Weigold | Der deutsche Tycoon | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 5, 608 Seiten

Reihe: Hollywood – Hardy Engel ermittelt

Weigold Der deutsche Tycoon

Hollywood 1932: Ein Fall für Hardy Engel
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-311-70628-1
Verlag: Kampa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Hollywood 1932: Ein Fall für Hardy Engel

E-Book, Deutsch, Band 5, 608 Seiten

Reihe: Hollywood – Hardy Engel ermittelt

ISBN: 978-3-311-70628-1
Verlag: Kampa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Privatdetektiv Hardy Engel würde für seine Freunde alles tun. Als einer von ihnen stirbt, verbeißt er sich in einen Mordfall, der bald schon legendär wird.

Als Hardy Engel 1920 nach Amerika einwanderte, bekam er dabei entscheidende Hilfe von seinem Landsmann Paul Levy, den er danach aus den Augen verlor. 1932 trifft Engel, inzwischen Privatdetektiv, ihn wieder. Levy ist unter dem Namen Paul Bern zu einem mächtigen Filmproduzenten von Metro-Goldwyn-Mayer geworden – und Ehemann von Hollywood-Superstar Jean Harlow. Mitten in der Weltwirtschaftskrise scheint es, als sei das Wiedersehen ein Glücksfall für den arbeitslosen Detektiv, der von Paul einen lukrativen Auftrag bekommt. Und auch für seinen Freund, den Barbesitzer Buck, der massive Schulden bei der Mafia hat. Doch dann liegt Paul ermordet in seiner Villa, und Hardy wird in einen Fall hineingezogen, der ihn fordert wie noch keiner zuvor und der alte Freundschaften infrage stellt …

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Prolog


Juli 1920

Nach Amerika einzuwandern, war erheblich schwieriger,als ich angenommen hatte.

Meine Auswanderung aus Deutschland hatte ich beschlossen, als ich im Frühjahr 1920 in Berlin nackt auf dem Fußboden eines Schlafzimmers lag und mehrere Kugeln über uns hinwegpfiffen, die mit lautem Klirren die Nachttischlampe meiner Gastgeberin zerdepperten. Abgefeuert hatten sie rechte Freikorps-Soldaten in einem höchst unübersichtlichen Bürgerkrieg, der später als »Kapp-Putsch« bezeichnet werden sollte und einige Tage andauerte. Die Exilrussin, die mich in ihrem Bett beherbergt hatte, wollte nicht schon wieder das Land wechseln, ich hingegen sehr wohl. Vier Jahre hatte ich als Weltkriegssoldat an der Front verbracht, und gegen Kriegsende, als ich nach einem Gasangriff einige Zeit blind im Lazarett lag, hatte ich mir geschworen, mein Leben zu ändern und meine Zukunft woanders zu suchen. Ich hatte Pläne gemacht, in Amerika neu anzufangen, und mir eine Karriere als Schauspieler in Hollywood vorgestellt. Von einem in New York lebenden, mir unbekannten Onkel hatte ich mir eine Bürgschaft schicken lassen, die ich für die Immigration brauchte. Jetzt war es so weit.

Bevor ich von Hamburg aus mit einem Atlantikdampfer in See stechen konnte, hatte ich allerdings noch ein paar Hindernisse zu überwinden. Ich hatte mich von meinen Eltern verabschieden wollen, doch zuvor erhielt ich die zutiefst schockierende Nachricht, dass sie bei einem Automobil-Unfall ums Leben gekommen waren. Als ihr einziges Kind kümmerte ich mich in unserer Heimatstadt Mannheim um die Beerdigung und die weiteren Formalitäten. Ein silbernes Zigarettenetui, das meine Mutter meinem Vater geschenkt hatte, steckte ich mir als Glücksbringer in die Tasche.

In Hamburg zeigte sich allerdings, dass es mir kein Glück brachte. Vielmehr begann meine Reise mit einem sehr schlechten Omen: Am Tag meiner Ankunft wurde mir in einer Hafenkneipe mein Geldbeutel gestohlen, ohne dass ich davon auch nur das Geringste mitbekam, während ich einen Teller wässrige Suppe aß. Darin hatte sich mein sämtliches Geld befunden, mit dem ich das Ticket für die Schiffspassage und die ersten Ausgaben in New York hatte bezahlen wollen. Alles, was mir geblieben war, waren neben der Bürgschaft das Zigarettenetui und meine Luger, unsere Pistole als Weltkriegssoldaten, die ich nach dem Waffenstillstand behalten hatte. Ich ging davon aus, dass ich auch weiterhin eine Waffe brauchen würde; spätestens in Amerika, und nicht nur als Glücksbringer. Dennoch hätte ich sie nun versetzt, aber der Erlös für meine Habseligkeiten hätte bei Weitem nicht für das Schiffsticket gereicht.

