz oben auf der To-do-Liste.

Nahe dem Geröllfeld erstreckte sich ein Wald bis fast zum Gipfel. Aufgrund des dichten Bewuchses geriet der zuvor gesichtete Feuerschein zeitweise aus ihrem Blickfeld, als Matt und Xij weiter vordrangen. Minutenlang arbeiteten sie sich den steilen Anstieg empor. Einen Weg oder auch nur Trampelpfad suchten sie vergebens. Die Stämme der Bäume boten ihnen immerhin Halt, und so hangelten sie sich förmlich den Berg hinauf. Zwischendurch mussten sie immer wieder Verschnaufpausen einlegen.

„Schon mal dran gedacht, dass wir hier stranden könnten?“, fragte Xij, als sie sich erneut gegen einen Baum lehnten.

Matts Puls hämmerte mit weit über hundert Schlägen in der Minute, während er sich die Antwort zurechtlegte. Außerdem schwitzte er und der kühle Nachtwind brachte ihn zum Frösteln. „Das hab ich mir bislang auf jeder Parallel-Erde ausgemalt. Und in fast allen Fällen war es keine schöne Vorstellung. Mal ganz davon abgesehen, dass unsere eigentliche Welt dann für immer verloren bliebe. Und das, nachdem wir mit dem Superior Magtron eine reelle Chance haben, sie zu retten.“

Xij schnaufte kurz. „Aber nur, wenn es uns gelingt, vor der Ankunft des Streiters dorthin zurückzukehren. Und dann bleibt immer noch die Frage, ob das nicht ein Zeitparadoxon auslöst.“

„Zeitparadoxen sind reine Theoreme; die halten nur solange, bis sie durch Praxis widerlegt sind.“ Matt hob abwehrend die Hände. „Aber lass uns darüber später diskutieren. Jetzt ist erst mal wichtig, dass wir Grao finden.“

Xij nickte. Der Daa’mure hatte dank seiner Gestaltwandler-Fähigkeiten den Supermagneten innerhalb seines Körpers durch das Portal transportiert. „Ohne Grao kein Magtron. Und ohne Magtron keine Möglichkeit, den Flächenräumer in Minutenschnelle aufzuladen, um dem Streiter den Garaus zu machen.“

Matt presste kurz die Lippen zusammen, dann stieß er sich vom Stamm des Baumes ab und setzte den Aufstieg fort. „Wir gehen vor, wie besprochen. Erst schauen wir uns an, was hinter dem Feuerschein steckt. Und bei Sonnenaufgang drehen wir jeden Stein im Bereich der Zeitblase nach ihm um. Es gibt keine Alternative. Wir müssen ihn finden.“

„Und was, wenn es ihn … erwischt hat?“, fragte Xij, während sie sich ihm anschloss.

„Dann hoffe ich, dass das Portal auch einen Toten als Teil unserer Gruppe akzeptiert.“ Matt hielt kurz inne. „Und dass das Superior Magtron trotzdem transportiert wird.“

Er schauderte selbst bei diesen Worten. Weil sie herzloser klangen, als er sie meinte. Grao’sil’aana mochte ein Mitglied der Rasse sein, die ihn jahrelang als Primärfeind erbarmungslos gejagt hatte, doch er war in den letzten Wochen zu einem wertvollen Verbündeten geworden, dem sie beide mehrfach ihr Leben verdankten.

Er und Grao würden nie Freunde werden, aber der alte Hass war längst verflogen. Sie waren beide Gestrandete – nicht nur in den verschiedenen Paralleluniversen. Manchmal fühlte sich Matt Drax seiner Welt des Jahres 2012 so fern wie Grao seiner Heimat Daa’mur.

Benommen hockte Mahó im Gras und sah sich nach der Riesenschildkröte um, die sie für einen Stein gehalten und sich darauf gesetzt hatte. Im selben Moment hatte das Tier begonnen, mit ihr Schabernack zu treiben, war hin und her gelaufen und hatte sich geschüttelt, sodass Mahó sich nur mit Mühe auf dem Panzer halten konnte. Sie hatte den wilden Ritt und das Schaukeln genossen. Am Ende war ihr jedoch schwindelig geworden, und nun saß sie im Gras und wusste nicht, wie lange sie sich schon suchend nach ihrem Spielkameraden umschaute. Die Schildkröte war verschwunden, als hätte sie sich in Luft aufgelöst.

Dafür lag der Korb, mit dem das Mädchen von zuhause losgezogen war, nur zwei Schritte entfernt. Die Shiitake-Pilze, die es bis von den Pasaniabaum gepflückt hatte, waren herausgepurzelt.

