Buch, Deutsch, Band 4, 160 Seiten, Format (B × H): 125 mm x 200 mm
Reihe: Mystik
Herausgegeben von Gerhard Wehr | Spirituelles Erleben in lyrischer Gestalt | Die erste mystische Schrift deutscher Sprache
Buch, Deutsch, Band 4, 160 Seiten, Format (B × H): 125 mm x 200 mm
Reihe: Mystik
ISBN: 978-3-7374-1273-5
Verlag: Marix Verlag
Mechthild von Magdeburg gilt als weithin leuchtender Stern in der mittelalterlichen Frauenmystik. Die hochgebildete, sprachmächtige Dichterin erregte mit ihren empfindsamen Schriften und mit ihrer Kritik am zeitgenössischen Ordensleben ein solches Aufsehen, dass sie sich zurückzog und vierzig Jahre als Begine im Kloster Helfta verbrachte. Bereits in jungen Jahren machte sie Erfahrungen einer unmittelbaren Präsenz des Göttlichen, die zu einer tiefen Auseinandersetzung mit ihrer religiösen Überzeugung führten. Ihre glühende Gottesliebe äußerte Mechthild von Magdeburg in einer für ihre Zeit unvergleichbaren Rhetorik. In Anlehnung an das biblische Hohelied formuliert sie erstaunlich selbstbewusst erotische Bilder und Vergleiche. Ihre Schilderungen eines spirituell-intimen Erlebens sind von poetischen Geständnissen durchzogen, die dazu einladen, den Seelenwegen der immer noch neu zu entdeckenden Mystikerin und Poetin nachzugehen. Zunächst führt Gerhard Wehr in das Leben der Beginen im Mittelalter ein und zeigt tiefgläubige und zugleich mitten im Leben stehende, vielseitig tätige Frauen. Diesem folgt eine Auswahl von Texten aus dem einzigartigen Werk Mechthilds, die auf der maßgeblichen, 1869 erstmals veröffentlichten Ausgabe der einzigen vollständigen Handschrift aus dem schweizerischen Kloster Einsiedeln basieren.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Einführung
Frauen im Stromgebiet mystischer Erfahrung
Vom lateinischen zum volkssprachlichen Glaubenszeugnis
Mechthild, eine Troubadoura der Gottesminne
Eine unbekannte Begine
Mechthilds Buch
Zu den vorliegenden Texten „Das Fließende Licht der Gottheit“ gibt sich kund
Das umstrittene Buch
Vom Ursprung her
Auf dem Weg zur mystischen Hochzeit
Zur Hofreise der Seele
Wie die Seele Gott rühmt
Die aus Lust und Schmerz gebildete Seele
Innere Zwiesprache
Wundersame Vorbereitung
Mit der Engelchöre Hochgesang
In der Sphäre der Vereinigung
Nachspiel der Minneflut
Von Sankt Mariens Botschaft
Unterwegs zu dem Einen Worte des Geleits und der Weisheit
Die Christenheit in Licht und Schatten
Zeugnisse der letzten Lebenszeit
Allezeit mit Gott vereint sein
Wie ein Mensch Gott suchen soll
Gotteslob mit allen Kreaturen
Gleichnis vom Arbeiter
Einem Pilger gleich
Zu den sieben Tagzeiten
Mariengruß
In demütiger Gesinnung
Wesenszüge der Liebe
Das Herz des geistlichen Menschen
Sieben Dinge zu Gottes Ehre
Unter die Hand Gottes gebeugt
Epilog: Ein wenig vom Paradies
Literatur
„Das Fließende Licht der Gottheit“ gibt sich kund Wie schon aus den in der Einführung zitierten Wortlauten ersichtlich, umkreist die Dichterin in der Art augustinischer Meditationen die beiden Pole „Gott und die Seele“. Es ist die Seele, die sich in der Gottsuche einerseits verzehrt, andererseits erst durch sie die letzte Erfüllung findet, indem sie sich in liebender Hingabe mit der ersehnten göttlichen Dreifaltigkeit vermählen lässt: Ein jede Ordnung sprengender Liebesakt, der – von zaghafter Hinneigung über das jubilierende Liebesspiel der „spilenden minnevluot“ bis zur seligen Einung reicht, die auch „mystische Hochzeit“ oder „unio mystica“ genannt wird. Es ist das Hochziel der Mystik überhaupt, für Mechthild niedergelegt in einer „teilweise mehr oder weniger als eine Autobiographie [anzusehende] Seelengeschichte“ (M. Schmidt). Doch zunächst eine Besinnung auf die Seele selbst. Es handelt sich um Zeugnisse, die zum Teil schon am Eingang des Buches stehen und die in späteren Abschnitten von Neuem aufgenommen werden. Dabei mag auf sich beruhen, ob oder inwieweit Mechthilds Berater eine gewisse Anordnung der lose aneinander gereihten Textstücke getroffen haben. Bedrückendes und Erhebendes an Leib und Seele, Geständnis der Qual und Lobpreis scheinen schon hier ineinander überzugehen. Von daher fällt auch ein Licht auf die momentane seelische Verfassung der Autorin: Mein Leib bebt in großer Qual, meine Seele schwebt in hoher Wonne, denn ihren Liebsten hat sie erschaut und mit ihren Armen umfangen allzumal. Von ihm hat die Ärmste ihre Qual. Empor zieht er sie und sie zerfließt. Sie kann sich nicht zurückhalten, bis er sie in sich hineinzieht. Wohl spräche sie gerne, aber sie kann es nicht. So ist sie gar hineingebunden und vereinigt in und mit der wundersamen Dreifaltigkeit. Dann (über)lässt er sie (sich) ein wenig, dass sie (eigenständig und von sich aus) begehren könne … So sieht sie ihn an und spricht zu ihm: Herr gib mir deinen Segen. – So sieht auch er sie an und entrückt sie wieder. Er gibt ihr seinen Gruß, den der Leib nicht aussprechen kann. (I, 5). Wie sehr Mechthild dabei noch am Anfang ihrer weiteren Seelenentwicklung stand und welchen Beschwernissen sie standzuhalten hatte, entnimmt man Schilderungen ihrer spirituellen Autobiographie, von der im vierten Buch zu lesen ist: Vom Gotte wusste ich (anfangs) nicht mehr als unsern Christenglauben allein. Ich mühte mich, mein Herz zu reinigen. Gott selber ist mein Zeuge, dass mein Wunsch und Wille nie nach jenen Dingen stand, die in diesem Buche vorkommen, dass er sie mir geben sollte. Auch gedachte ich nie, dass dergleichen den Menschen (überhaupt) geschehen möchte. Solange ich bei meiner Verwandtschaft und lieben Freunden lebte, erfuhr ich diese Dinge nie. Doch hatte ich schon lange verlangt, einmal schuldlos geschmäht zu werden.