Ich bin jedoch niemals jemand gewesen, der schnell aufgibt.

An der Hafenmole kam ich mit einem ebenso abgebrannten Leidensgenossen ins Gespräch, und er brachte mich auf die Idee, mich als blinder Passagier an Bord eines Dampfers zu schmuggeln, und erklärte mir, wie genau man das anstellen musste. Morgens vor Tagesanbruch betrat ich die »Bremen« heimlich über eine schwankende Holzplanke und versteckte mich tief im Bauch des Dampfers im Kohlenkeller, der zu drei Vierteln gefüllt war. Nach einer Zeit, die mir endlos erschien, legte das Schiff ab und war bald schon auf hoher See. Es schwankte gewaltig, und wenn ich von dem Laib Brot aß, den ich als Wegzehrung eingesteckt hatte, kam es mir sofort wieder hoch. Wie sich auf der Fahrt herausstellte, waren hier unten ungefähr ein halbes Dutzend weitere Illegale versteckt. Wir teilten unsere kargen Vorräte und malten uns die paradiesische Zukunft in der Neuen Welt aus. Einmal betraten Schiffsoffiziere mit Lampen den Kohlenkeller und suchten ihn ab, doch wir lagen ganz hinten und waren mittlerweile am ganzen Körper so schwarz, dass wir mit geschlossenen Augen nicht entdeckt werden konnten.

Auf halber Strecke der Überfahrt gingen uns die Essensvorräte aus. Ich war Hunger von der Front her gewohnt, doch die Zeit bis zur erwarteten Ankunft in New York war einfach zu lang. So verließ ich irgendwann den Keller und betrat vorsichtig das Deck. In den Mannschaftsräumen konnte ich mich säubern, dann machte ich mich auf Nahrungssuche. Ein Schiffskoch steckte mir mildtätig etwas zu, doch auf dem Rückweg verstellte mir plötzlich ein Steward in einer weißen Uniform den Weg.

»Ihren Fahrschein, wenn ich bitten darf!«, sagte er und musterte meine schäbige, immer noch fleckige Kleidung. Da ich keinen vorweisen konnte, trieb er mich mit vorgehaltener Waffe vor sich her und sperrte mich in eine Kabine. Dort hatte ich mich für den Rest der Reise aufzuhalten und wurde mit Mannschaftsrationen versorgt, sodass ich keinen Hunger mehr leiden musste. Ich konnte mich richtig ausschlafen und den Gedanken hingeben, was nach meiner Ankunft weiter geschehen würde. Ich machte mir keine großen Sorgen, ich hatte ja eine Bürgschaft.

Es war ein höchst bewegender Moment, als die Freiheitsstatue in Sicht kam. Durch das Bullauge sah ich sie aus dem Nebeldunst auftauchen, die Fackel sieghaft und optimistisch in den Himmel gereckt, dann zeichnete sich dahinter die Skyline von Manhattan mit ihren Wolkenkratzern ab. Als der deutsche Dampfer in Hoboken auf der New-Jersey-Seite anlegte, blickte ich staunend auf die neuen, riesigen Häuser und breiten Avenuen an Land, so nah, dass ich beinahe hätte hinüberspringen können. Nachdem die Passagiere der ersten und zweiten Klasse ohne weitere Kontrolle von Bord gegangen waren, wurden die der dritten Klasse scharf überprüft und dann alle ausländischen Neuankömmlinge mit Booten nach Ellis Island verschifft, der Nachbarinsel von Liberty Island. Auch ich und einige andere blinde Passagiere waren unter Bewachung von Polizisten dabei. Das riesige Gebäude der Einwanderungsbehörde erinnerte mich an mein Mannheimer Gymnasium. Drinnen geleitete man mich durch das vielsprachige Gewimmel der wartenden und bangenden Menschen hindurch direkt in einen Verhörraum. Ich stellte mich den streng blickenden uniformierten Beamten mit ein paar englischen Sätzen vor, die ich unterwegs eingeübt hatte, und zog sofort meine Bürgschaft heraus. Doch mein Dolmetscher schüttelte bedauernd den Kopf: »Sie sind als blinder Passagier ertappt worden, Sir. Blinde Passagiere dürfen grundsätzlich nicht in die Vereinigten Staaten von Amerika einreisen.«

Mir war, als zöge man mir den Boden unter den Füßen weg.