Rasch stand Mahó auf und sammelte die Pilze wieder ein. Mit dem halbvollen Korb machte sie sich zum nächsten Baum auf, dessen Pilzbewuchs besonders prächtige Exemplare hervorgebracht hatte. Das Shiitake-Aroma war unverkennbar. Mahó hatte ein feines Näschen, und so hätte sie den nahrhaften Parasiten selbst mit geschlossenen Augen gefunden.

Einfach der Nase nach, dachte sie lächelnd. Niemand aus ihrer Familie konnte Düfte auch nur annähernd so gut unterscheiden wie sie. Darauf war Mahó stolz.

Während sie also den Korb füllte, hielt sie immer wieder Ausschau, ob sie ihren Freund, die Schildkröte, nicht doch irgendwo erspähte. Zu ihrem Bedauern blieb das Tier jedoch verschwunden, und nach einer Weile kehrte Mahó auf den Pfad zurück, über den sie gekommen war. Ihre Mutter würde sich über die Pilze freuen und ein schmackhaftes Essen damit zubereiten.

Zufrieden schlenderte Mahó talwärts. Die Bucht lag still und malerisch unter ihr. Ein Paradies, das ihre Familie mit niemandem teilen musste.

Plötzlich hielt Mahó inne. Zuerst dachte sie, dass sie etwas gehört hätte, das ihre Aufmerksamkeit erregte. Aber während sie so dastand, wurde ihr bewusst, dass es kein Geräusch gewesen war, sondern … ein Duft.

Ein völlig neuer und so noch nie zuvor bemerkter Duft, den der Wind zu ihr trug.

Von einem Moment zum anderen erwachte ihre Neugier. Sie stellte den Korb auf den Weg und wandte sich in die Richtung, aus der der Geruch kam. Zuerst langsam, dann immer schneller werdend eilte sie der Quelle entgegen.

Doch alles, was sie fand, waren Steine. Ein ganzes Feld davon.

Nachdem sie noch ein Stück weitergegangen war, endete der Duft abrupt. Der Wind trug nichts mehr zu ihr heran.

Mahó lief ein paar Schritte zurück – und empfing das fremde Aroma wieder. Aber da war nur Geröll – Steine unterschiedlicher Größe, manche wie eine Faust, andere wie Bälle oder die Blöcke, die den Garten ihres Zuhauses umfriedeten.

Ratlos sah Mahó sich um. Nach einer Weile begriff sie, dass der Duft dem Boden entstieg. Sie bückte sich, schnupperte und fand die Stelle, wo er am intensivsten war. Fast wie von selbst begannen ihre Hände, Steine beiseite zu räumen.

Was dann geschah, traf sie wie ein Stich ins Herz.

Unter ihren Händen kam ein Gesicht zum Vorschein.

Für einen Moment vermochte sie es nicht einzuordnen. Doch dann schien sich ein Schalter in ihrem Kopf umzulegen, und sie war verzaubert von der Anmut des jungen Mannes, der wie schlafend unter den Steinen begraben lag.

Mahó schob den Gedanken, er könnte tot sein, weit von sich. Nein, der Verschüttete lebte und brauchte Hilfe! Mehr, als ein zartes Wesen wie Mahó ihm geben konnte.

Aber sie wusste, wohin sie sich wenden musste, um ihn zu retten.

„Warte – halte durch“, wisperte sie. „Ich bin bald zurück. Meine Brüder sind stark. Sie werden dir helfen!“

Mahó richtete sich auf, orientierte sich kurz und eilte dann dem Tempel entgegen.

Das Feuer loderte in einer tönernen Schale. Die Schale stand auf einem steinernen Sockel. Und daneben, auf einer Decke, kauerte ein alter Mann in einem dunklen Mönchsgewand, das aussah wie ein Ausschnitt des nächtlichen Firmaments. Helle Flecken im Schwarz erinnerten an Sterne.

Matt hatte mit Xij Deckung hinter einem Gebüsch bezogen. Wenn sie zurückblickten, sah es aus, als würde sich das Himmelszelt bis zum Horizont im Wasser der Bucht spiegeln. Bei genauerem Hinsehen war jedoch der Übergang zwischen den Reflexionen und tatsächlichen Lichtern am Boden zu erkennen.

Mit der rechten Hand bog Matt Zweige zur Seite, bis er freien Blick auf die Gestalt hatte, die gerade Holz nachlegte, um das Feuer in Gang zu halten. Funken stoben in die Höhe.

Der alte Mann zeigte sich davon...



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