»Und was geschieht nun mit mir?«

»Sie werden auf das nächste abgehende Schiff gesetzt und fahren damit zurück in Ihre Heimat.«

»Aber das ist nicht mehr meine Heimat. Und ich bin doch nun schon einmal hier!«

Es half alles nichts. Einige Tage später sah ich New York und die Freiheitsstatue wieder im Dunst verschwinden, ein unbeschreiblich deprimierender Anblick, und nur eine Woche nach meiner Ankunft in Amerika ging ich in Hamburg an Land. Meine Stimmung war düsterer als jeder Kohlenkeller. Die Stadt wirkte im Vergleich äußerst rückständig, um mehrere Jahrhunderte hinterher, und die Deutschen erschienen mir wie knorrige Horrorfiguren aus einem verwunschenen Märchenland, verglichen mit den gesunden, rotbackigen Amerikanern, die mich abgewiesen hatten.

Aber man weist Reinhard Engel nicht einfach ab.

Ich war entschlossen, es noch einmal zu versuchen. Immerhin war ich Sergeant der kaiserlichen Armee a.D. und hatte einige erfolgreiche militärische Operationen geplant, auch wenn wir den Krieg verloren hatten. Aber nun würde ich zu den Siegern überwechseln, das war ja der ganze Sinn meines Vorhabens.

Kurzzeitig überlegte ich, kriminell zu werden, um mir das nötige Geld zu beschaffen, aber dann überließ ich das Verbrechen anderen – für den Rest meines Lebens. Mir ein Ticket durch meiner Hände Arbeit zu verdienen, war leider vollkommen aussichtslos, wenn ich nicht viele Monate damit verlieren wollte. Ich kabelte meinem amerikanischen Onkel, ob er mir Geld schicken könne, erhielt aber keine Antwort. So beschloss ich, die Atlantiküberquerung erneut als blinder Passagier anzugehen und mich diesmal schlicht nicht erwischen zu lassen. Ich hörte mich gründlich um und bekam den Tipp, mein Glück nicht auf einem deutschen, sondern auf einem amerikanischen Schiff zu versuchen. Die Kontrollen seien dort nicht so streng und die amerikanischen Offiziere im Fall der Fälle ja alle selbst Einwanderer oder Söhne von welchen, man könne unter Umständen eher mit ihnen reden.

Die S.S. Ulysses mit Heimathafen in Hoboken, New Jerseyerschien mir als genau die richtige Barke für die zweite Überfahrt. Wieder schmuggelte ich mich an Bord, diesmal versteckte ich mich nicht in den Kohlen, sondern bei den Kaminen. Als der Dampfer Fahrt aufnahm, wurde es dort jedoch so heiß, dass ich auf das Deck der dritten Klasse flüchtete. Meine Seekrankheit meldete sich wieder, und da ich die meiste Zeit über der Reling hing, entging ich erst einmal heiklen Nachfragen. Ich schlief bei den Rettungsbooten und kam so – leidend, hoffend und bangend – einige Tage durch. Als ich eines Morgens erwachte, war die See spiegelglatt, und mir ging es prächtig. Ich spazierte an Deck, blickte über die Weiten des glitzernden Atlantiks bis zum Horizont und stieß in einem Moment der Unachtsamkeit mit einem Passagier der dritten Klasse zusammen.

»Können Sie nicht aufpassen?«, schimpfte der Mann auf Deutsch und nahm mich misstrauisch in Augenschein. Im Vergleich zu mir war er gut gekleidet, und sein Schnauzbart zitterte vor Erregung. »Zeigen Sie mir mal Ihr Ticket!«

Ich entschuldigte mich wortreich für den Zusammenstoß und fügte hinzu: »Ich bin sicher, wir können das anders regeln.«

»Auf keinen Fall!«, sagte der Mann empört. »Ich habe für meine Reise bezahlt, und das sollte jeder andere auch. Ich muss Sie...


Weigold, Christof
Christof Weigold, 1966 in Mannheim geboren, schrieb Theaterstücke, war fester Autor der Harald-Schmidt-Show und arbeitet heute als freier Drehbuchautor für Film und Fernsehen. 2018 erschien der erste Band der Reihe um den deutschen Privatermittler Hardy Engel, Der Mann, der nicht mitspielt. Weigold gewann damit den Preis des Mordsharz-Festivals für das beste deutschsprachige Debüt und war für den Glauser-Preis nominiert. Es folgten drei weitere Teile: Der blutrote Teppich, Die letzte Geliebte und Der böse Vater. In Das brennende Gewissen ermittelt zum ersten Mal der Fallanalytiker Felix Petry, der wie Christof Weigold in München lebt.



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